Michael Zeller Abhauen! Protokoll einer Flucht

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Inhaltsangabe zu „Abhauen! Protokoll einer Flucht“ von Michael Zeller

»Was alles können wir Erwachsene, aber gerade auch die Kinder in ihrer Lebensneugierde, von unseren verrückten Alten lernen!« Michael Zeller erzählt die letzten zwei Jahre im Leben eines alten Menschen – eines ihm sehr nahen Menschen: der Mutter. Das ist bewegend, ehrlich und überraschend leicht und humorvoll: »Zu meinem eigenen Erstaunen schrieb ich gern an dem Manuskript, sonst hätte ich meine Notizen ruhen lassen. Es war, schreibend, eine Heiterkeit in mir, die sich, so hoffe ich, auf einen Leser überträgt.« Die Distanz, die jedes Erzählen fordert, hat Michael Zeller die Freiheit gebracht, das Gehen eines Menschen als einen natürlichen Prozess zu sehen und dabei das Exemplarische, für jeden von uns Gültige zu fassen. Zeller schildert die Besuche im Krankenhaus nach den Schlaganfällen, die Auflösung der Wohnung, die Zeit im Pflegeheim, die nicht nur die Mutter verändert, sondern auch ihn, den Besucher. Hineingearbeitet in die Gegenwart sind Szenen aus dem zurückgelegten Leben. Sie tauchen irrlichternd auf, zu Bruch gegangen manchmal, verzerrt. Diese Art beschädigter Erinnerung, wie sie im Alter auftritt, ist dem poetischen Verfahren eines Dichters nicht unähnlich und wird von Michael Zeller mit Lust genutzt. So ist ein berührendes, konzentriertes »Protokoll einer Flucht« entstanden, das nicht zuletzt auch das immer wundersame und immer individuelle Beziehungsgeflecht zwischen allen Eltern und ihren Kindern nachspürt, das eh schon ein Rätsel für sich ist und in diesem Fall noch einmal kompliziert wird durch die Auswirkungen des Weltkrieges und des Nationalsozialismus. Damit ist das Buch nebenbei auch ein Abschied von der Kriegsgeneration geworden, deren letzte Vertreter uns gerade verlassen. Die Textur des Erzählens ist luftig genug, um durchsichtig zu werden für den Humor, der auch im Sterben liegt. Gerade dieser Humor (der letztmögliche, der beste) ist es, der das Private aufsaugt und hinter sich lässt. Poeten lieben das Leben. Und also auch den Tod.

Ich habe mich sehr, sehr gefreut, auf Abhauen! Protokoll einer Flucht, bei meinem Rumgewühle im E-Book-Markt gestoßen zu sein!

— taniafolaji
taniafolaji
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    Abhauen! Protokoll einer Flucht
    taniafolaji

    taniafolaji

    24. October 2014 um 07:26

    Die letzten Lebensjahre sind meist die Jahre, in denen allen alles abverlangt wird, den Alten wie den Angehörigen.  Diese schnöde Lebensweisheit ist der Plot von M. Zellers schönem MaxiPlayer Abhauen!Protokoll einer Flucht, erschienen bei CulturBooks. Und es wird so schön und so wenig rührselig, gar nicht ins Sentimentale abglitschend erzählt, dass ich gar nicht anders konnte, als sehr berührt zu sein. Ein Sohn erlebt seine Mutter im Verglühen. Biografie umarmt Prosa. http://taniafolaji.com/

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