Michael Wildenhain Das Lächeln der Alligatoren

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Inhaltsangabe zu „Das Lächeln der Alligatoren“ von Michael Wildenhain

»Spannend wie ein Thriller.« SRF KulturMatthias verbringt seine Sommerferien auf Sylt. Er besucht seinen jüngeren Bruder, der dort in einem Heim lebt. Doch der Urlaub nimmt eine unerwartete Wendung, als Matthias die Betreuerin seines Bruders kennenlernt und sich in sie verliebt. Marta nimmt ihn aber nicht wahr. Erst als sie sich Jahre später an einer Berliner Universität wiedertreffen, kommt Matthias seiner Jugendliebe nahe. Sie führt ihn in Studentenkreise ein, die einer radikalen Gruppierung angehören. Matthias lässt sich auf Marta und ihre Überzeugungen ein, ignoriert seine widerstreitenden Gefühle. Was Martas Absichten sind, wird ihm erst klar, als es zu spät ist.

Packend geschriebenes Buch über Liebe und Verrat eingebettet in die deutsche Nachkriegsgeschichte.

— MrSoul
MrSoul

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  • Naiver Spätpubertierender zwischen Linksterroristen und NS-Verbechern

    Das Lächeln der Alligatoren
    MrSoul

    MrSoul

    21. November 2016 um 21:59

    Mit einigem Abstand möchte ich doch eine kurze Rezesion abliefern; das Buch habe ich vor einigen Wochen beendet und doch lässt es einen so schnell nicht mehr los.Wir lernen den Protagonisten Matthias kennen und seine schwierige familiäre Situation zwischen Vater und Onkel, den er Vater nennt. Der Hintergrund von Vater/Onkel wird recht stringent erläutert und man erkennt, dass man ein mit einem klassischen NS-Mitläufer zu tun hat. Das System hat ihm damals mehr genutzt als geschadet, also hat er es unterstützt. Nach dem Zusammenbruch ist man dann auch schnell wieder im neuen System untergekommen und auch dort erfolgreich. Eine Geschichte wie sie sich millionenfach in der neugegründeten Bundesrepublik ereignet hat und die später eine der Begründungen für die Taten der RAF wurde.Konträr zu seiner Familie lernt Matthias Marta kennen. Sie treffen sich im Pflegeheim seines Bruders und später im Umfeld der berliner Studentenunruhen. Wie weiland Susanne Albrecht bei der Ermordung Jürgen Pontos nutzt Marta ihren Zugang zu Matthias, um ihren perfiden Plan auszuführen.Die Parallelen zu tatsächlichen Ereignissen in der noch jungen Bundesrepublik sind nicht zu übersehen und sicherlich auch so gewollt. Die Charaktere sind klar und deutlich dargestellt. Gerade die Gedanken der Hauptperson werden dem Leser glasklar vermittelt. So ist es auch für den Leser nicht verwunderlich, dass Matthias zwar Abscheu für die Tat an sich hegt, trotzdem von seiner eigentlichen Bewunderung für Marta nie lassen kann.Beim Lesen war ich dergestalt vorbelastet, als dass mir schon bekannt war, dass es einen Terroranschlag geben wird. Gerade mit diesem Wissen war es sehr spannend zu sehen, wie sich die Geschichte zu diesem Höhepunkt aufbaut. Bis zu diesem Zeitpunkt ist man bereits soweit in die Gedankenwelt der Protagonisten eingetaucht, dass die Tat nur noch die logische Folge sein konnte.Ein spannendes Eintauchen in die Gedankenwelt eines Terroristen genauso wie in die eines naiven Studenten.

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  • Wenn die Liebe den Feind bringt

    Das Lächeln der Alligatoren
    leserattebremen

    leserattebremen

    Als kleines Kind schubste Matthias seinen Bruder Carsten beim Spielen vom Sofa, der junge bleibt den Rest seines Lebens geistig behindert und lebt in einem Pflegeheim auf Sylt. Mit 14 besucht Matthias ihn dort im Sommer mit seiner Mutter und verliebt sich sofort in die drei Jahre ältere Betreuerin Martha. Doch ihre Wege verlieren sich, die Liebe bleibt unerwidert. Doch als Matthias nach Berlin zu seinem Onkel zieht um zu studieren, kreuzen sich ihre Wege wieder und Martha scheint sogar seine Nähe zu suchen. Sie zieht ihn in eine Welt, die Matthias nicht geheuer ist. Wie Recht er mit seinen Gefühlen haben soll, zeigt sich im weiteren Verlauf des Romans. „Das Lächeln der Alligatoren“ ist eine virtuose Geschichte von der Liebe und ihren Abgründen, von der Suche nach Vertrauen und Zuneigung und der gleichzeitig vollständigen Zerstörung von Halt und Orientierung. Matthias‘ Liebe zu Martha bringt ihm gleichzeitig Glück und Unglück, sie ist Freundin und Feindin, Gefährtin und Kriegerin zugleich, was es so schwer macht, sie einzuordnen. Die Beziehung der beiden ist für den Leser faszinierend und mit der Zeit lässt die Distanz, die man am Anfang zu den Charakteren empfand, immer mehr nach und wie Matthias Martha in sein Leben lässt, lässt er auch uns als Leser immer mehr an seinen Gefühlen teilhaben. So wächst das Mitgefühl mit ihm im Verlauf der Geschichte immer weiter an, während sich zeitgleich eine subtile Abneigung gegen Martha entwickelt, die man sich gar nicht gleich erklären kann. Es ist wie ein Gefühl, dass sie Matthias nichts Gutes bringen wird. Wie recht man mit der Annahme noch haben wird, zeigt sich auf dramatischere Weise, als man es selber gerne gewollt hätte. Gleichzeitig ist dieser Roman jedoch auch ein politischer Roman, denn sämtliche Störungen entstehen durch Martha und Martha kann nicht losgelöst von ihrer politischen Situation und ihren Überzeugungen verstanden werden, auch wenn sich dies erst spät erklärt. Die gesamte Geschichte erhält durch die Auflösung der Hintergründe von Martha eine neue Bedeutung und Erklärung, die auch Matthias bisherige Lebensgrundlage zerstört. Mit dem Verlust eines geliebten Menschen geht für ihn auch der Verlust seiner bisherigen Lebensgeschichte, das woran er als er geglaubt und was er für sicher hielt, einher. Michael Wildenhain hat mit „Das Lächeln der Alligatoren“ einen Roman geschrieben, der sich auf die Suche nach dem Einfluss des Politischen auf die Liebe begibt und der Frage nachforscht, wie nah man einem Menschen kommen kann, wenn man gleichzeitig seine Zerstörung ist. Der Roman hat mich von Anfang bis Ende fasziniert und mit seiner besonderen und teilweise sehr reduzierten Sprache wird die Unsicherheit von Matthias und seine manchmal hilflos wirkende Suche nach Etwas, was er sich selbst kaum erklären kann, noch unterstützt. Hier liest man nicht nur ein Buch, man blickt in eine Welt und ob sie einem nun gefällt oder nicht, man muss sich mit ihr konfrontieren. Einfach beiseite schieben lässt sie sich nicht. 

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    • 2
    wandablue

    wandablue

    25. January 2016 um 10:53
  • Radikal eindimensional

    Das Lächeln der Alligatoren
    wandablue

    wandablue

    Radikal eindimensional. Ein Autor schafft im besten Fall ein Gefühl, ein Klima, eine Atmosphäre. Michael Wildenhain vermittelt dies alles durch Reduktion. Seine Ich-Erzählung wird konsequent ausgehalten und nimmt Eindimensionalität in Kauf, das heißt, die Figuren bekommen kaum Hintergrund. Streiflicht statt Ausleuchtung. Viel weniger wichtig als Verständnis ist schicksalhafte Akzeptanz und Erleben. Ich mag den assoziativen Stil, der Zeiten und Orte zumutbar mischt. Die radikale Wegnahme von allem nicht unbedingt Benötigten, der Verzicht auf Erklärungen, paßt zu der politischen Zeit, die der Roman aufgreift. Die andere Seite der Medaille ist der Verlust des Komplexen. Die Zeit wird am Hungerstreik Holger Meins in den 70ern festgemacht, der zu seinem Tod führte; behandelt wie nebenher und zwangsläufig die Vorzeit des Deutschen Herbstes, Teile der Jugend sympathisieren und radikalisieren sich, fühlen sich wie wilde Tiere im Zoo, eingesperrt in einem nicht sprengbaren System, lächelnde Alligatoren. Zwischen den Zeiten ist Schicksal eingelagert, die problematische, aber dennoch relativ unspektakuläre Geschichte einer Familie und des Protagonisten. Wie zum Trotz steht das Individuelle dem Kollektiven gegenüber und behauptet sich. Die Kindheits-und Jugenderlebnisse des Anti-Helden Matthias sind lange Zeit Einbahnstraße in Fatalismus und Verdrängung. Verkorkste Liebe und Wegschauen vom „Film ohne Farbe“, das den vergötterten Arzt-Onkel-Pflegevater zeigt, der in der NS-Zeit Schuld auf sich lädt. Schwierige Familienverhältnisse, Pubertät, steckenbleibende Emotionen, nach Jahren zwangsläufige oder zufällige Ankunft im Establishment. Wer wirklich scheitert, liegt im Auge des Betrachters. "Das Lächeln der Alligatoren" wurde für den Buchpreis der Leipziger Buchmesse, 2015, im Bereich Belletristik, nominiert. Fazit: Ein literarisches Experiment, das, etwas eingeschränkt, meinen Beifall findet. Kategorie: Literatur Verlag: Klett-Cotta, 2015

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    • 2
    alasca

    alasca

    22. May 2015 um 11:25
  • Das trügerische Lächeln

    Das Lächeln der Alligatoren
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    Das erste Mal begegnen wir dem Ich-Erzähler im Alter von 15 Jahren.  Da ist die einstmals glückliche Familie und damit seine Kindheit bereits zerbrochen. Bei einem Unfall, an dem der kleine Matthias nicht ganz unbeteiligt war, erlitt sein jüngerer Bruder schwere Kopfverletzungen und bleibt fortan geistig behindert.  Nun besuchen ihn Matthias und seine Mutter im Heim auf Sylt, in dem er seither lebt. Der Vater hat den Belastungen nicht mehr standgehalten, ist ausgezogen, hat eine neue Familie gegründet. Die Mutter zieht sich in ihrem Schmerz immer mehr zurück, stirbt später an Krebs.  Der Onkel, Halbbruder des Vaters, berühmter, vermögender Neurologe, anerkannter Hirnforscher, nimmt Matthias zu sich. Der bewundert seinen Ziehvater, eigentlich ein gutes, stabiles Verhältnis. Er wird selbst studieren, Schwerpunkt Künstliche Intelligenz, sehr erfolgreich übrigens. Hier, an der Universität, begegnen wir dem Studienanfänger ein zweites Mal. Hier trifft er Marta wieder, die damals, auf Sylt, seinen Bruder so liebevoll betreut hat. Gleichzeitig aber auch Matthias pubertäre Sehnsüchte geweckt hat, freizügig, wild, lebenshungrig wie sie war. Mit ihren 18 Jahren für den Jüngeren aber unerreichbar. Nun werden die beiden ein Liebespaar. Trotzdem bleibt Marta irgendwie fern. Sehr engagiert ist sie in linken Kreisen. Es ist die Zeit der Siebziger, des RAF-Terrors, Holger Meins Tod nach Hungerstreik ließ die Situation eskalieren, die Radikalisierung nahm zu.  Nun kommt der Onkel ins Spiel. Er ist Mitglied der Expertenkommission, die die Behandlung der Hungerstreikenden begleitet hat. Zudem wird schon in früheren Abschnitten angedeutet, dass er in NS-Zeiten Versuche an Gefangenen durchgeführt hatte. So wird er zum Ziel der Terroristen.  Und schon im Prolog zum Buch wird deutlich, dass er von diesen erschossen wird. Matthias wird davon unmittelbarer Zeuge, begleitet auch den Prozess gegen Marta. Die dritte und letzte ist die Gegenwartsebene. Der Erzähler ist mittlerweile Mitte vierzig, anerkannter Professor auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz, hat Frau und Kinder, fühlt sich wohl im gutbürgerlichen Berliner Leben. Marta, kurz nach ihrer Inhaftierung entkommen, taucht bei ihm während einer Tagung auf. Er sucht sie danach auf Sylt, wo sie sich zeitweilig versteckt hält, bei seinem Bruder. Es kann und soll nicht gut enden. Matthias versucht rückblickend zu verstehen, auch wenn er einmal mutmaßt  "Vielleicht ist Verstehen nichts anderes als eine subtile Form der Gewalt."  Aber Marta lässt ihn nie los seit jener ersten Begegnung auf Sylt.  Noch immer sucht er auch seine eigene Position im Geschehen. Hat sie ihn nur benutzt oder auch geliebt? War sie so sanft wie bei seinem Bruder oder so knallhart wie als Terroristin? Wer war Marta? Und welche Rolle spielte er, Matthias? Wie groß war seine Schuld - am Mord an seinem Onkel, am Unfall seines Bruders? An Martas Verhaftung? Diese Fragen kreisen im Buch. Der Erzähler wird ihnen nur ein Stück weit näher kommen.  Daneben blitzt die Zeit des RAF-Terrorismus, der linken Studentenbewegung, der 70er Jahre auf.  Michael Wildenhain hat seinen Roman sehr sorgfältig, vielleicht ein wenig über-konstruiert. Leitmotive, Verweise treten häufig auf, die Sprache ist eher nüchtern und schlicht. Der interessanten Themen sind es viel in dem nicht eben dicken Roman, vielleicht zu viel. Momentweise taucht der Leser ein in die Zeit, in die Köpfe der Figuren, ihre Beziehungen. Leider aber nie sehr tief. So bleibt das Lächeln der Alligatoren weiterhin ein Rätsel.

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    • 2
  • Hinter das Licht geführt

    Das Lächeln der Alligatoren
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    17. March 2015 um 10:52

    Hinter das Licht geführt Vielfach und zunächst fast überfordernd sind die Themen, die Michael Wildenhain hinter seiner teils so klar und eindeutig erscheinenden „roten Linie“ des Romans aufleuchten lässt. Hinter den politischen Statements, dem Ziel des „Anschlags“ und der Entwicklung der einen zu Terroristen, der anderen zu Opfern und wieder anderen zu Verrätern, wird der Leser im Lauf der Ereignisse mit Grundthemen des Verlassen-Werdens konfrontiert (was einen scheinbar überforderten Vater und eine erste Liebe angeht), mit familiärer Bindung unter schwierigen Umständen (was zu Distanzen führen wird), mit eigener, lebenslanger Schuld, wird ein „Benutzt-Werden“ miterleben (und miterleiden), das am Ende doch differenzierter sich darstellen wird, als in Teilen zuvor gedacht. Denn manches wird dann doch in nicht vorhersagbaren Formen wieder zusammenkommen, ohne nun unbedingt als Happy End mit „schönen“ Klärungen im Raum zu verbleiben. Was aber vor allem hinter all den Ereignissen erkennbar als roter Faden in diesem Roman zum Tragen kommt (bis zum Ende hin), ist das, was man als fast animalische Kraft einer inneren Bindung, einer „ersten Liebe“ oder vielleicht einfach nur eines nicht rational „weg zu erziehenden“ Begehrens betrachten kann. Im Rahmen eines ansonsten tief unverbundenen Lebens. Denn bei allem, was Matthias im Lauf der Zeit von Marta scheinbar kühl „vorgemacht“ und „vorgegaukelt“ wird (mit dramatischen und tödlichen Folgen), nichts scheint es zu geben, was ihn (und vielleicht auch sie) und wohl den Menschen an sich lösen kann von jener „unvernünftigen“ inneren Bindung, die „einfach so“ entsteht und im Leben verbleibt. Obwohl doch schon zu Beginn für Matthias sichtbar sein wird, dass diese Marta „kurzen Prozess“ zu machen versteht. Dass sie für ihn nicht unbedingt „exklusiv“ im Raum stehen wird. Anders, stringenter handelt. Was ihn ja gerade fasziniert und einnimmt, was ihn später einen hohen Preis zahlen lassen wird, was ihn nicht lösen wird von diesen ersten Eindrücken für den Rest seines Lebens. Und wie dann so vieles emotional gar nicht erst hochkocht bei Matthias, wie wichtige Ereignisse und enge spätere Bindungen von Wildenhain fast kühl und distanziert in der Sprache dargelegt werden, wie „äußerlich“ (manchmal rein materiell auf „Besitz“ und „Reputation“) ausgerichtet sein Protagonist in fast allen anderen Bereichen seines Lebens (außerhalb jener ominösen inneren Beziehung zu Marta) empfindet, das ist schon überaus anregend zu lesen. Gerade in der Verbindung zu seiner Ausrichtung als Informatiker mit Schwerpunkt KI, gerade in seiner Verbindung zu seinem Vormund, seinem Onkel, dem bekannten Gehirnchirurgen. Fachfelder, die der Emotion kühl gegenüber stehen, die das Leben als berechenbar betrachten, die auch das Menschliche meinen, „reparieren“ zu können, wenn es Schaden nimmt. Wobei Moral deutlich weiter hintenanstehen wird, als es der Leser zunächst meint. Vieles, was zu Anfang noch im Unklaren liegt, was fast als „Zuviel“ an Themen erscheint, legt Wildenhain im Verlauf der Lektüre doch in Zusammenhänge und zieht so ein verbindendes Netz um all jene Unwägbarkeiten, belastenden und destruktiven Ereignisse eines Lebens, in dem sein Matthias immer wieder erleben muss, dass eine rationale Bewertung und eine dann eigentlich logische Folgerung im Leben sich als nicht tragfähig, nichtig herausstellt. Wenn er einmal wieder mit heruntergelassenen Hosen im Hotel sitzen wird. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre, die zum einen in das Innere des politischen Terrorismus führt und zum anderen psychologisch sich den „unverbundenen“ Lebensformen aus verschiedenen Perspektiven her nähert, die nur äußerlich als gestandene Persönlichkeiten erscheinen. Und in der Wildenhain in einfacher, dabei aber sehr allegorischer Sprache jene innere Distanz zur Gemeinschaft, zum „verbundenen Leben“ widerspiegelt, von der er schreibt.

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