Der Meister und Margarita

von Michail Bulgakow 
4,4 Sterne bei349 Bewertungen
Der Meister und Margarita
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (295):
BlueSunsets avatar

Völlig absurd und doch lehrreich und sehr satirisch. Ein Klassiker, der wahnsinnig viel Spaß macht. Für Freunde des Skurrilen.

Kritisch (13):
Lysanders avatar

Mitreißend auf den errsten 200 Seiten, danach habe ich mich verloren im Buch ... nicht mein Werk.

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Inhaltsangabe zu "Der Meister und Margarita"

Michail Bulgakows sowjet-satirischer Kultroman in der vollständigen Neuübersetzung von Eric Boerner, bei der neueste Erkenntnisse über den politischen und kulturellen Hintergrund der in Zeitraffermanier verfremdeten russischen Revolution berücksichtigt sind. Historische Persönlichkeiten wie Lenin (Woland), Stalin (Asasello) oder Gorkij (Meister) sind in dieser Übersetzung leichter identifizierbar und ermöglichen so einen tieferen Einstieg in die Abgründe, der von Bulgakow meisterlich parodierten Sowjeteliten. Ein unbedingtes Muss für jeden Fan satirischer und fantastischer Literatur jetzt in der zweiten, weiter verbesserten Auflage.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783844810295
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:404 Seiten
Verlag:Books on Demand
Erscheinungsdatum:16.07.2012
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.06.2007 bei DHV Der HörVerlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    buechertraeumevor 8 Tagen
    Wenn der Teufel nach Moskau kommt

    In Der Meister und Margarita sucht ein unheilvoller Fremder gemeinsam mit seinen Kumpanen – einem mannsgroßen Kater, einem Typen in karierten Hosen und einem rothaarigen Mann mit übermäßig spitzen Eckzähnen –  Moskau heim und veranstaltet  ein groteskes Puppenspiel mit den Bewohnern der Stadt. Menschen werden hypnotisiert, landen im Irrenhaus oder sterben. Statt einem einzelnen Helden führen der Teufel und sein Wirken als roter Faden durch das Buch. Es ergibt sich ein Knäul aus miteinander verbundenen Schicksalen. Der ohnehin verworrene Handlungsverlauf wird immer wieder von einer Geschichte über Pontius Pilatus und Jeschua Ha`nozri durchbrochen, die aus der Feder des namenlosen Meisters stammt. Obwohl er und seine Gefährtin Margarita der Geschichte ihren Namen geben, tauchen sie und ihre Liebesgeschichte erst ab der Mitte des Buches auf. So ergibt sich für den Leser vor allem zu Beginn des Buches ein sehr unübersichtliches Bild, von dem man sich aber nicht abschrecken lassen sollte.

    "Dieses Buch ist wie ein machtvoller Rausch, der einen nicht mehr losläßt. Wie ein irrlichterndes Kaleidoskop jagen die Bilder und Gedanken und verdichten sich zu einer meisterlichen Gesamtschau von sublimer Schönheit." - Die Weltwoche

    Das "irrlichternde Kaleidoskop" entfaltet erst dann seine Wirkung, wenn man sich mit dem Schreibstil Bulgakows und den vielen verschiedenen Charakteren vertraut gemacht hat, dann allerdings zieht es einen unerbittlich in den Sog der Geschichte hinein. Gerade weil sie so ausgeflippt, chaotisch, verworren und unwirklich ist und außerdem Magie und Wirklichkeit verknüpft, hat sie Seite um Seite an Reiz gewonnen.

    Kurz: Ein Buch mit Ecken und Kanten, aber auf jeden Fall lesenswert!

     

     

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    Sieglers avatar
    Sieglervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Klassiker! Im Westen wenig bekannt...
    Eine russische Perle!

    Als ich in Moskau war, habe ich direkt bei den Schauplätzen des Romans gewohnt und alles wurde damit magisch aufgeladen. Ein zeitloser Roman, der mit Magie die Ungerechtigkeit der Welt anprangert.

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    PaganPunks avatar
    PaganPunkvor 2 Jahren
    Mal etwas anderes

    Definitiv ein interessantes Werk, aber auch ungewohnt und vielleicht nicht jedermanns Sache. Die Zeitlinien sind etwas verwirrend und auch die Perspektive erfordert einen sehr aufmerksamen Leser, manche Passagen musste ich mehrmals lesen, um sie richtig zu erfassen. Es ist ein Buch zum Nachdenken, Anregen und Reflektieren, aber keines, von dem man sich einfach berieseln lassen kann. Wer außerdem eine klare und geschlossene Handlung erwartet, die alle Fragen beantwortet, wird hier enttäuscht werden. Es gibt viele Leerstellen, die, sicherlich bewusst, nicht gefüllt werden. Und das Ende ist - sagen wir es mal so - dergestalt, dass man glatt einen zweiten Teil erwarten würde ^^

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    HelloBvor 2 Jahren
    eine ganz besondere Satire auf höchstem Niveau

    Ein Mann, der aufgrund von verschüttetem Sonnenblumenöl seinen Kopf verliert. Sein Begleiter, der anschließend spärlich bekleidet durch das nächtliche Moskau läuft. Ein geheimnisvoller Fremder, der all das richtig prophezeit hatte. Ein Kater, der auf Hinterbeinen läuft und selbstständig Straßenbahn fährt. Ein Betrunkener, der in Moskau das Bewusstsein verliert und in Jalta wieder aufwacht. Margarita, die Geliebte des Meisters, einem ansonsten namenlosen Schriftstellers, die sich mit einer geheimnisvollen Creme einschmiert und daraufhin fliegen kann (und das auch tut, und zwar nackt auf einem Besen). Ein Ball, auf dem lauter Verstorbene tanzen. Man ahnt es schon: Kein Geringerer als der Teufel treibt sein Unwesen in Moskau!


    Ich habe den Roman nun schon zum zweiten Mal gelesen und für mich bleibt „ Der Meister und Margarita“ eine ganz besondere Satire auf höchstem Niveau. Es macht einfach Freude sich auf den „ Spuk“ einzulassen. Das Buch ist so grotesk, absurd und voller sehr speziellem Humor, das man es wirklich gelesen haben sollte. Manchmal habe ich mich doch gewundert, wie viel Spaß mir die Lektüre gemacht hat. :)
    Ich hoffe dieser Roman findet noch viele weitere Leser*innen. 

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    maggiterrines avatar
    maggiterrinevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Der Teufel geistert durch Moskau und ärgert die verkommene Bevölkerung. Das war's.
    Russland im frühen 20. Jahrhundert

    Ja, der Teufel wandert durch Moskau. Ja, er treibt eine Menge Schabernack mit der spießigen Bevölkerung und den arroganten Literaten. Aber wirklich lustig oder spannend ist das nicht. Tatsächlich zieht sich das Buch ganz schön...
    Außerdem hatte ich ziemliche Schwierigkeiten die ganzen russischen Namen auseinander zu halten. Wenn auf Charaktere aus früheren Kapiteln Bezug genommen wurde, wusste ich meist nicht mehr wer das war... der Theaterbesitzer? Der Nachbar? Irgendein Autor? Auf jeden Fall jemand mit einem russisch klingenden Namen...
    Die Geschichte vom Meister und seiner Margarita war hingegen eigentlich ganz schön, leider tauchen die beiden erst in der zweiten Hälfte des Buches auf. Danach nimmt die Geschichte dann glücklicherweise ein wenig Fahrt auf. Durch die erste Hälfte muss man sich irgendwie durchkämpfen...

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    _nifelheims avatar
    _nifelheimvor 3 Jahren
    Ein Meisterwerk russischer Literatur!

    Zu diesem Buch gibt es viele skurrile Fakten, es wurde verboten  und war daher sehr lange ein Werk der Untergrundliteratur. Viele  Menschen trafen sich heimlich und lasen sich aus diesem Buch vor. Die letzten Kapiteln konnte der Schriftsteller auch  gar nicht selber fertig schreiben und musste sie seiner Frau diktieren, weil er schon sehr krank war. Darüber hinaus hat die Regierung sehr vieles schon vor der Veröffentlichung zensiert. Über 10 Jahre schrieb Bulgakow an diesem Buch und herausgekommen ist wahrlich ein Meisterwerk der Literatur.

    Der Meister und Margarita liest man nicht einfach so auf einmal weg, oft legt man das Buch beiseite und nimmt es aber immer wieder in die Hand. Irgendwie kann man einfach nicht aufhören, bevor man es durch hat!


    Handlung:

    An einem schönen und warmen Sommertag begegnen der Literat Berlioz und der Poet Besdomny einem Ausländer. Sie verstricken sich in ein Gespräch über die Existenz Gottes, Jesu und diskutieren mit ihm über die Verurteilung Jesu durch Pontius Pilatus. Als der Ausländer daraufhin bekannt gibt, dass er höchstpersönlich dabei war und Zeuge dieses Ereignisses wurde, glauben die beiden es mit einem Irren zu tun zu haben. Der Ausländer aber will den beiden durch eine Prophezeiung beweisen, dass er die Wahrheit sagt und spätestens als diese Prophezeiung auch tatsächlich eintritt, ist klar um wen es sich bei dem seltsamen Fremden handelt. Besdomny wird kurz darauf in eine Irrenanstalt eingeliefert, weil man seinen Erzählungen keinen Glauben schenken mag, als er der Justiz erzählt, dass er den Teufel getroffen habe. Diese Begegnung der drei Männer löst eine kunstvolle Verkettung grotesker Ereignisse in Moskau aus.

    Während der Teufel mit seinem Gefolge, bestehend aus dem Kater Behemoth (der sich übrigens gerne einmal ein Gläschen Vodka genehmigt und auch andere Gestalten annehmen kann), der rothaarigen Hexe Hela, Fagot, Asaselli und Korowiow in Moskau sein Unheil treibt, lernen sich Besodmy und ein Schriftsteller, der sich der Meister nennt, im Irrenhaus kennen.  Aufgrund seines Romanes über Pontius Pilatus gelangte er in diese Klinik und die beiden bemerken, dass ein Zusammenhang in ihren Geschichten besteht.  Die Geliebte des Meisters, Margarita Nikolajewna trauert ihrer Liebe nach und möchte den Schriftsteller retten, sie begibt sich in die Arme des Teufels und opfert ihm seine Seele, da es für die beiden auf der Erde keine Chance gibt zusammen zu sein.

    Meine Meinung:

    Das Buch besteht aus zwei Teilen, wobei der erste Teil des Buches eher die Folgen schildert, die sich daraus ergeben, dass der Teufel die Erde heimsucht. In Teil zwei wird näher auf die Liebesgeschichte von Margarita und dem Meister eingegangen. Der Teufel wird dem Leser von Seite zu Seite immer sympathischer und er erkennt, dass die Welt aus Licht und Schatten besteht. Da wo Licht ist, muss es auch Schatten geben.

    Im Roman gibt es zwei Stellen, die besonders begeistern: Erstere wäre die Begegnung Margaritas mit dem Meister. Bei ihrem ersten Aufeinandertreffen trägt Margarita gelbe Blumen in der Hand, obwohl dieses Detail nicht wichtig für die Handlung ist, hat diese Stelle einen eigenartigen Zauber und wird besonders schön beschrieben und hervorgehoben. Warum hat Margarita überhaupt Blumen mit? Steht es als Zeichen, dass sie sich begegnen mussten oder hat es etwas anderes zu bedeuten? Die zweite Stelle enthält ein schönes Zitat, das zum Nachdenken verleitet:

    "Willst du nicht so gut sein, einmal darüber nachzudenken, was dein Gutes täte, wenn das Böse nicht wäre, und wie die Erde aussähe, wenn die Schatten von ihr verschwänden? Kommen doch die Schatten von den Dingen und den Menschen. Da ist der Schatten meines Degens. Aber es gibt auch die Schatten der Bäume und der Lebewesen. Du willst doch nicht etwa den Erdball kahlscheren, alle Bäume und alles Lebende von ihm entfernen und deine Phantasie an kahlem Licht ergötzen? Du bist dumm."

    Den Inhalt dieses Buches komplett zu beschreiben ist gar nicht so einfach, besteht es doch aus vielen Anekdoten, Hintergründen und versteckten Botschaften. Selbst Stalin, der zur Zeit der Veröffentlichung russischer Präsident war, mochte das Buch gerne, ließ es aber verbrennen und verbieten. Der Meister und Margarita zählt definitiv als anspruchsvolle Literatur und wenn es ein Buch gibt, das man ein weiteres Mal liest, dann dieses. Nachdem man es durch hat, fühlt man sich so, als ob irgendwie etwas Großartiges passiert ist.

    Mir hat sehr vieles an diesem Buch gut gefallen, weshalb ich es auch in meine Top-Liste aufgenommen haben. Ich mochte Goethes Faust sehr gerne,  der Inhalt dieses Buches hat eine Anspielung auf  Goethes Werk, Faust wird sogar in der Handlung erwähnt.  Einige Figuren waren mir von Anfang an sehr sympathisch, ich hätte zB auch gerne eine Katze, die Vodka trinkt und lustige Bemerkungen an unpassenden Stellen von sich gibt. Weiters mochte ich die tiefgründigen Dialoge und auch die Sprache gefiel mir sehr gut. Es ist eine verrückte und grandiose Idee voller Satire, die Herr Bulgakow da hatte, als er dieses Buch schrieb! Deshalb empfehle ich jedem das Buch zu lesen und gebe auch den Tipp nicht aufzugeben, wenn man bei manchen Stellen pausieren muss!

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    suse9s avatar
    suse9vor 4 Jahren
    Wunderbar - im wahrsten Sinne des Wortes

    Dies ist keine Rezension sondern einfach nur mein Erstaunen über dieses Buch in Worte gefasst.

    Einer Empfehlung folgend nahm ich den Roman „Der Meister und Margarita“ von Michael Bulgakow in die Hand. Nie gehört, nie gesehen und doch soll es ein Klassiker sein? Als das beste Buch überhaupt wurde es mir angepriesen. Nun, das wollte ich dann aber genau wissen.

    Der Roman spielt in Moskau in den 1930er Jahren und schildert das Leben dort bildhaft. Ich kann die Handlung weder kurz umreißen noch genau sagen, was wirklich das Besondere dieser Geschichte ist. Während der Autor ein buntes, wunderbar skurriles und doch lesenswertes Bild der damaligen Zeit malt, muss ich noch entscheiden, ob mich das Buch eher erstaunt, überrascht, nachdenklich zurücklässt oder einfach nur zum Lachen gebracht hat. Eins weiß ich allerdings ganz genau. Ich habe noch nie zuvor ein Buch gelesen, das mich so gut unterhalten hat und gleichzeitig mit so vielen Fragen entließ. Vielleicht setzt das Verstehen erst beim zweiten, dritten oder vierten Mal Lesen ein? Die Frage ist allerdings, ob man wirklich alles verstehen MUSS.

    Besonders gefallen haben mir die Leichtigkeit der Worte, Unbändigkeit der Charaktere, maßlosen Übertreibungen und versteckten Hinweise auf Missstände, aber auch durch die Lüfte fliegende, Röcke schwingende Mädchen und sich in Luft auflösende Theaterdirektoren. Noch muss ich entscheiden, ob der Schluss des Romans pessimistisch oder optimistisch oder doch nichts von Beidem war.

    Eine Empfehlung spreche ich nicht aus, kann nur so viel sagen, dass ICH jede Seite genossen habe, das Buch gerne in die erste Reihe meines Bücherregals stelle und jedem, der Muße hat, selbst einen Versuch zu wagen, viel Vergnügen beim Entdecken der unglaublichen Welt wünsche, die Bulgakow für uns aufgeschrieben hat. 


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    StupserlLs avatar
    StupserlLvor 4 Jahren
    Sehr origineller Klassiker

    Endlich habe ich ihn auch gelesen, den satirischen Klassiker der russischen Literatur, erst 20 Jahre nach Bulgakows Tod zu Ehren gekommen. Am besten gefällt mir die Eingangsszene mit dem skurill, schmissigen Dialog zwischen Literaten und Teufel. Unvergessen die große schwarze Katze und einfach umwerfend die Neuerzählung der Pilatus-Szenen vor der Kreuzigung. Insgesamt einfach einmalig und wert, unvergessen zu bleiben.

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    Stefan83s avatar
    Stefan83vor 5 Jahren
    In Moskau ist der Teufel los...

    Nachdem ich, von einigen längeren Pausen unterbrochen, fast drei Stunden auf das leere Word-Dokument vor mir gestarrt habe, wird mir nun langsam klar, dass es nicht so einfach wird mit der Rezension zu Michail Bulgakows „Der Meister und Margarita“. Das dürfte für mich insofern nicht überraschend sein, da auch die Lektüre dieses russischen Klassikers der Weltliteratur so ihre Tücken bereithielt, gehört sie doch zu der Kategorie Bücher, welche man zwar ohne weiteres einfach lesen, aber deswegen noch lange nicht verstehen bzw. genießen kann.

    Über elf Jahre schrieb Bulgakow an dem Roman, diktierte noch im März des Jahres 1940 auf dem Sterbebett seiner Frau Jelena die letzte Fassung, auf die wiederum die Leserschaft nochmals ein Vierteljahrhundert warten musste. Erst dann, im November 1966, erschien das Werk in Fortsetzungen in der Literaturzeitschrift „Moskwa“ - allerdings um rund ein Achtel gekürzt. Dem Erfolg tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil: Binnen weniger Stunden war die erste Auflage von 150.000 Exemplaren ausverkauft. Und auch die Zensur wurde mit der handschriftlichen Vervielfältigung der herausgekürzten Passagen vielerorts unterlaufen, „Der Meister und Margarita“ recht schnell zum Kultbuch einer ganzen Generation – und dies ist es heute, nach dem Ende des Ostblocks und dem Zusammenbruch des Sowjetregimes, auch weltweit. Ein Erfolg, den Bulgakow, der fast 30 Jahre vor der Veröffentlichung nach langer Krankheit starb, leider nicht mehr miterleben durfte.

    Doch was macht die Faszination dieses von vielen als „größten russischen Roman“ bezeichneten Werks eigentlich aus? Wie lässt sich die Ausnahmestellung erklären, die Bulgakow neben Gogol, Tolstoi und Dostojewski inne hat und ihn – ironischerweise – sogar zum Lieblingsschriftsteller Stalins machte? Des Mannes, unter dem sich die Sowjetunion zu einem diktatorischen, totalen Überwachungsstaat entwickelt hatte, dessen alles erstarrende, lückenlose Bürokratie zum großen Feindbild Bulgakows wurde. Um all dies zu verstehen, die literarische Größe und Vielschichtigkeit zu erfassen, bedarf es mehr, als nur die schiere Lust am Lesen. Ohne eine gewisse Kenntnis der russischen Geschichte, insbesondere der 20er und 30er Jahre, wird vor allem der satirische Teil dieses Werks im Nichts versanden. Und auch die vielen Anspielungen und Verweise auf u.a. Goethes „Faust“, Gogol oder E.T.A. Hoffmann werden bei denjenigen unbemerkt vor den Augen vorbeiziehen, welche sich sonst eher im Bestseller-Regal der Buchläden bedient haben. Kurzum: „Der Meister und Margarita“ fordert einen gewissen Preis vom Leser, der in Wissen und Phantasie abzuleisten ist. Ansonsten werden die euphorischen Kritiken, die einzigartige Ausnahmestellung dieses Buches für viele ebenso schwer nachzuvollziehen sein, wie dessen äußerst komplexe und ineinander verschachtelte Handlung. Diese sei kurz angerissen:

    Moskau, Sowjetunion, Ende der 1920er Jahre. Die „schöne neue Welt“ des Sozialismus ist zum Tummelplatz für regimetreue Funktionäre, Schmeichler, Speichellecker und Denunzianten geworden – allesamt willige Diener eines Regimes, das seine treuen Genossen mit staatlichen Geldern belohnt und mästet. Besonders die Literaten und Theaterleute genießen diese staatliche Protektion, speisen fürstlich im mondänen Restaurant „Gribojedow“, neidisch beäugt von den kleinen Schreiberlingen, die es nicht in die Schriftstellervereinigung geschafft haben. Doch in der Karwoche steht plötzlich alles auf dem Kopf – denn der Teufel höchstpersönlich gibt sich die Ehre.

    In der Gestalt des „Konsultanten“ Voland nimmt er sich des korrupten Packs an, macht gleich zu Beginn des Romans kurzen Prozess mit dem Vorsitzenden der Schriftstellervereinigung, dem von einer treffsicheren U-Bahn der Kopf abgetrennt wird. Während die Schaulustigen noch ob des ungewöhnlichen Todes gaffen, wendet sich Satan bereits wieder dem jungen Dichter Besdomny zu, der, beauftragt ein Poem zu schreiben, das die Existenz Gottes leugnet, auch kurzum dessen ewigen Widersacher in Frage stellt. So etwas kann ein Teufel nicht auf sich sitzen lassen. Er raubt Besdomny seinen Verstand, welcher darauf in einer psychiatrischen Klinik landet und dort auf den „Meister“ trifft. Der war einst vom Klüngel des „Gribojedow“ wegen seines Romans über Pontius Pilatus harsch kritisiert worden und, nachdem er sein Manuskript in der Verzweiflung verbrannt hat, in eine tiefe Depression verfallen. Getrennt von seiner Geliebten, der wunderschönen Margarita, dämmert er seitdem vor sich hin. Doch der Teufel, der Margarita für den alljährlichen mitternächtlichen Hexenball als Ballkönigin an seiner Seite will, belohnt diese für ihre selbstlose Zusage – er führt die Liebenden zusammen. Und hinterlässt dabei eine Spur heilloser Verwüstung …

    Auch mit dieser kurzen Wiedergabe erfasst man nicht einmal einen Bruchteil des Romans, der tatsächlich sogar noch eine zweite Erzählebene besitzt, in dem das Geschehen um das Manuskript des Meisters kreist. Aus der Perspektive des Pontius Pilatus schildert es die letzten Stunden im irdischen Leben des Jesu Christi, der mit seinem Henker nicht nur in Eintracht speist, sondern sogar ein freundschaftliches Verhältnis zu diesem entwickelt. Im Gegensatz zu Version der Bibel, begegnet der Leser hier einem menschlichen Pilatus, der in keinster Weise böse ist, sondern allein im entscheidenden Moment einen Fehler begeht, sich als Feigling erweist. Der Teufel nutzt diese Geschichte des Meisters, die er kurzerhand wiederherstellt („denn Manuskripte brennen nicht“), um den Gottesleugner Besdomny endgültig von dessen Irrtum zu überzeugen.

    Zahlreiche Nebenhandlungen, schnell aufeinander folgende Perspektivwechsel, ein buntes, theaterhaftes Sammelsurium aus Gaunern, Karrieristen, Verrätern, Bürokraten und dumpfen Bürgern – und mittendrin der Teufel mit seinem Gefolge (allen voran der riesige und urkomische Kater Behemoth), die keinen Stein auf dem anderen lassen und mit satanischer Hingabe ihre Strafen verteilen. Bulgakow entfesselt in „Der Meister und Margarita“ einen regelrechten Sturm der phantastischen Ideen, der das undurchschaubare Geflecht des Sowjetstaates auseinanderwirbelt und mit bisweilen grandioser Satire und Situationskomik dessen bizarre Zustände entlarvt. Irrwitzig, mitreißend, traurig, bewegend, gefühlvoll – es bedarf einer ganzen Palette von Adjektiven, um diesen Roman ausreichend zu beschreiben, der, ganz im Stile Gogols, den Witz nutzt, um seine ernsthafte Botschaft zu überbringen. Wohlgemerkt ohne dabei zur moralgetränkten Anklageschrift zu verkommen. Denn das Buch ist in erster Linie eins – unheimlich unterhaltsam. Egal, in welchem Abschnitt man sich gerade befindet, welchen Handlungsstrang der Leser verfolgt – der Roman im Roman funktioniert jederzeit reibungslos, auch weil Bulgakow beide Geschichten nutzt, um die Handlung mit Volltempo voranzutreiben und die Stränge letztlich konsequent, aber auch überzeugend und logisch zusammenführt.

    Und dennoch: Die Essenz dieses so facettenreichen Romans zu finden, zu erklären, was „Der Meister und Margarita“ so herausragend macht, ist schwer. Ob philosophisches Gedankengut in der Tradition Dostojewskis, skurrilem Schauer à la E.T.A. Hoffmann oder die klassische tragische Liebesgeschichte – Bulgakows Werk bietet all das und doch mehr, verflechtet den satirischen Gesellschaftsroman mit derart vielen Elementen, das er sich einer Einordnung in ein bestimmtes Genre gänzlich widersetzt. Ich für meinen Teil kann mich jedenfalls an kein Buch erinnern, welches die Rollen von Gut und Böse derart intelligent besetzt hat und dabei gleichzeitig so erschreckend prophetisch den weiteren Gang der sowjetischen Gesellschaft unter dem Kommunismus vorwegnimmt. Korruption, seelische Fäulnis, Verlust der Menschlichkeit – das es gerade der Teufel ist, der uns hier den Spiegel vorhält, ist ein genialer und vor allem unheimlich wirkungsvoller und nachhaltiger Kniff.

    So ist „Der Meister und Margarita“ am Ende mehr – von allem. Eine satirische Abrechnung mit dem Sowjetstaat. Eine Anklage gegen Beliebigkeit, Unmündigkeit und den Verlust des Glaubens. Ein spannendes, wendungsreiches Abenteuer. Und eine tragische, bewegende, wunderschöne Liebesgeschichte zweier Menschen, die allen Verlockungen widerstehen und dadurch die Gnade des Teufels finden.

    Ganz, ganz große Literatur, die vielleicht nicht für jedermann einfach zu lesen ist, sich aber irgendwie doch an jedermann richtet. Unbedingt empfehlenswert und – ohne Frage – einer der wichtigsten Romane des 20. Jahrhunderts.

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    Tintenelfes avatar
    Tintenelfevor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Meister und Margarita" von Michail Bulgakow

    Im Moskau der 30er Jahre ist der Teufel los. Der Literat Berlioz und der Poet Besdomny begegnen ihm in Gestalt eines merkwürdigen Ausländers an einem lauen Sommerabend und werden von ihm in ein Gespräch über die Existenz Gottes, Jesu und der wahren Begebenheiten um dessen Verurteilung durch Pontius Pilatus verwickelt. Berlioz zeigt sich ungläubig und verliert daraufhin, wie von dem geheimnisvollen Ausländer prophezeit, bei einem Unfall den Kopf. Dies löst eine Aneinanderreihung und kunstvolle Verkettung grotesker Ereignisse aus, die nicht nur die Künstlerszene Moskaus auf den Kopf stellt. Besdomny, der den Verstand zu verlieren scheint, wird in eine psychiatrische Klinik eingeliefert, wo er einem Schriftsteller begegnet, der sich „Der Meister“ nennt. Die Ablehnung und Verunglimpfung seines Manuskriptes über „Pontius Pilatus“ hat ihn um den Verstand gebracht. Seine Geliebte, Margarita Nikolajewna, jedoch gibt den Meister nicht auf und tut alles, um wieder bei ihrem Liebsten sein zu können.

    Soweit der schlichte Versuch, den Inhalt des Buches ansatzweise zu beschreiben. Keine einfache Aufgabe, denn „Der Meister und Margarita“ ist ein vielschichtiger Roman mit mehreren Handlungsebenen und unzähligen Handlungssträngen, deren Zusammenhänge sich erst nach und nach offenbaren.

    Zum einen wird das Treiben des Teufels und seiner Gehilfen in Moskau beschrieben. Die einzelnen Erzählstränge mit unterschiedlichen Personen spiegeln das Leben in den 30er Jahren mit absurden bürokratischen Hürden, beschönigenden Umschreibungen („zweiter Frischegrad von Fisch“), Wohnungsnot und dem Versuch der Bürger, sich dem Staate anzupassen, wider. Zuweilen wirkt die Handlung hier so wirr, wie das Chaos, dass der Teufel in der Stadt verbreitet und so mystisch wie seine Zaubervorstellungen in einem Varieté. Erst mit der Zeit werden die Zusammenhänge klarer.

    Die zweite Handlungsebene ist Geschichte von Verhör und Kreuzigung Jeschua Ha-Nozris (Jesus Christus) und der Ermordung Judas’, mal erzählt vom anwesend gewesenen Teufel persönlich und mal als Ausschnitt aus dem Roman des Meisters. Das zentrale Motiv, das sich durch alle Handlungsebenen zieht und das besonders zum Schluss des Romans immer wieder auftaucht, ist die Feigheit “als größte Sünde”.

    Bulgakow schreibt flüssig und macht das manchmal kompliziert wirkende Werk zu einem Leseerlebnis. Jedoch muss man sich dafür erst einmal auf die komplexen Vorkommnisse einlassen und einen Weg finden, die Personen mit ähnlich klingenden Namen wie Iwan Nikolajewitsch, Nikolaj Iwanowitsch und Nikanor Iwanowitsch auseinanderzuhalten.

    “Der Meister und Margarita” eignet sich hervorragend zum gemeinsamen Lesen und Diskutieren für Lesekreise.

    © Tintenelfe
    www.tintenhain.de

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    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    L
    Ich habe vor kurzem "Der Meister und Margarite" von Michail Bulgakow gelesen und war total begeistert. Habt ihr vielleicht Tipps für ähnliche Bücher? Sollten aber auch in Russland spielen und von einem russischen Autor sein.
    L
    Letzter Beitrag von  LovelyBooks-Uservor 8 Jahren
    wow, danke dir vielmals für die tollen tipps!
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