Michel Bozikovic

 3.3 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Drift.

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Michel BozikovicDrift
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Drift
Drift
 (9)
Erschienen am 01.08.2011

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Rezension zu "Drift" von Michel Bozikovic

Rezension zu "Drift" von Michel Bozikovic
Svuechiatrievor 7 Jahren

Als ich mir “Drift” von Michel Bozikovic aus dem Klett-Cotta Verlag für eine Rezension ausgesucht habe, lag das hauptsächlich daran, dass die Auswahl sehr gering war und es bei dem anderen Buch schon wesentlich mehr Bewerber als Bücher gab. Klar, völlig abstoßend fand ich die Geschichte auch nicht, aber der Hauptgrund war tatsächlich, dass ich einfach möglichst schnell ein Buch wollte.

“Gerade von seiner Freundin getrennt, klaut der 19-jährige Julien das Auto seiner Mutter und fährt in einem Höllentrip an die Front in Kroatien. Er will seinem Leben einen Sinn geben oder ihm ein Ende setzen. Jahre später interviewt ihn dazu der abgehalfterte Journalist Martin, der seine große Chance als Schriftsteller wittert. Eine dunkle Wallfahrt ins ehemalige Jugoslawien.”

Dann war das Buch da und ich muss sagen, dass ich das Cover sehr ansprechend finde. Deswegen habe ich auch schnell mit Lesen angefangen. Die Neugier war geweckt. Doch dann die erste Enttäuschung:

Die ersten 90 Seiten waren zäh wie Kaugummi und hätte ich das Buch nicht lesen “müssen” hätte ich bis dahin möglicherweise schon längst aufgehört zu lesen. Obwohl ich Episodengeschichten im Regelfall sehr gern lese fand ich es hier einfach nur mühsam.

Die Martin-Episoden waren zwar vom Schreibstil her besser zu lesen, langweilten mich inhaltlich aber zu Tode. Der Charakter “Martin” erzeugt bei mir nur Mitleid und den Wunsch ihn zu schütteln und/oder zu ohrfeigen. Das ändert sich auch die gesamten 300 Seiten nicht. Inhaltlich sind die Julien-Episoden wesentlich interessanter, allerdings auch erst ab Seite 90. Schwierig ist hier zumindest zu Beginn der Schreibstil. Die “temporeiche Erzählung” wird weitestgehend dadurch erreicht, dass Sätze mit Kommata über halbe Seiten hin gezogen werden. Einmal blinzeln und man verliert den Faden. Ob sich der Satzbau ändert, oder man sich daran gewöhnt kann ich nicht sagen. Gegen Ende ist es mir nicht mehr negativ aufgefallen.

Irgendwann habe ich angefangen die Abschnitte über Martin nur noch zu überfliegen. Die detaillierte Drogenaufbereitung war einfach nicht mein Fall. Auch die Szenen mit seiner (Ex)Freundin Helena sind eher ermüdend. Ich finde sie durchgehend unsympathisch. Julien-Episoden fand ich jedoch von Mal zu Mal spannender und fesselnder. Für weiche Gemüter dürften die durchaus blutigen & brutalen Kriegsszenen jedoch nichts sein. Die Drogenaufbereitung übrigens auch nicht

Das Ende ist überraschend. Und verwirrend. So ganz kapiert habe ich es noch nicht und aus diesem Grund werde ich das Buch eventuell noch ein zweites Mal lesen. Weil mir so etwas ja keine Ruhe lässt.

Bewertung:

+ Episodenstil

+ überraschendes Ende

+ eindrucksvolles Cover

- zu viele unsympathische (Haupt)charaktere (Martin, Helena)

- schleppender Beginn

- (zunächst) anstrengender Schreibstil

Weil ich auf überraschende Enden stehe… gibt es immerhin 3 von 5 Sternen.

Ob ich das Buch empfehlen würde? Mhm… ich würde wahrscheinlich kein Geld für ausgeben. In der Bibliothek ausleihen dürfte aber nicht weh tun.

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Rezension zu "Drift" von Michel Bozikovic

Rezension zu "Drift" von Michel Bozikovic
Skyvor 7 Jahren

Meine Meinung
Die Geschichte ist in zwei Erzählstränge untergliedert. Der Eine handelt von dem 19-jährigen Julien, den es von der Heimat in der Schweiz, mit dem Auto der Eltern in den Krieg während des Zerfalls von Jugoslawien zieht, um für sein Heimatland Kroatien zu kämpfen, obwohl er dort selbst nicht geboren wurde und nur seine familiären Wurzeln mit diesem Land verbunden ist. Sich das Leben nehmen und mit ein wenig Sinn zu sterben, dies scheint der einzige Grund, der ihn vorantreibt in diesem Wahnsinn.
Der zweite Handlungsstrang dreht sich um Martin, der in seinem Leben nichts auf die Reihe zu bringen scheint und dem die Ordnung fehlt. Im Rausch aus Drogen und Alkohol und seiner Liebe zu Helena scheint er immer mehr in eine Todesspirale zu gelangen aus der er nicht mehr herauszukommen scheint. Von einem Exzess zum Nächsten stürzt er durch sein Leben, verliert die Liebe seins Lebens und alles was ihn an sein Leben geklammert hielt.
Verbunden werden diese beiden Personen durch ein Manuskript, das von Martin verfasst wurde und Juliens Geschichte beinhaltet.

Drift ist ein Buch über den Verfall und dem inneren und äußeren Krieg des Lebens. Zwischen Halluzinationen und Beruhigungsmittel auf Basis chemischer Stoffe geht es um die Liebe, wie unser Herz so grausam uns zum Leiden bringt, um Depressionen, die uns niederdrücken zu scheinen, um Verzweiflung um die Sache für die man eigentlich kämpft und doch den Kampf schon längst verloren hat, um Tod, Bitterkeit und grausame Ästhetik des Krieges. Wahn und Wirklichkeit verlieren schlierend ihre Grenze im Sumpf des Drogenkonsums, unabhängig ob legaler oder illegaler Natur und vermischen sich zu einer neuen Designerdroge von besonderer Kraft.
Dabei führt der Autor den Leser durch diese Trümmerwelt mit den zwei Geschichten von Julien und Martin. Während Martin in personaler Perspektive verfasst ist, ist die von Julien in einer anderen Erzählform geschrieben. Michel Bozikovic benutzt ein unpersönliches „man“ statt eines Personalpronomens und es fehlen auch die Possessivpronomen. Diese leserliche Distanz hat gleichzeitig den Effekt, dass man sich noch näher am Geschehen fühlt als es ein „ich“ schaffen könnte. Im Französischen wird „on (dt. man)“ in der Umgangsspräche als „wir“ benutzt und dies lässt sich hier genauso feststellen. Man fühlt sich schrecklich verbunden mit Julien und fühlt sich oft als wäre man er selbst, der durch die gräuliche Fratze des Krieges streift. Sehr nahe ist man plötzlich am Geschehen ohne Möglichkeit Distanz zu gewinnen. Andererseits hat diese Erzählform einen Nachteil: Sie ist ungewöhnlich und auf sie muss man sich einstellen. Erst nach einer Eigewöhnungsphase kann man das Buch richtig genießen, obwohl es nicht leichter wird zum Lesen: Die Ereignisse aus Martins Leben folgen keiner chronologischen Reihenfolge und oft wird zeitlich hin und her gesprungen, so dass man diesen Roman konzentriert und mit Bedacht schmökern muss.
Die Charaktere des Buches sind gezeichnet wie aus dem Leben gegriffen. Abgewrackte Persönlichkeiten, die immer mehr in ihre eigene Verdammnis zu rennen scheinen, bewusst und oftmals unbewusst in welche finstere Richtung sie steuern. Eine gewisse Sympathie stellt sich gegenüber diesen zerbrochenen Männern ein und man möchte ihnen helfen, anschreien, etwas unternehmen und muss doch hilflos zusehen wie sie immer weiter davondriften, davontrieben im Meer des Exzesses.
Der Schreibstil widerspiegelt dies teils mit harter Linie, oft mit bitterbösen Bizarrität und dann wieder oft so philosophisch und melodramatisch, dass einem das Herz in der Brust zum Schwellen beginnt. Immer mit dem Fokus am Leben und doch mit der Feder tief in der Schwärze des Todes, aber absurd und realistisch zugleich.
Drift treibt einen am Rande von Dingen vor denen wir oftmals wegsehen wollen und die wir nicht in unsere Wahrnehmung aufnehmen. Schnell wird einen klar wie sich das Leben in kurzer Zeit doch verändern kann, dass Scheitern schnell und erbarmlos sein kann und doch manchmal quälend langsam und dahinsiedend. Einen ewigen Krieg führen wir zwischen Existenz und Aufgeben und das alles beschreibt der Autor in seinem Werk und hinterlässt damit einen Eindruck nach dem Lesen und stimmt nachdenklich.
Das Ende des Romans kommt hervorsehbar und gleichzeitig überraschend daher. Man ahnt es schon die ganze Zeit und doch kann man es schlussendlich nicht fassen und begreifen, obwohl es doch so ersichtlich schon. Wie so viele Dinge im Leben.

Fazit
Mit Drift gelingt Michel Bozikovic ein Roman über den inneren und äußeren Krieg des Lebens und dessen Existenzen und bringt uns, durch seine besondere Erzählstruktur, so nahe heran, dass es fast schon schmerzt. Eine Leseempfehlung für alle, die schon einmal die Ästhetik des Verfalls zwischen Wahn und Wirklichkeit wörtlich betrachten wollten.

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Rezension zu "Drift" von Michel Bozikovic

Rezension zu "Drift" von Michel Bozikovic
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren

Der aus Zürich stammende Michel Bozikovic hat mit seinem Debüt-Roman „Drift“ ein Werk geschaffen, das unter die Haut geht.

Erzählt werden die Geschichten von zwei Männern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber bei genauem Hinsehen doch sehr viele Gemeinsamkeiten aufweisen.
Ein Erzählstrang behandelt die Geschichte vom 19-jährigen Julien, der seinem Leben einen Sinn geben mchte und im Krieg für sein Heimatland Jugoslawien, in dem er allerdings nie gelebt hat, zu kämpfen. Er fährt mit dem Auto seiner Mutter an die Front und obwohl sogar die Soldaten ihn von seinem leichtsinnigen Vorhaben abhalten wollen, wird er schließlich Scharfschütze in einer Aufklärungseinheit.
Der zweite Erzählstrang handelt von Martin, dem drogenabhängigen Journalisten, der Juliens Geschichte aufschreiben und groß herausbringen möchte. Martin ist eine sehr labile Persönlichkeit und scheint in seinem Leben nicht sonderlich auf die Reihe zu bekommen. Er wurde von seiner großen Liebe Helena vor die Tür gesetzt und fühlt sich innerlich zerrissen. Das einzige, woran er noch glaubt, ist der Durchbruch als Schriftsteller.

Bozikovic hat es geschafft, diese Geschichten nicht nur durch einzelne Kapitel voneinander zu trennen, sondern auch stilistisch: Juliens Geschichte spiegelt schonungslos die Grausamkeiten des Krieges wieder und ist aus der „man“-Perspektive geschrieben. Das heißt, der Autor verwendet nicht den üblichen Erzählstil der dritten Person (z.B. er/sie denkt, ...), sondern verwendet Formulierungen wie „man denkt, ... Dadurch kann man sich als Leser sehr gut mit dem Geschehen identifizieren und sich in die Situation hineinversetzen, denn „man“ könnte man eben auch selbst sein.
Martins Geschichte wird in der oben genannten dritten Person geschildert. Dadurch schaut man Martin bei seinen Handlungen und Erlebnissen quasi zu und kennt zudem seine Gedanken und Gefühle.
Was ich noch positiv hervorheben möchte, ist die tolle Gestaltung des Buches: Ich kann gar nicht genau beschreiben, wieso es mir so gut gefällt. Vielleicht, weil mir so gute Umschlag-Gestaltungen im Buchladen selten über den Weg laufen - mir gefällt das Spiel mit der Schrift auf dem recht einfachen Hintergrund, der aus nur einem Bildelement besteht.

Fazit:
Zusammenfassend kann ich sagen, dass man sich an den Erzählstil, beziehungsweise die Kombination von zwei Geschichten mit zwei unterschiedlichen Erzählstilen, erst einmal gewöhnen muss. Hat man die „Gewöhnungsphase“ von etwa 50 Seiten aber erst einmal hinter sich, ist das Buch ein voller Genuss. Es ist so ein Buch, das auch noch nachdem man es zu Ende gelesen hat, im Kopf hängen bleibt. Es wirft viele Fragen auf, die ich mir so noch nie gestellt habe.
Und genau das erwarte ich von einem guten Buch!
Ich geben dem Buch 4 von 5 Sternen (ein Stern Abzug, aufgrund des anfangs etwas verwirrenden Erzählstils)

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