In Schopenhauers Gegenwart

von Michel Houellebecq 
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In Schopenhauers Gegenwart
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ronja_waldgaengers avatar

Ein guter Versuch, der aufgrund des hohen Preises, der wenig Seiten und der fast schon wahllos zusammengesuchten Passagen scheitern musste

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Inhaltsangabe zu "In Schopenhauers Gegenwart"

Houellebecq entdeckt Schopenhauer im Alter von etwa sechsundzwanzig Jahren. In diesem Alter begreift er sich als »fertigen« Leser, für den sich bereits alles zu wiederholen beginnt, doch das Erlebnis der Lektüre von Schopenhauers Aphorismen zur Lebensweisheit bringt sein ganzes festgefügtes Denkgebäude zum Einsturz. Im Anschluss an diese im Grunde zufällige literarische Begegnung in einer öffentlichen Bibliothek beginnt Houellebecq ganz Paris nach einem Exemplar von ›Die Welt als Wille und Vorstellung‹ abzusuchen, das zum entsprechenden Zeitpunkt nur antiquarisch erhältlich ist. Die Lektüre krempelt sein Leben schließlich vollends um.
Das Hinterfragen unseres Herangehens an die Welt, unseres Wissens über sie; die Betrachtung des Künstlers und seiner inneren Verfasstheit; die Bedeutung der Kunst in der heutigen Zeit, in der die Kunst zum Massenphänomen geworden ist; Poesie und Wahrheit: das sind Themen, mit denen sich Houellebecq anhand seiner liebsten Passagen in Schopenhauers Werk auseinandersetzt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783832198824
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:80 Seiten
Verlag:DuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum:14.09.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    TheRavenkings avatar
    TheRavenkingvor 7 Monaten
    Houellebecq über Schopenhauer

    Seit Unterwerfung (Anfang 2015) hat Michel Houellebecq kein neues Werk veröffentlicht. Also hat man einen älteren Text des französischen Erfolgsautors ausgegraben, in dem er sich seines Lieblingsdenkers, Arthur Schopenhauers, annimmt. Es ist ein Essay von nicht einmal 80 Seiten. Es wäre den Lesern gegenüber wesentlich fairer gewesen, hätte man den Text zusammen mit weiteren kürzeren Schriften des Autors in einem Sammelband veröffentlicht.

    Ich bin gerade auf ein lustiges Zitat von Houellebecq gestoßen, wo er sagt, er bevorzuge das Lesen gegenüber dem Schreiben, denn lesen erweitert den Horizont und verändert die eigene Sicht auf die Dinge, während Schreiben überhaupt nichts ändert, es sei denn, es macht einen reich.

    Das könnte auch die Überleitung zu Arthur Schopenhauer sein, der sich der Wichtigkeit materieller Güter durchaus bewusst war. Nur, wenn man finanziell unabhängig ist, kann man sagen: „Der Tag gehört mir,“ – und sein Leben nach eigenen Vorstellungen gestalten.

    Die meisten von uns werden Schopenhauers Philosophie als Jugendliche kennengelernt haben. C. G. Jung schreibt in seinen Memoiren, „Erinnerungen, Träume, Gedanken“ darüber: „Meine große Entdeckung wurde schließlich Schopenhauer. Er war es der als erster über Leiden und Enttäuschung schrieb, über all das, was die meisten Menschen sich weigern zur Kenntnis zu nehmen, oder ständig in Wohlgefallen auflösen wollen.“

    Erstaunlicherweise war Houllebecq bereits Anfang zwanzig als er auf den deutschen Philosophen stieß (er echauffiert sich auch gleich im Vorwort darüber wie schwer Schopenhauers Werke in Frankreich, selbst in Paris, zu bekommen sind – ob dies wohl heute noch so ist?). Auf den Bruch mit Nietzsche folgte die Hinwendung zu Schopenhauer, dessen düstere Denkweise Houllebecqs eigenes Schaffen nachhaltig prägen sollte.

    Schopenhauer wird manchmal als romantischer Philosoph bezeichnet. Man nimmt ihm übel, dass er vom menschlichen Leiden tief betroffen war und sich deshalb von den irdischen Dingen abgewandt hat. Er hat tief empfunden und große Enttäuschungen erlebt, und er hat die Konsequenz aus ihnen gezogen, auch wenn diese eine äußerst radikale Konsequenz war. Es ist aber auch gerade diese Betroffenheit, welche dazu führt, dass Schopenhauers Werk dem Leser einen besonderen Trost spendet. Man fühlt sich von ihm ernst genommen und verstanden.

    Laut Houellebecq müsse man Schopenhauers Philosophie zwar letztendlich überwinden, dennoch stelle er durch seine Radikalität ein Vorbild dar.

    Es ist aber keineswegs so, dass Schopenhauers Denken lebensfeindlich wäre. Houellebecq zeigt nämlich auch, dass Schopenhauer den Stoikern und deren Lebensauffassung, die besagt, man solle alles im Leben mit Gleichmut hinnehmen, skeptisch gegenüberstand.

    Anhand einiger kürzerer Zitate versucht Michel Houellebecq das Essenzielle in Arthur Schopenhauers Denken zu illustrieren. Er tut dies auf die von ihm gewohnt interessante und fesselnde Weise. Ich fand immer schon, dass Houellebecq ein wesentlich besserer Essayist als Romancier ist (wobei seine Romane ja auch viele essayistische Elemente beinhalten).

    Es ist wie gesagt, nicht der Inhalt, der hier enttäuscht, sondern der geringe Umfang. Am Ende fühlt man sich, als hätte man gerade erst die Einführung gelesen, und nun müsste eigentlich der Hauptteil folgen, der sich noch einmal detaillierter mit den erwähnten Themen beschäftigt.

    In Schopenhauers Gegenwart wird sowohl den Freunden Michel Houellebecqs als auch den Anhängern Arthur Schopenhauers Freude bereiten, sie aber auch gleichzeitig enttäuscht zurücklassen. Es ist wie eine kurze Postkarte von einem geliebten Menschen zu erhalten, von dem man eigentlich einen mehrseitigen Brief erwartet hätte – angenehm, aber viel zu wenig.

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    ronja_waldgaengers avatar
    ronja_waldgaengervor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Ein guter Versuch, der aufgrund des hohen Preises, der wenig Seiten und der fast schon wahllos zusammengesuchten Passagen scheitern musste
    Das Schöne hinter dem Skandalautor Houellebecq

    Ein neuer Houellebecq ohne Skandal ist kaum vorstellbar.
    Keine Sexismus-, Religions-, und Islamdebatte erwartet einem im neuen Buch des Bestsellerautors. Und doch lässt sich in der kurzen Hommage an dessen Lieblingsphilosophen Schopenhauer ein neuer Blick auf den Autor selbst werfen.
    In der Abhandlung, die nicht viel mehr als eine grobe Auswahl Schopenhauerszitate umfasst, werden die sonst so misanthropischen Figuren Houellebecq und Schopenhauer beidesamt menschlicher.
    Ein Blick hinter die Grausamkeit des Menschen wird erhascht und die darausfolgende Suche nach dem Schönen, das nicht zwangsläufig menschlich sein muss. Viel mehr will der Autor dieses Buches nicht vermitteln: Da gibt es einen Weg jenseits der hochgeschätzen Humanität.
    Empfehlenswert ist das Buch wohl höhstens für zwei exklusive Kreise: Philosophisch interessierte Vielleser und Fans Houellebecqs. Für alle anderen ist das Buch zu kurz, zu brüchig, zu zusammenhangslos und zu oft mit sexuellen Anspielungen durchzogen, die absolut verzichtbar sind, aber dennoch zum Image des Autors passen.

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    H
    Hackavor 8 Monaten

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