Deutschland misshandelt seine Kinder

von Michael Tsokos und Saskia Guddat
4,4 Sterne bei47 Bewertungen
Deutschland misshandelt seine Kinder
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Neue Kurzmeinungen

Rommelbachbuechers avatar

Schwere Kost, aber sehr lesenswert.

B

Erschreckend und aufklärend

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Inhaltsangabe zu "Deutschland misshandelt seine Kinder"

Jeden Tag werden in Deutschland mehr als 500 Kinder von Erwachsenen aus ihrem familiären Umfeld misshandelt. Fast jeden Tag wird ein Kind durch körperliche Gewalt getötet. Das deutsche Kinder- und Jugendschutzsystem versagt mit grausamer Regelmäßigkeit. Die Rechtsmediziner der Berliner Charité Michael Tsokos und Saskia Guddat decken gravierende Missstände auf. In dieser erweiterten Taschenbuchausgabe liefern sie bisher unveröffentlichte Belege für die dramatische Steigerungsrate kindlicher Misshandlungen und zeigen, wie wir die Gesundheit und Rechte der Kinder besser schützen können.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783426786376
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:Knaur Taschenbuch
Erscheinungsdatum:27.05.2015

Rezensionen und Bewertungen

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    Buecherseele79s avatar
    Buecherseele79vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Alleine die Zahlen in diesem Buch sind absolut erschreckend! Da versagt ein ganzes System! Deutschland schäm dich!!!
    Sowas machen die Eltern doch nicht!!!

    Diesen Satz liest man ständig in diesem Buch, obwohl es mehr als offensichtlich ist dass ein Kind misshandelt wurde...und es hinterlässt mich sprachlos.
    Jährlich werden in Deutschland 200 000 Kinder misshandelt, viele mit Folgeschäden, viele erleiden einen grausamen Tod, viele werden wieder in ihre "Folterfamilien" zurückgeschickt- denn nur im Schosse der Familie wächst ein Kind "behütet" auf....
    Das Buch von Michael Tsokos und Saskia Guddat beschreibt sehr dringlich und mit vielen Fällen die einen bekannt vorkommen(leider!!!)  wie ein ganzes System in Deutschland versagt.
    Egal ob als Bürger selbst, die Ämter, Richter, Ärzte, Kliniken, Schutzhäuser- es geht hier nicht um die Kinder die misshandelt werden sondern eher um den eigenen Ruf, die eigene Angst.
    Und immer wieder ein Lichtblick dass Eltern die kurz vor einem Missbrauch stehen sich Hilfe suchen, dass angebliche Gewalt gegen Kinder auch eine Erbrankheit sein kann, dass es auch Eltern aus jeglichen Schichten gibt die ihren Kindern nur das Beste ermöglichen wollen!
    Dieses Buch zeigt aber nicht nur die Fälle auf sondern auch Wege aus dieser aussichtlosen Situation- egal ob Gesetzenänderungen, bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder jedes Alters, Aufhebung der Schweigepflicht und mehr Schutz für die Opfer- in diesem Fall das wertvollste Glück auf dieser Erde- unseren Kindern.
    Denn jedes Kind hat ein Leben in Unversehrtheit, mit Liebe, Bildung, Freundschaft verdient!
    Ich spreche hier eine absolute Leseempfehlung aus und finde auch- dieses Buch sollte jede Stelle lesen die mit Kindern direkt zu tun hat.
    Gerade unsere Politik die in dieser Hinsicht mehr Blödsinn als Lösungen von sich gibt!

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    melli.die.zahnfees avatar
    melli.die.zahnfeevor 3 Jahren
    Sprachlos

    Jeden Tag werden in Deutschland mehr als 500 Kinder von Erwachsenen aus ihrem familiären Umfeld misshandelt. Fast jeden Tag wird ein Kind durch körperliche Gewalt getötet. Das deutsche Kinder- und Jugendschutzsystem versagt mit grausamer Regelmäßigkeit. Die Rechtsmediziner der Berliner Charité Michael Tsokos und Saskia Guddat decken gravierende Missstände auf. In dieser erweiterten Taschenbuchausgabe liefern sie bisher unveröffentlichte Belege für die dramatische Steigerungsrate kindlicher Misshandlungen und zeigen, wie wir die Gesundheit und Rechte der Kinder besser schützen können. Dieses Buch hat mich schockiert und sprachlos zurückgelassen. Oh Mann dagegen ist Chris Carter ein Oberweichei ! Und all dies passiert wirklich , es ist kein ausgedachter Thriller verdammt ! in Deutschland ! Ich finde es gut und mutig dass Herr Tsokos und Frau Guddat dieses Buch geschrieben haben , wenn jemand Gehör in diesem Metier findet dann Herr Tsokos ist er doch mittlerweile durch seinen Ausflug mit Herrn Fitzek recht bekannt als Autor. Als Gerichtsmediziner steht seine Kompetenz natürlich auch ausser Frage. Schade dass dieser Berufszweig im täglichen Leben so wenig Gehör findet!!!! Im Thriller oft derjenige der den entscheidenden Hinweis zeigt...warum bitte nicht auch im täglichen Leben ? Es muß sich etwas ändern in Deutschland soviel steht fest.Also ich werde noch lange über dieses Buch nachdenken müssen und als Fazit kann ich es eigentlich nur jedem Menschen ans Herz legen. Egal welcher Beruf jeder hat irgendwo Familie, Nachbarn, die Kinder haben Schulfreunde ...Kinder können sich selber nicht schützen und wehren!!

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    RebekkaTs avatar
    RebekkaTvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Es wäre so einfach Kinder zu retten! 200000 Opfer von Gewalt durch Erwachsene...
    Erschreckend

    Fassungslos starre ich die Zahlen in dem Buch an! Noch fassungsloser bin ich über die Macht und Handlungsweisen von Jugendämtern, entweder zu spät oder zu früh - und dann decken sich die auch noch alle. Das sitzt ein Richter und sagt: "Die Mutter sieht doch ganz lieb aus, das hat sie bestimmt nicht gemacht!" obwohl das gerichtsmedizinische Gutachten nicht lügt und dann bekommt die Täterin das Kind einfach wieder und kann munter weiter machen.

    Es wird von echten Fällen geschrieben, die unter die Haut gehen, die mich zu Tränen rühren und fassungslos zurück lassen. Nicht nur die Frage "In was für einer Welt leben wir eigentlich?", auch ist z.B. das Adoptionsrecht veraltet und ungerecht. Da sitzt eine Mutter, die ihr Kind fast umbringt, für dieses Kind wird ihr das Sorgerecht entzogen, zack ist die Dame wieder schwanger und das neue Kind somit auch in Gefahr. Bist Du 42 Jahre alt, hast einen guten Job, ein Haus, genug von der Welt gesehen und hast halt das Pech, keine eigenen Kinder zu bekommen, bekommst Du kein Baby, weil Du ja zu alt bist!

    Ich hoffe sehr, dass sich bald an den skandinavischen Ländern orientiert wird. Klar bin ich auch nicht für die totale staatliche Kontrolle, aber einfach vernünftig ausgebildete Erzieher/-innen mit endlich angepasstem Gehalt für das was sie tun, dann KiTas mit längeren Öffnungszeiten und ein Hand-in-Hand- Arbeiten mit den Eltern, was bei dem gegenwärtigen Schlüssel einfach nicht möglich ist. Nicht umsonst ist in den skandinavischen Ländern Kindesmisshandlung kaum möglich...

    Mich hat das Buch zutieft bewegt und aufgerüttelt: jeden Tag werden Kinder misshandelt, vielleicht auch in Deiner Nachbarschaft? Warum sind die Fenster plötzlich zugeklebt? Warum hat das Nachbarkind schon wieder komische Verletzungen?
    Es soll mich keiner falsch verstehen, manche Kinder fallen ständig oder haben tatsächlich Geschwisterkinder, die sehr grob sind (ich habe vier Jungs, hier haben wir auch alle möglichen Verletzungen durch), ich will keinen Generalverdacht gegen die Eltern,l - ich will einfach, dass jeder einfach etwas mehr aufpasst und bei Gefahr handelt! Wer das nicht tut, macht sich strafbar und kann bis zu 5 Jahren ein Gefängniss besuchen...

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    W
    WinfriedStanzickvor 3 Jahren
    Nichts hat sich getan



    Es ist sicher kein Zufall, dass es zwei Gerichtsmediziner sind, die diesen Aufschrei veröffentlichen, der mit unzähligen Beispielen das Versagen des deutschen Kinder- und Jugendschutzsystems anklagen und beschreiben. Warum so könnte man fragen, ist nicht schon längst von einem mutigen Sozialarbeiter oder Familienrichter eine solche Anklage formuliert worden?

    Statt dessen weisen die beiden Autoren nach, das und wie von vielen Fällen auch bei klar auffälligen Misshandlungen die mit den Fällen betrauten Sozialarbeiter oder Mediziner nicht handeln, sondern die Täter schützen und damit die wehrlosen Opfer weitere Torturen überlassen.

    Welche oft grausamen Misshandlungen das sind, soll hier nicht weiter beschrieben werden. Sie sind einer humanen und demokratischen Gesellschaft unwürdig, Dabei haben die beiden Autoren lediglich die körperlichen Verletzungen dokumentiert, die ihnen als Gerichtsmediziner unter die Augen kamen. Von den psychischen und sexuellen Misshandlungen an Kindern in unserem Land ist hier gar nicht Rede. Und viele Fachleute versichern, dass das nur die Spitze eines Eisberges sei …

    Eine große Aufgabe für die neue Familienministerin.
    Die hier vorliegende aktualisierte Taschenbuchausgabe zeigt, dass sich noch rein gar nichts getan hat.

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    KyraCades avatar
    KyraCadevor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Erschütternd. Macht wütend, traurig und irgendwie hilflos. Sehr zu empfehlen!
    Die Recht der Kinder


    Jährlich werden über 200.000 Kinder in Deutschland misshandelt. Die Dunkelziffer dabei ist noch erheblich größer. Die beiden Rechtsmediziner Saskia Guddat und Michael Tsokos haben oft mit solchen Fällen zu tun und kämpfen dabei gegen Windmühlen. Viele Richter und Kinderärzte versagen, die Jugendämter sowieso, da sie die Misshandler schützen und ihnen einfach weiterhin die Kinder anvertrauen, die teilweise bis zur Schwerbehinderung oder gar zum Tod gequält werden.

    Mit einigen Beispielen erzählen die beiden aus ihrem beruflichen Alltag, wo man den Tod eines Kindes hätte verhindern können, wo Kinderärzte versagt haben, weil es doch einfach nicht sein kann, dass Eltern ihren leiblichen Kindern so etwas antun. Sie erzählen von Jugendämtern, die faul und überfordert in ihren Büros hocken, zu viel auf dem Tisch haben und sich gar nicht um die einzelnen Fälle wirklich kümmern können – das geht so weit, dass einer Sozialarbeiterin über Monate hinweg das falsche Kind vorgeführt wird, während das eigentlich betroffene Mädchen im Nebenzimmer liegt und stirbt. Wie Ämter und Behörden die Augen verschließen ist eines der Themen, mit denen sich Tsokos und Guddat auseinandersetzen.

    Dabei wird aber nicht blind verurteilt, denn beide Seiten sind bekannt und so gibt es zahlreiche Lösungsvorschläge, die Deutschland einfach nur mal in Angriff nehmen müsste, aber hier haben die Familienminister der letzten Legislaturperioden klar versagt mit einer Scheinpolitik, die nichts bringt. Man möchte van der Leyen, Schröder und wie sie alle heißen mal für eine Woche mit in diese Familie nehmen, mit zu misshandelten Kindern, in die Gerichtssäle, in denen Eltern, die klar ein Kind misshandelt haben, aber sich gegenseitig in Schutz nehmen, freigesprochen werden.

    Es muss etwas geschehen – was genau, das sagen die beiden Berliner Rechtsmediziner auch sehr deutlich. Dennoch hat man das Gefühl, dass ihre Worte, so wichtig und richtig sie auch sind, nur ungehört verhallen werden.

    Jedes Kind hat das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Das sehen scheinbar über 200.000 Elternpaare anders.

    Das Buch erschüttert, macht wütend, machtlos und ohnmächtig. Teilweise hatte ich Tränen in den Augen und hoffte beinahe, es sei nur ein ganz abscheulicher Thriller, den ich da in der Hand halte. Leider ist es aber grausame Realität. Unverständlich, wie Eltern ihrem eigen Fleisch und Blut diese Dinge antun können. Aber sie geschehen, tagtäglich in unserem Land, unserer Stadt, vielleicht sogar der Nachbarschaft und wir schauen weg.

    Eine absolute Empfehlung für jeden.

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    SuSas avatar
    SuSavor 4 Jahren
    Deutschland misshandelt seine Kinder

    Ein kurzer Einblick

    Blutergüsse, komplizierte
    Frakturen, Unterernährung, Schütteltrauma, Bisswunden, Verbrennungen… Als das
    sind Verletzungen, die Babys und Kleinkinder erleiden, wenn den Eltern und/oder
    Betreuern die Nerven durchgehen und die staatlichen Einrichtungen zum
    Kindeswohl mit ihrer Arbeit versagen.

    Bewertung

    Die Autoren berichten über dieses schreckliche Thema mit schonungsloser Ehrlichkeit. Sie benennen Beispiele von Misshandlungen, die ich keinem Erwachsenen wünschen würde. Dadurch werden dem Leser sehr gut die Augen für die Missstände geöffnet und auch der Unterschied zum berühmten „Klaps auf dem Po“ wird klar.

    Im Großteil des Buches wird das Versagen der verschiedenen, am Kinderschutzsystem beteiligten, Personen angeklagt: Allen voran die Eltern, aber auch Erzieher und Erzieherinnen der Kindertagesstätten, Jugendamtmitarbeiter und solche der freien und öffentlichen Jugendhilfe, Kinderärzte und Richterinnen und Richter. Fehlt es den Ärzten an einer rechtsmedizinischen Ausbildung, welche sie Misshandlungsspuren besser erkennen lassen würde, gibt es bei der Jugendhilfe und dem Jugendamt neben dem permanenten Personalnotstand zumeist entweder unerfahrene und überforderte Berufsstarter oder desillusionierte Mitarbeiter, die von dem gesamten Missstand des Systems so kaputt sind, dass sie nur noch antriebslos handeln. Nimmt man Täter- statt Opferschutz hinzu und bedenkt mangelnde Gelder ist die große Hilflosigkeit komplett, die dieses Land befallen hat. Die Autoren sagen zwar durchaus, dass es auch motivierte und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Jugendämtern etc. gibt, jedoch sieht und hört man in immer wiederkehrenden Nachrichtenberichten, dass das System andauernd erneut versagt.

    Hierbei sind aber nicht nur Babys und Kleinkinder betroffen, sondern es betrifft auch die immer mehr zunehmende Gewalt unter Vorschulkindern und Jugendlichen. Denn die Autoren sagen, wenn Kinder zuhause die Schwachen sind, psychisch unter Druck gesetzt werden und/oder Prügel einstecken müssen, versuchen sie diese „Opfer- und Ohnmachtserfahrungen durch Täter- und Machterlebnisse unmittelbar zu überschreiben.“ (Seite 27) Sie werden selber zu Schlägern. Abhängig von der Mentalität betrifft dies sicherlich nicht jedes Kind oder jeden Jugendlichen. Vielleicht erkranken sie „nur“ an Depressionen oder einer Angststörung.

    Man kann sich auch durchaus darüber streiten, ob einige Buchpassagen zu polemisch verfasst sind, doch „Deutschland misshandelt seine Kinder“ ist nichtsdestotrotz ein sehr gutes Buch, um öffentliche Diskussionen anzuregen (z.B. bei Stern TV) und die Menschen darauf zu sensibilisieren, vor den Missständen im Kinderschutzsystem nicht die Augen zu verschließen, um hinterher dann immer wieder entsetzt fragen zu müssen, wie so etwas passieren konnte.

    Was ich sehr gut finde, ist, dass aber nicht nur die Fehler des Systems Kinderschutz angeprangert, sondern auch Lösungsvorschläge aufgezeigt werden. Im letzten Kapitel werden auch nochmals Alarmzeichen und Warnhinweise konkret zusammengefasst, die auch Laien helfen, Misshandlungs- von z.B. Sturzverletzungen zu unterscheiden. Sehr schön finde ich auch, dass darauf eingegangen wird, dass manche Verletzungen, die so aussehen als stammen sie von Misshandlungen, Folgen einer bisher unerkannten Erkrankung sein können, wie z.B. Gerinnungsstörungen oder Leberentzündungen. 

    Fazit

    Das Thema Kindesmisshandlung geht alle Menschen an. Die Autoren haben mit diesem Buch ein wichtiges und vor allem aufrüttelndes Buch geschrieben, das einen nicht nur privat dazu anstiftet, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, sondern auch alle in den entsprechenden Institutionen arbeitenden Menschen entsprechend sensibilisieren soll, kann und muss.

    Allerdings sollte solch ein Buch auch unbedingt für den kleinen Geldbeutel erhältlich sein. Knapp 20 € sind sicherlich für einige Menschen ein stolzer Preis und sie werden es sich zweimal überlegen, ob sie das Buch kaufen.

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    Kerrys avatar
    Kerryvor 4 Jahren
    Wenn auf dem Grab jedes Ermordeten eine Kerze brennen würde, wären Friedhöfe nachts hell erleuchtet

    Kindesmisshandlung, ein Thema, das in Deutschland nach wie vor ein Tabu-Thema ist. "Mir hat das auch nicht geschadet", eine häufige Aussage von heutigen Erwachsenen, die selbst Gewalt in ihrer Kindheit erlebt haben, doch die Fakten sprechen eine andere Sprache. Laut offizieller Polizeistatistik sterben in Deutschland jede Woche drei Kinder durch Misshandlung, siebzig werden so schwer misshandelt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Doch diese Zahlen sind nur die offiziellen Zahlen, die Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher anzusetzen. Geht man jedoch davon aus, dass "nur" 50 Prozent der Gewaltdelikte an Kindern nicht bemerkt werden (was jede zweite Misshandlung wäre und damit eigentlich vollkommen unrealistisch, solch eine geringe Prozentzahl anzunehmen) könnte man sagen, dass jeden Tag in Deutschland ein Kind an den Folgen von Misshandlungen stirbt und mehr als 200.000 Kinder jährlich misshandelt werden.


    Michael Tsokos und Saskia Guddat haben sich daran gemacht, diese Thema aus rechtsmedizinischer Sicht aufzuarbeiten, denn sie sind es, die schlussendlich die Fälle, die bekannt werden, "begutachten" bzw. obduzieren und was sie dabei Tag für Tag sehen und erleben müssen, grenzt an Unmenschlichkeit gegenüber den schwächsten Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft. Kindesmisshandlung kommt in allen Gesellschaftsschichten vor, egal, ob in Familien mit Migrationshintergrund oder Akademikerfamilien, Fakt ist, die Opfer sind immer Kinder und Jugendliche und die Täter fast immer Eltern- bzw. Stiefelternteile. Wer die Meinung vertritt "Eine Mutter tut so etwas nicht", der irrt, denn es sind nachweislich die Mütter und Väter, die ihre Kinder verletzten oder gar töten. Seit dem Jahr 2000 hat jedes Kind in Deutschland ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung - die Realität sieht anders aus.


    Schlussendlich ist es die Aufgabe der Rechtsmedizin, Fakten zusammen zu tragen, wenn Eltern und ggf. das Jugendamt versagt haben und ein Kind zu Schaden/Tode kam. Doch die Rechtsmedizin kann auch entlasten. In dem Buch wird ein Fall benannt, in dem ein sechs Wochen alter Säugling 23 Knochenbrüche aufwies. Auf den ersten Blick sah alles nach Kindesmisshandlung aus, zumal der Kindsvater bereits Vorstrafen in Sachen Gewaltdelikte hatte. Hier konnte die Rechtsmedizin helfen und klären, dass dieses Kind keinesfalls von seinen Eltern misshandelt wurde, sondern an der Glasknochenkrankheit leidet, was den Eltern die Möglichkeit gab, frühzeitig mit Therapien zu Gunsten ihren Kindes zu beginnen. Doch solche Fälle sind selten, meistens sind es Verletzungen, die keinen anderen Schluss zulassen, als dass die Eltern ihr eigen Fleisch und Blut misshandelt haben. Viel muss getan werden, um diesen Missstand in Deutschland (und weltweit) auszumerzen.



    "Wenn auf dem Grab jedes Ermordeten eine Kerze brennen würde, wären Friedhöfe nachts hell erleuchtet"! Dieses Buch klärt auf und beschönigt nichts, denn bei Kindesmisshandlung gibt es nichts zu beschönigen! An Hand diverser Fälle wird aufgeführt, wie Eltern und staatliche Stellen versagt haben, in denen schlussendlich Kinder zu Schaden/Tode kamen. Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass hier Lösungsansätze aufgezeigt werden. Gäbe es zum Beispiel eine generelle Obduktionspflicht für verstorbene Kinder und Jugendliche, würden viele Misshandlungen entdeckt werden und die Verursache endlich zur Rechenschaft gezogen. Wenn bekannt wäre, wie hoch die Zahl der Misshandlungen wirklich ist (was mit Hilfe einer Obduktionspflicht zumindest bei getöteten Kindern und Jugendlichen deutlichere Zahlen hervorbringen würde), müssten sich die Gerichte und die Gesellschaft sich endlich den Tatsachen stellen und zwar, wie viele Kinder und Jugendliche tatsächlich in Deutschland durch Misshandlungen sterben, ein Tabu-Thema, das endlich zur Sprache gebracht werden müsste. Ich muss gestehen, dieses Buch hat mir die Augen geöffnet, denn es zeigt auch mir, als einfachem Bürger an, was ich tun kann, wenn ich mitbekommen sollte, das ein Kind in meinem Umfeld misshandelt wird und wenn ein jeder so handeln würde, wie in diesem Buch beschrieben, um Kindesmisshandlungen ein Ende zu setzen, vielleicht, nur vielleicht, wäre die Welt dann ein Bisschen besser.

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    KruemelGizmos avatar
    KruemelGizmovor 4 Jahren
    Rezension zu Deutschland misshandelt seine Kinder

    Jeden Tag werden in Deutschland mehr als 500 Kinder von Erwachsenen aus ihrem familiären Umfeld misshandelt. Fast jeden Tag wird ein Kind durch körperliche Gewalt getötet. 

    Diese Buch sollte jeder Erwachsene gelesen haben, es ist erschreckend was Kinder in diesem "zivilisierten" Land alles hinnehmen müssen. Das Buch zeigt auf wie viele Instanzen in Deutschland versagen und einem Kind nicht geholfen wird. Auch anhand von Fallbeispielen wird gezeigt wie das System in Deutschland funktioniert, oder besser gesagt nicht funktioniert. Es ist erschreckend wieviele einfach nicht sehen wollen was geschieht, und sogar Gerichte solche Verbrechen nicht wirklich wahrnehmen wollen und die Täter, wenn überhaubt mit zu geringen Strafen davon kommen lassen. Dabei gibt es Maßnahmen die wirklich helfen können,  andere Länder machen uns das vor und vielleicht sollten wir davon ja mal lernen.

    Das Buch lässt sich vom Schreibstl flüssig lesen und kommt ohne Theatralik aus, nur die Thematik ist halt schwer zu verdauen, aber wie ich schon am Anfang schrieb, sollte jeder Erwachsene es gelesen haben.

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    Tialdas avatar
    Tialdavor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Macht wachsamer, regt zum Nachdenken und auf jeden Fall zu Diskussionen an – Allerdings unverschämt teuer...
    Regt Diskussionen an - allerdings echt überteuert

    Rezension:

    Ein Buch wie “Deutschland misshandelt seine Kinder” von Michael Tsokos und Saskia Guddat zu lesen, ist meiner Meinung nach die Pflicht eines jeden Erwachsenen. Wir alle waren Kinder, garantiert wurden mehr als ‘nur einige’ in verschieden schweren Graden misshandelt – und wer hätte sich als Kind nicht gewünscht, dass einem ein Erwachsener hilft, und selbst wenn es ein Fremder ist!?

    Die Autoren wollen mit diesem Buch ein Tabuthema ansprechen und vor allem eine Diskussion lostreten. An dieser Stelle fragte ich mich aber ehrlich gesagt: Sollte dieses Buch dann nicht jedem zugänglich gemacht werden? Ein Hardcover mit nicht einmal 300 Seiten ist mit 20 Euro schon teuer genug, aber hätte es hier nicht auch eine unaufwändige Taschenbuchausgabe für 5 Euro getan? An diesem Punkt hinkt das Prinzip in meinen Augen. Klar – die Autoren und auch der Verlag verdienen ihr Geld damit, aber im Auftrag der Aufklärung wäre ein bisschen ehrenamtliches Engagement auch nicht schlecht.

    Wenn ich schon dabei bin, würde ich auch gerne gleich auf meinen zweiten Kritikpunkt zu sprechen kommen: Klischees. Für den unaufmerksamen Leser wird folgende Botschaft ankommen: “Die Mischung aus Gepierct, Tättowiert, Harz4 und Muskeln = der Vorzeige-Kinderschläger” – die meisten der genannten Fallbeispiele bedienen sich auch genau an diesem Typ Mensch. Ich kenne jedoch genug Leute, auf die dieses Muster zutrifft und die einem Kind nie etwas zu Leide tun könnten und fühle mir persönlich durch das indirekte “Vorsicht vor Gepiercten und Tätowierten” etwas auf den Fuß gestiegen.

    Klar – in einem Fall wie diesem ist es vielleicht nicht mal so schlimm, etwas übertriebene Vorsicht zu schüren – und vor allem möchte ich gar nicht abstreiten, dass (zumindest körperliche) Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in ärmeren Familien möglicherweise öfter vorkommt als wo anderes – aber es störte mich, dass nur am Rande erwähnt wird, dass das natürlich nicht immer so sein muss und dass so etwas auch ‘in den besten’ Familien passieren kann. Die Relation zueinander erschien mir zwischen ‘arm und reich’ einfach zu weit auseinanderklaffend.

    Nun fragt man sich wahrscheinlich, warum ich dann trotzdem noch 3 von 5 Sternen vergebe… – Ganz einfach: Allein das Thema aufzugreifen und zu publizieren ist viel wert. Zudem wurde auf viele wichtige Ansätze eingegangen – zum Beispiel auch auf das Thema “Warum der Kinderschutz versagt” (mich erschütterte die Gleichgültigkeit mancher Sozialarbeiter) und auf die Rechte der Opfer. Zudem gibt es ein Kapitel das sich “Eingreifen, statt wegschauen” nennt – auch das ist recht gut geworden.

    Und manchmal ermutigt das Buch sogar dazu, selbst aktiv zu werden…

    Fazit:

    Macht wachsamer, regt zum Nachdenken und auf jeden Fall zu Diskussionen an – Allerdings sollte ein Aufklärungsbuch mit einem solchen Thema auch unbedingt für den kleinen Geldbeutel erhältlich sein.

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    Buecherspiegels avatar
    Buecherspiegelvor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Grausame Kindheit, wegschauende Erwachsene
    Grausame Kindheit, wegschauende Erwachsene

    Deutschland misshandelt seine Kinder

    Ja, das Buch ist provozierend, und ja, die Autoren, Michael Tsokos uns Saskia Guddat benutzen eine drastische Sprache. Und das ist gut so. Denn es geht um nichts anderes als um unsere Zukunft: unsere Kinder. Provozierend ist auch die These, dass bestimmte Vornamen darauf schließen lassen, hier werden mehr und körperlich brutaler Kinder misshandelt. Provozierend auch, dass in intelligenteren, reicheren Haushalten Kinder auf subtilere Weise misshandelt werden, die nicht so leicht zu entdecken sind. Aber all die Anzeichen sind erkennbar, wenn man weiß, wo und wie man suchen muss. Das ist eigentlich ganz einfach und, so wie die Autoren immer wieder und nicht müde werden zu schreiben, zu lernen. Wenn man denn wollte. Und das Geld dafür da wäre. Und all die Beamten und Angestellten der zuständigen Behörden und nachrangigen Organisationen denn nur wollten. Und nicht wenige von ihnen kurz vor der Rente stehend mit ihren Gedanken schon ganz woanders sind. Wie gesagt, die Autoren provozieren.

    Aber nicht nur das. Tsokos und Guddat schildern anhand von Beispielen aus ihrem Alltag als Rechtsmediziner die scheinbare Hilflosigkeit der zuständigen Personen, mangelnde Gelder, falsch verstandene Bemühungen gegenüber den Eltern, überforderte Berufsanfänger und Gerichte. Gerade diese, die doch für die Kinder da sein sollen, verkennen anscheinend die Tatsache, dass Eltern nicht immer das Beste für ihre Kinder wollen, sondern nur für sich selbst. Und es ist eine Schande, dass es immer noch möglich ist, Kinder in einen Haushalt zurückzuschicken, wenn nicht zweifelsfrei geklärt ist, wer denn der Täter ist. Die Frage stellt sich hier, wem damit geholfen ist. Dem Kind sicher nicht, denn es kann weiter gequält werden.

    Tsokos und Guddat belassen es aber nicht dabei, sondern klären sehr wohl auch darüber auf, welchen Weg die Eltern gegangen sind, die meist selbst Opfer von Gewalttaten in ihrem Elternhaus geworden sind. Und fordern vehement, dass es viel mehr Personenkreise geben muss, die schnell Misshandlungen erkennen. Am Ende des Buches wird ein ganzer Maßnahmenkatalog vorgestellt, was getan werden muss, um diesen Zustand zu ändern. Ein Beispiel davon ist, dass wir als Nachbarn, Freunde, Bekannte und Verwandte zügig unsere Beobachtungen an entsprechende Stellen weitergeben können. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre werden für alle, die mit Kindern in Berührung kommen.

    Nein, es geht nicht um den berühmten Klaps auf den Popo, sondern um brutale Gewalt gegenüber Hilflosen, Schwächeren, denen unsere ganz Aufmerksamkeit gilt, denn: Kinder sind unsere Zukunft!

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