Michael Weins

 4 Sterne bei 38 Bewertungen
Autor von Goldener Reiter, Lazyboy und weiteren Büchern.

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Michael WeinsLazyboy
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Lazyboy
Lazyboy
 (12)
Erschienen am 01.08.2011
Michael WeinsGoldener Reiter
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Goldener Reiter
Goldener Reiter
 (12)
Erschienen am 01.10.2013
Michael WeinsDelfinarium
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Delfinarium
Delfinarium
 (6)
Erschienen am 01.04.2009
Michael WeinsKrill
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Krill
Krill
 (3)
Erschienen am 02.04.2007
Michael WeinsSie träumt von Pferden
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Sie träumt von Pferden
Sie träumt von Pferden
 (2)
Erschienen am 21.03.2015
Michael WeinsDelfinarium: Roman
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Delfinarium: Roman
Delfinarium: Roman
 (1)
Erschienen am 17.07.2012
Michael WeinsDas Loch - Literatur-Quickie
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Das Loch - Literatur-Quickie
Das Loch - Literatur-Quickie
 (0)
Erschienen am 18.01.2013
Michael WeinsDie Delfinfrau
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Die Delfinfrau
Die Delfinfrau
 (0)
Erschienen am 11.03.2011

Neue Rezensionen zu Michael Weins

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Buchperlenblogs avatar

Rezension zu "Goldener Reiter: Roman" von Michael Weins

Tiefgang und Verwirrung
Buchperlenblogvor einem Jahr

"Wir fahren an meinem Haus vorbei. Meine Mutter steht in der Haustür. Die Haustür steht offen und meine Mutter steht in der Tür. Meine Mutter trägt ein weißes Hemd. Sie hat die Arme ausgebreitet. Ganz langsam fahren wir an meiner Mutter vorbei." (S.62)

Inhalt
Jonas Fink ist noch ein Kind, als seine Mutter langsam den Verstand verliert. Es beginnt mit Kleinigkeiten, sie verhält sich nicht mehr, wie eine Mutter sich seiner Meinung nach verhalten sollte. Ihr Zustand verschlechtert sich rapide, bis Jonas keinen anderen Weg mehr sieht, als den Anstoß für einen Aufenthalt in der Nervenklinik Ochsenzoll zu geben. Nun ist sie eine Ochsenzoll-Mutter und er ein Ochsenzoll-Kind. Doch wie soll das Leben für einen Jungen weitergehen, der außer der Mutter niemanden hat, der sich um ihn kümmert?

Rezension
Der Schreibstil des Buches ist markant. Er ist knapp gehalten, stakkatoartig. Kurze Sätze in der Ich-Form sind aneinander gereiht und ergeben eine eigenartige Sogwirkung. Hat man sich einmal eingelesen, kommt man aus Jonas' Gedanken nicht mehr so leicht heraus. Immer, wenn ihm etwas widerfährt, was ihm Angst macht, was negative Gefühle in ihm auslöst, verliert er sich in Wiederholungen. Es scheint, als müsse er sich vergegenwärtigen, was da genau gerade passiert. Manchmal hat mich dieser Stil genervt, manchmal fand ich ihn großartig.

"Ich liege auf dem Bett. Es ist dunkel geworden. Ich bin allein im Haus. Ich weiß, dass ich allein bin. Ich kann es fühlen. Das Haus um mich herum fühlt sich allein an. Es hört sich allein an. Von unten kommt das Summen der Wärmepumpe. Die Wärmepumpe summt im Keller." (S.126)

Nachdem Jonas' Mutter in die Klinik Ochsenzoll eingewiesen wurde, zieht er vorübergehend zu seinem Freund Mark und dessen Mutter. Er versucht, ein ganz normales Leben unter diesem fremden Dach zu leben, scheitert jedoch daran und fühlt sich beständig als Gast, der er ja auch nur ist. Irgendwann erfindet er eine Lüge und kehrt zurück in das verlassene Zuhause. Ein zwölfjähriger Junge, der plötzlich an der Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsensein steht. Für das eine ist er zu alt und für das andere ist er zu jung. Er gibt sich Mühe, allein klarzukommen und wehrt fremde Hilfe ab. Er wünscht sich, sich jemandem mitteilen zu können, doch nach außen hin führt er ein normales Leben. Er verbringt Zeit mit seinen Freunden, verliebt sich.

Hin und hergerissen zwischen dem Wunsch frei und allein zu sein und dem Wunsch, dass jemand für ihn da ist, dass jemand ihn beschützt, macht er sich selbst Vorwürfe und denkt, dass er Schuld an dem geistigen Zustand seiner Mutter trägt. Auch suchen ihn immer wieder merkwürdige, surreale Träume und Visionen heim, in denen seine Umwelt brutal gesprengt wird. Diesen Aspekt hätte ich gern etwas ausführlicher gehabt. Ich hatte vermutet, dass Jonas selbst an einer psychischen Krankheit leidet, die diese Vorstellungen hervorrufen. Doch wir als Leser werden darüber im Unklaren gelassen, vielleicht weiß der Autor selbst nicht genau, was er damit andeuten will. Ich habe in einem Bericht gelesen, dass das Buch autobiographische Züge hat. Michael Weins' Mutter litt an einer psychischen Erkrankung. Vielleicht arbeitet der Autor mit diesem Buch seine Kindheit ein Stück weit auf. 

Die Geschichte gefällt mir ganz gut, doch irgendwie war es mir teils zu zerstückelt. Gedanken, Träume und die schonungslose Realität wechseln sich ab und man bekommt manchmal nicht mit, was nun stimmt und was nicht. Das Ende ist recht frei gehalten, Jonas und seine Mutter feiern wiedervereint Sylvester miteinander. Doch gibt es eine Chance auf Heilung? Ich weiß es nicht.

Fazit
Verwirrend und doch zugleich tiefgründig. Wenn man sich an den Stil gewöhnt hat, ist es ein sehr eindringliches Buch, welches einen durchaus gefangen hält. Nur fehlte mir an manchen Stellen der klare Blick, das warum.

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littleowls avatar

Rezension zu "Goldener Reiter: Roman" von Michael Weins

Goldener Reiter
littleowlvor 2 Jahren

Meine Meinung

Ich habe dieses Buch von einer Bekannten geschenkt bekommen, von mir aus hätte ich es wohl nicht als Lektüre gewählt. Weil es jedoch nie schaden kann, den eigenen Lesehorizont ein bisschen zu erweitern, habe ich mich dazu entschlossen, dem Roman eine Chance zu geben.

Der Einstieg ist mir dann aber recht schwer gefallen, da ich den ungewöhnlichen Schreibstil des Autors extrem gewöhnungsbedürftig fand. Weins schreibt in sehr kurzen, einfachen Sätzen, z.B. "Ich sitze neben meiner Mutter im Auto. Ich sitze auf dem Beifahrersitz. Wir hören Musik. Meine Mutter hat eine Kassette eingelegt." (S. 10). Diesen Stil zu wählen, um die Sicht eines Kindes besser darstellen zu können, ist an sich ja logisch und sogar ziemlich innovativ, allerdings wirkt Protagonist Jonas dadurch ein bisschen… langsam. Ganz zu schweigen davon, dass angesichts dieser abgehackten, stakkatoartigen Sätze zumindest zu Beginn von einem "Lesefluss" keine Rede sein konnte.

Nach ein paar Kapiteln hatte ich mich dann allerdings eingelesen und gerade in emotionalen Szenen trägt der Stil tatsächlich dazu bei, dass man sich dem Protagonisten nahefühlt und mit ihm mitleidet. Faszinierend fand ich außerdem, wie der Autor die Grenzen zwischen Realität und Traum sowie Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen lässt, und den Leser teilweise bewusst im Unklaren darüber lässt, welcher Kategorie eine Passage zuzuordnen ist.

Der Klappentext der Geschichte hat mich, wenn auch nicht komplett begeistert, auf jeden Fall neugierig gemacht. Psychische Krankheiten sind in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema, daher finde ich es gut und wichtig, dass sich Autoren in ihren Romanen damit auseinandersetzen. Der Spannungsaufbau gelingt zu Beginn auch wirklich gut, Jonas' Gefühle, während er mitansehen muss, wie seine Mutter den Bezug zur Realität immer mehr verliert, werden wirklich eindrücklich und anschaulich vermittelt.

Ab dem Zeitpunkt, wo seine Mutter ins Krankenhaus Ochsenzoll eingeliefert wird, hatte ich jedoch das Gefühl, dass sich die Geschichte ein bisschen verliert, als wüsste der Autor selbst nicht so recht, wie es weitergehen soll. Nach den intensiven und beklemmenden ersten hundert Seiten dümpelt der zweite Teil ein bisschen ratlos vor sich hin und die Handlung wird nicht zu einem befriedigenden Ende gebracht. Allgemein hat mir der Schluss nicht so gut gefallen, es bleiben viel zu viele Fragen offen und die Geschichte bricht sehr abrupt ab.

Die Tatsache, dass dieser Roman aus der Kindersicht erzählt wird, macht definitiv seinen besonderen Reiz aus, bringt aber auch ein paar Herausforderungen mit sich. Ich-Erzähler Jonas Fink war mir jedenfalls von Anfang an sympathisch, er beschreibt den allmählichen Realitätsverlust seiner Mutter so anrührend, dass man gar nicht anders kann als ihn zu mögen. Insgesamt konnte ich mich gut in ihn hineinversetzen und seine Gefühl und Handlungen nachvollziehen. Dass er, wahrscheinlich durch den Schreibstil bedingt, ein bisschen einfältig rüberkommt, ist auch schon mein einziger Kritikpunkt.

Fazit

Mit dem ungewöhnlichen Schreibstil konnte ich mich erst nach ein paar Kapiteln anfreunden, die Story beginnt dagegen stark und lässt dann stark nach. Mein Urteil zum Roman fällt daher eher mittelmäßig aus- selbst der sympathische, wenn auch etwas einfältig wirkende Protagonist Jonas kann da nichts mehr retten.

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Babschas avatar

Rezension zu "Goldener Reiter" von Michael Weins

Vom Absturz des Goldenen Reiters
Babschavor 4 Jahren


An der Umgehungsstraße, kurz vor den Mauern unserer Stadt,
steht eine Nervenklinik, wie sie noch keiner gesehen hat.

Joachim Witt, Goldener Reiter (1981)


Jonas Fink ist zehn, zwölf, als es los geht. Irgendwann Anfang der Achtzigerjahre, irgendwo in Hamburg. Seine Mutter verändert sich, hört Stimmen, fühlt sich verfolgt. Lässt alles schleifen, taucht geistig ab, wird untragbar. Bis die Dinge dann richtig eskalieren und der kleine toughe Jonas, der uns seine Geschichte hier selbst erzählt, das Ganze auch nicht mehr bewältigt kriegt. Er selbst ist es letztlich, der den Anstoß gibt, dass man seine Mutter nach Ochsenzoll bringt, Stadtteil und Synonym für die dortige psychiatrische Klinik in einem. Und damit fangen die Probleme erst an.

Wie Michael Weins im Nachwort zur Neuauflage seines Buches offen mitteilt, hat er in seinem Roman zu einem guten Teil autobiographische Erfahrungen verarbeitet. Das macht das Ganze weder besser noch schlechter, eigentlich nur nachvollziehbarer. Denn gut ist sein Buch sowieso. Anschaulich und eindringlich, in einer für einen Jungen dieses Alters typischen Sprache, schildert er die innere Zerreißprobe seines Protagonisten, der so ziemlich alles an Hilfe und Unterstützung brauchen könnte auf seinem Weg ins Leben, aber nicht eine schizophrene alleinerziehende Mutter, die ihn mit ihrer Krankheit einfach im Stich lässt. Überzeugend und glaubhaft, wie der kleine Jonas hier dann über sich selbst hinaus wächst, die Dinge auf die Reihe und organisiert kriegt und trotz aller Scham und Wut und Verleugnung im tiefsten Innern fest zu seiner Mutter steht. Wie sollte es bei einem Kind auch anders sein. Und wie die beiden bei der Entlassung, innerlich verändert, der eine gereift und so erleichtert wie skeptisch, die andere auf dem Rasierklingenritt einer medikamentösen Ruhigstellung, versuchen, sich irgendwie wieder zusammen zu raufen. Weil es doch weiter gehen muss. Ende offen.

Das Buch überzeugt mit einer starken Tiefe und Emotionalität, die aus der Gedankenwelt des einfach nur um Normalität bettelnden Jungen zum Leser hinüber fließt. Ein guter Roman, überzeugend gerade in der Schlichtheit seiner Erzählkunst.

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