Michaela Karl

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Die Geschichte der Frauenbewegung

Die Geschichte der Frauenbewegung

 (5)
Erschienen am 15.02.2011
Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals

Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals

 (5)
Erschienen am 07.02.2012
Streitbare Frauen

Streitbare Frauen

 (2)
Erschienen am 10.12.2012

Neue Rezensionen zu Michaela Karl

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Giselle74s avatar

Michaela Karl schreibt einfach wirklich lesenswerte Biographien. Erst kürzlich habe ich ihr Buch über New Yorks spitzeste Feder Dorothy Parker gelesen, nun folgte ihr neuestes Werk über Unity Mitford. Was die Bücher Frau Karls ausmacht, ist die sehr gute Recherche, der nachvollziehbare Aufbau ohne unnötiges Namedropping und die durchgehend spannende Ausarbeitung. Zusammenhänge klar zu erklären und dabei charmant zu erzählen, das Talent hat wahrlich nicht jeder...
Diesmal also Unity Mitford. Aber wer zum Henker ist das? Ein leises Klingeln hatte ich im Hinterkopf beim Namen Mitford, jedoch in Verbindung mit dem Namen Nancy. Und, bingo, Unity ist eine der sogenannten Mitford Schwestern, die in den Zwanziger und Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts Englands Tageszeitungen recht häufig zierten.
Die Mitford Schwestern sind die sieben Töchter von Lord und Lady Redesdale. Aufgewachsen in für die Zeit erstaunlicher Freiheit auf dem Lande und nicht an eigener Meinungsbildung gehindert, werden sie genauso schön wie exzentrisch. Nancy und Diana, Unitys ältere Schwestern, sind gern gesehene Ballgäste, weltoffen, mit großem Freundeskreis. Unity dagegen gilt früh schon als schwierig und aufmüpfig. Als Diana Geliebte des englischen Faschistenführers Mosley wird, wendet auch Unity sich dem Faschismus zu. Sie reist nach Deutschland, lernt dort tatsächlich Hitler kennen und eine enge Freundschaft entsteht.
Michaela Karl versucht aufwendig nachzuvollziehen, wie aus einem englisches Upper class girl eine hartgesottene Nationalsozialistin werden konnte. Wie ein intelligenter, charmanter, fröhlicher Mensch einer solchen menschenverachtenden Idiologie blind folgen konnte, alles ausblendend, was nicht ihrem Weltbild entsprach.
Es ist nicht nachzuvollziehen, zumindest für mich nicht. Frau Karl holt sehr weit aus, berichtet über Herkunft und Umfeld, über Einflüsse, politische Strömungen, aber Unity bleibt blass, nicht greifbar. Sie soll aufgedreht und dumm gewesen sein, sagen die einen, die anderen sprechen von ihrem Charme und ihrer Aufgeschlossenheit. Definitiv war sie wohl eines der ersten Fangirls, völlig ihrem Idol Hitler verfallen. Schlimmer noch, es gelingt ihr, auch einen Teil der Familie damit anzustecken. Ihre Schwester Diana wird bis zum Tode bekennende Faschistin bleiben.
Für mich war es hochinteressant zu lesen, wie viele Engländer den deutschen Nationalsozialismus bewundert und auch gefördert haben. Wie gesellschaftsfähig Faschismus und Judenhass auch dort waren. Ich wusste, dass es diese Strömungen dort gab, P.G. Wodehouse z.B. macht sich mit seiner Figur Spade über oben erwähnten Oswald Mosley lustig, aber wie offen Hitler von britischen Adelskreisen hofiert wurde, war mir nicht klar.
Auch wenn sich mir die Beweggründe Unitys nicht wirklich erschlossen haben, ist diese Biographie äußerst lesenswert und sollte unsere Wachsamkeit wecken. Denn Menschenverachtung kommt nicht immer dumpf und kahlgeschoren daher. Nein, manchmal erscheint sie auch als elegante, redegewandte Dame von Welt. Aber wie auch immer sie auftritt, man muss ihr frühzeitig entgegen treten.

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Giselle74s avatar

Rezension zu ""Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber"" von Michaela Karl

Mrs Parker und das Leben
Giselle74vor 3 Monaten

Gleich zu Anfang muss ich mich einfach über die fatale Neigung Michaela Karls zu kalauernden Titeln äußern. Es handelt sich zwar um ein "mot" der Parker, aber ob es "bon" genug ist, um ausgerechnet den Titel abzugeben? Da sie es scheinbar bei all ihren Biographien so macht, hat es zugegeben Wiedererkennungscharakter, aber das macht mich wahrlich nicht glücklicher. Hätte Dorothy Parkers Name nicht dabei gestanden, hätte ich das Buch nicht gelesen - und das wäre überaus bedauerlich gewesen.
Frau Karl kann nämlich hervorragend Biographien schreiben. Sie scheint gründlich zu recherchieren und sich das Leben ihres jeweiligen Titelgebers von allen möglichen Seiten zu betrachten. Dabei schreibt sie klug und warmherzig, ohne reine Fakten aufzuzählen, aber auch ohne in Skandalen zu baden.
In diesem Falle geht es also nun um Dorothy Parker, Society - Ikone der Zwanziger und mit der schärfsten Zunge New Yorks gesegnet. Es ist Frau Karl hoch anzurechnen, dass sie die Parker nicht nur auf Bettgeschichten und Alkohol reduziert (trotz des Titels), sondern ihren Werdegang erzählt, von der Kindheit in einem nicht sehr gläubigen jüdischen Haushalt, über die ersten Schreibversuche, ihre Arbeit bei Vogue und Vanity Fair und ihre Erfolge als Schriftstellerin. Sie gehört zu den großen amerikanischen Autoren ihrer Zeit. Bedauerlich, dass sie in Vergessenheit zu geraten scheint. Ihr Metier waren Gedichte und Kurzgeschichten, am eigenen Roman sollte sie lebenslang scheitern.
Sie ist Mitglied einer Gruppe von Künstlern, die sich regelmäßig im Hotel Algonquin treffen und zu der zeitweise auch F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway gehören. Ironie, Witz, Schlagfertigkeit und ein gewaltiger Alkoholkonsum sind Grundvoraussetzungen, um dort zu bestehen. Dorothy Parker ist die unbestrittene Queen dieser Tafelrunde. Untalentiert ist sie scheinbar nur darin, ihr persönliches Glück zu finden. Sie hat eine fatale Neigung, sich in Alkoholiker zu verlieben und schlußendlich wird kein Beziehungsversuch gelingen. Sehr feinfühlig erzählt Michaela Karl vom Auf und Ab im Leben der Parker, von den absoluten Höhenflügen bis hin zu Selbstmordversuchen. Sie erzählt von der Einsamkeit und fehlenden Liebe, der Kompensation durch Reisen und Feiern, davon , dass der große Teil der Algonquin-Runde nicht alt wird. Denn irgendwann sind die goldenen Zwanziger vorbei, und was vorher spritzig war, verliert an Glanz.
Eine ganz wunderbare Biographie einer hochtalentierten Schriftstellerin, einer Frau mit eigener Meinung, die sich nie gescheut hat, diese auch zu äußern, die ihren eigenen Weg gegangen ist, zu Zeiten, wo das für Frauen eher skandalös war und die schon allein deshalb nicht vergessen werden sollte.

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TheSaints avatar

Rezension zu ""Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber"" von Michaela Karl

Königin der spitzen Zungen, harten Drinks und unglücklichen Herzen
TheSaintvor einem Jahr

1893 als Dorothy Rothschild in einem Sommerstrandhäuschen in New Jersey geboren, wird diese Frau, die sich selbst immer als waschechte New Yorkerin sah, später mit den größten Kreativen ihrer Zeit an dem berühmten runden Tisch im Hotel Algonquin zusammensitzen und mit ihnen gemeinsam für Furore sorgen.

Ihre Kindheit verläuft unglücklich: Sie verabscheut ihren Vater, der sie züchtigte und verliert ihre Mutter mit knapp fünf Jahren. Mit der neuen Frau ihres Vaters kommt sie gar nicht zurecht... Sie besucht eine katholische Grundschule, obwohl ihr Vater jüdisch und ihre Mutter protestantisch sind. Die jüdischen Wurzeln belasten sie schwer und ihre erste Ehe mit Edwin Pond Parker II geht sie 1917 ihren Worten nach nur ein, um ihren Familiennamen loszuwerden.

Sie ist 20, als ihr Vater stirbt und verdient sich als Pianospielerin ihren Lebensunterhalt. Nebenbei feilt sie an ihrem ersten Gedicht "Any Porch". 1914 verkauft sie es erfolgreich an das Magazin "Vanity Fair". Ihr Aufstieg als Königin der "smart crackers" beginnt: Zuerst arbeitet sie als Redaktionsassistentin für die Zeitschrift "Vogue", doch schon zwei Jahre später hat sie ihre erste Fixanstellung bei der "Vanity Fair".

Ihr Ruf als bissige Theaterkritikerin der Zeitschrift festigt sich und wird legendär. Bei "Vanity Fair" lernt sie Robert Benchley und Robert Sherwood kennen. Künftig wird dieses Trio während ihrer Mittagspausen, die sich später immer länger bis in die Nacht ausdehnen, im Hotel "Algonquin" Größen wie Noel Coward oder Harpo Marx an ihrem "runden Tisch" im Pergola Room willkommen heißen.
Von Juni 1919 bis in die frühen 1930er hinein sind diese Treffen Stadtgespräch. Alle Mitglieder des "runden Tisches" machen großartige Karrieren... ihre Exzesse und Süchte jedoch verlangen ihren Preis.

Das Leben dieser faszinierenden zierlichen Frau mit der leisen Stimme ist gekennzeichnet von den großen Erfolgen als Verfasserin von Kurzgeschichten und Gedichten und ihren Misserfolgen als Roman-, Bühnen- und Drehbuchautorin (sie wird zweimal für den Academy Award nominiert)... Diese sind auf ihre Alkoholsucht und ihre Unfähigkeit, konsequent und ausdauernd an längeren Projekten zu arbeiten, zurückzuführen.
Sie unternimmt mehrere Selbstmordversuche aufgrund ihrer unglücklichen Affären, die sie immer mit starken Trinkern eingeht. Einer davon ist Alan Campbell, den sie 1934 heiratet... Gemeinsam schreiben und trinken sie sich durch die ersten 13 Jahre ihrer Ehe. Der Zweite Weltkrieg fordert seinen Tribut - es kommt zur Scheidung.
Doch 1950 versuchen sie es noch einmal und es folgen für ihre Freunde peinliche Jahre von wüsten Szenen, Komplettausfällen aber auch erfolgreichen Momenten bis 1963.

Dottie Parker hat viele ihrer großen Freunde wie Ernest Hemingway oder F. Scott Fitzgerald überlebt, doch ihre Trinkerei und sich verändernde Zeiten fordern ihren Tribut...
Am 7. Juni 1967 stirbt sie allein an einer Herzattacke. Sie hinterlässt das Wenige und ihre Tantiemen Dr. Martin Luther King, der selbst 1968 gewaltsam den Tod findet.
Die einstige weltbekannte Königin der spitzen Zungen und der Alkoholiker wird schnell vergessen... ihre Urne wird nie bei ihrem Anwalt abgeholt und steht 17 Jahre lang vergessen in einem Schrank.
Schlussendlich nimmt sich 1988 die NAACP der sterblichen Überreste an und bettet die Urne in Baltimore zur Ruhe. Dort stehen auf einer Plakette Dottie Parker's selbst gewählte Worte: "Excuse my dust."

Das Buch ist wunderbar kurzweilig und unterhaltsam geschrieben und gespickt mit unzähligen "smart crackers" dieser faszinierenden Persönlichkeit. Es gibt ihre berühmten Kurzreime im Original zu lesen sowie unzählige Zitate und Bemerkungen... eine sehr runde Biografie!


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