Der stille Don, Bd. 1 und Bd. 2

von Michail Scholochow 
3,3 Sterne bei6 Bewertungen
Der stille Don, Bd. 1 und Bd. 2
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Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:B001QGHV5E
Sprache:
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:1594 Seiten
Verlag:Bertelsmann
Erscheinungsdatum:01.01.1990

Rezensionen und Bewertungen

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    Phlieges avatar
    Phliegevor 5 Jahren
    Das Schönste, was du jemals gelesen haben wirst!

    Jedes Wort in diesem Buch ist des Lesens Wert.
    Scholochow zeichnet seine Charaktere so klar und so geschickt wie Bilder, einfach sind sie aber nicht.
    Er spannt ein Seil zwischen Liebe und Grausamkeit, das kaum in Worte zu fassen ist und doch immer glaubwürdig bleibt und einem zuweilen das Herz zerreißt.
    Nur wenige Autoren finden so klare und ehrliche Worte für den Menschen und wissen den Lesern so fest zu packen.

    Und zwischen der Kriegshandlung (für Laien nicht ganz einfach zu verfolgen, dafür aber möglichst kurz gehalten) eingestreut die Landschaftsbeschreibungen. Eigentlich ein schwieriges Thema, da man doch eher schnell von ihnen gelangweilt wird. Nicht so hier mit Scholochows klangvollem Schreibstil. Er packt den Leser so fest mit dem Zauber des Dons und der Steppe, das man gar nicht mehr losgelassen werden möchte. Er hätte wahrscheinlich ein ganzes Buch nur über Landschaften herausbringen können und es wäre genauso viel gelesen worden.

    "Der stille Don" ist ein neutral erzählender historischer Roman über den Untergang des Kosakentums während der russischen Revolution, der in seiner Sprachgewalt und seinem Zauber wohl durch nichts übertroffen werden kann.
    Lesen!!!!

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    SiColliers avatar
    SiColliervor 6 Jahren
    Rezension zu "Der stille Don, Bd. 1 und Bd. 2" von Michail Scholochow

    Wer kann dem Tode entrinnen? Wer kann das Ende eines Menschenwegs vorausahnen? (Band 2, Seite 103)

    Seltsame Zeiten sind gekommen. (Band 2, Seite 488) Und seltsam ist es, ein so in vieler Hinsicht gewaltiges Werk in einer kurzen Buchvorstellung besprechen zu sollen. Da mir nicht die Sprachgewalt eines Scholochow zur Verfügung steht, kann es nur beim Versuch bleiben.

    Zumal bei Lesebeginn alles klar schien. Scholochow war ein linientreuer Kommunist, also ist das Buch vor allem eine gewaltige pro-sowjetische Propaganda. Dachte ich. Falsch gedacht.

    Sicher gibt es eindeutig gefärbte Stellen, aber die halten sich nach meinem Dafürhalten sehr in Grenzen. Und zwar mehr, als ich einem sowjetischen Schriftsteller zugestanden hätte. Ich habe immer wieder nach solchen Stellen gesucht und relativ wenige gefunden. Und selbst die paßten meist und waren in sich schlüssig. Wenn ein „Roter“ spricht, kann er nun mal nur „rot“ sprechen.

    Ein Großteil des Buches ist aus Sicht der Kosaken geschrieben, deren Untergang als Folge der Russischen Revolution ja Thema des Buches ist. Zimperlich geht es also nicht zu im Buch; (zu) schwache Nerven sollte man nicht haben, denn was da an Grausamkeiten, Schmerz und Leid über den Leser hereinbricht, ist gewaltig. Mir fallen nur sehr wenige, in dieser Hinsicht vergleichbare, Bücher ein. Erträglich wird dieser Kriegshorror nur durch die unglaubliche Sprachgewalt Scholochows. Meine Güte, konnte der schreiben!

    Besonders seine Naturschilderungen sind von einmaliger Schönheit. Aber Vorsicht - je schöner und reiner die Natur, je schlimmer das Ereignis, das in derselben stattfinden wird. Immer, wenn er eine Idylle entwirft, machte ich mich auf einen Schicksalsschlag gefaßt. Und wurde eigentlich nie enttäuscht, obwohl ich in der Hinsicht gerne das eine oder andere Mal enttäuscht worden wäre.

    Es war erstaunlich, wie kurz und armselig dieses Leben war und wieviel Schweres und Trauriges es enthielt, an das sie nicht mehr denken wollte. (Band 2, S. 671) Ein Motiv, das immer wieder auftaucht. Und immer wieder heißt es Abschied nehmen, denn der Tod ist ein ständiger Begleiter in (Kriegs-)Zeiten, in Zeiten in denen der Mensch billig geworden ist. (nach Band 2, S. 646)

    Scholochow hat mich in mehrfacher Hinsicht absolut überrascht. Da ist zum einen, ich erwähnte es, die weitgehende Ausgewogenheit der Darstellung. Rote wie Weiße kommen zu Wort, nur an wenigen Stellen kommt die Grundeinstellung des Autors durch. Das hatte ich so mit Sicherheit nicht erwartet. Die Erzählung der Geschehnisse jener Zeit aus Sicht der Kosaken sowie der sie bekämpfenden Roten ist eine völlig andere als (zumindest mir) bisher gewohnte und wirft ein ganz anderes Licht auf die Ereignisse jener Zeit, vor allem auch aus Sicht der betroffenen Unterlegenen. Denn wie die Sache ausging, ist aus den Geschichtsbüchern hinreichend bekannt.

    Schließlich war nicht nicht auf die Sprachgewalt vorbereitet, mit der Scholochow seinen Roman erzählt. Aber die brauchte es auch, um all das Schlimme und Furchtbare ertragen zu können. Dabei taucht immer wieder der Gegensatz Mensch - Natur auf, wobei der Mensch meist nicht sehr gut abschneidet. Ein Beispiel sei zitiert: In der Steppe, deren grünes Meer bis unmittelbar vor den Garten geflutet war, im Gestrüpp des wilden Hanfs, neben den Zäunen der alten Tenne schmetterten Wachteln unermüdlich ihre Lieder, pfiffen Zieselmäuse, brummten Hummeln, raschelte, vom Winde gekost, das Gras; im aufsteigenden Dunst jubilierten Lerchen, und irgendwo weit, weit in der Ferne, in einer Talmulde, verkündete das beharrliche, boshafte, dumpfe Tacken eines Maschinengewehrs die Erhabenheit des Menschen in der Natur. (Band 2, Seite 427)

    Die Figuren sind zum Leben erwacht, zu einem Leben, das ich nicht geführt haben möchte. Wer die ganzen Beschreibungen der Gerüche und hygienischen Zustände liest, weiß was ich meine. Dennoch bestand über weite Strecken des Buches - zum Glück - eine gewisse Distanz zu ihnen, war ich quasi unbeteiligter Beobachter des Geschehens. Inwieweit dieser Abstand vom Autor beabsichtigt war, weiß ich nicht; jedoch hätte ich eine Nähe zu den Protas über 1.500 Seiten bei all dem, was im Buch passiert, nicht durchgehalten. Ich persönlich empfand erst die letzten etwa dreihundert Seiten zunehmend, manchmal bis zur Schmerzgrenze, emotional. Insgesamt hat mich das Buch auf eine Weise gepackt und getroffen, die ich - nachdem ich gerade ausgelesen habe - selbst weder verstehe noch derzeit auch nur annähernd imstande bin auszudrücken.

    Ein Buch, das alles hatte, um mir nicht zu gefallen - und das es auf Anhieb in die Topliste meiner Lieblingsbücher geschafft hat.

    Ein Buch voll von Grausamkeit und Leid - und dennoch wunderschön.

    Ein Buch eines linientreuen sowjetischen Schriftstellers - und dennoch (fast) durchgehend ausgewogen, fair und bar jeglicher Heroisierung der einen wie der anderen Seite.

    Mit anderen Worten: ein großartiges Werk der Literatur. Das ist alles, was mir zu sagen geblieben ist.


    Kurzfassung

    Ein sprach- wie inhaltsgewaltiges Werk über den Untergang der Don Kosaken während der Russischen Revolution. Zurecht mit dem Nobelpreis ausgezeichnet und absolut lesenswert. Am besten mehrfach.

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    T
    Tarawavor 4 Jahren
    curds avatar
    curdvor 7 Jahren
    TheRavenkings avatar
    TheRavenkingvor 8 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Jahren

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