Wissen auf unterhaltsame Art und Weise vermitteln – geht so etwas? Ja, man sieht dies beispielsweise an zahlreichen Zeitreise-Romanen, bei denen man verschiedene Kulturen kennenlernen kann. Doch funktioniert diese Wissensvermittlung auch bei eher „trockener Materie“ wie z.B. Chemie, Physik und Mathematik? Wie zieht man eine schnurgerade Linie auf einem Marktplatz? Wie ermittelt man die Höhe eines Baumes? Dies und weitere Dinge gilt es in diesem Buch für die Leser herauszufinden.
ABENTEUER MIT ARCHIMEDES, PYTHAGORAS & Co. - versucht zumindest, diese Themen auf unterhaltsame Art und Weise zu vermitteln. Ob dies auch gelingt? Der Autor Michael Zeidler ist übrigens Fachmann auf diesem Gebiet – der in den USA lebende Autor ist nämlich selbst Wissenschaftler.
Das Cover:
Das gebundene Buch fällt schon durch seine Farbgebung auf. Ein Muster in Gelb und Orange, das recht edel wirkt, nimmt fast das gesamte Cover ein. Ein kleines weißes Feld mit Motiven, die zum Buch passen und sich im Buchinneren, sowie in den einzelnen Experimenten / Kapiteln wiederfinden, lockert das Ganze optisch auf. Die Motive bestehen unter anderem aus Formeln, aber auch den verschiedensten Gegenständen. Das blaue Vorsatzpapier, sowie das blaue Lesebändchen harmonisieren sehr gut mit dem Buchcover.
Die Handlung:
Es sind Sommerferien und der elfjährige Simon besucht seine Großeltern im fränkischen Wollebach. In diesem kleinen Dorf gibt es eine sagenumwobene Burgruine: Die Westerburg. Der naturwissenschaftlich interessierte Opa möchte seinem Enkel Wissen vermitteln, und das auf unterhaltsame Art. Und so stellt der Großvater Simon und seinen Freunden Tanja und Olli Aufgaben, die es zu lösen gilt.
Und so gründet Simon mit seinen Freunden Tanja und Olli einen Ritterorden - so nennen die Kinder sich fortan die Wollebachritter. Simons Großvater erklärt den drei tapferen Recken, dass nach einem tausendjährigen Schlaf die Westerburger erweckt wurden und nun, getarnt als ganz normale Bürger, in Wollebach leben. Sollte es den Freunden gelingen, die Aufgaben zu erfüllen, so können die Drei das Geheimnis um die Identität der Wollebacher lüften.
Und so erleben Simon, Tanja und Olli diverse Abenteuer, lösen Aufgaben und machen die Bekanntschaft mit der Silberfee von Wollebach, mit mysteriösen Sarazenenbäumen und mit Borkenkinn und vielen weiteren geheimnisumwitterten Personen.
Meine Meinung:
Mein Sohn, altersmäßig zur Zielgruppe der 13 bis 16jährigen gehörend, sieht sich gerne Wissenschaftssendungen im Fernsehen an, weshalb ich dachte, das Buch könnte seinen Lesegeschmack treffen. Leider wurden meine Erwartungen, trotz der tollen Idee und der Art der Umsetzung, nicht ganz erfüllt. Die Geschichte selbst ist sehr unterhaltsam und humorvoll geschrieben, die Idee eines Rollenspiels mit den Bewohnern eines Dorfes, fand ich einfach nur genial und witzig.
Einige der Kapitel waren sehr gut verständlich, bei anderen wäre es schön gewesen, hätte es einige ergänzende und erklärende Zeichnungen im Buch gegeben, denn nur mit Worten beschrieben wurde es mitunter etwas schwer nachvollziehbar.
Zum Cover kann man geteilter Meinung sein. Erkennbar als Buch für Kinder und Jugendliche ist das Buch erst auf den zweiten Blick. Andererseits würde ein zu kindgerechtes Cover die älteren Leser (in diesem Fall die Jugendlichen) doch eher abschrecken, weil es für sie zu „kindisch“ und damit auch „uncool“ wäre.
In zwölf Experimente wurde dieser Roman unterteilt. Jedes Experiment hat sein eigenes Kapitel. Zusammen mit den Freunden Simon, Tanja und Olli können die Leser versuchen, eine gestellte Aufgabe zu lösen, in der verschiedene Gesetzmäßigkeiten aus der Chemie, Physik und Mathematik ihre Anwendung finden – hier eine kurze Übersicht über die einzelnen Kapitel, bzw. Experimente (natürlich ohne dass ich die Lösung verrate):
Ausgehebelt – Was ist ein Hebel, welche Gegenstände eignen sich als Hebel? Im Alltag finden sich allerlei Gegenstände und oft sieht man gerade das Naheliegende nicht.
Eine anspruchsvolle Prinzessin – Hier dreht sich alles um die Optik, Lichtwellen und den Regenbogen. Und wie wohl ein Regenbogen von oben betrachtet aussieht?
Dihydrogen-Monoxid – Was sich wohl hinter diesem Begriff verbirgt? Oft klingt so manche chemische Bezeichnung gefährlicher als sie es in Wirklichkeit ist.
Verhältnismäßig - Wie kann man die Höhe eines Baumes feststellen und auch hier ist, wie so oft, die Lösung des Problems einfacher als man denkt.
Die Silberfee von Wollebach – Hier hat Pythagoras seinen Auftritt – leider entfällt viel Text auf Erklärungen, was durch einige Skizzen leichter nachvollziehbar gewesen wäre.
Albanische Salzberge – Wie trennt man unterschiedliche Materialien voneinander? Was sind Moleküle? Sehr schön und nachvollziehbar erklärt, wobei ich noch die ein oder andere Lösungsalternative gehabt hätte.
Müllognetisch – Magnetismus ist sicherlich ein besonders interessantes Thema, das hervorragend und verständlich erklärt wurde – wiederum verpackt in eine nette Geschichte.
Der Salzmacher – Kann man selbst Salz herstellen? Was ist ein Indikator und wie funktioniert er? Bei mir wurden da Erinnerungen an die Schulzeit wach.
Das Kupferarmband – Wie findet man bei drei gleich aussehenden Armbändern heraus, aus welchem Material sie bestehen?
Schummler – Eine der Wachen sagt die Wahrheit, die andere lügt. Mit welchen Fragen enttarnt man den Lügner? Romeo und Julia haben in diesem Kapitel eine kleine Rolle – und: man sollte nicht immer zu kompliziert denken, um an des Rätsels Lösung zu gelangen.
Fünf Minuten Wasser – Die Wollebachritter bekommen eine Aufgabe gestellt, bei der sie ohne moderne Hilfsmittel die Zeit messen müssen. Wird ihnen dies gelingen? Ein Experiment, das die Leser sicherlich auch praktisch umsetzen können. Ich persönlich hätte übrigens eine andere Lösung gewählt – welche das wäre, verrate ich natürlich nicht!
Elektrobrause – Hier wird das Kaugummikauen für Simon zu einem schmerzhaften Erlebnis, da ihm ein Missgeschick unterläuft...
Zu den Protagonisten: mein Sohn fand die Kinder etwas leichtgläubig, weil sie (zumindest anfangs) an die Echtheit der Geschichte glaubten, die der Großvater ihnen auftischte. Aber wohl auch deshalb hat der Autor Simons Alter mit elf Jahren angegeben. Ob es dem Opa auch gelungen wäre, seinen Enkel und dessen Freunde für die Experimente zu begeistern, wenn diese im Alter von 15 oder 16 Jahren gewesen wären? Ich habe hier meine Zweifel. Die Handlung ist nicht wirklich realistisch – im wirklichen Leben würde so eine Inszenierung wohl eher nicht funktionieren – ich persönlich finde allerdings schon alleine die Idee genial – dafür ein ganz großes Lob an den Autor.
Wie bereits erwähnt, hätte ich mir einige Skizzen im Buch gewünscht, eventuell sogar Platz für einige Anmerkungen der Leser – sozusagen als Mitmachbuch (Ich könnte mir hier als kleines Extra ein kleines Büchlein vorstellen, das sich in einer Tasche am inneren Buchdeckel befindet). Der Preis von 19,90 Euro für das gebundene Buch ist zwar relativ hoch, dafür aber bietet das Buch ein hochwertiges Aussehen und ist qualitativ hochwertig – relativ dicke Buchseiten und ein blaues Lesebändchen, sowie einige ins Buch eingestreute Zeichnungen sprechen dafür.
Fazit:
Ein lehrreiches Buch, das zum Forschen und Nachdenken anregt. Die Experimente wurden mit Hilfe einer originellen Geschichte umgesetzt. Leider durch die fehlenden Skizzen (einige kleine Zeichnungen sind dennoch im Buch enthalten) oft nicht ganz oder nur schwer verständlich. Die Geschichte selbst ist sehr unterhaltsam, erinnert aber von der Handlung und dem (oft humorvollen) Schreibstil eher an ein Abenteuerbuch für Kinder, als für Jugendliche.
Ein Buch das Wissen auf humorvolle und unterhaltsame Weise vermittelt, aber leider nicht ganz perfekt. Auf jeden Fall gibt es von mir eine Leseempfehlung für dieses Buch - für all diejenigen, die wissenschaftlich interessiert sind. Könnte übrigens meiner Meinung nach auch als fächerübergreifendes Arbeitsgemeinschafts-Projekt in der Schule durchgeführt werden, oder im Rahmen eines Ferienprogramms. Von mir erhält das außergewöhnliche und lehrreiche Buch 4 Sterne.





