Durch Zufall ist mir Nymphéas noirs von Michel Bussi in die Hände gefallen, ein bereits 2011 auf Französisch erschienener Roman. Schon allein das Setting hat mich angezogen, hatte ich doch selbst einige unvergessliche Tage in Giverny zugebracht und dort natürlich Monets Haus und Garten durchwandert.
Allzuviel möchte ich nicht verraten. Der Roman setzt mit dem Satz „Trois femmes vivaient dans un village“ ein. Drei Frauen lebten in einem Dorf. Es handelt sich um Giverny und um drei ganz unterschiedliche Frauen. Die eine war achtzig, die zweite sechsunddreißig und die dritte elf Jahre alt. Alle drei wollten weg aus Giverny. Die dritte war die begabteste, die zweite die gerissenste und die dritte die entschlossenste. „A votre avis, laquelle parvint à séchapper?“ Wer von ihnen, glaubt ihr, schafft es, zu entkommen? Diese Frage stellt der Autor gegen Ende des einleitenden Kapitels.
Da wird man doch neugierig. Oder? Ja, sie wollen weg, jede aus anderen Gründen. Aber nur einer gelingt es. Man errät relativ bald, welche das wohl sein wird, denn sie ist diejenige, die teilweise die Geschichte erzählt. Aber warum gerade sie? Und warum überhaupt? Was ist so schlimm an Giverny, dem Ort, der von Touristinnen und Touristen geradezu überrannt wird, weil dort der Maler Claude Monet seinen Seerosenteich auf Bildern verewigt hat?
Langsam wie das Aufblühen der Nymphéas auf Monets Bildern wird Blatt für Blatt freigelegt, was für diese drei der Aufbruch bedeutet. Die jüngste will Malerin werden, die mittlere ihrer Ehe entfliehen. Und die Älteste? Wir erfahren erst ganz zum Schluss, was sie antreibt.
Dazwischen gibt es zwei Morde, die irgendwie zusammenhängen, und ein vor zig Jahren ertrunkenes Kind, dessen Tod vielleicht doch kein Unfall war. Wir lernen einen Ermittler kennen, dessen Sicht auf die Ereignisse durch den verliebten Blick auf die Frau des Hauptverdächtigen getrübt zu sein scheint, und noch einiges mehr an Personal in Giverny und Umgebung.
Gekonnte führt uns Michel Bussi durch dieses Labyrinth, lässt uns vergeblich raten und liefert dann eine Auflösung, die zuerst noch mehr verwirrt und dann so logisch ist, wie sie nur sein kann. Sie entlässt uns beglückt in den Alltag mit einigen Reminiszenzen an Giverny, den Maler Monet und drei Frauen, die viel mehr miteinander zu tun haben, als es anfangs scheint.
Unbedingt lesen!



























