Elementarteilchen

von Michel Houellebecq 
3,7 Sterne bei409 Bewertungen
Elementarteilchen
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Positiv (258):

Sehr gut: Ein intelligenter Rundumschlag und eine Fortführung des westlichen Idealismus!

Kritisch (66):
localhavocs avatar

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Inhaltsangabe zu "Elementarteilchen"

›Elementarteilchen‹ ist der unmoralische Roman eines großen Moralisten: Michel Houellebecq berichtet in präziser Sprache und mit minuziöser Sachlichkeit vom glücklosen Leben der Halbbrüder Bruno und Michel, erst in der französischen Provinz, dann in Paris. Sie teilen eine egoistisch lieblose Mutter aus der 68er Generation, die sich ihrer sexuellen Selbstverwirklichung ausschweifend widmet – und sie teilen ihre von kalter Einsamkeit geprägte lebenslange Verstörung. Bruno, der Ältere, wird zum sexmanischen Opfer seiner fanatisch-verzweifelten Obsessionen. Michel ist Molekularbiologe und verbringt sein autistisches Forscherleben zwischen Supermarkt und Psychopharmaka – bis er in einem gentechnischen Institut in Irland das unsterbliche und geschlechtslose menschliche Wesen klont – die Vision jenseits des Egoismus und sexuellen Elends.

Mit Michel und Bruno entwirft Michel Houellebecq zwei Lebensläufe am 'Ende der alten Ordnung'. Ein visionärer Gesellschaftsroman, voll Verachtung für den Fin-de-siècle-Materialismus und ein Abgesang auf unsere Zeit.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783832162788
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:358 Seiten
Verlag:DuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum:23.07.2018
Das aktuelle Hörbuch ist bei Der Audio Verlag, DAV erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Stephanuss avatar
    Stephanusvor einem Jahr
    Gesellschaft, Mensch und Leben verändert die Moral und den Menschen

    Michel und Bruno, zwei Halbgeschwister, wachsen in Unkenntnis voneinander auf. Der eine bei seiner Oma, die die Mutter sich nicht um das Kind kümmert, der andere meist im Internat. Dabei erleiden sie beide so mache seelische und körperliche Wunde, die sie das ganze Leben mit sich herumtragen müssen. Michel ist ein angesehener Genetiker und Wissenschaftler durch und durch, der für seine Arbeit lebt, da er eigentlich zu keiner Gemeinschaft oder sozialen Kontakten fähig ist. Bruno ist dagegen Lehrer und dann im Ministerium, der versucht den vorgezeichneten Weg der Gesellschaft zu gehen (Karriere, Familie, Wohlstand), jedoch scheitert. Die Ehe geht in die Brüche und der Bezug zu seinem Kind schwindet. Mit Anfang Vierzig blicken beide auf einsame und zerstörte Leben zurück. Bruno versucht sich in Sex-Abenteuern zu flüchten, bis er Christine kennenlernt. Diese ist aber unheilbar Krank und nimmt sich das Leben, was bei Bruno eine Psychose auslöst und sein Leben im Irrenhaus enden lässt. Michel trifft dagegen eine Jugendliebe Annabell wieder und scheint mit ihr glücklich, bis auch dieses Glück durch die Krebserkrankung von Annabell und deren Freitod zerstört wird. Michel verkriecht sich in seine Arbeit und schafft letztlich eine Methode der Reproduktion eines Menschen, auf gentechnischem Weg, ohne Fehler und wird zum Vordenker. Er selbst nimmt sich aber dann auch frustriert das Leben.

    Houellebecq schreibt das Buch der desillusionierten Menschen um die Vierzig, deren Leben in Scherben liegt und die Träume, die sie mit 20 hatten, sich nicht verwirklicht haben. Die moderne Gesellschaft steckt in der gleichen Krise aus der es kein Entkommen gibt. Durch die nüchterne und sachliche Schreibweise ist das Buch an einigen Stellen sehr melancholisch und trist und ein Abgesang auf die modernen Zeiten und das moderne, fragmentierte und amoralische Leben. Ein vielschichtiges Buch und ein typischer Houellebecq 

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren
    heftig

    Zwei Brüder, die lieblos aufgewachsen sind. Der eine stürzt sich in die Wissenschaft, bleibt ein Leben lang weitestgehend getrennt von den Menschen. Der andere lebt sein Leben als Suche nach Sex: freies Ausleben und Offenbaren des Körperlichen, der Lust, der Begierde. FKK-Camps, Sexclubs, alles was die "sexuelle Revolution" so zu bieten hatte. -
    Zwei Extreme, die aber vielleicht doch gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Knallhart beschrieben, eine Wertung erfolgt nur in soweit wie die Protagonisten in ihrer Selbstreflexion dazu fähig sind. Daher nicht immer leicht zu ertragen. Aber spannend und fantasieanregend.

    Kommentare: 2
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    MitAussichts avatar
    MitAussichtvor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Grandios und verstörend.
    Sex, Philosophie und Tragik

    Michel Houellebecq gehört zu Frankreichs größten Schriftstellern der Gegenwart und wie bei vielen seiner Kollegen auch kann man davon ausgehen, dass seine Bücher viel besprochen werden, aber weniger gelesen. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass auf der Rückseite der Ausgabe in schwarzen fetten Buchstaben der Aufruf "Hören Sie auf, darüber zu reden. Lesen sie es!" steht. Elementarteilchen ist skandalöser Roman, voller Sex und menschlicher Abgründe, aber eben auch eine präzise Analyse der gesellschaftlichen Situation.

    Der Aufruf auf der Rückseite ist wahrscheinlich berechtigt; ich kenne kaum jemanden, der das Buch tatsächlich gelesen hat. Viele kennen aber den Titel oder haben die deutsche Verfilmung mit Christian Ulmen und Moritz Bleibtreu gesehen. Diese hat allerdings bei genauerer Betrachtung nicht wirklich viel mit dem Roman zu tun, in dem die Sachlage noch einmal wesentlich tragischer ist. Geschrieben ist Elementarteilchen als ein Nachruf aus der Vergangenheit auf den Wissenschaftler Michel Djerzinski, der der Welt einen großen Dienst erwiesen hat. Houellebecq kontrastiert drastisch zwischen den Lebensgeschichten der zwei Brüder: Michels Umgebung ist klinisch rein, sie lässt keine Unordnung und auch kein Chaos zu. Sein Sozialleben ist geordnet, übersichtlich und von einer inneren Distanz geprägt, die schnell an eine Form des Autismus denken lässt. Brunos Welt dagegen ist von Frauen und Sex geprägt. Immer auf der Suche nach der nächsten Nummer driftet er durch die Welt, verliert dabei seine eigene Familie und findet zumindest für eine Weile die Liebe. Es scheint, als ob diese Passagen des Buches nur aus nackten Körpern und hedonistischem Lebensgefühl bestehen. Über allem steht wie es scheint die Erzählinstanz, die als Kommentator und Kritiker der Geschehens fungiert und immer wieder nach Erklärungen für das Handeln der Figuren sucht. Mal hat sie selbst eine Stimme, mal lässt sie die Figuren sprechen, besonders dann, wenn der Naturwissenschaftler Michel und der Geisteswissenschaftler Bruno bei ihren seltenen Treffen diskutiert.

    In einer Gesellschaft, in der jugendliches Aussehen und sexuelle Leistungsfähigkeit Faktoren des sozialen Stands werden, in der immer mehr Menschen in esoterischen Lehren nach einem Mysterium suchen, mit dem sie ihr Leben füllen können, entwickelt der Wissenschaftler Djerzinski eine Methode, mit dem zumindest der Körper ewig leben kann. Reproduktion ohne Sex. Die Erschaffung eines neuen Menschen "im Bilde des Menschen" soll zu einer kulturellen Revolution führen und den Verfall der metaphysischen Werte, der sich seit der 68er Revolution stark beschleunigt hat, beenden.

    Elementarteilchen macht einen ganz schwindelig, denn Michel Houellebecq zieht eine ganze Reihe philosophischer Konzepte zur Konstruktion seiner Hypothesen heran. Dieses Buch kann und muss man mehrfach lesen. Vieles von dem, was der Autor hier vertritt, eröffnet sich dem Leser erst in einem zweiten Leseprozess. "Hören Sie auf, darüber zu reden. Lesen Sie es!"

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    katamarans avatar
    katamaranvor 5 Jahren
    Eine Nicht-Geschichte

    Der Autor stellt in diesem Buch viele Dinge nebeneinander und es bleibt allein dem Leser überlassen, sie zu verknüpfen - oder es eben zu lassen. Es geht um das Leben zweier Männer, die unter ausgeprägten sozialen Probleme leiden und die sich nicht recht spüren, klassische Suizidkandidaten. Daneben gibt es bunt eingestreut portionsweise philosophische Ergüsse, alte wie neue physikalische Erkenntnisse und absolut unanregende Erotik. Dem Ganzen fehlt jede Struktur und ich musste mich regelrecht zwingen, weiter zu lesen. Nicht nur wegen der eigentümlich depressiven Stimmung, die den gesamten Text durchzieht, damit könnte ich gut leben. Nein, diese Nicht-Geschichte ist einfach todlangweilig. Gegen die Darstellung von Nihilismus, Ödnis oder Desinteresse spricht überhaupt nichts, aber muss sie wirklich derart leserfeindlich daherkommen?

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren
    Elementarteilchen von Michel Houllebecq.

    Bruno und Michel sind Brüder, könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein. Während Bruno sich in seiner Beziehung mit Kind einsam fühlt und bei seiner besten Schülerin ungefragte Zuflucht sucht, ist Michel auf der Suche nach Antworten im Laboralltag und am Grab seiner Großmutter. Dort trifft er seine Jugendliebe Annabelle wieder, doch die Dinge sind nach wie vor zu  verzweigt um einfach zu sein. Auch für Bruno, der in Swingerin Christiane seine Seelenverwandte findet, doch ebenso schnell wieder zu verlieren droht.

    Man mag viel sagen über Skandalautor Michel Houllebecq, aber sein Buch hat mich begeistert. Darauf gebracht hat mich die Verfilmung durch Oskar Röhler, ein feinfühliges wenn auch kontroverses Portrait, welches sich lose am Roman orientiert. Den musste ich nun ebenfalls lesen und damit hätte ich mich mächtig in die Nesseln setzen können. Doch ich hatte Glück, Houllebeqcs Erzählstimme und mein Kopfkino, das war Leseliebe auf den ersten Blick.

    Natürlich ist dieses Buch keine leichte Kost, zerpflückt es doch am Beispiel seiner Hauptfiguren das Nachbeben der 68er Generation und schiebt dabei all deren Elend auf die Frauenbewegung in Form einer unfähigen Mutter. Doch wenn ein Roman so stimmig geschrieben ist und seine Charaktere völlig ohne Sentimentalität so sehr an sich und der Welt leiden lässt. Dann kann ich nicht anders als anerkennend über den Buchdeckel zu streichen, reaktionäre Untertöne hin oder her.

    Denn selten lese ich Romane, trotz unaufhörlicher Suche danach, die sich trauen den Leser, der für die Figuren hofft, so maßlos zu enttäuschen. Im Gegensatz zu Röhler kann man bei Houllebecq lange auf sein versöhnliches Ende warten. Doch das ist es was die Anziehungskraft des Buchs ausmacht und mich immer wieder zu Stilverwandten Franzosen greifen lässt. Hier geht es hart aber herzlich zu, unverblümt und vor allen Dingen unzensiert. Wer sich dem stellt braucht ein dickes Fell, doch das wird sich wohlig sträuben, wenn Houllebecq erst einmal zu erzählen beginnt.

    Den SciFi Teil am Ende hätte sich der Autor auch sparen können, ist der Roman doch auch ohne eine runde Sache. Meine Meinung zum Buch an sich wird davon jedoch nicht getrübt und wer partout nichts von einer Zukunft ohne geschlechtliche Fortpflanzung hören möchte, kann diesen letzten  Teil auch überschlagen und das Buch nach Ende der Geschichte Brunos und Michels beschließen. Was vielleicht sogar dazu führt, dass er meine Begeisterung für diesen Roman, seine Kompromisslosigkeit und Brillanz teilt.

    Nach einem Roman wie diesem habe ich lange gesucht, dabei hatte ich ihn schon seit fast einem Jahr im Regal stehen.

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    awogflis avatar
    awogflivor 7 Jahren
    Rezension zu "Elementarteilchen" von Michel Houellebecq

    Ich hasse und liebe diesen Roman gleichzeitig! Elementarteilchen ist total kopflastig, technokratisch, deprimierend, sexualisiert und extrem gefühlskalt. Die kopflastige Art liebt mein wissenschaftlicher Geist sehr, die gefühlskalte deprimierende Note bewundere und hasse ich gleichzeitig abgrundtief. Dabei haben die beiden Hauptfiguren genug ernsthafte Probleme, die man auch mit Gefühl beschreiben könnte. Bruno ist quasi sexsüchtig, auch wenn er in seinem Leben diese Krankheit mangels Gelegenheiten nicht immer praktizieren kann, Michael sein Halbbruder total vergeistigt und asexuell. Zwei Frauenschicksale zerschellen an dieser Unfähigkeit zu jeglichem Gefühl außer Selbstmitleid.

    Houllebecq beschreibt in einem einzigartigen Stil diese zutiefst persönlichen Probleme der beiden Hauptfiguren, indem dem Leser kaum Gefühle vermittelt werden, sondern ständig analytisch Kausalketten aus Gesellschaftstheorien, Wissenschaftstheorien, persönliche Bindungsstörungen etc. bemüht werden, um das Trauma wie ein teilnehmender Beobachter zuerst zu beschreiben und anschliessend Korrelationen abzuleiten. Das macht das Werk zu einem schwer bewältigbaren Stoff, vor allem wenn man noch nie Einstein oder Dawkins und die ganzen anderen derzeit so modernen holistischen Wissenschaftler inkl. Philosophen gelesen hat. Für mich war das Buch aber eine Offenbarung und ich habe wieder mal viel gelernt, obwohl ich mit dem Autor überhaupt nicht in den religiösen Theorien und gesellschaftlichen Standpunkten zur Individualität übereinstimme. Meine bisherige review geht aber zu sehr auf die Hintergründe und den Stil ein, nichtsdestotrotz ist Elementarteilchen ein sehr persönliches menschliches Drama, das mit wissenschaftlichen Methoden aufgeführt wird. Diesen scheinbar unmöglichen Spagat schafft Houellebecq meisterhaft und er ist meiner Meinung nach auch die eigentliche Innovation des Werkes.

    Dass in der Nachrede dieser zutiefst trostlose Roman auch noch gut ausgehen kann, hat mich einerseits extrem überrascht und andererseits auch für die quälende Katharsis, durch die ich beim Lesen hindurch musste, ausserordentlich entschädigt.

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    JimmySalarymans avatar
    JimmySalarymanvor 7 Jahren
    Rezension zu "Elementarteilchen" von Michel Houellebecq

    Skandalbuch nur für Gutmenschen. Zwischen den Zeilen liest man vieles: Eine Abrechnung mit den schwülstigen Versprechungen der 68er (die das Leben der beiden Brüder eigentlich erst ermöglichten), ein Abgesang auf die Familie, ein Abgesang auf den Sex als etwas lustvoll Körperliches, was nicht dem Leistungsprinzip entsprechen muss. Natürlich ist der gute Michel ein Misantroph (schon mal nen Photo von ihm gesehen?) und das Buch ist (auch wenn es teilweise langatmig ist) verdammt gut geschrieben.

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    Brauners avatar
    Braunervor 7 Jahren
    Rezension zu "Elementarteilchen" von Michel Houellebecq

    Elementarteilchen ist zweifelsfrei keine leichte Kost. Man begleitet die beiden Brüder in ihrem befremdlich wirkendem Leben und darf sich auf vielerlei primitiv geschilderte Sexszenen freuen. Der Skandalautor Houellebecq hat diesen Titel zu Recht verdient. Was sich nach einer großen provokanten und kontroversen Geschichte anhört, empfand ich teilweise zwar interessant, dennoch war mir das Buch zu negativ eingestellt, zu sexistisch und vielleicht auch zu sehr von sich selbst überzeugt. Und als der Autor dann zum Ende des Buches noch auf 'Teufel komm raus' ein paar philosophische Ansätze einwarf, die nicht so richtig gewirkt haben, wie sie vermutlich sollten, war ich froh als das Buch dann doch endlich mal zu Ende war. Um zum Schluss dann noch das ganze Gefasel rund um Biologie und Gentechnik verstehen zu können, fehlte mir schon lange die Lust am Lesen. Viel zu überschätzt.

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    Rekymantovor 7 Jahren
    Rezension zu "Elementarteilchen" von Michel Houellebecq

    Inhalt:
    „Ich habe das Wochenende damit verbracht, ein rassistisches Pamphlet zu verfassen, wobei ich fast ununterbrochen eine Erektion hatte.“ (Elementarteilchen, Seite 221)

    „Kein Versuch, die Welt zu erklären [hier sind die Religionen gemeint], ist von Bestand, wenn er gegen unser Bedürfnis nach rationaler Gewissheit verstößt.“ (Elementarteilchen, Seite 305)

    Berichtet wird von den unglücklichen Leben der beiden Halbbrüder Michel und Bruno. Ihre Mutter, die sich völlig der 68-Bewegung verschrieben hat, widmet sich ganz ihrer sexuellen Selbstverwirklichung und sorgt so dafür, dass das Leben ihrer Söhne von Einsamkeit geprägt ist. Bruno, als Kind von Mitschülern sexuell misshandelt, verzweifelt an seinen sexuellen Obsessionen. Michel, nahezu emotionslos, verbringt sein Leben als Forscher in der Molekularbiologie zwischen Supermarkt und Psychopharmaka, bis er in einem gentechnischen Institut in Irland eine Rasse unsterblicher und geschlechtsloser „menschlicher“ Wesen klont.

    Rezension:
    „Elementarteilchen“ ist ein sehr ungewöhnliches Buch. Houellebecqs Erzählart ist insbesondere am Anfang verworren und dementsprechend verwirrend. Stellenweise wird die Geschichte kurz und knapp erzählt, bis zu dem Punkt in seinem Leben, wenn er ein Kind zeugt, woran nahtlos ein Bericht des Lebens des Kindes folgt. Derartige Verläufe ziehen sich dann über mehrere Generationen hindurch, nur um am Ende auf eine spezielle Person ausführlicher zu sprechen zu kommen.

    Kennzeichnend für diesen Roman ist außerdem seine schonungslose Sprache, von fast schon wissenschaftlicher Präzision. Alles, auch die reichlich anzutreffenden sexuellen Handlungen, wird sehr detailliert beschrieben. Derartige Passagen bewegen sich hier immer auf dem schmalen Grat zwischen der Nutzung zum Übermitteln des vom Autor gewünschten Menschenbildens und der zur bloßen Provokation.

    Hieran, aber auch am Beispiel der oben stehenden Zitate, lässt sich meine Zwiespältigkeit bezüglich dieses Buches gut illustrieren. Besonders im ersten Teil hatte ich oft das Gefühl, dass einige Textstellen mehr aus der Lust an der literarischen Grenzüberschreitung, als aus künstlerischen Intentionen resultieren. An anderen Stellen wiederum ist das Buch äußerst klug geschrieben und regt mit interessanten Denkanstößen zum Philosophieren an. Besonders das Nachwort, was sich mit der Reaktion der Menschheit auf die Möglichkeit, sich selbst durch eine überlegene Spezies zu ersetzen, beschäftigt, ist äußerst interessant und ich hätte sehr gern mehr erfahren.

    Fazit:
    „Elementarteilchen“ ist ein Buch auf das man sich einlassen muss – nichts zum mal eben zwischendurch lesen. Nimmt man sich aber Zeit und nutzt die angebotenen Denkanstöße auch als solche, kann man durchaus seine Freude damit haben. Allerdings muss man auch sagen, dass die Geschichte nur langsam in Fahrt kommt. Wegen des interessanten Endes gibt es aber noch knappe 7 von 10 Punkten.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
    Rezension zu "Elementarteilchen" von Michel Houellebecq

    Schonungslos, radikal, immens schockierend und trostlos. Das sind so die Wörter, mit denen alkoholkranke Feuilletonisten solche Romane beschreiben. Wenns dann ganz bunt wird und der Feuilletonist mal nicht zur Flasche sondern direkt in die Klischeekiste greift, gibts auch noch den "Spiegel der Gesellschaft", man will schließlich aus dem Vollen schöpfen, man ist ja schließlich wer, auch wenn man nie so genau weiß wer eigentlich.
    Als das "Phänomen Houellebecq" auf der literarischen Landkarte auftauchte, rannten wieder all jene in die Buchläden, die es nicht lassen können, die wenigstens in der Literatur mal das Wort "ficken" ganz laut herausgeschrien haben wollen. Solche Leute haben ihren ganz eigenen Giftschrank in der Ecke herumstehen, ein kleines Kästchen auf dem "Skandalautor" steht. Und dann wird dieses Buch aufgeschlagen und festgestellt, dass ein Brüderpaar immens unter der hochliberalen Mutter zu leiden hatte, aha, und dass das bei dem einen in die Biologie und bei dem anderen in die sexuelle Krise führte, deren Ausweg einem leider versperrt bleibt, so ist sie nunmal die Welt, eine ganz trostlose Nummer.
    Houellebecq war natürlich ein Genie, was die Vermarktung dieser Nummer betrifft. Spazierte durch einen Supermarkt, nahm ein gefrorenes Hähnchen in die Hand und sagte vor laufender Kamera: "Sieht wie Frauenschenkel aus, findet ihr nicht" und gab damit den widerlichen Lüstling aus seinen Büchern, aha, Buch und Autor sind eins, da seht mal her. Oder er ließ sich mit heißen Bräuten im Swingerclub ablichten, direkt aufs Cover mit mir und mein Buch und meine Meinung und mein Desaster. So ist das.
    Natürlich ist dieses Buch trostlos und traurig, ich hab es im Kerzenlicht gelesen, als man mir den Strom abgestellt hat. Wer aber immer denkt, dass dort "Gesellschaft" geschieht, dort in diesem Buch, der verkennt, dass "Gesellschaft" vor ihrer Kritik erst einmal definiert werden muss. Und das macht Houellebecq hochselbst, um dann etliche Seiten über halbfrustrierte Sexualität, Liberalität und das Soziale zu philosophieren. Daher schreibt er auch nicht über die Welt, sondern vornehmlich über sich selbst. Was weder ihn noch das Buch sympathischer macht, dafür aber umso mehr die "Gesellschaft", was auch immer das ist.

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