Michel Bergmann Weinhebers Koffer

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Inhaltsangabe zu „Weinhebers Koffer“ von Michel Bergmann

Versunken im Meer, im Meer des VergessensElias Ehrenwerth suchte eigentlich nur ein Geburtstagsgeschenk für seine Freundin Lisa. Der alte Lederkoffer jedoch, den er bei einem Berliner Trödler wegen der eingeprägten Initialen – Lisas Initialen – erstand, setzt ihn auf die Spur einer Geschichte, die ihn ins heutige Israel führt und in Bann schlägt: ein Koffer, der eine Lebensreise ohne Besitzer hinter sich hat. Ein jüdischer Schriftsteller, der, 1939 in Marseille auf die Ausreise wartend, vom Tod seiner ihm vorausgereisten Verlobten erfährt und deshalb selbst nie in Palästina ankommen sollte. Michel Bergmann mischt geschickt unterschiedliche Erzählformen und spürt einem tragischen Einzelschicksal nach, das für viele andere steht.

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  • L.W. und der Koffer

    Weinhebers Koffer
    PaulaAbigail

    PaulaAbigail

    21. February 2017 um 17:58

    Elias Ehrenwert ist auf der Suche nach dem passenden Geschenk für seine Freundin und stösst dabei in einem Berliner Trödelmarkt auf einen alten, edlen Koffer mit den Initialen L.W. Neugierig, was dahinter steckt, macht er sich auf die Suche und bereist dabei nicht nur Israel, sondern lernt auch eine Menge meschugge und kuriose Menschen kennen. Elias, selbst Jude - wenn auch nicht im halachischen Sinne , wie er selbst sagt, da das jüdische Blut nicht von seiner Mutter stammt - hat einen Araber zum Freund und immer mal wieder wird das Thema Israel / Palästina aufgegriffen und dies auf eine kluge, jedoch erfrischende Art. Damit verliess ich die Party. Warum regst du dich so auf, rief mir Tom hinterher, du bist doch kein Jude! Ich drehte mich um: Du regst dich doch auch über Massentierhaltung auf und bist kein Huhn. (S.17) L.W., das ist Leonard Weinheber, der den Koffer während seiner Überfahrt von Berlin nach Israel benutzt hat; im Jahr 1939, auf der Flucht vor den Nazis. Im Koffer befinden sich noch immer Dokumente und anhand dieser Briefe und Notizen wird eine wunderbare und doch so tragische Geschichte zweier Exiljuden erzählt; eine, Lenka Rose, die glücklich ist in der neu gewonnenen Freiheit in Israel und einer, Leonard Weinheber, der deutsch ist, durch und durch, und der in Israel nie von Bord gegangen ist und nirgends registriert wurde. Genau dieses Rätsel versucht Elias nun auf eigene Faust zu lösen. Diese Generation stirbt aus, dachte ich, und es ist ein Frevel, dass sie es schweigend tut, weil sie niemand mehr fragt, wie alles gekommen ist. (S.68) Wann immer ich Leuten ein solches Buch empfehle, heisst es: Ach, schon wieder Holocaust? Aber nein! Es ist eben nicht nur ein Holocaust Roman. Michel Bergmann erzählt eine wunderschöne Geschichte und setzt somit ein kleines Denkmal an alle Opfer und Hinterbliebenen des Holocaust. Und das, ohne dass sich dieses schlimme Thema aufdrängen würde, es gehört nun einfach mal zu - unserer - Geschichte. Auch dieses Buch habe ich in einem Tag ausgelesen und mich verliebt in Bergmanns feinfühlige Sprache. Sehr empfehlenswert und einer meiner Tipps für die kommende Weihnachtszeit!

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  • Spurensuche in der Vergangenheit

    Weinhebers Koffer
    Arizona

    Arizona

    02. January 2016 um 13:27

    Dieses kleine Büchlein (142 Seiten) erzählt von Elias, der durch den Kauf eines alten Koffers bei einem Antiquitätenhändler - gedacht als Geburtstagsgeschenk für seine Freundin Lisa – neugierig wird und anfängt über den Vorbesitzer des Koffers zu recherchieren. Es befindet sich nämlich eine alte Visitenkarte im Koffer, er gehörte einem Dr. phil. Leonard Weinheber aus Berlin. Elias selbst hat Film studiert und erstellt Untertitel für Fernsehserien. Durch seinen Vater ist er jüdischer Abstammung. Er trifft sich mit dem Araber Hamed, der den Koffer von seinem Großvater geschenkt bekommen hat, und findet heraus, dass der Koffer aus Haifa kommt. Weiterhin sucht Elias nach dem Namen Weinheber. Diesen Teil fand ich etwas verwirrend, da es mehrere Personen mit dem Namen gibt, auch einen Architekten aus Wien - ich habe aber den Zusammenhang zum Besitzer des Koffers nicht so ganz verstanden, da es wohl mehrere Familien mit dem Namen Weinheber gab. Schliesslich führt Elias seine Recherche nach Israel, wo er sich mit Hameds Großvater Gibril trifft. Der Großvater hat damals im Hafen gearbeitet, als die Schiffe aus Europa mit den jüdischen Flüchtlingen ankamen, und dieser Koffer blieb damals im Hafen stehen, da ihn niemand mitgenommen hat. Dies erscheint natürlich sehr merkwürdig, was Elias nun weiter nachforschen lässt. Der Großvater übergibt ihm noch die Schreibmaschine und einige Manuskripte des Herrn Weinhebers, dieser war nämlich Schriftsteller. Es folgt der Abdruck eines Manuskripts: Die blutende Stadt von 1931. Darin geht es um einen Anwalt und die Anklage eines jüdischen Mannes wegen des Überfalls auf seinen Laden, also um den Antisemitismus in der Weimarer Republik. Diesen Teil fand ich sprachlich nicht besonders gut geschrieben. Elias findet weiter heraus, dass Herr Weinheber 1939 an Bord des Schiffes Adriatica in Marseille ging, da er als Jude aus Nazi-Deutschland fliehen musste. Elias versucht nun anhand der Passagierliste andere Mitreisende zu kontaktieren, soweit sie noch leben. Er telefoniert mit einer alten Dame, die den Herrn Weinheber auf der Schiffsreise kennen gelernt hat. Mehr will ich nicht verraten... In Israel trifft Elisa auch seinen alten arabischen Freud Amin, mit dem er sich öfter wegen des alten Konflikts zwischen Palästinensern und Juden streitet, wobei die Fronten doch sehr verhärtet sind, so dass ein Verständnis einfach nicht möglich scheint. Soweit zur Story, nun meine Bewertung. Es gibt so einiges, an dem ich mich bei diesem Buch gestossen habe. Als etwas unglaubwürdig habe ich es z.B. empfunden, dass jemand nur aus Neugier heraus mal eben so nach Tel Aviv fliegt und sich dort tagelang mit fremden Leuten trifft, nur um hinter die Geschichte des Koffers zu kommen. Aber dies wurde vom Autor mit den Rabatt für den Flugpreis begründet, da die Freundin bei der Lufthansa arbeitet. Auch sind mir im Ausdruck des Autoren immer wieder so unrunde Formulierungen aufgefallen, die meiner Meinung nach nicht zum Stil des Buches gepasst haben. Auch dass Elias auf dem Geburtstag seiner Freundin so einen totalen Ausraster bekommt, weil ihre Kollegen sich für einen Boykott von Israel aufgrund des Konfliktes zwischen Juden und Palästinensern aussprechen fand ich befremdlich. Es gab einfach zu viele Stellen, die ich unschön fand. So wurde die Schwester der Freundin wie folgt beschrieben: geschieden, Gesundheitsterroristin, die auf einem Bauernhof in einer WG lebt, natürlich auch noch vegan ist, und spirituelle Naturmedizin betreibt. Hallo, geht es noch plumper, ganz tief in die Klischee-Kiste gegriffen. Und welches Buch bekommt die Freundin geschenkt, natürlich Jojo Moyes. Also so viele Kleinigkeiten, die mich irgendwie gestört haben. Den Schreibstil empfand ich als uneinheitlich, die Erzählart wechselte ab und zu, es fehlte mir eine Basis. Schön fand ich die Idee, einen alten Koffer als stummen Gast aus einer vergangenen Zeit zum Anlass zu nehmen, um ein Rätsel aus der Vergangenheit zu lösen. Die Umsetzung ist für mich aber sowohl sprachlich als auch inhaltlich nicht gut gelungen. Auch war mir der erhobene Zeigefinger des Autors etwas zu deutlich.

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria
    Ginevra

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Einem Leben auf der Spur

    Weinhebers Koffer
    Sikal

    Sikal

    19. December 2015 um 08:42

    Elias sucht nach einem passenden Geschenk zum Geburtstag seiner Freundin und findet einen alten Koffer mit ihren Initialen L.W. Als Elias den Koffer untersucht, findet er eine Visitenkarte vom ursprünglichen Besitzer des Koffers Leonard Weinheber. Seine journalistische Ader lässt ihm keine Ruhe und so macht er sich auf Spurensuche, die ihn bis nach Israel treibt. Wie ein Puzzle setzt er die einzelnen Teilchen zusammen, spricht mit Zeitzeugen und entdeckt nach und nach einen Teil Weinhebers, eines jüdischen Schriftstellers, der sich in den 30ern von Deutschland abwenden muss und nach Israel immigriert. Doch warum kommt dort nur sein Koffer an? Michel Bergmann gelingt es mit diesem Roman ein Schicksal unter vielen einzufangen. Er berührt durch eine zart eingeflochtene Liebesgeschichte und zeichnet das konfliktbehaftete Bild zwischen Arabern und Juden. Das Schicksal Weinhebers steht für alle, die ihre Heimat verlassen müssen, die keine Hoffnung und kein Ziel vor Augen haben und die sich wieder einen Platz im Leben suchen müssen – oder daran scheitern. Der Schreibstil des Autors wechselt von berührend, poetisch bis hin zum Großstadt-Jargon. Spannung wird langsam aufgebaut und lässt die Leserin bzw. den Leser mitfiebern was denn nun mit Weinheber geschehen ist. Eine spannende Geschichte über eine dunkle Zeit unserer Vergangenheit, deren Grausamkeiten hoffentlich nie in Vergessenheit geraten.

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  • Sehnsucht ist meine Heimat

    Weinhebers Koffer
    Aspasia

    Aspasia

    05. August 2015 um 16:59

    „Dir weist das Meer den Weg ins Licht, mich führt es heim.“ so lautet die letzte Zeile eines Gedichts, geschrieben von Leonard Weinheber, der, nach dem ihm in Nazi-Deutschland das Wort verboten wird, sich aufmacht übers Meer, in ein Land, dass ihm nicht Heimat, nur Fluchtpunkt ist. Der Ich-Erzähler, Elias Ehrenwerth, ein junger Berliner Deutschjude ist auf der last-minute Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für seine Freundin Lisa Winter, dabei stolpert er in einem türkischen Kreuzberger Trödelladen über einen ledernen Reisekoffer. Dieses mit Reiseaufklebern mondäner Grandhotels gepflasterte Reiseutensil transportiert den Charme einer anderen Zeit und ist dazu mit den Initialen L.W. versehen, persönlicher kann ein Präsent kaum sein. Also wechselt es den Besitzer. Elias findet im Koffer eine Visitenkarte mit dem vollständigen Namen und der Anschrift des ehemaligen Besitzers: Dr phil. Leonard Weinheber, wohnhaft Viktoria Louise Platz 14, Berlin Wilmersdorf. Neugierig sucht Elias die angegebenen Adresse auf, vor dem Gebäude findet er einen jener zur Erinnerung in den Boden eingelassenen „Stolpersteine“ mit Weinhebers Namen. Eine Bewohnerin des Hauses gibt ihm weitere Hinweise, spätestens in diesem Moment wird aus dem Koffer, aus dem Namen, ein Mensch und wie ein Fährtenleser folgt dessen Spuren. Er erfährt, dass sich Weinberger 1939 mit einem italienischen Schiff von Marseille über Genua nach Jaffa aufgemacht hat. Aber wie konnte Elias den Koffer dann in Berlin kaufen? Ihm gelingt es den Vorbesitzer zu ermitteln, einen jungen arabischen Studenten, der jenen Koffer von seinem Großvater in Jaffa, Israel geschenkt bekommen hat. Das Land seines Vaters, in dem er die Filmhochschule besucht hat und dessen Politik er in jeder Small Talk Runde verteidigen soll: "So kam, wie bei jeder kultivierten deutschen Geselligkeit, der Holocaust auf die Tagesordnung. Aber nur kurz, denn dann wurde die zweite Stufe gezündet: ISRAEL!", ist Elias nicht unbekannt, also fliegt er nach Israel. In Jaffa trifft er den muslimischen Großvater, der 1939 jenes Schiff entladen hat, mit dem Weinheber hätte ankommen sollen. Da der deutsche Passagier seinen Koffer aus dem Fundbüro nicht abgeholt hat, gingen er und sein Inhalt in den Besitz des Hafenarbeiters über. Die Kleidung trägt der alte Mann und die persönlichen Dinge, den er bis zu diesem Tag im Keller seines Hauses verwahrt, übergibt er Elias. Dieser entdeckt Liebesbriefe an eine junge Frau, die schon 1938 nach Palästina gereist ist. Weinheber, der assimillierte Jude, zögert da noch sein Land, in dem er über einen deutschen Dichter promoviert hatte, dessen Sprache sein Werkzeug ist, gegen eine „unkultivierte Wüste bevölkert mit Kaftanjuden“ einzutauschen. Er will glauben, dass das alles nur ein großer Irrtum ist. Er sollte es eigentlich besser wissen, beschreibt er in einem Romanmanuskript doch den Kampf eines jungen Rechtsanwaltes, der für einen armen, rechtlosen Ostjuden und seine Familie Gerechtigkeit einfordert, nachdem dessen Geschäft beim Scheunenviertelprogrom in Berlin 1923 zerstört wird. Als der Roman abgelehnt und er mit einem Berufsverbot belegt wird, schifft der Romancier sich schweren Herzens gen Palästina ein, um seiner Liebe zu folgen. Auf der Überfahrt lernt er ein junges fünfzehnjähriges Mädchen kennen, die voller Vorfreude auf ein freies, ungezwungenes Leben in einem aufregenden Land ist. Diese Begegnung zeigt, dass der Abschied nicht jedem gleich schwer fiel, je nachdem, was man zurückließ: „Ich bin jung genug, um dieses ekelhafte Land hinter mir zu lassen. Für mich ist es versunken, im Meer! Im Meer des Vergessens.“ In diesem berührenden Kurzroman von Michel Bergmann folgt der Ich-Erzähler, und wir mit ihm, den Spuren eines Lederkoffers und seines Besitzers vom Multikulti-Kiez Berlin Kreuzberg nach Israel, von der Jetztzeit mit seiner hitzig geführten Zweistaaten Diskussion zurück in die Vergangenheit, in der verzweifelte Menschen auf der Suche nach dem einem Staat, der sie wollte, waren. Bergmann spielt virtuos mit den verschieden Sprachstilen, zitiert die zarten Liebesbriefe aus den 30ern, lässt den Ich-Erzähler pädagogische Aufklärungsreden schwingen oder mit lakonisch Sprüchen das typische Großstadtleben kommentieren und schreibt ein Romanmanuskript für den vermissten Schriftsteller, das man gerne veröffentlicht sähe. Wie bei einer Schnitzeljagd arbeiten wir uns von Hinweis zu Hinweis, von Begegnung zu Begegnung und erfahren dabei so viel mehr als nur die Geschichte des Gepäckstücks.

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  • Ein Koffer hat eine Geschichte

    Weinhebers Koffer
    Gruenente

    Gruenente

    06. April 2015 um 19:35

    Elias Ehrenwerths Freundin hat Geburtstag. Und er kein Geschenk. Da findet er in einem Trödelladen einen schönen alten Lederkoffer mit ihren Initialen: L.W. Das ideale Präsent! Zuhause untersucht Elias den Koffer und findet eine Visitenkarte darin die auf den ursprünglichen Besitzer hinweist: Leonhard Weinheber. Elias ist irgendwie fasziniert, behält den Koffer und macht sich auf die Suche nach Spuren von Weinheber. Er sucht dessen alte Adresse auf, findet heraus wie der Koffer in den Trödelladen kam und fliegt sogar nach Israel um Weinhebers Spuren  suchen. Er spricht noch mit einigen Zeitzeugen und erfährt nach und nach die Wahrheit über das Schicksal dieses Mannes, jüdischer Schriftsteller der Berlin nach der Reichkristallnacht schweren Herzens verließ . Der Leser erfährt einiges über die damalige Situation jüdischer Emigranten und auch über das heutige Spannungsfeld zwischen Juden und Arabern in Israel. Liebesgeschichten werden erzählt und ein Romanmanuskript wird gefunden. Ein kleines, einfühlsames Buch. Es lehrt uns, das hinter alten Alltagsgegenständen sehr interessante Geschichten stecken und wir nicht mehr viel Zeit haben uns aus erster Hand über diese dunkle Zeit zu informieren.

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  • Der Koffer des Herrn Bergmann

    Weinhebers Koffer
    JoBerlin

    JoBerlin

    Ein junger Berliner Journalist gerät zufällig in den Besitz eines alten Koffers. Noble Hotelaufkleber und vor allem aber ein Manuskript und Briefe wecken weitergehendes Interesse. Der ursprüngliche Besitzer wird schnell herausgefunden – es ist der jüdische Schriftsteller Leonhard Weinheber, der Ende der 30er Jahre eben mit diesem Koffer Berlin verlassen musste. Jetzt ist das journalistische Interesse vollends geweckt: „Das Jagdfieber hatte mich gepackt“. Doch nicht nur der Journalist will nun alles über Weinhebers Flucht erfahren, auch ich war in kürzester Zeit Michel Bergmanns kurzweiliger, spannender, lebendiger Erzählweise verfallen. Das liegt zum einem an dem sehr guten Plot, zum anderen aber an Bergmanns stilistischem Können. Er beginnt seinen Roman kalauernd im Berliner Multi-Kulti-Jargon, wechselt virtuos in ein „fremdes“ (Weinhebers) Romanmanuskript, schreibt verschiedene Briefe, verfällt gekonnt in Jiddisch-Polnisch-Daitsch und spricht bis ins Detail echtes falsches Arab-English. Schade nur, dass dieser „Roman“ so kurz ist, vielleicht hätte er doch noch etwas mehr erzählen könnensollenmüssen, der Koffer des Herrn Bergmann.

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    lesebiene27

    lesebiene27

    02. February 2015 um 08:43