Das Singen der Sirenen

von Michael Wildenhain 
2,7 Sterne bei3 Bewertungen
Das Singen der Sirenen
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Inhaltsangabe zu "Das Singen der Sirenen"

Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2017

Als der deutsche Frankenstein-Experte Jörg Krippen auf dem Campus seiner neuen Londoner Universität umherirrt, hilft ihm die junge Stammzellenforscherin Mae sich zu orientieren. Die Begegnung wirkt zufällig, tatsächlich hat sie diese bewusst provoziert. Kurz darauf führt Mae ein Wiedersehen herbei, um eine Affäre mit dem deutlich älteren Mann zu beginnen. Zugleich scheint sie sonderbar viel über ihn zu wissen.

Im Londoner East End hat niemand auf den Literaturwissenschaftler Jörg Krippen aus Berlin gewartet. Die Kleidung vom Nieselregen durchweicht sucht er nach einer Klingel, als eine junge Frau indischer Abstammung ihn anspricht: »You look so lost«. Sie selbst ist in Brixton aufgewachsen und forscht im Bereich neuer Reproduktionstechnologien. Krippen verliebt sich rasch und heftig – und belügt sie, was seine Familie und seine linke politische Vergangenheit betrifft. Auch sie ist nicht ehrlich und verschweigt, dass sie vor Jahren als Austauschschülerin in Berlin war. Es entspannt sich eine leidenschaftliche Liebesgeschichte, wie sie beide in der Intensität zuvor nicht erlebt haben. Doch ihre ungewöhnliche Liebe wirft Fragen nach dem Verhältnis von Geistes- und Naturwissenschaft auf.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783608983043
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:Klett-Cotta
Erscheinungsdatum:09.09.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 30.10.2017 bei steinbach sprechende bücher erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    wandablues avatar
    wandabluevor 9 Monaten
    Viel Experiment, wenig Erzählung.

    Viel Experiment, wenig Erzählung.
    Wie auch im Roman „Das Lächeln der Alligatoren“, der mir sehr gut gefallen hat, agiert auch im Roman „Das Singen der Sirenen“, dessen Held inmitten einer politischen Landschaft. Er ist links und schlägt mit der Faust nach rechts.

    War ich im erstgenannten Roman gefangengenommen von der Sprache und der Geschichte, bin ich im zweitgenannten schnell hauptsächlich genervt. Jörg, ein Privatdozent im Fach Vergleichende Literaturwissenschaften, war früher ein schlimmer Finger, direkter Gewalt nicht abgeneigt. Nun ist er in die Jahre gekommen. Er hat die Kurve ins Establishment gekriegt, doch seine Lebensgefährtin verweigerte sich dem System und schmiss in letzter Sekunde das Abi. So hängt er sie ab, die Ehe wird schal. Midlife crisis wird bekanntlich männlicherseits kuriert mit Sex.

    Nichts Neues. Dennoch hätte man aus der Geschichte etwas Bewegendes machen können, wenn man gewollt hätte. Das wollte der Autor aber nicht. Er legt mit seiner Schreibweise eine Distanz über die Story. Das ist modern, ohne Zweifel. Man muss aus endlosen Relativsätzen, aus unendlichen sich schlängelnden Assoziationen und aus hin geschmissenen minutenlangen Aufzählungen, den Narrativgehalt aus dem Roman herauszuzzeln wie die Weißwurst aus der Pelle. Die wie Schutt aufgehäuften Details öden an. Sicher atmet man die Slums Londons, das Ranzige des billigen Fetts beim Inder, die Rugbyszenen haben durchaus etwas und der Schmelztigel Londons ist vorstellbar. Aber wenn das alles ist! Das wurde doch schon hundertmal erzählt!

    Die Figur des Antihelden Jörg Krippen ist völlig in dem Fabulierwulst des Autors verklebt. Obwohl in diversen Rückblenden sein Leben aufgeschlagen wird, bekommt man diese Figur nicht richtig zu fassen. Was ist los mit dem Mann und wieso? Warum kann er nicht einmal ein einfaches Seminar sauber abwickeln und seine Arbeit machen, das kann doch jeder Dozent mit links. Warum lässt Jörg Krippen sich mit dem ersten Rock ein, der ihm über den Weg läuft? Und sofort ist es die große Liebe. Sexszene reiht sich an Sexszene. Midlife Crisis. So absolut gewöhnlich.

    Fazit:
    Erstens:
    Ich halte Michael Wildenhain für einen exzellenten Schreiber. Wenn sein Roman so geworden ist, wie er geworden ist, dann wollte Herr Wildenhain das so. Genau so. Aber er kann nicht erwarten, dass mir das Ergebnis gefällt.

    Zweitens:
    „Das Singen der Sirenen“ verweigert dem Leser mit Absicht und nicht aus mangelndem Können eine „normale“ Erzählung zugunsten eines Assoziations-Entfremdungs-Experiments. Ergebnis: Rohrkrepierer!

    Kategorie: Gehobene Literatur /Experimentelle Literatur
    Verlag: Klett Cotta, 2017

    Kommentare: 4
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    serendipity3012s avatar
    serendipity3012vor einem Jahr
    Krippens Krise

    Krippens Krise 

    In diesem Jahr ist mein Verhältnis zu den für den Deutschen Buchpreis nominierten Romanen bisher ganz offenbar schwierig. Nachdem ich vor kurzem Mirko Bonnés Roman „Lichter als der Tag“ abbrach, (wobei ich sein „Nie mehr Nacht“ in bester Erinnerung habe) da ich zu den allesamt passiven Charakteren keinen Zugang fand, konnte ich auch mit Michael Wildenhains Roman „Das Singen der Sirenen“ wenig anfangen. Dabei halte ich mich eigentlich für eine recht geduldige Leserin, die bereit ist, Verständnis für schwierige Charaktere aufzubringen, doch in beiden Romanen fand ich die männlichen, mittelalten Hauptcharaktere, die sich in Sinnkrisen befinden und die sich, der eine mehr, der andere weniger, als erstes durch ihren Egoismus auszeichnen, zumindest teilweise schwer zu ertragen.

    In „Das Singen der Sirenen“ geht der Literaturwissenschaftler Jörg Krippen nach London, wo er ein Seminar halten soll. Er forscht über Frankenstein. Frau und Sohn lässt er in Berlin zurück, von ihr erhält er erboste Anrufe, in denen sie ihn wüst beschimpft. Krippen lässt es stoisch über sich ergehen. In London lernt er Mae kennen, eine junge Frau indischen Ursprungs, scheinbar zufällig ist die Begegnung, doch es gibt eine Verbindung zu ihr, wie sich bald zeigen wird. Mae forscht über Reproduktionstechnologien: Sie und Krippen verkörpern in Wildenhains Roman, grob gesprochen, die Geistes- und Naturwissenschaften. Die beiden verlieben sich.

    Wildenhains Roman erzählt nicht nur über Krippens Zeit in London, er geht auch zurück in seine Vergangenheit, in der er in der linksautonomen Szene unterwegs war und er betritt weitere Schauplätze. Zudem schert er sich nicht um Chronologie und manchmal muss man sehr aufpassen, dass einem nicht entgeht, wo bzw. wann man sich in seiner Geschichte gerade befindet. Zeitsprünge lockern Romane meiner Meinung nach oft sehr auf und erzeugen Spannung, hier empfand ich die Struktur des Romans oft wirr, konfus und sperrig. Es war, als habe Wildenhain mich auf Distanz halten wollen.

    „Das Singen der Sirenen“ erzählt nicht nur von Krippens Affäre mit Mae und thematisiert die gegensätzlichen Wissenschaften (was interessant hätte sein können, eigentlich aber nicht wirklich vertieft wird). Wir erleben Krippen auch als Vater und im Hadern in seiner Vaterrolle, in dem Versuch, es richtig zu machen. Und es geht um Beziehungen, um Sexualität, kurz um alles, was das Leben Jörg Krippens ausmacht und in der Vergangenheit ausgemacht hat.

    Wildenhains Sprache trug leider nicht dazu bei, dass mir die Geschichte und seine Figuren nahe kamen. Seine oftmals über ganze Absätze verkürzten, elliptischen Sätze empfand ich als abgehackt und wenig aussagekräftig. Andere Teile hingegen sind in einem freien und einfachen, aber nicht simplen Stil verfasst, den ich mochte, und der mich in die Geschichte zumindest zeitweise eintauchen ließ, hier hat mir die Lektüre dann Spaß gemacht.

    Vielleicht richtet sich „Das Singen der Sirenen“ an einen Leserkreis, dem ich nicht angehöre und das Buch und ich passen einfach nicht zusammen, vielleicht ist es das oft beschworene „falsche Buch zur falschen Zeit“ (das es meiner Erfahrung nach so wirklich gibt). Ich konnte zu Michael Wildenhains Roman keinen Zugang finden, obwohl ich einige Passagen gelungen fand und gern gelesen habe. Welche Geschichte genau mir der Autor erzählen wollte? Ich weiß es nicht. 

    Eine Rezension, die mehr vom Inhalt verrät und sich differenziert mit den Schwierigkeiten von Wildenhains Roman befasst und in der mich sehr wieder finde, ist bei Deutschlandfunk Kultur zu finden.

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor einem Jahr
    Michael Wildenhain - Das Singen der Sirenen

    Der Literaturwissenschaftler Jörg Krippen wird als Gastdozent nach London eingeladen. Schon bei der Ankunft in seiner Bleibe begegnet er einer jungen Frau, die zugleich etwas Bekanntes wie auch etwas Faszinierendes hat. Als sie in seinem Seminar auftaucht und ihn dann auch noch auf Deutsch anspricht, ist er mehr als verwundert, lässt sich aber auf eine Affäre ein. Bald schon muss er jedoch feststellen, dass sie sich nicht zufällig über den Weg gelaufen sind, sondern dass Mae dies alles geplant hat und ihn tatsächlich schon aus Berlin kannte. Berlin, seiner Heimat, wo auch seine Frau Sabrina und sein Sohn Leon sind und eigentlich das gemeinsame Leben stattfindet, aus dem sich Jörg gerade mehr und mehr flüchtet. Schnell entfremdet er sich von seinem alten Leben, doch die Vergangenheit holt ihn ein, eine Vergangenheit, die noch vor der mit Sabrina lag.

    Sirene, die, ein weibliches Fabelwesen der griechischen Mythologie, das mit seinem Gesang die Männer betört und schließlich tötet. Auch bei Michael Wildenhain singen die Sirenen und locken Jörg Krippen an, der scheinbar den Verlockungen der Frauen nichts entgegenzusetzen hat und sich wehrlos ausgeliefert sieht. Sabrina lockt ihn und kann ihn für ihre Ideale einnehmen, auch Mae ergibt er sich unmittelbar. Was in der Mythologie einen gewissen Reiz hat, weil immer die Hoffnung besteht, dass eines dieser Fabelwesen seinen Willen nicht bekommt, wird bei Wildenhain jedoch zu einem lahmen Männerbild, das mich nur teilweise überzeugen kann.

    Jörg Krippen als Figur ist schwach. Beruflich weitgehend gescheiter, privat auch nur wenig vorzuweisen, als Vater versagt. Statt sich der Realität zu stellen, flüchtet er: in ein anderes Land, in eine andere Beziehung. Immer wenn es gilt, Verantwortung zu tragen, läuft er weg. Was soll mir diese Figur sagen? Dass es schwache Menschen gibt? Ja, natürlich. Dass es feige Menschen gibt? Sowieso. Aber wo bleibt die Lösung? Der Roman liest sich sehr gut, sprachlich tadellos und überzeugend. Aber auch ein wenig zu glatt, zu smooth, um Reibungspunkte zu erzeugen. Er kann an einigen Stellen überraschen, aber insgesamt für mich der Roman, der bezogen auf Handlung, Figuren, Thema und auch Sprache von den Nominierten der Longlist zum Deutschen Buchpreis der blasseste und am wenigsten überzeugende Roman ist. 

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    »Elliptische, staccatohafte Sätze wechseln mit einfachen Satzkonstruktionen, Gespräche, ausführliche Beschreibungen des urbanen Fluidums von London mit lebhaften Erinnerungen an Berliner Straßenkämpfe.«
    Cornelia Staudacher, Stuttgarter Zeitung, 07.02.2018

    »Wildenhain ist ein präziser Beobachter, der äußere Bilder genauso exakt wie innere Gemütsbewegungen einzufangen weiß.«
    Jörg Magenau, Süddeutsche Zeitung, 19.01.2018

    »Michael Wildenhains neuer Roman „Das Singen der Sirenen" gleicht einem pointillistischen Kunstwerk. Aus der unmittelbaren Nähe betrachtet, leuchtet die Mischung aus innerem Dialog, plötzlichem Gedankensprüngen in die Vergangenheit und der Intensität des unmittelbaren Erlebens auf. Mitunter verwirrt und irritiert diese Direktheit; sie macht den Leser zum Leidensgenossen Krippens, der verloren durch sein Leben stolpert, ohne Weitblick und Vision. Erst mit der Distanz verblasst die Leuchtkraft des Details und gibt den Blick auf die kluge Gesamtposition frei.«
    Britta Steinwachs, neues deutschland, 25.11.2017

    »Ein prall lebensvolles, beobachtungsreiches Werk, dessen Autor sich nicht scheut, auch die Verwüstungen in den sozialen Gegebenheiten der Vielen, zugleich die Überlebenskräfte von diesen Alltagsmenschen unserer Gegenwart hellsichtig ans Licht zu bringen.«
    Erasmus Schöfer, SR2, 15.11.2017

    »Wildenhain bedient mehrere Stilregister ... Man wird so hin- und hergeworfen von diesem Wechselschritt, bis man am Ende bemerkt, tatsächlich ins Tanzen gekommen zu sein. ...
    Michael Wildenhain hat einen Liebesroman geschrieben, der sich wie die Rache an der Berlin-Mitte-Literatur der letzten Jahre liest ... Wildenhains Roman hinterlässt den Eindruck einer Reise ins metropolitane Hinterland. Berlin erscheint darin als ein Ort, der noch unzählige unerzählte Geschichten in sich birgt.«
    Katharina Teutsch, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7.11.2017

    »Um zu resümieren, was den großen zeitgeschichtlichen Inhalt dieses faszinierenden, mal sanften, mal brutalen, jedenfalls bilderreichen Erzählwerks ausmacht, so handelt es sich offenbar um ein in den Erfahrungen des einstigen Anarchisten und Hausbesetzers Wildenhain gründendes Monument der wild empörten und dann doch sich willfährig in die herrschende kommode Nachwendegesellschaft einpassenden Generation. Ein prall lebensvolles, beobachtungsreiches Werk, dessen Autor sich nicht scheut, auch die Verwüstungen in den sozialen Gegebenheiten der vielen, zugleich die Überlebenskräfte dieser Alltagsmenschen unserer Gegenwart hellsichtig ans Licht zu bringen.«
    Erasmus Schöfer, Junge Welt, 11.2017

    »Aufgrund seiner Intensität zählt der Roman von Michael Wildenhain aber sicher schon jetzt zu den lesenswertesten des Jahres.«
    zuckerkick, 09.2017

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