Michail Bulgakow Der Meister und Margarita

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Lovelybooks Bewertung

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Inhaltsangabe zu „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow

Michail Bulgakows sowjet-satirischer Kultroman in der vollständigen Neuübersetzung von Eric Boerner, bei der neueste Erkenntnisse über den politischen und kulturellen Hintergrund der in Zeitraffermanier verfremdeten russischen Revolution berücksichtigt sind. Historische Persönlichkeiten wie Lenin (Woland), Stalin (Asasello) oder Gorkij (Meister) sind in dieser Übersetzung leichter identifizierbar und ermöglichen so einen tieferen Einstieg in die Abgründe, der von Bulgakow meisterlich parodierten Sowjeteliten. Ein unbedingtes Muss für jeden Fan satirischer und fantastischer Literatur jetzt in der zweiten, weiter verbesserten Auflage.

Ein Klassiker! Im Westen wenig bekannt...

— Siegler

Keine leichte Kost, aber mir hat es sehr gut gefallen. Schräg, krass, gewaltig.

— Valerie_Springer

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Schmiesen

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  • Eine russische Perle!

    Der Meister und Margarita

    Siegler

    30. May 2017 um 16:41

    Als ich in Moskau war, habe ich direkt bei den Schauplätzen des Romans gewohnt und alles wurde damit magisch aufgeladen. Ein zeitloser Roman, der mit Magie die Ungerechtigkeit der Welt anprangert.

  • Mal etwas anderes

    Der Meister und Margarita

    PaganPunk

    24. February 2017 um 21:19

    Definitiv ein interessantes Werk, aber auch ungewohnt und vielleicht nicht jedermanns Sache. Die Zeitlinien sind etwas verwirrend und auch die Perspektive erfordert einen sehr aufmerksamen Leser, manche Passagen musste ich mehrmals lesen, um sie richtig zu erfassen. Es ist ein Buch zum Nachdenken, Anregen und Reflektieren, aber keines, von dem man sich einfach berieseln lassen kann. Wer außerdem eine klare und geschlossene Handlung erwartet, die alle Fragen beantwortet, wird hier enttäuscht werden. Es gibt viele Leerstellen, die, sicherlich bewusst, nicht gefüllt werden. Und das Ende ist - sagen wir es mal so - dergestalt, dass man glatt einen zweiten Teil erwarten würde ^^

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  • eine ganz besondere Satire auf höchstem Niveau

    Der Meister und Margarita

    HelloB

    10. November 2016 um 12:51

    Ein Mann, der aufgrund von verschüttetem Sonnenblumenöl seinen Kopf verliert. Sein Begleiter, der anschließend spärlich bekleidet durch das nächtliche Moskau läuft. Ein geheimnisvoller Fremder, der all das richtig prophezeit hatte. Ein Kater, der auf Hinterbeinen läuft und selbstständig Straßenbahn fährt. Ein Betrunkener, der in Moskau das Bewusstsein verliert und in Jalta wieder aufwacht. Margarita, die Geliebte des Meisters, einem ansonsten namenlosen Schriftstellers, die sich mit einer geheimnisvollen Creme einschmiert und daraufhin fliegen kann (und das auch tut, und zwar nackt auf einem Besen). Ein Ball, auf dem lauter Verstorbene tanzen. Man ahnt es schon: Kein Geringerer als der Teufel treibt sein Unwesen in Moskau! Ich habe den Roman nun schon zum zweiten Mal gelesen und für mich bleibt „Der Meister und Margarita“ eine ganz besondere Satire auf höchstem Niveau. Es macht einfach Freude sich auf den „Spuk“ einzulassen. Das Buch ist so grotesk, absurd und voller sehr speziellem Humor, das man es wirklich gelesen haben sollte. Manchmal habe ich mich doch gewundert, wie viel Spaß mir die Lektüre gemacht hat. :)Ich hoffe dieser Roman findet noch viele weitere Leser*innen. 

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    • 2
  • Ein Meisterwerk russischer Literatur!

    Der Meister und Margarita

    _nifelheim

    Zu diesem Buch gibt es viele skurrile Fakten, es wurde verboten  und war daher sehr lange ein Werk der Untergrundliteratur. Viele  Menschen trafen sich heimlich und lasen sich aus diesem Buch vor. Die letzten Kapiteln konnte der Schriftsteller auch  gar nicht selber fertig schreiben und musste sie seiner Frau diktieren, weil er schon sehr krank war. Darüber hinaus hat die Regierung sehr vieles schon vor der Veröffentlichung zensiert. Über 10 Jahre schrieb Bulgakow an diesem Buch und herausgekommen ist wahrlich ein Meisterwerk der Literatur. Der Meister und Margarita liest man nicht einfach so auf einmal weg, oft legt man das Buch beiseite und nimmt es aber immer wieder in die Hand. Irgendwie kann man einfach nicht aufhören, bevor man es durch hat! Handlung: An einem schönen und warmen Sommertag begegnen der Literat Berlioz und der Poet Besdomny einem Ausländer. Sie verstricken sich in ein Gespräch über die Existenz Gottes, Jesu und diskutieren mit ihm über die Verurteilung Jesu durch Pontius Pilatus. Als der Ausländer daraufhin bekannt gibt, dass er höchstpersönlich dabei war und Zeuge dieses Ereignisses wurde, glauben die beiden es mit einem Irren zu tun zu haben. Der Ausländer aber will den beiden durch eine Prophezeiung beweisen, dass er die Wahrheit sagt und spätestens als diese Prophezeiung auch tatsächlich eintritt, ist klar um wen es sich bei dem seltsamen Fremden handelt. Besdomny wird kurz darauf in eine Irrenanstalt eingeliefert, weil man seinen Erzählungen keinen Glauben schenken mag, als er der Justiz erzählt, dass er den Teufel getroffen habe. Diese Begegnung der drei Männer löst eine kunstvolle Verkettung grotesker Ereignisse in Moskau aus. Während der Teufel mit seinem Gefolge, bestehend aus dem Kater Behemoth (der sich übrigens gerne einmal ein Gläschen Vodka genehmigt und auch andere Gestalten annehmen kann), der rothaarigen Hexe Hela, Fagot, Asaselli und Korowiow in Moskau sein Unheil treibt, lernen sich Besodmy und ein Schriftsteller, der sich der Meister nennt, im Irrenhaus kennen.  Aufgrund seines Romanes über Pontius Pilatus gelangte er in diese Klinik und die beiden bemerken, dass ein Zusammenhang in ihren Geschichten besteht.  Die Geliebte des Meisters, Margarita Nikolajewna trauert ihrer Liebe nach und möchte den Schriftsteller retten, sie begibt sich in die Arme des Teufels und opfert ihm seine Seele, da es für die beiden auf der Erde keine Chance gibt zusammen zu sein. Meine Meinung: Das Buch besteht aus zwei Teilen, wobei der erste Teil des Buches eher die Folgen schildert, die sich daraus ergeben, dass der Teufel die Erde heimsucht. In Teil zwei wird näher auf die Liebesgeschichte von Margarita und dem Meister eingegangen. Der Teufel wird dem Leser von Seite zu Seite immer sympathischer und er erkennt, dass die Welt aus Licht und Schatten besteht. Da wo Licht ist, muss es auch Schatten geben. Im Roman gibt es zwei Stellen, die besonders begeistern: Erstere wäre die Begegnung Margaritas mit dem Meister. Bei ihrem ersten Aufeinandertreffen trägt Margarita gelbe Blumen in der Hand, obwohl dieses Detail nicht wichtig für die Handlung ist, hat diese Stelle einen eigenartigen Zauber und wird besonders schön beschrieben und hervorgehoben. Warum hat Margarita überhaupt Blumen mit? Steht es als Zeichen, dass sie sich begegnen mussten oder hat es etwas anderes zu bedeuten? Die zweite Stelle enthält ein schönes Zitat, das zum Nachdenken verleitet: "Willst du nicht so gut sein, einmal darüber nachzudenken, was dein Gutes täte, wenn das Böse nicht wäre, und wie die Erde aussähe, wenn die Schatten von ihr verschwänden? Kommen doch die Schatten von den Dingen und den Menschen. Da ist der Schatten meines Degens. Aber es gibt auch die Schatten der Bäume und der Lebewesen. Du willst doch nicht etwa den Erdball kahlscheren, alle Bäume und alles Lebende von ihm entfernen und deine Phantasie an kahlem Licht ergötzen? Du bist dumm." Den Inhalt dieses Buches komplett zu beschreiben ist gar nicht so einfach, besteht es doch aus vielen Anekdoten, Hintergründen und versteckten Botschaften. Selbst Stalin, der zur Zeit der Veröffentlichung russischer Präsident war, mochte das Buch gerne, ließ es aber verbrennen und verbieten. Der Meister und Margarita zählt definitiv als anspruchsvolle Literatur und wenn es ein Buch gibt, das man ein weiteres Mal liest, dann dieses. Nachdem man es durch hat, fühlt man sich so, als ob irgendwie etwas Großartiges passiert ist. Mir hat sehr vieles an diesem Buch gut gefallen, weshalb ich es auch in meine Top-Liste aufgenommen haben. Ich mochte Goethes Faust sehr gerne,  der Inhalt dieses Buches hat eine Anspielung auf  Goethes Werk, Faust wird sogar in der Handlung erwähnt.  Einige Figuren waren mir von Anfang an sehr sympathisch, ich hätte zB auch gerne eine Katze, die Vodka trinkt und lustige Bemerkungen an unpassenden Stellen von sich gibt. Weiters mochte ich die tiefgründigen Dialoge und auch die Sprache gefiel mir sehr gut. Es ist eine verrückte und grandiose Idee voller Satire, die Herr Bulgakow da hatte, als er dieses Buch schrieb! Deshalb empfehle ich jedem das Buch zu lesen und gebe auch den Tipp nicht aufzugeben, wenn man bei manchen Stellen pausieren muss!

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    • 2

    BrittaRoeder

    04. February 2016 um 20:42
  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Russland im frühen 20. Jahrhundert

    Der Meister und Margarita

    maggiterrine

    23. December 2015 um 10:10

    Ja, der Teufel wandert durch Moskau. Ja, er treibt eine Menge Schabernack mit der spießigen Bevölkerung und den arroganten Literaten. Aber wirklich lustig oder spannend ist das nicht. Tatsächlich zieht sich das Buch ganz schön... Außerdem hatte ich ziemliche Schwierigkeiten die ganzen russischen Namen auseinander zu halten. Wenn auf Charaktere aus früheren Kapiteln Bezug genommen wurde, wusste ich meist nicht mehr wer das war... der Theaterbesitzer? Der Nachbar? Irgendein Autor? Auf jeden Fall jemand mit einem russisch klingenden Namen... Die Geschichte vom Meister und seiner Margarita war hingegen eigentlich ganz schön, leider tauchen die beiden erst in der zweiten Hälfte des Buches auf. Danach nimmt die Geschichte dann glücklicherweise ein wenig Fahrt auf. Durch die erste Hälfte muss man sich irgendwie durchkämpfen...

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  • Wunderbar - im wahrsten Sinne des Wortes

    Der Meister und Margarita

    suse9

    Dies ist keine Rezension sondern einfach nur mein Erstaunen über dieses Buch in Worte gefasst. Einer Empfehlung folgend nahm ich den Roman „Der Meister und Margarita“ von Michael Bulgakow in die Hand. Nie gehört, nie gesehen und doch soll es ein Klassiker sein? Als das beste Buch überhaupt wurde es mir angepriesen. Nun, das wollte ich dann aber genau wissen. Der Roman spielt in Moskau in den 1930er Jahren und schildert das Leben dort bildhaft. Ich kann die Handlung weder kurz umreißen noch genau sagen, was wirklich das Besondere dieser Geschichte ist. Während der Autor ein buntes, wunderbar skurriles und doch lesenswertes Bild der damaligen Zeit malt, muss ich noch entscheiden, ob mich das Buch eher erstaunt, überrascht, nachdenklich zurücklässt oder einfach nur zum Lachen gebracht hat. Eins weiß ich allerdings ganz genau. Ich habe noch nie zuvor ein Buch gelesen, das mich so gut unterhalten hat und gleichzeitig mit so vielen Fragen entließ. Vielleicht setzt das Verstehen erst beim zweiten, dritten oder vierten Mal Lesen ein? Die Frage ist allerdings, ob man wirklich alles verstehen MUSS. Besonders gefallen haben mir die Leichtigkeit der Worte, Unbändigkeit der Charaktere, maßlosen Übertreibungen und versteckten Hinweise auf Missstände, aber auch durch die Lüfte fliegende, Röcke schwingende Mädchen und sich in Luft auflösende Theaterdirektoren. Noch muss ich entscheiden, ob der Schluss des Romans pessimistisch oder optimistisch oder doch nichts von Beidem war. Eine Empfehlung spreche ich nicht aus, kann nur so viel sagen, dass ICH jede Seite genossen habe, das Buch gerne in die erste Reihe meines Bücherregals stelle und jedem, der Muße hat, selbst einen Versuch zu wagen, viel Vergnügen beim Entdecken der unglaublichen Welt wünsche, die Bulgakow für uns aufgeschrieben hat. 

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    • 4
  • Gewinnt die Lieblingsbücher des LovelyBooks-Teams aus dem Jahr 2014!

    Wurfschatten

    Daniliesing

    In diesem Jahr hat das LovelyBooks-Team wieder fleißig gelesen und dabei tolle Bücher entdeckt. Natürlich möchten wir euch auch 2014 nicht vorenthalten, welche Bücher uns am meisten begeistert, berührt und gefesselt haben. Deshalb findet ihr hier nun jeweils das Lieblingsbuch von allen Teammitgliedern aus diesem Jahr. Ein glücklicher Gewinner darf sich später über ein Buchpaket mit allen 12 Büchern freuen und damit eine wunderbare Lesezeit verbringen. Unsere Buchtipps: 1. Jules1988 empfiehlt: "Miss Blackpool" von Nick Hornby Mein Lieblingsbuch 2014 ist Nick Hornbys neuer Roman „Miss Blackpool“. Obwohl es kein typischer Hornby ist, liebe ich das Buch als Fan trotzdem. Hornbys feinsinniger Humor und seine liebevolle und einfühlsame Art, seine Figuren zu beschreiben - sowohl ihre Stärken als auch ihre Schwächen - machen diesen Roman so besonders. Man verliert sich in der Geschichte des Teams rund um Barbara, ihre Höhen und Tiefen, Freundschaft und Liebe und hat dabei das Gefühl, diese Menschen wirklich zu kennen. 2. Daniliesing empfiehlt: "Der Träumer" von Pam Muñoz Ryan und Peter Sis Für mich war "Der Träumer" eine ganz zufällige Entdeckung beim Büchershopping. Nur selten finde ich noch Bücher, die ich nicht zuvor schon irgendwo gesehen habe, doch hier wurde ich überrascht. Einmal aufgeschlagen und die ersten Sätze gelesen, hatte mich dieses wunderbare Buch aus dem Aladin Verlag sofort verzaubert. Als ich dann die großartigen Illustrationen von Peter Sis entdeckte, war es um mich geschehen: dieses Buch musste mir gehören! Schnell stellte sich heraus, dass ich mit meiner Entscheidung absolut richtig lag. Im Urlaub nahm ich das Buch zur Hand und konnte es gar nicht mehr zur Seite legen. Zwar ist das Buch als Kinderbuch ausgezeichnet, doch mit seinen 380 Seiten und einer wunderbar poetischen Sprache ist es für jeden erwachsenen Buchliebhaber ein wahrer Genuss. Pam Muñoz Ryan erzählt tiefgründig und bewegend die Geschichte des kleinen Neftali, dem der Leser beim Erwachsenwerden zuschauen darf. Der Junge hat keine leichte Kindheit - sein Vater macht es ihm mit hohen Erwartungen schwer, er ist häufig krank und lebt lieber in seiner eigenen Phantasie, statt draußen rumzutollen. Neftali ist ein Träumer! Wie der Junge sich trotz aller Schwierigkeiten durchschlägt und die Lebensgeschichte welches bekannten Dichters sich dahinter verbrigt, das solltet ihr am besten selbst herausfinden. Dieses Buch geht zu Herzen und ist mein persönliches Jahreshighlight! 3. TinaLiest empfiehlt: "Wurfschatten" von Simone Lappert Mich hat dieses Jahr besonders der Debütroman von Simone Lappert begeistern können: „Wurfschatten“ ist nicht nur äußerlich ein wunderschönes Buch, sondern es besticht auch durch die beeindruckende Schreibkunst, die die Autorin an den Tag legt. Sie schafft es, die Ängste, die die Protagonistin Ada beherrschen, beklemmend und dunkel zu beschreiben und die Geschichte doch zart wirken zu lassen, einfühlsam und authentisch. Mit dem kleinen, wenn auch vorhersehbaren Hauch Liebe, der Adas Ängste zurückzudrängen versucht, und der Prise Drama am Ende hat "Wurfschatten" mich dann endgültig abgeholt und den Roman für mich zu etwas Besonderem gemacht. Ich hoffe sehr, dass bald ein zweites Buch von Frau Lappert folgen wird und kann in der Zwischenzeit nur jedem ihr Erstlingswerk empfehlen! 4. JohannaE1988 empfiehlt: "Die hellen Tage" von Zsuzsa Bánk In "Die hellen Tage" erzählt Zsuzsa Bánk auf eine besonders schöne und ruhige Art eine Geschichte über Freundschaft, Familie und die schwierige Zeit des Erwachsenwerdens. Beim Lesen begleitet man die drei Freunde Aja, Seri und Karl von der glückvollen und teils auch tragischen Kindheit bis zum Erwachsenenalter und wünscht sich bei einem der so unbeschwerten Tage im zauberhaften Garten, die die drei so oft erlebten, dabei gewesen zu sein. Alle drei, so unterschiedlich sie auch sind, teilen das Schicksal, mehr oder weniger ohne Vater aufzuwachsen. Neben der Geschichte über eine besondere Freundschaft und der innigen Beziehung zwischen den Kindern und ihren Müttern, hat mich vor allem die unaufgeregte Erzählweise Bánks und ihre einfühlsame und warme Sprache beeindruckt und mich richtig entspannen lassen. Auch bei den Zerreißproben und Schwierigkeiten, die die drei im Laufe der Geschichte durchleben müssen, bangt und hofft man mit und fühlte ich mich oft an meine eigene Kindheit und Jugend erinnert. 5. aba empfiehlt: "Unterholz" von Jörg Maurer Ich habe sehr gute Bücher gelesen in diesem Jahr. Manche Bücher haben mich tief berührt, andere haben mich nachdenklich gemacht - aber mit Jörg Maurer habe ich auf hohem Niveau gelacht! Für mich kam dieses Buch im richtigen Moment. Es hat mich amüsiert und abgelenkt. "Unterholz" ist der fünfte Band um den oberbayrischen Kommissar Jennerwein, einer meiner literarischen Lieblingsfiguren überhaupt. Krimis gehören nicht zu meiner Lieblingslektüre, aber nachdem ich den ersten Band dieser Serie gelesen habe, konnte ich nicht anders, als ein Fan von Jörg Maurer und vom ganzen Team um Kommissar Jennerwein zu werden! 6. doceten empfiehlt: "Beginners" von Raymond Carver Raymond Carver gilt neben Hemingway als einer der ganz großen Autoren der American Short Story: mit geschliffener und schnörkelloser Sprache auf den Punkt gebracht sind seine Themen Verlust, Einsamkeit und das Scheitern der amerikanischen Mittelschicht. Seine Geschichten deprimieren, erschüttern mit jeder Zeile. Mit Beginners erscheint seine Buch "Wovon wir reden, wenn wir über Liebe sprechen" erstmalig in der Urfassung, ohne die stark kürzenden Eingriffe seines Lektors Gordon Lish. Nicht ganz so lakonisch und brachial, dadurch aber viel berührender. Ein Buch, um dunkle Wintertage noch dunkler zu machen - manchmal braucht man das ja. 7. clickclackboom empfiehlt: "Das Haus des Windes" von Louise Erdrich Auch wenn Lieblingsbücher zu bestimmen mir schwer fällt, da es immer so viele gute Bücher gibt, kann ich sagen, dass „Das Haus des Windes“ eines meiner liebsten Bücher 2014 ist. Es erzählt die Geschichte vom 13-jährigen Joe, der das unaufgeklärte Verbrechen an seiner Mutter rächen möchte und dabei erwachsen werden muss. Die Protagonisten des Romans sind Nachfahren der nordamerikanischen Indianer und so bekommt man interessante Einblicke in das Leben im Reservat, die Stammesgeschichten und die Gesellschaftsverhältnisse in den USA. Obwohl es um ein ernstes, trauriges Thema geht, ist „Das Haus des Windes“ ebenso ein lustiges Buch über das Leben als Teenager und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Louise Erdrich hat Charakter geschaffen, die vielschichtig sind und die einem beim Lesen ans Herz wachsen. 8. kultfigur empfiehlt: "Die Hyperion-Gesänge Band 1-2" von Dan Simmons Dan Simmons erzählt fantastisch, die Bücher entwickeln einen Sog, den ich bisher sehr selten erlebt habe. Jeder, der gerne Science Fiction liest und philosophisch angehauchte Bücher liebt, wird die insgesamt rund 3.000 Seiten nur so verschlingen. Die beiden Bücher sind nicht nur mein persönliches Highlight 2014, sondern ganz weit oben auf der Liste meiner Herzensbücher. Ich wünschte, ich könnte noch einmal von vorne beginnen! 9. Katha_Luko empfiehlt: "Pfaueninsel" von Thomas Hettche Hettches Buch öffnet die Türen zu einer Welt voller Exotik, Groteske und Kuriositäten aber auch zu der komplexen und zerbrechlichen Architektur der menschlichen Seele. Die Hauptfigur ist Marie, die als Kleinwüchsige auf die preußische Lustinsel verfrachtet wird, um dort zum Vergnügen des Königs als Schlossfräulein ihr Dasein zu verbringen. Neben einem Mohr, einem Riesen, wilden Tieren und geheimnisvollen Pflanzen gilt sie als eine von vielen verqueren Launen der Natur. Damit steht sie im krassen Kontrast zu einer damals weit verbreiteten naturphilosophischen Auffassung, die nur das Wohlgeformte und Regelmäßige für schön und wertvoll erklärt – eine Auffassung, die mit ihren Jahren auf der Insel Maries Menschenwürde und Lebensmut beständig abträgt. Hettches „Pfaueninsel“ fängt Atmosphären ein als wäre er selbst Zeuge des merkwürdigen Lebens auf der Insel gewesen, seine Charakterzeichnungen und Schilderungen seelischer Zustände und schließlich seine authentische Zeichnung der historischen Gegebenheiten ziehen den Leser in ihren Bann: Ich war selten so berührt von einem Buch und seiner Hauptfigur! 10. peckomingo empfiehlt: "Cobra" von Deon Meyer Viel Zeit zu lesen hatte ich leider nicht in diesem Jahr, doch bei meiner Südafrika-Reise wurde natürlich ein Deon Meyer-Buch gelesen. Cobra ist nicht nur ein Thriller, sondern gleichzeitig auch eine Mischung aus Politik und psychologischen Betrachtungen. Das Tempo und die Spannung werden durchgehen hoch gehalten. Schauplätze, Eigenheiten und Sitten des Landes werden authentisch vermittelt. 11. Sophia29 empfiehlt: "Rosen, Tulpen, Nelken" von Heike Wanner Zu meinen Lieblingsbüchern 2014 gehört definitiv „Rosen, Tulpen, Nelken“ von Heike Wanner. Ich habe von der Autorin schon mehrere Bücher gelesen, aber dieses hat mir ganz besonders gut gefallen. Es geht darin um Sophie, die ihre Mutter schon in frühen Jahren verloren hat. Zufällig fällt ihr eines Tages das Poesiealbum ihrer Mutter in die Hände und als sie es durchblättert, stellt sie fest, dass sie keinen der darin enthaltenen Namen kennt. Um mehr über das Leben ihrer Mutter und somit auch mehr über sich selbst zu erfahren, macht sie sich mit ihren zwei besten Freundinnen in einem Wohnmobil auf den Weg und versucht die Personen zu finden, die im Leben ihrer Mutter eine Rolle gespielt haben … Heike Wanner ist es in diesem Buch gelungen, zwei Geschichten – die Geschichte von Sophie und die ihrer Mutter – auf spannende Weise miteinander zu verbinden und gleichzeitig zu verdeutlichen, wie unverzichtbar wirklich gute Freunde in unserem Leben sind. Seid ihr neugierig auf unsere 12 Lieblingsbücher 2014 geworden? Dann habt ihr bis einschließlich 7. Januar Zeit bei der Verlosung eines Buchpakets mit allen 12 Büchern mitzumachen. Jetzt müsst ihr uns nur noch folgendes verraten und dann seid ihr dabei: Da wir immer gerne Bücher verschenken, würden wir von euch gern wissen, welche Bücher ihr dieses Jahr zu Weihnachten verschenkt und wieso ihr euch für genau diese entschieden habt? Wir wünschen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest & einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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    • 755
  • In Moskau ist der Teufel los...

    Der Meister und Margarita

    Stefan83

    Nachdem ich, von einigen längeren Pausen unterbrochen, fast drei Stunden auf das leere Word-Dokument vor mir gestarrt habe, wird mir nun langsam klar, dass es nicht so einfach wird mit der Rezension zu Michail Bulgakows „Der Meister und Margarita“. Das dürfte für mich insofern nicht überraschend sein, da auch die Lektüre dieses russischen Klassikers der Weltliteratur so ihre Tücken bereithielt, gehört sie doch zu der Kategorie Bücher, welche man zwar ohne weiteres einfach lesen, aber deswegen noch lange nicht verstehen bzw. genießen kann. Über elf Jahre schrieb Bulgakow an dem Roman, diktierte noch im März des Jahres 1940 auf dem Sterbebett seiner Frau Jelena die letzte Fassung, auf die wiederum die Leserschaft nochmals ein Vierteljahrhundert warten musste. Erst dann, im November 1966, erschien das Werk in Fortsetzungen in der Literaturzeitschrift „Moskwa“ - allerdings um rund ein Achtel gekürzt. Dem Erfolg tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil: Binnen weniger Stunden war die erste Auflage von 150.000 Exemplaren ausverkauft. Und auch die Zensur wurde mit der handschriftlichen Vervielfältigung der herausgekürzten Passagen vielerorts unterlaufen, „Der Meister und Margarita“ recht schnell zum Kultbuch einer ganzen Generation – und dies ist es heute, nach dem Ende des Ostblocks und dem Zusammenbruch des Sowjetregimes, auch weltweit. Ein Erfolg, den Bulgakow, der fast 30 Jahre vor der Veröffentlichung nach langer Krankheit starb, leider nicht mehr miterleben durfte. Doch was macht die Faszination dieses von vielen als „größten russischen Roman“ bezeichneten Werks eigentlich aus? Wie lässt sich die Ausnahmestellung erklären, die Bulgakow neben Gogol, Tolstoi und Dostojewski inne hat und ihn – ironischerweise – sogar zum Lieblingsschriftsteller Stalins machte? Des Mannes, unter dem sich die Sowjetunion zu einem diktatorischen, totalen Überwachungsstaat entwickelt hatte, dessen alles erstarrende, lückenlose Bürokratie zum großen Feindbild Bulgakows wurde. Um all dies zu verstehen, die literarische Größe und Vielschichtigkeit zu erfassen, bedarf es mehr, als nur die schiere Lust am Lesen. Ohne eine gewisse Kenntnis der russischen Geschichte, insbesondere der 20er und 30er Jahre, wird vor allem der satirische Teil dieses Werks im Nichts versanden. Und auch die vielen Anspielungen und Verweise auf u.a. Goethes „Faust“, Gogol oder E.T.A. Hoffmann werden bei denjenigen unbemerkt vor den Augen vorbeiziehen, welche sich sonst eher im Bestseller-Regal der Buchläden bedient haben. Kurzum: „Der Meister und Margarita“ fordert einen gewissen Preis vom Leser, der in Wissen und Phantasie abzuleisten ist. Ansonsten werden die euphorischen Kritiken, die einzigartige Ausnahmestellung dieses Buches für viele ebenso schwer nachzuvollziehen sein, wie dessen äußerst komplexe und ineinander verschachtelte Handlung. Diese sei kurz angerissen: Moskau, Sowjetunion, Ende der 1920er Jahre. Die „schöne neue Welt“ des Sozialismus ist zum Tummelplatz für regimetreue Funktionäre, Schmeichler, Speichellecker und Denunzianten geworden – allesamt willige Diener eines Regimes, das seine treuen Genossen mit staatlichen Geldern belohnt und mästet. Besonders die Literaten und Theaterleute genießen diese staatliche Protektion, speisen fürstlich im mondänen Restaurant „Gribojedow“, neidisch beäugt von den kleinen Schreiberlingen, die es nicht in die Schriftstellervereinigung geschafft haben. Doch in der Karwoche steht plötzlich alles auf dem Kopf – denn der Teufel höchstpersönlich gibt sich die Ehre. In der Gestalt des „Konsultanten“ Voland nimmt er sich des korrupten Packs an, macht gleich zu Beginn des Romans kurzen Prozess mit dem Vorsitzenden der Schriftstellervereinigung, dem von einer treffsicheren U-Bahn der Kopf abgetrennt wird. Während die Schaulustigen noch ob des ungewöhnlichen Todes gaffen, wendet sich Satan bereits wieder dem jungen Dichter Besdomny zu, der, beauftragt ein Poem zu schreiben, das die Existenz Gottes leugnet, auch kurzum dessen ewigen Widersacher in Frage stellt. So etwas kann ein Teufel nicht auf sich sitzen lassen. Er raubt Besdomny seinen Verstand, welcher darauf in einer psychiatrischen Klinik landet und dort auf den „Meister“ trifft. Der war einst vom Klüngel des „Gribojedow“ wegen seines Romans über Pontius Pilatus harsch kritisiert worden und, nachdem er sein Manuskript in der Verzweiflung verbrannt hat, in eine tiefe Depression verfallen. Getrennt von seiner Geliebten, der wunderschönen Margarita, dämmert er seitdem vor sich hin. Doch der Teufel, der Margarita für den alljährlichen mitternächtlichen Hexenball als Ballkönigin an seiner Seite will, belohnt diese für ihre selbstlose Zusage – er führt die Liebenden zusammen. Und hinterlässt dabei eine Spur heilloser Verwüstung … Auch mit dieser kurzen Wiedergabe erfasst man nicht einmal einen Bruchteil des Romans, der tatsächlich sogar noch eine zweite Erzählebene besitzt, in dem das Geschehen um das Manuskript des Meisters kreist. Aus der Perspektive des Pontius Pilatus schildert es die letzten Stunden im irdischen Leben des Jesu Christi, der mit seinem Henker nicht nur in Eintracht speist, sondern sogar ein freundschaftliches Verhältnis zu diesem entwickelt. Im Gegensatz zu Version der Bibel, begegnet der Leser hier einem menschlichen Pilatus, der in keinster Weise böse ist, sondern allein im entscheidenden Moment einen Fehler begeht, sich als Feigling erweist. Der Teufel nutzt diese Geschichte des Meisters, die er kurzerhand wiederherstellt („denn Manuskripte brennen nicht“), um den Gottesleugner Besdomny endgültig von dessen Irrtum zu überzeugen. Zahlreiche Nebenhandlungen, schnell aufeinander folgende Perspektivwechsel, ein buntes, theaterhaftes Sammelsurium aus Gaunern, Karrieristen, Verrätern, Bürokraten und dumpfen Bürgern – und mittendrin der Teufel mit seinem Gefolge (allen voran der riesige und urkomische Kater Behemoth), die keinen Stein auf dem anderen lassen und mit satanischer Hingabe ihre Strafen verteilen. Bulgakow entfesselt in „Der Meister und Margarita“ einen regelrechten Sturm der phantastischen Ideen, der das undurchschaubare Geflecht des Sowjetstaates auseinanderwirbelt und mit bisweilen grandioser Satire und Situationskomik dessen bizarre Zustände entlarvt. Irrwitzig, mitreißend, traurig, bewegend, gefühlvoll – es bedarf einer ganzen Palette von Adjektiven, um diesen Roman ausreichend zu beschreiben, der, ganz im Stile Gogols, den Witz nutzt, um seine ernsthafte Botschaft zu überbringen. Wohlgemerkt ohne dabei zur moralgetränkten Anklageschrift zu verkommen. Denn das Buch ist in erster Linie eins – unheimlich unterhaltsam. Egal, in welchem Abschnitt man sich gerade befindet, welchen Handlungsstrang der Leser verfolgt – der Roman im Roman funktioniert jederzeit reibungslos, auch weil Bulgakow beide Geschichten nutzt, um die Handlung mit Volltempo voranzutreiben und die Stränge letztlich konsequent, aber auch überzeugend und logisch zusammenführt. Und dennoch: Die Essenz dieses so facettenreichen Romans zu finden, zu erklären, was „Der Meister und Margarita“ so herausragend macht, ist schwer. Ob philosophisches Gedankengut in der Tradition Dostojewskis, skurrilem Schauer à la E.T.A. Hoffmann oder die klassische tragische Liebesgeschichte – Bulgakows Werk bietet all das und doch mehr, verflechtet den satirischen Gesellschaftsroman mit derart vielen Elementen, das er sich einer Einordnung in ein bestimmtes Genre gänzlich widersetzt. Ich für meinen Teil kann mich jedenfalls an kein Buch erinnern, welches die Rollen von Gut und Böse derart intelligent besetzt hat und dabei gleichzeitig so erschreckend prophetisch den weiteren Gang der sowjetischen Gesellschaft unter dem Kommunismus vorwegnimmt. Korruption, seelische Fäulnis, Verlust der Menschlichkeit – das es gerade der Teufel ist, der uns hier den Spiegel vorhält, ist ein genialer und vor allem unheimlich wirkungsvoller und nachhaltiger Kniff. So ist „Der Meister und Margarita“ am Ende mehr – von allem. Eine satirische Abrechnung mit dem Sowjetstaat. Eine Anklage gegen Beliebigkeit, Unmündigkeit und den Verlust des Glaubens. Ein spannendes, wendungsreiches Abenteuer. Und eine tragische, bewegende, wunderschöne Liebesgeschichte zweier Menschen, die allen Verlockungen widerstehen und dadurch die Gnade des Teufels finden. Ganz, ganz große Literatur, die vielleicht nicht für jedermann einfach zu lesen ist, sich aber irgendwie doch an jedermann richtet. Unbedingt empfehlenswert und – ohne Frage – einer der wichtigsten Romane des 20. Jahrhunderts.

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    • 2

    Arun

    28. October 2014 um 18:28
  • Sehr origineller Klassiker

    Der Meister und Margarita

    StupserlL

    06. October 2014 um 22:10

    Endlich habe ich ihn auch gelesen, den satirischen Klassiker der russischen Literatur, erst 20 Jahre nach Bulgakows Tod zu Ehren gekommen. Am besten gefällt mir die Eingangsszene mit dem skurill, schmissigen Dialog zwischen Literaten und Teufel. Unvergessen die große schwarze Katze und einfach umwerfend die Neuerzählung der Pilatus-Szenen vor der Kreuzigung. Insgesamt einfach einmalig und wert, unvergessen zu bleiben.

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  • Rezension zu "Der Meister und Margarita" von Michail Bulgakow

    Der Meister und Margarita

    Tintenelfe

    25. January 2013 um 20:54

    Im Moskau der 30er Jahre ist der Teufel los. Der Literat Berlioz und der Poet Besdomny begegnen ihm in Gestalt eines merkwürdigen Ausländers an einem lauen Sommerabend und werden von ihm in ein Gespräch über die Existenz Gottes, Jesu und der wahren Begebenheiten um dessen Verurteilung durch Pontius Pilatus verwickelt. Berlioz zeigt sich ungläubig und verliert daraufhin, wie von dem geheimnisvollen Ausländer prophezeit, bei einem Unfall den Kopf. Dies löst eine Aneinanderreihung und kunstvolle Verkettung grotesker Ereignisse aus, die nicht nur die Künstlerszene Moskaus auf den Kopf stellt. Besdomny, der den Verstand zu verlieren scheint, wird in eine psychiatrische Klinik eingeliefert, wo er einem Schriftsteller begegnet, der sich „Der Meister“ nennt. Die Ablehnung und Verunglimpfung seines Manuskriptes über „Pontius Pilatus“ hat ihn um den Verstand gebracht. Seine Geliebte, Margarita Nikolajewna, jedoch gibt den Meister nicht auf und tut alles, um wieder bei ihrem Liebsten sein zu können. Soweit der schlichte Versuch, den Inhalt des Buches ansatzweise zu beschreiben. Keine einfache Aufgabe, denn „Der Meister und Margarita“ ist ein vielschichtiger Roman mit mehreren Handlungsebenen und unzähligen Handlungssträngen, deren Zusammenhänge sich erst nach und nach offenbaren. Zum einen wird das Treiben des Teufels und seiner Gehilfen in Moskau beschrieben. Die einzelnen Erzählstränge mit unterschiedlichen Personen spiegeln das Leben in den 30er Jahren mit absurden bürokratischen Hürden, beschönigenden Umschreibungen („zweiter Frischegrad von Fisch“), Wohnungsnot und dem Versuch der Bürger, sich dem Staate anzupassen, wider. Zuweilen wirkt die Handlung hier so wirr, wie das Chaos, dass der Teufel in der Stadt verbreitet und so mystisch wie seine Zaubervorstellungen in einem Varieté. Erst mit der Zeit werden die Zusammenhänge klarer. Die zweite Handlungsebene ist Geschichte von Verhör und Kreuzigung Jeschua Ha-Nozris (Jesus Christus) und der Ermordung Judas’, mal erzählt vom anwesend gewesenen Teufel persönlich und mal als Ausschnitt aus dem Roman des Meisters. Das zentrale Motiv, das sich durch alle Handlungsebenen zieht und das besonders zum Schluss des Romans immer wieder auftaucht, ist die Feigheit “als größte Sünde”. Bulgakow schreibt flüssig und macht das manchmal kompliziert wirkende Werk zu einem Leseerlebnis. Jedoch muss man sich dafür erst einmal auf die komplexen Vorkommnisse einlassen und einen Weg finden, die Personen mit ähnlich klingenden Namen wie Iwan Nikolajewitsch, Nikolaj Iwanowitsch und Nikanor Iwanowitsch auseinanderzuhalten. “Der Meister und Margarita” eignet sich hervorragend zum gemeinsamen Lesen und Diskutieren für Lesekreise. © Tintenelfe www.tintenhain.de

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  • Rezension zu "Der Meister und Margarita" von Michail Bulgakow

    Der Meister und Margarita

    Elocin

    31. December 2012 um 10:19

    Ende der 1920er Jahre besucht der Teufel mit einigen „Gehilfen“ Moskau. Den Parteitreuen, Denunzianten und Mitläufern der verlogenen Moskauer Gesellschaft geht es an den Kragen. Es werden eigentlich 3 Geschichten erzählt. Der Einzug des Teufels in Moskau, die Liebesgeschichte von Meister und Margarita und als Roman im Roman die Verurteilung von Jesus durch Pontius Pilatus, geschrieben vom Meister. Trotz seines Alters und der scheinbar schwierigen Themen liest sich Bulgakovs Roman erstaunlich leicht. Man kann mit fast jedem Satz spüren, wie angewidert der Autor von den damaligen Verhältnissen in seinem Land war. Toller Roman, auf den ich zufällig durch eine Literatursendung aufmerksam wurde.

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  • Rezension zu "Der Meister und Margarita" von Michail Bulgakow

    Der Meister und Margarita

    kopi

    16. December 2012 um 17:43

    "Der Meister und Margarita", ein Roman, der im Moskau der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts spielt. Ein Klassiker der russischen Literatur, von manchen als der beste russische Roman des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Es ist schade, dass ich persönlich die Größe dieses Romans nicht würdigen kann. Für mich ist es zu viel der Mystik und Phantasie, zu wenig verstehe ich vom stalinistisch geprägten Russland. Der Teufel mit phantastischem Gefolge, die Geschichte des Meisters über Pontius Pilatus in Mitten des staatlich geförderten Atheismus, Habgier, Bürokratie, Betrug und Ungerechtigkeit, aber auch Liebe - Erlösung. All dies bietet Bulgakov dem Leser, voll erschlossen hat sich mir das Buch leider nicht. Es verwundert nicht, dass das Buch mit literaturgeschichtlichen Anmerkungen schließt. Diese, sowie weitere Recherchen zum Hintergrund des Autors und der Zeit, ließen mich den Roman besser verstehen. Ob mir mit genügendem Vorwissen der Roman gefallen hätte? Wahrscheinlich wäre ich mit der geschilderten Mystik und Phantasie weiterhin überfordert. Ich werde einige Jahre verstreichen lassen und ausprobieren, ob ich dann vielleicht bereit bin für das russische Meisterwerk. Bei meinen Recherchen bin ich über eine Rezension einer aktuellen Theateraufführung des Werkes gestoßen. Dort wird festgestellt, dass das Stück schwer aufführbar sei. Das folgende Zitat stammt aus der FAZ: "... dieser Roman gewinnt an Gestalt nur auf Kopfbühnen. Weil er körperlos ist. Dafür aber überwältigend geistreich. Seine Figuren bestehen aus Feuer, Luft, Phantasie, Schmerz und Witz und reiner, grenzensprengender erzählerischer Vorstellung." Dies mag erklären, warum es kein Buch für mich ist - aber bestimmt für Leser mit besser ausgeprägter phantastischer Vorstellungskraft.

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  • Rezension zu "Der Meister und Margarita" von Michail Bulgakow

    Der Meister und Margarita

    FabianD

    25. September 2012 um 17:13

    Der Satan kommt nach Moskau und das, obwohl man ihn und seine Entourage in den 20ern doch eher im dekadenten Paris vermuten würde. Ist sein Ziel der Kreml? Will er jenen Mann besuchen, der sich dort ernsthaft anschickt, mit ihm zu konkurrieren? Josef Stalin? Nein, der Stalinismus tanzt zwar ständig im Hintergrund von ‚Meister und Margarita‘ umher, aber das Innere des Kremls sehen wir nicht. Nur einmal dürfen wir mit einer der Protagonistinnen, Margarita, an seiner roten Mauer sitzen. Das Ziel des Teufels ist stattdessen die Wohnung Nr. 50 in der Sadowaja 302b und eigentlich will er nur eine bescheidene Aufführung in schwarzer Magie geben und noch einen Ball feiern. Doch die Anwesenheit des Teufels zieht für die ganze Stadt Konsequenzen nach sich. Ein Mann unterschätzt die ihm vorausgesagte Zukunft und verliert den Kopf, dank einer Kanne verschütteten Sonnenblümen-Öls, unter die Räder einer Straßenbahn - ein Dichter rennt halbnackt, bewaffnet mit einer Ikone und einer Kerze umher, bevor er in einem Restaurant jemanden niederschlägt - ein Theaterintendant findet sich erst in seinem Bett und wenige Minuten später an der Küste Jaltas wieder. Dazu kommen einige seltsame Gestalten, die überall aus dem Nichts auftauchen und Vorbereitungen treffen: eine Katze auf zwei Beinen, ein Mann, der stets einen Zwicker mit zerbrochenen Gläsern trägt, und ein rothaariger Kerl mit grauem Star und einem Hauer, der aus seinem Mund ragt. Die Narrative von ‚Meister und Margarita‘ ist ungewöhnlich und sehr fordernd. Was anfangs aus kleinen Einzelepisoden um ganz unterschiedliche Charaktere besteht, beginnt schließlich zu einer Geschichte zusammenzuwachsen. Der Leser wird hier gezwungen, die Handlung immer wieder aus verschiedenen Standpunkten neu nachzuvollziehen. Bulgakov baut damit geschickt ein soziales Panorama des stalinistischen Moskaus als Bühne auf. Erst nach einem Drittel des Buches wird das namensgebende Paar eingeführt und erst ab der Hälfte bekommen wir eine (relativ) durchgehende Handlungsperspektive. Dabei erschließen sich drei große Handlungsstränge: Iwan Nikolajewitsch Ponyrew, auch „Besdomny“ genannt, der untalentierte Lyriker steht stellvertretend für das der Unordnung anheimfallende Moskau. Demgegenüber steht der nur als ‚Meister‘ betitelte Prosa-Autor, dessen Liebesgeschichte mit Margarita die zweite Ebene ausmacht. Dazwischen zeigen uns einige wenige entscheidende Kapitel Pontius Pilatus 2000 Jahre alte Geschichte, die aber immer verknüpft ist mit dem Moskau der Gegenwart. Ich kann nicht sagen, ob es der beste russische Roman des 20. Jahrhunderts ist, wie oft behauptet wird. Meiner Meinung nach aber findet sich hier ein grandioses Stück Arbeit, wo phantastische, satirische und realistische Momente sich abwechseln und gekonnt vermengt werden. ‚Meister und Margarita‘ will viel und schafft viel, im Gegensatz zu anderen Büchern, welche die Feuilletons zuweilen als »intellektuell«, »wichtig« und »ganz besonders wertvoll« betiteln. Interessant ist, dass dieses Buch als einflussreicher Roman zur großen Weltliteratur gezählt wird, obwohl er sich gut in jedes aktuelle Fantasy-Programm eines Verlages einfügen würde. Wäre er aber dort erschienen, würde so mancher, der ihn jetzt lobt, mit skeptischem Blick am Geschmack seiner Leser zweifeln. Dabei ließe sich dieser Roman in einem Sub-Genre der gegenwärtigen Fantasy sehr gut verorten: der Urban Fantasy. Doch von Genres und ihrem jeweils eigenen Standesdünkel losgelöst verfügt Bulgakovs Geschichte über einiges an Qualitäten. Da sind vor allem die anspruchsvollen Themen, die so behandelt werden, dass ich mich als Leser ernst genommen fühle. Einen großen Punkt macht die schon angedeutete Stalinismus-Kritik und der mit ihr verbundene Literaturbetrieb aus. Dabei ist zu beachten, dass in der Person des Meisters biografische und fiktive Elemente bis zur Unkenntlichkeit miteinander verschlungen sind: der von den öffentlichen Kritikern und dem Regime verschmähte Künstler und der vom Publikum hochgelobte Meisterschreiber. Denn so paradox, wie es klingt, Stalin selbst begeisterten die Stücke Bulgakovs und trotzdem untersagte er, sie aufzuführen oder zu publizieren. Dann beschäftigt sich die Pilatus Ebene und natürlich auch die Figur Satans mit Religion. Dieser Komplex entspringt zwar der Kritik am Stalinismus, der einen nahezu klinisch reinen Atheismus in der Bevölkerung installieren wollte, geht aber darüber hinaus und entwickelt sich eigenständig. Neben der Liebesgeschichte und dem Leitthema, das Feigheit die größte Sünde sei, wahrscheinlich einer der aktuellsten Problematiken. Denn Bulgakov schreckt vor der Religiosität nicht zurück, wo eigentlich Atheismus gewünscht ist, und ist so frei zu zeigen, dass Religion nicht gleich Dogma ist. Er beleuchtet das Christentum positiv aber nicht predigend oder gar missionierend - schön zu sehen in einer Welt, die sich gern im Atheismus, als einzig richtigen Weg, sonnt. Nicht nur ein Symptom des Stalinismus. Genauso wie vor der Religion schrecken Bulgakovs Charaktere auch nicht vor dem phantastischen Anderen zurück, das in ihre Welt eindringt - zumindest nicht die Helden der Geschichte, wie Margarita oder der Meister. Eine Tendenz, die ich viel lieber mag, als das übernatürliche Monster oder Ereignis, dem es zu entkommen gilt oder das wahlweise auch zu bekämpfen ist. Außerdem wird die magische Welt Bulgakovs oft mit einer guten Prise Humor gewürzt, besonders wenn der Kater Behemoth unterwegs ist (wer braucht schon die Cheshire-Cat aus Alice im Wunderland?). Am Ende steht es so, dass mir kaum ein Wort der Kritik einfällt. Höchstens, dass ein paar Stellen noch nicht richtig zurecht geschliffen wirken, wie bei einem noch nicht ganz fertigen Manuskript. Doch genau das ist ‚Meister und Margarita‘ ja auch, zu einer letzten Überarbeitung ist es nie gekommen, denn Bulgakov starb vor einer Veröffentlichung. Lange Jahre setzte das Werk staub an, aber gute Geschichte gehen nicht verloren; sie finden ihre Leser. Oder um es mit den Worten des Romans zu sagen: »Manuskripte brennen nicht«

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  • Rezension zu "Der Meister und Margarita." von Michail Bulgakow

    Der Meister und Margarita

    slov

    11. March 2012 um 09:24

    Es wäre wohl ein Wunder, wenn einem Autor nicht irgendwann ein Werk eines anderen in die Hände fiele, bei dem er je nach Temperament unterschiedlich laut zugäbe, es selber geschrieben haben zu wollen. Na gut … dann gehen die Reaktionen schon auseinander: Die einen meinten, dass – hätten sie es denn wirklich geschrieben – sie die folgenden Passagen anders, also besser gemacht hätten, andere wiederum fallen dem Guttenbergismus zum Opfer. Mir eroberten einige Werke der Sowjetliteratur. Obwohl … zu einigen versuchten mich einst meine Lehrer hinzutreiben ... die musste ich irgendwann viel später erst neu entdecken – Scholochows „Ein Menschenschicksal“ zum Beispiel und „Wie der Stahl gehärtet wurde“. An anderen entdeckte ich beim wiederholten Lesen immer neue im weitesten Sinne „vergnügliche“ Seiten. Zur letzten Gruppe gehörte Michail Bulgakows „Der Meister und Margarita“. Das Buch war mir bereits zu Jugendzeiten ein besonderer Lesespaß – beim Neulesen war das wieder so … nur z. T. aus anderen Gründen. Einem Neugierigen der heutigen Generation sei auch das Nachwort Ralf Schröders zur Ausgabe in der „Taschenbibliothek der Weltliteratur“ von 1974 ans Herz gelegt. Das ist ein Genuss für sich … sowohl mit allem, was es sagt, als auch mit dem, worüber es schweigt. Der aufmerksame Leser wird sich allerdings seinen Teil dabei denken, wenn ein Buch, das zu Recht in die National- und Weltliteratur gehoben wird, mehr als drei Jahrzehnte braucht, bis es in seinem „Heimatland“ veröffentlicht wird … und das auch erst einmal nur in einer Literaturzeitschrift … Worum geht es eigentlich? Im Moskau um 1930 taucht der Teufel auf, um eine Ballkönigin mit Namen Margarita für eine Art Walpurgisnacht zu gewinnen. Um sich frei im Ort bewegen zu können, quartiert er sich in der Wohnung eines Literaten ein, der ganz „revolutionär“alle christliche Kultur in den Bereich des lächerlich Vergangenen verbannt hat. Das drückt er zu Beginn des Romans dadurch aus, dass er einen Lyriker, der sich Iwan Hauslos nennt, wegen eines Gedichts rügt, das nicht deutlich genug die Nichtexistenz Jesus´ geißelt. Dieser Berlioz wird von der Straßenbahn geköpft, der Lyriker landet im Irrenhaus … übrigens ein Schicksal, das er mit vielen der durch die Teufelsspäße Betroffenen teilt. Während der Begegnung dieser drei wird das erste Kapitel einer Geschichte erzählt, die u.a. Jesus, Levi Matthäus und Pontius Pilatus zusammenführt. Die ist ein in der Moskauer Literatenwelt verrissener Roman eines Künstlers, der dich der „Meister“ nennt, der das Glück hatte, die Liebe einer „Margarita“ zu gewinnen und scheinbar wieder zu verlieren. Diese Liebe aber veranlasst die Frau, alle Tabus zu brechen und sich auf den Satan einzulassen, der eigentlich fast ein richtig Netter ist. Ach ja, die Literatenszene hat eigentlich hauptsächlich Privilegien und gutes Essen im Kopf und das Chaos, das eine Vorführung von „Schwarzer Magie“ in einem Moskauer Variete auslöst, wirbelt so einige heiße Angelegenheiten durcheinander … Alles verstanden? Nein? Wär´ auch schlimm. Dann wäre nämlich nicht deutlich geworden, dass das Ganze eben keine auf Romanlänge gestreckte Erzählung ist, sondern wirklich eine Verwirbelung von Handlungssträngen. Bulgakows Roman ist kein einfaches Buch, obwohl es sich größtenteils so lesen lässt. Nachwortschreiber Schröder setzt sich gern mit der hier köstlich benutzten Tradition des grotesken Schelmenromans auseinander. Doch entweder fehlte dem Rezensenten an dieser Stelle die nötige Fantasie, das geistige Substrat aus seinem für ihn und uns „historischen“ Umfeld zu lösen … oder eine äußere oder innere Zensur erlaubte ihm nicht, den nahe liegenden Schluss zu ziehen: Gerade die Scherze, die der Satan mit Künstlernamen Voland im Variete mit den Moskauern trieb, funktionierten eben auch zur Zeit der Rezension … und heute wissen wir, dass diese „Kraft“ die der Geschichte vorauseilende Illusion des realen „Sowjetsozialismus“ überwand. Welch böse Wahrheit, dass den Schaden aus den Kunstrubelscheinen, die da „vom (Variete-)Himmel regneten“, nicht die erlitten, die sie einfingen, sondern die, die sie danach gutgläubig annahmen. Und der getürkte Modetempel, dank dessen die putzsüchtigen Moskauerinnen fast nackt aus dem Variete traten? Haben wir die frühe Warnung nicht zu gern überhört? Der „Kommunismus“ des Bulgakow war ein intellektuell wissender, kein in revolutionärer Romantik schwelgender. Er wusste einfach, dass sich „die Menschen“ weniger verändert hatten, als wir es gern geglaubt hätten. Und dass sie sich auch weiter nur langsam verändern würden – in Dimensionen von zwei Jahrtausenden vielleicht. Es war ja nicht nur das Bild von Kunst und Literatur, das geradegerückt werden sollte, von wegen dem kulturellen Reichtum von Jahrtausenden, die es zu bewahren galt, es waren auch die vielfältigen menschlichen Schwächen, die den Scherzen der satanischen Schelmentruppe ausgeliefert wurden. Und der Roman im Roman? Was hinter der biblischen Geschichte um die Kreuzigung Jesus´ für reale Ereignisse steckten, werden wir nie erfahren. Bulgakow macht eine normale Geschichte um einen Menschen daraus, der eben vom Guten in jedem Menschen überzeugt ist und der um dessen Verformung durch die Umstände des Lebens weiß. Und noch viel „menschlicher“ wird Pontius Pilatus in seiner Ahnung, etwas zum Guten verändern zu können, zu wollen … und es nicht zu tun. Ja, natürlich sehe ich das Faust-Motiv als Wesen des ganzen Romanwerks. Aber warum hat das Buch keinen „Helden“? Oder ist das vielleicht die Margarita? Verkörperung bedingungslos hingebungsvoller Liebe? Wunschbild des Autors-Meisters, wie er sich seine Partnerin erhofft hätte, ohne sie auf Erden getroffen zu haben? Nichts Gretchenhaftes haftet ihr an. Keine Angst. Warum nicht zur Hexe werden, wenn´s hilft?! Zum Schluss geht alles gut aus – wenn man akzeptiert, dass die Brände in der zweifelhaften Wohnung und im Literatentempel zur „Reinigung“ dazugehören. Ob ich jetzt die Wikipedia-moderne Wahrheit nachlese, welche Schwierigkeiten das Werk hatte, sich in seinem Ursprungsland durchzusetzen? Vielleicht besser nicht. Die faustischen Wahrheiten über die Natur des menschlichen Zusammenlebens wollen etwas Neues für das 21. Jahrhundert. Halten wir uns lieber an die Originale davor … wie eben diesen Bulgakow ...

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