Michel Bergmann Alles was war

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Inhaltsangabe zu „Alles was war“ von Michel Bergmann

Ein alter Mann beobachtet heimlich ein Kind. Wie der Zehnjährige morgens zur Schule geht, wie er zu Hause am Bett des kranken Vaters sitzt, der trotz schwerster Misshandlungen das KZ überlebt hat. Wie der Junge "Moby Dick" liest, am Zeitungsstand neben der "Quick" und "Revue" die Comics entdeckt, im Café Kranzler Kakao trinkt und aus dem Klassenzimmer auf die Werbung für 'Creme Mouson' schaut, daneben Frankfurt am Main in Trümmern. Wie die Jahre vergehen, das Kind zum Mann wird und gegen die übermächtige Mutter aufbegehrt, während das Land sich allmählich verändert und doch stets mit seiner dunklen Vergangenheit leben wird. Wer ist der Alte, der so viel über das Leben des Jungen weiß? Michel Bergmann erzählt eine berührende Geschichte voller Magie über eine Jugend im Nachkriegsdeutschland und über das Kind in uns, das nie alt wird û und knüpft damit an seinen großen Erfolg von Die Teilacher an.

hat mich sehr berührt

— lesefieber1

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  • Eine tolle Grundidee mit vielen berührenden Passagen.

    Alles was war

    frauschnuerchen

    09. January 2016 um 23:47

    "Jeder Mensch bildet ein kleines Universum im Großen. Mit Anziehungskräften und Fliehkräften, mit Dichte und Leere. Mit Masse und Strahlen. Mit Kommen und Gehen. Wer erfährt, wie ein Stern stirbt, wie seine Masse schrumpft, wie er noch ein letztes Mal heller strahlt als tausend Sonnen und in einer Supernova untergeht und am Ende ein schwarzes Loch bildet, der müsste jeden Tag Demut zeigen."  Alleine für diesen Absatz hätte es sich gelohnt, das Buch zu kaufen. Eigentlich liegt "Alles was war" keine besonders spannende Geschichte zu Grunde. Doch die Idee, einen ganzen Lebensweg aus der auktorialen Erzählperspektive zu schildern, hat mich schon im Buchhandel neugierig gemacht: "Ein alter Mann beobachtet heimlich ein Kind. Wie der Zehnjährige morgens zur Schule geht, wie er zu Hause am Bett des kranken Vaters sitzt, der das KZ überlebt hat. Wie der Junge ›Moby Dick‹ liest, am Zeitungsstand neben ›Quick‹ und ›Revue‹ die Comics entdeckt, im Café Kranzler Kakao trinkt. Wie die Jahre vergehen, das Kind zum Mann wird und gegen die übermächtige Mutter aufbegehrt, während das Land sich allmählich verändert und doch stets mit seiner dunklen Vergangenheit wird leben müssen. Wer ist der Alte, der so viel über das Leben des Jungen weiß? Eine Geschichte voller Magie über eine Jugend in Deutschland nach dem Krieg." Es gibt so viele Passagen, die mich berührten, die wunderbar poetisch formuliert sind und die ich mir markiert habe - was ich sonst nur selten mache. Und doch möchte ich gleichzeitig erst einmal kein weiteres Buch von dem Autor lesen. Vielleicht aus der Angst heraus, dass die anderen Bücher von ihm zu ähnlich sind und "Alles was war" damit an Besonderheit verlieren würde.

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  • Ein jüdisches Leben in Deutschland

    Alles was war

    michael_lehmann-pape

    25. August 2014 um 12:22

    Ein jüdisches Leben in Deutschland Unschwer zu erkennen ist, dass Michael Bergmann in dieser ruhigen, dichten, sehr aufmerksam beobachtenden Erzählung zumindest einen Teil seiner eigenen Geschichte erzählt. Wie das war, als jüdisches Kind in der Nachkriegszeiten aufzuwachsen, die Bürde, den Berg der Gräuel frisch aufgeschüttet noch vor Augen, die teils tief verankerten Haltungen in der Bevölkerung Juden gegenüber vielfach ungesühnt mitten im Alltag wieder anzutreffen. Wie eine dunkle, tiefschwarze Wolke hängt das Geschehene über und in der Zeit selbst und wird über Jahrzehnte hinaus (wie die aktuellen Ereignisse zeigen bis in die Gegenwart hinein), Schatten werfen. „Ja, antwortet der Junge, der nun ein Mann von über fünfzig Jahren geworden ist“. Und der dem Leser zunächst im Buch als Knabe begegnet mit all den Dingen, die ein kindliches Heranwachsen ausmachen. Das Spiel, die Schule, seinen Platz in der Welt finden, vor allem mit „den anderen allen“. „Mit dem sperrigen, ledernen Schulranzen läuft er aus dem Haus. Es ist sein Tag, wie jeder Tag sein Tag ist“. Ein Aufwachsen, ein Leben, dass nicht nur von der „großen“ Vergangenheit geprägt ist, sondern auch in der Gegenwart durch eine „immer besorgte“ Mutter übermächtig gerade in diesen jungen Jahren begleitet werden wird. Und ein alter Mann, dessen Blick eher zufällig aus der Nachbarschaft heraus auf diesen Jungen fällt. Und dessen „Lebensweg“ intensiv mit begleitet. Wobei schnell deutlich wird, dass Bergmann hier beide Rollen einnimmt. Der alte Mann, der auf seine Geschichte, sich selbst zurückblick und die Dinge des Lebens nun, aus den vielfachen Erfahrungen des Lebens heraus, anders sehen und bewerten kann, dem Leser die reflektierte Sicht auf den damals beginnenden eigenen Lebensweg vor Augen führt. Innerhalb einer jüdischen Gemeinde, die „wieder da ist“, in Teilen natürlich. Die nach Holocaust, unendlichen Schrecken und erlebtem Hass in Frankfurt sich Schritt für Schritt wieder ansiedelt. In einer Welt, in der weiterhin gilt: „Jüdisch zu sein ist eben etwas anders, als katholisch oder evangelisch zu sein. Schon als Kind spürt er das. Das wird bleiben, bis in unsere heutige, aufgeklärte, digitale Zeit hinein“. Feinfühlig und vielfach „subkutan“ zeigt Bergmann dieses „anders sein“ durch die Jahrzehnte hindurch auf, erzählt von dem Eindruck, dass „der Täter Bewährungshelfer“ ist, wenn Juden von vielen Seiten her immer wieder sich belehrt findet, was es denn heißt, „Jude zu sein“. Wobei Bergmanns Kunst der ruhigen Erzählung vor allem darin besteht, dass er dieses „anders sein“ nicht „laut“ macht, nicht polemisch in den Raums setzt, nicht anklagend vorbringt, sondern stetig einfach aufzeigt, am Alltag festbindet und die Folgen immer wieder leise in den Raum zu setzen versteht. Und auch von der der anderen Seite versteht es Bergmann ebenfalls, vom Alltag zu berichten. Von der „Normalität“ des Lebens, dass erst dann hektisch anderes dargestellt wird, wenn „der Rabbi“ zu Besuch kommt. Wie das war, sich in diesen Jahren zurecht zu finden, umwälzende soziale Entwicklungen mit zu erleben, die Last der übervorsichtigen, drängenden, ständig verbessernden Eltern (die Mutter im Buch) zu schultern, immer wieder diese besondere Stellung des jüdischen Lebens in der wachsenden Bundesrepublik mit einfließen zu lassen, das liest sich in diesem schmalen Band einfach beeindruckend, ruhig und dennoch nachhaltig. Eben „alles was war“ für diese konkrete, persönliche Leben unter besonderen Vorzeichen.

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