Michal Hvorecky

 3.6 Sterne bei 54 Bewertungen
Autor von Eskorta, Troll und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Michal Hvorecky

Satire trifft Realismus: Michal Hvorecky wurde 1976 in Bratislava geboren. An der Universität von Nitra studierte er Kunstgeschichte und ästhetische Theorie. Im Jahre 2004 wurde er als „Writer in Residence“ an die University of Iowa in den USA eingeladen. Zudem wurde er mehrfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet. 2009 erhielt er in Berlin den Internationalen Journalistenpreis und im Jahre 2010 den Tatra Banka Kunstpreis. Er lebt als freier Autor in Bratislava und hat bisher drei Erzählbände und drei Romane veröffentlicht, darunter „Das starke Gefühl von Sauberkeit“ (1998) und „Jäger & Sammler“ (2001). Auf Deutsch erschien im Juli 2007 der Roman „City: Der unwahrscheinlichste aller Orte“. März 2009 wurde auch sein Werk „Eskorta“ veröffentlicht. In zahlreichen Zeitschriften, unter anderem in der „FAZ“ sowie der „Zeit“, wurden Essays und Geschichten von Michal Hvorecky abgedruckt. Hvorecky engagiert sich außerdem in seiner Heimat sehr für die Pressefreiheit und gegen anti-demokratische Entwicklungen. Sein auf Deutsch verfasstes Theaterstück „Slowakisches Institut. Eine Satire“ wurde am 19. März 2009 im Theater Forum Schwechat (bei Wien) aufgeführt. Die Werke des Autors wurden schon in 11 Sprachen übersetzt.

Alle Bücher von Michal Hvorecky

Eskorta

Eskorta

 (32)
Erschienen am 01.03.2009
Troll

Troll

 (15)
Erschienen am 04.11.2018
City: Der unwahrscheinlichste aller Orte

City: Der unwahrscheinlichste aller Orte

 (6)
Erschienen am 28.02.2006
Tod auf der Donau

Tod auf der Donau

 (4)
Erschienen am 19.02.2016

Neue Rezensionen zu Michal Hvorecky

Neu

Rezension zu "Troll" von Michal Hvorecky

Sehr aktuelles Thema und mal ein ganz anderer Stil
Ceciliasophievor 2 Monaten

Trolle beherrschen das Land, Fake News sind an der Tagesordnung, das osteuropäische Land des namenlosen Ich-Erzählers ist vollkommen zerrüttet, korrupt und abgeschottet vom Rest Europas. Zusammen mit seiner Freundin Johanna schmiedet er einen Plan: Die Trolle von innenheraus zu manipulieren.

Ein wenig holprig schlitterte ich durch die Geschichte. Das liegt vor allem an dem ganz eigenen Erzählstil. Der namenlose Protagonist erzählt zwar viel über seinen Alltag, seine Vergangenheit und teilt viele Einblicke in seine Gedankenwelt, doch erfährt man so als Leser kaum etwas über die Zustände, die nun über die Welt hereingekommen sind. Ein allwissender Erzähler hätte viel Verwirrung verhindern können und dem Leser auf unkomplizierte Weise etwas über die Umwelt der Charaktere beibringen können. Mit dem Ich-Erzähler ist der Leser hingegen genauso verloren in dieser Welt wie der Erzähler selber. Dennoch ist es genau dieses Gefühl des Verloren Seins, der Desorientierung du Unwissenheit, das den Charakter des Buches ausmacht. 
Vor allem im ersten Drittel des Buches herrschte viel Verwirrung. In diesem Abschnitt führt der Erzähler den Leser mehr und mehr in seine Welt ein, springt dabei jedoch ohne ersichtliches Schema immer wieder gedanklich hin und her. Er landet im Krankenhaus und trifft dort auf Johanna, die im Laufe der Zeit zu seiner besten Freundin wird. 
Der zweite Abschnitt hingegen konzentriert sich mehr auf die Zeit nach dem Krankenhaus, der Erzähler und Johanna arbeiten in einer Firma als Trolle. Mit dem Ziel, die Gemeinschaft der Trolle von innenheraus zu zerschlagen. Doch bald schon verlieren sie sich mehr und mehr in den Untiefen des Internets. 
Ich glaube, ich habe das Buch noch immer nicht vollkommen verstanden. Aber das ist gut so. Es regt zum Nachdenken an, weist eine mögliche Zukunft auf. Zeigt uns auch, dass online nicht immer alles eitel Sonnenschein ist. Im Internet ist nicht jeder dein Freund, nicht jede Meldung ist wahr und eigentlich ist jeder nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Noch ist das gezeichnete Szenario in dem Buch eher dystopisch, zeichnet aber eine sehr gute Vorstellung davon, wie sich die Umwelt, die Politik und die Gesellschaft in den nächsten Jahren schon ändern könnten. Das Thema ist aktuell und verstörend realistisch wiedergegeben. 
Ausnahmsweise darf dieses Buch in meinen Augen einmal mit zweierlei Maß gemessen werden. Auf der einen Seite überzeugte mich der Schreibstil nicht, zu viele Dinge blieben ungeklärt und unerklärt, es gab zu viele langatmige und abschweifende Passagen, die mich langweilten und Charaktere, mit denen ich mich nicht identifizieren konnte und die viel zu farblos und glatt blieben. Aber die geäußerte Gesellschaftskritik ist gut verpackt, das Buch regt zum Nachdenken an, der Autor hat sich mit seinem Stil etwas geschaffen, das aus der großen Masse der sich immer mehr gleichenden dystopischen Bücher heraussticht. Außerdem hat er eine solch authentische und realistische Zukunft unserer Welt gezeichnet. 
So oder so war es sehr spannend, ein (Fantasy-)Buch eines slowakischen Autors zu lesen, der einen erfrischend anderen Stil hat, an den ich mich nur erst noch gewöhnen muss. 

Ich vergebe 3 Sterne. Die Umsetzung gefiel mir nicht immer so gut, doch ist dies eins der wenigen Bücher, die man losgekoppelt von Bewertungen anderer unbedingt lesen sollte.  

Kommentieren0
6
Teilen

Rezension zu "Troll" von Michal Hvorecky

Mutig
LeveretPalevor 3 Monaten

Eine topaktuelles und mutiges Buch. Hvorecky schafft es die Komplexitität und die Gefahren der Onlinepropaganda literarisch aufzuarbeiten. Er greift aktuelle Themen, wie die Ausbreitung von Fake News, die Nutzung der Firehose of Falshood Propaganda Methode und Trollfabriken (wie der russischen Internet Research Agency) auf und verarbeitet sie literarisch in der Geschichte eines fiktiven Osteuropäischen Landes. Erzählerisch und vom Stil nicht perfekt, teilweise ist das Erzähltempo nicht ganz ausgeglichen und nicht ganz glaubwürdig, und die einzelnen Handlungsfäden hätte man etwas besser ausarbeiten können. (Wobei so ist das Buch angenehm kurz, sodass man es während einer Zugfahrt lesen kann und es ist für jeden zugänglich.) Insgesamt gleichen für mich die Originalität der Geschichte, die Komplexität des dargestellten Sachverhaltes und die gute Verdichtung der Thematik, sowie der kühle Mut, den der Autor mit so einem gesellschaftskritischen Werk voller Seitenhiebe auf die osteuropäischen Staaten, an den Tag legt, diese Defizite aus. Ich kann das Buch daher uneingeschränkt weiterempfehlen. Vor allem für Menschen, die sich nicht wie zum Beispiel ich als Journalist und KoWi-Student fast täglich mit Propaganda beschäftigen, ist dieses Buch eine starke Rote Pille nach der man die Welt etwas anders sieht.

Kommentieren0
0
Teilen

Rezension zu "Troll" von Michal Hvorecky

Lesenwert
Lilli33vor 4 Monaten

Gebundene Ausgabe: 215 Seiten

Verlag: Tropen (4. November 2018)

ISBN-13: 978-3608504118

Originaltitel: Trol

Übersetzung: Mirko Kraetsch

Preis: 18,00 €

auch als E-Book erhältlich


Lesenswert


Inhalt:

Osteuropa in nicht allzu ferner Zukunft. Ein namenloser Ich-Erzähler und seine Freundin Johanna beschließen, gegen die Fake News und Hasstiraden der Internettrolle vorgehen. Dazu schleusen sie sich selbst in eine Agentur ein, die im Auftrag von Firmen und Politikern durch Blogbeiträge und Forenpostings die öffentliche Meinung manipuliert. Sie wollen das System von innen heraus zerstören, doch die Gefahr ist größer, als ihnen bewusst ist.


Meine Meinung:

Die Kurzbeschreibung dieses Romans hörte sich für mich total interessant an, aber Michal Hvorecky hat es mir nicht leicht gemacht. Im ersten Drittel lernen wir den Ich-Erzähler sowie sein Land kennen, erfahren etwas über seine Kindheit und Jugend, lesen über einen langen Krankenhausaufenthalt, bei dem er schließlich die Bekanntschaft von Johanna macht. Dieser Abschnitt ist nicht besonders fesselnd, eher ein bisschen wirr und auch nicht ganz schlüssig. Aber immerhin erklärt die Entwicklung, wie die beiden jungen Leute auf die Idee kommen, etwas gegen die Trolle zu unternehmen.


Sowie es mit dem Trolling losgeht, nimmt die Handlung Fahrt auf. Das Erzähltempo ist hoch, was auch daran liegt, dass es nur wenige Beschreibungen gibt. Es wird eher berichtartig erzählt, was passiert, was ich allerdings als recht trocken empfand. Man muss sich schon ordentlich konzentrieren, um am Ball zu bleiben. 


Ob das Szenario, das Michal Hvorecky entwickelt hat, Dystopie oder bereits Wirklichkeit ist, vermag ich nicht zu sagen. Wir sind auf jeden Fall nicht weit davon entfernt. Und eines sollte jedem Leser klar sein: Alles muss hinterfragt werden, jeder sollte seinen eigenen Verstand einschalten und nicht einfach Meinungen nachplappern.


★★★☆☆


Kommentare: 1
3
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Michal Hvorecky wurde am 29. Dezember 1976 in Slowakei geboren.

Michal Hvorecky im Netz:

Community-Statistik

in 88 Bibliotheken

auf 17 Wunschlisten

von 3 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks