Michel Houellebecq Karte und Gebiet

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Inhaltsangabe zu „Karte und Gebiet“ von Michel Houellebecq

Michel Houellebecq, Enfant terrible der Literaturszene, hat das Buch geschrieben, das niemand erwartet hätte. ›Karte und Gebiet‹ ist ein großer Wurf: ein doppelbödiges, selbstironisches Vexierspiel, ein gewichtiger Roman, der zugleich wie schwerelos wirkt. Houellebecq erweist sich darin als begnadeter Erzähler, der alle Spekulationen ins Leere laufen lässt. Jed Martin ist Künstler. In seinen ersten Arbeiten stellt er Straßenkarten und Satellitenbilder gegenüber, zum Durchbruch verhelfen ihm jedoch Porträts. Einer der Porträtierten: »Michel Houellebecq, Schriftsteller«. Doch dann geschieht ein grausames Verbrechen: ein Doppelmord, verübt auf so bestialische Weise, dass selbst die hartgesottenen Einsatzkräfte schockiert sind. Die Kunst, das Geld, die Arbeit. Die Liebe, das Leben, der Tod: Davon handelt dieser altmeisterliche Roman, der auch hierzulande bereits als literarische Sensation gefeiert wird. Michel Houellebecqs neustes Werk ist ein vollendeter Geniestreich von überraschender Zartheit. Der einstige Agent provocateur erscheint darin gereift und auf so humorvolle Weise melancholisch wie nie. ›Karte und Gebiet‹ wird nicht nur die Freunde Houellebecqs begeistern, sondern auch manchen seiner Feinde.

Die wohl brillanteste Selbstinszenierung eines Schriftstellers.

— beerenbücher
beerenbücher

Ein Auf und Ab der Gefühle beim Lesen. Von totaler Begeisterung über Abneigung, Faszination bis zu Langeweile. Kurz: bleibt haften!

— Kerstin_Westerbeck
Kerstin_Westerbeck

Wer sich für die Kunstszene interessiert und Houllebegq-Fan ist, der wird auf seine Kosten kommen

— TerenceHorn
TerenceHorn

Zu Beginn ein typischer Houellebecq, der leider die letzten 100 Seiten in eine für ihn untypische Belanglosigkeit abdriftet.

— RiccardoRilli
RiccardoRilli

Weniger vulgär, als man es von ihm kennt, aber trotzdem entblößend. Und außergewöhnlich selbstkritisch.

— hurenkind
hurenkind

Puh, ein nicht ganz leichter Brocken. Der ehemalige Skandal-Autor ist zahm geworden! Sicher nicht leicht zu lesen, aber lohnenswert allemal.

— rumble-bee
rumble-bee

Hier steckt viel drin: Die deprimierende Lebensgeschichte eines begabten Künstlers, ein Porträt des französischen Kunstmilieus und ein Krimi

— Tree_Trunks
Tree_Trunks

1a- Literarischer Denksport!

— Ginevra
Ginevra

Super!

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

Ein wirklich toller Roman über die Kunst- und allgemein die Kulturszene. Wie dekadent unsere Gesellschaft doch oft sein kann.

— Mitschreiberin
Mitschreiberin

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Spannend, schockierend und furchtbar traurig. Ein sprachgewaltiges Buch, dass sich so richtig keinem Genre zuordnen lässt. Lesenswert!

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  • "Karte und Gebiet" von Michel Houellebeqc

    Karte und Gebiet
    beerenbücher

    beerenbücher

    28. July 2017 um 00:54

    Autor: Michel HouellebeqcTitel: Karte und GebietGattung: Roman, Erzählung, KrimiErschienen: 2010Gelesene Ausgabe: DuMont, 2011ISBN: 978-3-8321-9639-4Gelesen auf: Deutsch (Französisch)Gelesen im: April 2017Zum Buch:Nachdem mein erstes Aufeinandertreffen mit Houellebeqc nicht besonders gut verlief, mied ich seine Bücher und hasste ihn von ganzem Herzen ebenso sehr wie sein schriftstellerisches Werk. Durch zahlreiche Zusprachen sehr geschätzter Kollegen und Kolleginnen (letztere spielen in Bezug zu Houellebeqc eine besonders große Rolle), entschied ich mich trotz meiner Abneigung "Karte und Gebiet" zu lesen. Der Roman erzählt die Geschichte des (erst) erfolglosen, französischen Künstlers Jed Martin. Diesen kennzeichnen vor allem drei Merkmale: seine Arbeitswut, seine Bindungsangst und seine fast schon eremiträres Leben. Künstlerisch entwickelt er sich durch den Roman enorm, er wechselt zwischen dem Fotografieren von Muttern und Michelinkarten zu der Poträtmalerei in Öl, menschlich dagegen stagniert er ein wenig. Der einzige Wendepunkt in seinem Leben, ist seine Freundschaft zu dem kauzigen Schriftsteller Michel Houllebeqc. Wundervoll zeichnet Houellebeqc ein bitterböses, ironisches und melancholisches Porträt der beiden Männer. Gekonnt spielt er mit der Sprache und dem französischen Kunstmarkt. Keine Seite ist zu viel keine Seite ist zu wenig.Ja, ich habe mich schockverliebt. In Houellebeqc als Schriftsteller, nicht als Menschen. Denn bei aller Liebe ein chauvinistischer, arroganter Mistkerl bleibt er dennoch stets. Eine der Lieblingsstellen Zitat 1: "Wenn er verheiratet gewesen wäre, wenn es wenigstens eine Freundin oder auch nur irgendeine Frau in seinem Leben gegeben hätte, wäre die Sache ganz anders verlaufen - Frauen gehen bei solchen Familiengeschichten eben viel geschickter vor als Männer, das ist ihnen gewissermaßen in die Wiege gelegt, und selbst wenn keine Kinder anwesend sind, geben diese immer einen potentiellen Gesprächsstoff ab, und alte Leute interessieren sich bekanntermaßen für ihre Enkelkinder, sie verbinden das mit den Zyklen der Natur oder so, auf jeden Fall entsteht dabei so etwas wie Rührung in ihrem alten Kopf, der Sohn ist zwar der Tod des Vaters, das steht fest, aber für einen Großvater ist der Enkel eine Art Wiedergeburt oder Revanche, und zumindest für die Dauer eines Weihnachtsessens kann so etwas durchaus genügen." (S.18)Zitat 2:"On s'est aimés comme on se quitte / Tout simplement, sans penser à demain / A demain qui vient toujours un peu trop vite, / Aux adieux qui quelquefois se passent un peu trop bien"  (S.112) Stil und Sprache: bitterböser Humor, teilweise verzwirbelt, teilweise klar und kurz.Zitat: "Wissen Sie, die Journalisten haben mich in den Ruf gebracht, Alkoholiker zu sein, aber seltsamerweise ist keiner von ihnen je auf die Idee gekommen, dass ich in ihrer Gegenwart nur deshalb so viel trinke, damit ich sie überhaupt ertragen kann."  (S.140)Schlüssigkeit der Handlung: sehr linear erzählt.Das hat mir gefallen: Der Humor. Die Sprache.In One Sentence: Die wohl brillanteste Selbstinszenierung eines Schriftstellers.Sterne: 5

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  • Nicht so,wie ich erwartet habe

    Unterwerfung
    czytelniczka73

    czytelniczka73

    Inhalt: "Unterwerfung handelt von Zusammenprall der Kulturen und stellt Fragen zum Verhältnis von Orient und Okzident,von Judentum,Islam und Christentum-Fragen die heute so relevant sind wie nie.Michel Houellebecq präsentiert sich als fruchtloser Gesellschaftsdenker,der die bestimmenden Spannungsverhältnisse unserer Epoche mit großer Ernsthaftigkeit-und zugleich mit virtuose Ironie-ausdeutet." Meinung: Da "Unterwerfung" für einige Diskussionen gesorgt hat,war ich auf den Roman besonders neugierig.Ich wusste nicht nicht was ich von dem Buch erwarten sollte und ehrlich gesagt auch nach dem Lesen sind meine Gefühle sehr gemischt. Anfangs fand ich die Geschichte wirklich gut.Zwar wirkt der Protagonist (der gleichzeitig auch der Erzähler ist) nicht gerade sympathisch,aber doch auf skurrile Weise sehr interessant.Den Schreibstil empfand ich als sehr angenehm und mir hat die subtile Ironie,die in fast jedem Satz durchsickert sehr gefallen.Das politische Zukunftsszenario ,das uns der Autor präsentiert,fand ich wirklich faszinierend.Ich finde diese Möglichkeit ist erschreckend realistisch und das hat mich zum Nachdenken gebracht.Bis ungefähr die Hälfte des Buches hat mich der Roman wirklich gebannt.Leider verliert sich dann der Erzähler immer öfter in sein pseudointellektuelles Geplänkel und seine sexuelle Erlebnisse (die er leider sehr ausführlich zum Ausdruck bringt) hatten für mich leicht pornografischen Nachgeschmack.Das Niveau des Romans sinkt rapide,die Ironie geht verloren und der Schreibsill wird eh trocken.Zum Schluß war ich einfach nur erleichtert,dass ich das Buch fertig gelesen habe. Fazit: Paar wirklich interessante Gedanken,die nachdenklich machen,aber der ganze Rest war leider nicht so meins.

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    • 5
  • Vielschichtig, aber nicht leicht zu fassen

    Karte und Gebiet
    rumble-bee

    rumble-bee

    23. March 2015 um 17:15

    Ich habe das Buch zugeklappt und mich erst einmal benommen gefragt - war das jetzt wirklich ein Houellebecq? Der ehemalige Skandal-Autor, den man kaum lesen konnte, ohne rote Ohren zu bekommen? Und vor allem - was für eine Art Buch war das jetzt eigentlich? Auf beide Fragen habe ich keine letztlich befriedigende Antwort gefunden. Dennoch kann ich nicht umhin, als in letzter Konsequenz einen "Daumen hoch" zu verleihen. Dieses Buch hat von allem etwas. Ein Porträt der (nicht nur französischen) Kunst-Szene. Eine Satire der Künstler selbst. Eine ausgedehnte Reflexion über Liebe und Tod, über den Sinn des Lebens. Und eine deprimierende Lebensgeschichte. Dazu noch die üblich lakonische Sprache eines Houellebecq, und schon kann man eigentlich doch sagen - typisch! Das Buch zerfällt in mehrere Teile, die - grob gesagt - mit den verschiedenen Schaffensperioden des Künstlers Jed Martin zusammenfallen. Anhand seiner Lebensgeschichte, die ich mir ehrlich gesagt kaum trostloser vorstellen kann, erfahren wir, wie er sich die Kunst aneignet. Kunst zu produzieren, wird hier als etwas Zwangsläufiges dargestellt; der Künstler ist ein Spielball seiner Emotionen und seiner Weltsicht. Jed Martin macht zunächst Fotos - erst Gegenstände, dann einfache Menschen und ihre Berufe. In einem dritten Schritt malt er Bilder von berühmten Menschen, und Augenblicken ihres Lebens. Und in seiner letzten Phase dreht er beklemmende Videosequenzen vom Untergang der Menschheit, und der Machtübernahme der Natur... Doch damit ist das Buch noch lange nicht zu fassen zu bekommen. Denn der dritte Teil (die Phase der Malerei) fällt zusammen mit einer Art Krimi. Michel Houellebecq ist ermordet worden! Ja, genau der! Er kommt in seinem eigenen Roman "in persona" vor. Er hatte sich mit Jed Martin angefreundet, und findet nun ein, äh, beinahe "kunstvolles" Ende. Die Auflösung ist skurril und ein wenig gruselig. Ein weiterer wichtiger Aspekt dieses Buches ist sicherlich seine Satire. Wie gesagt, Michel Houellebecq hat sich hier selbst aufs Korn genommen. Ich kann mir unschwer vorstellen, wie er sich beim Schreiben genüsslich zurückgelehnt hat, um dem Publikum einige Stereotype zu servieren... Des weiteren behandelt er auch seine - angebliche - Bekanntschaft und Freundschaft mit Frédéric Beigbeder, ebenfalls ein Skandal-Autor der aktuellen französischen Landschaft. Auch viele Künstler kommen vor, wobei ich aber nicht immer folgen konnte. Hier müsste man vermutlich Franzose sein. Das Buch hat mich in Teilen auch verstört. Zum einen durch den arg lakonischen Ton, auch dort, wo er durchaus nicht passte. Andererseits durch die andauernde Tendenz, Passagen in Kursivschrift zu setzen. Wollte der Autor damit Gesellschaftskritik üben? Oder wieder einmal dezent verstören und provozieren? Das wird wohl jeder selber beurteilen müssen. Warum das Buch den Prix Goncourt gewonnen hat, ist mir allerdings nicht ganz ersichtlich. Sicher, es ist hoch komplex, und für einen Houellebecq geradezu unverschämt seriös. Ganz sicher jedoch rüttelt es auf, und führt dem geneigten Leser vor Augen, dass es immer noch möglich ist, ein "erfrischend anderes" Buch zu schreiben.

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    • 3
  • Der Maler, der Dichter und der Kommissar

    Karte und Gebiet
    Ginevra

    Ginevra

    13. January 2015 um 16:19

    An dieses Buch hätte ich mich aufgrund der negativen Presse über "Skandal- Autor" Houellebecq fast nicht herangewagt - da wäre mir wirklich etwas entgangen! In diesem merkwürdigen Roman geht es vor allem um drei Personen: den Fotografen und Maler Jed Martin, den berühmten Schriftsteller Michel Houellebecq (!) und den alternden Kommissar Jasselin. Jed Martin entwickelt sich vom Produktfotografen zum Fotokünstler, dann zum Maler und schließlich zum Filmkünstler. Seine Themen: zuerst Eisenwaren, dann Landkarten, später Berufe, gesellschaftliche Ereignisse und schließlich der Verfall der Dinge. (Hierbei gewinnt er immer eine Dimension mehr dazu.) Er kann den exzentrischen Schriftsteller Houellebecq dazu bewegen, ein Vorwort zu seinem Ausstellungskatalog zu schreiben - im Gegenzug malt er ein Porträt von ihm. Die beiden freunden sich an und teilen viele Ansichten über die Kunst und das Leben. Houellebecq erscheint in diesem Roman wie eine Karikatur eines Schriftstellers - er ist das Bild, das die Gesellschaft bis dato von ihm hatte: ein ungesund lebender, schräger Typ, der gerne thailändische Bordelle besucht und täglich auf den Beginn der Nacht wartet. Durch den Roman entsteht ein ganz neues Bild von ihm: er wirkt erfrischend selbstironisch, feinfühlig und vielschichtig, kennt Höhen und Tiefen, liebt seinen Hund, seine Heimat auf dem Land, und die Kunst.Am Ende wird der Autor Teil eines höchst beklemmenden "Kunstwerks"... Michel Houellebecq, geb. 1958, gilt als einer der meistgelesenen und umstrittensten Autoren Frankreichs. Für "Karte und Gebiet" wurde er hochgelobt und mit dem "Prix Goncourt" ausgezeichnet. Sein exzessiver, ungesunder Lebenswandel ist legendär. Mit seinem neuesten, bereits vor Erscheinen heftig kritisierten Roman "Unterwerfung" entwirft er die Utopie eines islamisch regierten Frankreich und kritisiert damit den Opportunismus in der Gesellschaft. Insgesamt bin ich vom abwechslungsreichen Erzählstil und von der schlichtweg genialen Konstruktion des Romans "Karte und Gebiet" wirklich begeistert. Im ersten und zweiten Teil des Buches werden einige prominente Personen aus der französischen Kunstszene persifliert, was ich persönlich teilweise etwas langweilig fand. Aber der dritte Teil war dann so spannend, fast schon ein Thriller, und so genial geschrieben, dass ich nicht anders kann als 5 Sterne zu geben. Fazit: der Skandalautor zeigt sich von seiner poetischen Seite - und vermischt Realität und Fiktion auf originelle Weise. Unbedingt lesen!

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  • Wie in Elementarteilchen benutzt H. Seine Geschichte auch dazu, um zu gesellschaftlichen Entwicklun

    Karte und Gebiet
    Daniel_Tasco

    Daniel_Tasco

    01. May 2014 um 10:01

    Im Wesentlichen das Portrait eines Künstlers. Du erfährst etwas über eine Idee, wie im Kunstgeschäft ein Aufstieg aussehen könnte. Wie in Elementarteilchen benutzt H. Seine Geschichte auch dazu, um zu gesellschaftlichen Entwicklungen Stellung zu nehmen. Leider hat dieses Element seines Erzählstils, ebenso wie die explizite erotische Schilderung, nunmehr wesentlich weniger Anteil als in dem früheren Text. Das Buch ist trotzdem ganz unterhaltend.

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  • Karte und Gebiet

    Karte und Gebiet
    rallus

    rallus

    12. August 2013 um 14:22

    Ersteinmal - es ist schwierig Houellebecqs letzten Roman zu fassen zu bekommen. Zu emotionslos, zu scheinbar rund und glatt verläuft der Roman. Dann ist es nicht sicher was Houellebecq überhaupt will, ein Kriminalroman, ein aus der Zukunft geschriebene Biografie eines französischen Künstlers, eine Bestandsaufnahme der jetzigen Gesellschaft mit Ausblicken wohin es gehen könnte? Ja, das ist es alles und nur Houellebecq bekommt diese einzelnen Teile zusammen, dass sie nicht zerrissen wirken. Dabei wirkt er selber als Bindeglied inmitten des Romans. Seine Protagonisten sind vereinsamte Charaktere die selbstgewollt die Gemeinschaft anderer meiden, oder einfach nicht zustande bekommen. Es ist nicht, dass ihnen etwas fehlt, nur spärlich flackert Bedauernis über die Einsamkeit, meist ist die Isolation die Konsequenz der Lebensweise. Der Roman beginnt und endet mit Jed Martin ein von seinem - beruflich stark geforderten - Vater aufgezogener Halbwaise dessen Mutter früh Selbstmord beging. Der Tod ist ein durch den ganzen Roman durchgehendes Thema so wie es in seinen früheren Werken der Sex war. Doch der Tod beschäftigt die Menschen nun mehr als der Sex und ist auch wirtschaftlich interessanter. Dies wird Jed Martin klar als er in Zürich nur 50 Meter neben der Sterbehilfeorganisation ein Bordell sieht, was aber weniger frequentiert als das Erstere ist. Jed Martin hat viel Geld gemacht indem er Michelinkarten aus einem bestimmten Winkel fotografiert, so daß sie lebhafter als die echten Fotos dieses Gebiets wirken. Die Karte schlägt das Gebiet. Nach seinem Erfolg, widmet sich Jed der Malerei zu und bildet fiktive Ereignisse mit realen Wirtschaftmagnaten ab. Der Verkauf verhilft ihm zu einem großen Vermögen, wozu auch der Schriftsteller Houellebecq (ja er selber) beiträgt, der das Vorwort zur Ausstellung schreibt. Houellebecq (als Houellebecq) beklagt die Flüchtigkeit der Moderne: “Während die unbedeutendsten Tiergattungen, Tausende manchmal Millionen von Jahren existieren, ehe sie verschwinden, werden gewerbliche Erzeugnisse innerhalb weniger Tage vom Erdboden gefegt, man räumt ihnen nie eine zweite Chance ein, sie müssen ohnmächtig das unverantwortliche faschistische Diktat von Produktmanagern ertragen, die natürlich besser als alle anderen wissen, was der Verbraucher will, und die behaupten, beim Verbraucher eine 'Lust auf Neues'  entdeckt zu haben, die in Wirklichkeit sein Leben in eine erschöpfende, verzweifelte Suche verwandelt, in ein endloses Umherirren zwischen ständig anderen bestückten Regalen.“ Gerade diese immer wieder in den Roman geworfenen Gesellschaftsbeobachtungen machen Houellebecq ja aus. Irritierend hier sind die in Schrägbuchstaben geschriebenen Wörter. Teilweise sind dies gebräuchliche, aber können auch besondere Wörter sein. Sie lassen das Auge stolpern und über den Roman nachdenken. Zu lesen sind die Ereignisse flüssig, ja selbst die unglaublichsten Situationen werden monoton und emotionslos dargeboten. Doch das ist alles nur Fassade, das Menschenbild ist schon längst marode und dahin: “Die Menschheit ist manchmal seltsam, sagte er sich, während er die Nummer wählte, aber leider meistens in der Kategorie 'seltsam und widerwärtig', nur ganz selten in der Kategorie 'seltsam und bewundernswert'." Hoellebecq ist ein verstörender Blick auf die Gesellschaft gelungen den er mit ungewöhnlichen Ideen und Allegorien zwar sparsam aber nachhaltig würzt, so dass es mir als Leser zwar nicht unbedingt gefallen hat was ich lese, aber ich mich der unbedingten Dringlichkeit seiner Wahrheit doch beugen muss.

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  • Michel Houellebecq: Karte und Gebiet

    Karte und Gebiet
    Lesemanie

    Lesemanie

    01. April 2013 um 22:42

    Das Buch beginnt mit der Betrachtung eines Gemäldes, das sich gerade mitten in der Entstehung befindet. Erschaffen wird es von Jed Martin, einem jungen Künstler mit sehr gut betuchten Eltern, der dennoch in einem sehr kleinen Atelier mit defektem Heizkessel  wohnt. Houellebecq tritt Seite um Seite einige Schritte zurück, beschreibt den Künstler, seine Wohnung, seinen Vater (die Mutter hat sich bereits vor Jahren das Leben genommen). Dann holt der Autor noch ein wenig weiter aus und versetzt den Leser in Jed Martins Vergangenheit, lässt ihn so an seinem Werdegang teilnehmen. Gemeinsam mit Jed lernen wir Olga kennen, die Frau, die ihn wohl wirklich liebt, der er seinen Durchbruch als Künstler zu verdanken hat, und die er dennoch ziehen lassen wird. Jeds erste Werke sind Fotografien von Michelin-Karten, die er wie im Wahn erstellt, nachdem ihm die Erkenntnis gekommen ist, dass Karten, also die Darstellung der Wirklichkeit, interessanter sind als das Gebiet, das sie beschreiben. Und diese Einstellung scheint sich auf Jeds Sicht der Welt im Allgemeinen zu legen: er betrachtet sein Leben und die Leute die darin vorkommen mit einer gewissen Passivität. An tieferen Bindungen ist ihm nicht gelegen; weder Sex noch Alkohol reizen ihn wirklich, und selbst in der Kunst geht er nur phasenweise mit Leidenschaft auf. Und dennoch vermag Houellebecq es, Bewegung in die Geschichte zu bringen. Zum einen wirft er dem Leser wiederholt Denkanstöße an den Kopf, die dazu verleiten, das Buch einen Moment lang sinken zu lassen um das Angesprochene Revue passieren zu lassen. Karte und Gebiet liest sich daher, trotz geschliffener Sprache, nicht flott vom Fleck weg, auch aufgrund der Dialoge, die nicht immer flüssig verlaufen, und teilweise von abrupten Themenwechseln dominiert werden. Zum anderen tritt etwa nach dem ersten Viertel des Buches dann Michel Houellebecq auf, etablierter französischer Autor, der für Jeds erste Einzelausstellung (die auch seine einzige bleiben wird, und die ausreicht, ihn in die höchsten Gefilde der modernen Kunstszene zu katapultieren) ein Vorwort für den Katalog schreiben soll. Houellebecq schmeichelt sich in seiner Selbstdarstellung nur wenig („ein Einzelgänger voller Menschenverachtung …, der sogar Mühe hatte, ein Wort an seinen Hund zu richten“) – allerdings ist diese Romanfigur die einzige Person, die Jed wirklich zu interessieren scheint. Er bemüht sich, diesen Mann kennenzulernen und malt sich aus wie es wäre, eine echte Freundschaft entstehen zu sehen. Schade nur, dass dieses Bemühen durch die sehr plötzliche und extrem brutale Ermordung der Romanfigur Houellebecq unterbrochen wird. Allerdings ist dieser Tod für den Autor kein Grund, die Geschichte enden zu lassen, denn für die eigentliche Hauptperson, und für alle anderen, geht das Leben schließlich weiter. Houellebecqs interessanten Ideen und seine Selbstironie nehmen dem Buch die Schwere und machen Lust aufs Weiterlesen. Nun, wo sich die Sonne wieder blicken lässt, kann man sich auf jeden Fall an dieses Buch wagen. Mehr Rezensionen unter http://lesemanie.blogspot.de 

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  • Rezension zu "Karte und Gebiet" von Michel Houellebecq

    Karte und Gebiet
    michella propella

    michella propella

    24. January 2013 um 21:41

    ganz wie in trance las sich das buch, ich blätterte um ohne es zu merken. bis zur mitte. dann nicht mehr. aus einem grund, der sich mir noch nicht erschloss, fesselte mich das buch plötzlich nicht mehr - sei es, da ich mir ausmalte wie houllebecqu sich während des schreibens selbst köstlich amüsierte, sei es die parallelität mit sujets seiner anderen bücher oder einfach nur die lustlosigkeit der hautpfigur. mir hat elementarteilchen gefallen und ich verstehe durchaus die absichtsvolle inhaltslosigkeit des protagonisten, bzw. die leere seines lebens, die er nicht bereut sowie die unbefangene selbsteinschätzung seiner apathie. aber sie hat mich nicht mehr überzeugt. und noch weniger berührt. ich fühle mich als wüßte ich um eine wunderbare interpretation des werkes, aber das werk war nicht so gut wie die interpretation, die absicht der novelle. schade eigentlich.

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  • Rezension zu "Karte und Gebiet" von Michel Houellebecq

    Karte und Gebiet
    Medienjournal

    Medienjournal

    31. December 2012 um 03:17

    Mit Karte und Gebiet ist Herrn Houellebecq ein durch und durch überzeugender, vielschichtiger, prophetischer Blick auf unsere heutige Zeit gelungen, während er sich selbst durch seinen literarischen Tod dieser Umwälzungen und Erkenntnisse gekonnt zu entziehen versteht.

    Mehr gibt es unter:
    http://medienjournal-blog.de/2012/07/review-karte-und-gebiet-buch/

  • Rezension zu "Karte und Gebiet" von Michel Houellebecq

    Karte und Gebiet
    Golondrina

    Golondrina

    03. November 2012 um 01:24

    Nachdem bisher alle Rezensenten hier in die Lobhudeleien des deutschen Feuilletons einstimmen, erlaube ich mir eine entgegengesetzte Meinung: ich finde das Buch langweilig, harmlos und bieder. Die Geschichte um den Aufstieg des Künstlers Jed Martin - farblos. Der zweite Handlungsstrang um den Schriftsteller Houellebecq - Selbstverliebtheit des Autors? Schlecht geschrieben ist es auch noch. Mehr gibts nicht zu sagen.

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  • Rezension zu "Karte und Gebiet" von Michel Houellebecq

    Karte und Gebiet
    Gruenente

    Gruenente

    10. May 2012 um 19:35

    Der junge Künstler Jed mcht eine aussergewöhnlich Karriere und lernt in einer Schaffensperiode auch einen Interessanten Autor kennen. Es handelt sich um den Autor von "Elementarteilchen"... Ganz witzig, wie Huellebueq sich selbst porträtiert. Die Hauptperson ist aber der introvertierte Jed, seine Kunst, sein Verhältnis zu den Eltern und Frauen. Nach "Plattform" wollte ich ehrlichgesagt nicht mal mehr ein Buch dieses Autors in die Hand nehmen. So sehr hat es mich abgestossen. So bin ich jetzt sehr positiv überrascht. Ein anspruchsvolles Buch ohne "schwer" zu sein.

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  • Rezension zu "Karte und Gebiet" von Michel Houellebecq

    Karte und Gebiet
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    09. May 2012 um 16:09

    Seit Jahren schon steht "Elementarteilchen" auf meiner "Unbedingt-Lesen"-Liste. Nun ist aber doch der neue Houellebecq mein erster geworden. Hochgelobt als das Buch der Saison (letztes Jahr) und dergleichen, war ich doch sehr gespannt auf dieses Buch. Und ich muss sagen, es läßt mich ratlos und zwiespältig zurück. Ja: ich kann nachvollziehen, daß man in diesem Roman die Dekadenz unserer heutigen Konsumgesellschaft wunderbar erkennen kann. Auch die Gefühlskälte und überhaupt die Sinnentleertheit der Menschen der westlichen Welt. Aber Houellebecq ist mir in seinem Anliegen zu vordergründig und oft auch zu banal. Aber erst einmal zur Story: Jed Martin ist bildender Künstler, der sich über die Fotokunst, über Porträts bedeutender Persönlichkeiten sowie die Darstellung typischer Menschen in unterschiedlichen Berufen, einen Namen in der Kunstszene macht. Im Allgemeinen scheint Jed sein Erfolg ziemlich kalt zu lassen. Geld ist auf der einen Seite nicht so wichtig für ihn, auf der anderen kann er damit einfach seinem trägen Leben weiter nachgehen. Beachtlichen Ruhm und somit zu einem Millionenverdienst kommt er über eine Serie von Gegenüberstellungen von Satellitenaufnahmen und den entsprechenden Verkehrskarten, wobei letztere im Vergleich immer die bedeutend ästhetischere Form ist. Allein dieser Umstand ist Houellebecqs Kernaussage: die Welt ist nicht so toll, wie sie oben betrachtet verkauft wird. Oder auch: "Der Schein trügt." Jed Martins Leben plätschert so dahin, bis er für eine Ausstellung ein Vorwort für den Ausstellungskatalog benötigt. Den wiederum soll der berühmte Schriftsteller Houellebcq schreiben. Und ihn zu überreden, fährt Martin zum Autor nach Irland. Die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch und Martin verspricht dem Schriftsteller, ein Porträt von ihm zu malen und als Bezahlung zu schenken (immerhin ist das Bild bald mehrere Millionen wert). Beide Künstler vereint die Müdigkeit ob des Konsumterrors. Während Houellebecq um ein paar Gegenstände trauert, die er immer wieder kaufen würde, die aber nicht mehr produziert werden, so mag Jed Martin lange Zeit nicht aus seinem heruntergekommenen Atelier ziehen, sondern legt sich lediglich einen Audi mit Tempomat zu. Überhaupt werden ziemlich viele Produkte in diesem Roman unter die Lupe genommen und beim Namen genannt. Nachfolgende Generationen werden bald nicht mehr nachvollziehen können, was der Autor uns hiermit sagen wollte. Während Jed im ganzen Roman nicht wirklich glücklich ist (auch die Liebe zu Olga scheint in Wahrheit oberflächlich und kühl), findet Houellebecq in seinem Elternhaus auf dem Land sein Glück und seinen Frieden. Dieser jedoch wird aus habgierigen Gründen bald zerstört, denn der Schriftsteller wird ermordet aufgefunden und das Porträtbild ist verschwunden. Nun hält auch noch ein Kriminalfall Einzug in das Buch. Für mich völlig unzusammenhängend, philosophieren manche Feuilleton-Kritiker über das "Vexierbild" der eigenen Sterblichkeit. Der Autor, der sich selbst zum eigentlichen Star seines Buches macht und sich auch noch sterben läßt, hat einen Kunstgriff getan, um die großen Themen unserer heutigen Gesellschaft zu erzählen. Für mich ist dies alles an den Haaren herbeigezogen. Die Kriminalhandlung als solche ist schwach, die Kommissare dröge wie die anderen Protagonisten (was wohl auch so beabsichtigt ist!). Zu sehr schwingt mir in dem ganzen Roman die moralische Keule gegen den Konsumterror und die Hetzjagd nach dem Geld daher. Zuviele Puzzlestücke werden hervorgekramt, die nicht zusammenpassen wollen, auch wenn die Absicht dahinter gut war. Immerhin ist "Karte und Gebiet" unterhaltsam zu lesen. Man erwartet auch spätestens ab der Krimihandlung noch packende Zusammenhänge, die das Lesen vorantreiben. Leider bleiben diese aber aus und verlaufen ins Leere. "Elementarteilchen" möchte ich dennoch irgendwann lesen. Der vorliegende Roman läßt mich noch hoffen.

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  • Rezension zu "Karte und Gebiet" von Michel Houellebecq

    Karte und Gebiet
    JimmySalaryman

    JimmySalaryman

    22. April 2012 um 11:40

    Moderne Epik, anyone? "Ullbeck" (so heißt er, frei nach Reich-Ranicki) hat mit "Karte und Gebiet" ein Werk erschaffen, das, neben einem kleinen Panoptikum zur Schau gestellter persönlicher Eitelkeiten, zwar ein klein wenig Atem der Postmoderne atmet, sich im Kern aber dennoch immer treu bleibt: Wie in allen seinen anderen Büchern auch zeigt uns der gute Franzose in und zwischen den Zeilen einmal mehr die Absurdität des Lebens. Seine Protagonisten sind zwar reichlich exponiert - hier ist es Jed Martin, ein Künstler - dennoch sind sie nie grotesk verzerrt. Sie sind immer greifbar, bleiben in ihren Motivationen immer nachvollziehbar. Natürlich schont sich Houellebecq, der als alter ego, als Figur im Roman ebenfalls auftaucht, keineswegs - er schreibt für sich selbst ein möglichst grausames Ende. "Karte und Gebiet" behandelt neben der Liebe (oder deren Unmöglichkeit) auch den Verlust von Identität, aber nicht in diesem fahlen, akademisch verbrämten Sinne, sondern durchaus politisch. In seinen Romanen sind die Protagonisten (wie alles andere auch) immer auch in den Produktionsprozess eingebunden, es geht um Wert, Stellung, Ruhm, die Auseinandersetzung damit, den Verlust desjenigen, was wir vielleicht einmal als "das Eigentliche" bezeichnet haben. Ein gutes Buch.

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  • Rezension zu "Karte und Gebiet" von Michel Houellebecq

    Karte und Gebiet
    Textravaganzen

    Textravaganzen

    22. March 2012 um 16:25

    Jed Martin ist Künstler. Seinen Durchbruch hatte er, der ursprünglich mit akribischer Genauigkeit Schrauben ablichtete, mit fotografischen Arbeiten, die sich mit Straßenkarten auseinandersetzen. Dieser Geniestreich geht auf einen Zufall zurück: „Auf die Bitte seines Vaters hin […] kaufte Jed eine Straßenkarte von Creuse und Haute-Vienne aus der Reihe >>Departemental-karten<< von Michelin. Und als er dort, ein paar Schritte von den in Zellophan gehüllten Sandwiches entfernt, seine Karte auseinanderfaltete, wurde ihm seine zweite große ästhetische Offenbarung zuteil. […] Die Quintessenz der Moderne, der wissenschaftlichen und technischen Erfassung der Welt, war hier mit der Quintessenz animalischen Lebens verschmolzen. […] in jedem Örtchen, jedem Dorf, das seiner Größe entsprechend dargestellt war, spürte man das Herzklopfen, den Ruf Dutzender Menschenleben, Dutzender, Hunderter Seelen […].“ (50) Jed wird geliebt vom Michelin-Konzert, von den Kritikern und von der Russin Olga. Ob diese in seinen Arbeiten dasselbe sehen wie er? Doch Liebe ist sowieso vergänglich… Als Jed sich von seiner Kunst entfremdet, orientiert er sich um. Fortan steckt er all seine Energie in Portraitmalerei, genauer gesagt in Berufsportraits. Je mehr die Romanhandlung sich vertieft, desto deutlicher kommt der doppelte Boden des Romans hervor: Denn Houellebecq höchstpersönlich, der bereits zu Beginn des Romans am Rande der Handlung auftauchte, entwickelt sich nun zu einer Art Gegenstück, fast sogar zu einer Art Spiegel für Jed. Während letzterer an seinem Meisterwerk „Houellebecq, Schriftsteller“ arbeitet, soll der Schriftsteller eine Einleitung zu Jeds Werk schreiben. So bekommt Jed ungeahnte Einblicke in das eher traurige und einsame Leben des Schriftstellers. Doch dann geschieht ein brutaler Mord und der Roman verfällt über lange Strecken fast in einen Krimi-Modus. Nach der Klärung des Mordfalls steht Jed allerdings wieder im Fokus. Erneut muss dieser, der sowohl einen Freund als auch seinen Vater verloren hat, sein Leben und Schaffen überdenken. Und er zieht drastische Schlüsse. Doch anstatt alles dafür zu tun, um nicht so isoliert zu sterben wie der Schriftsteller und sein Vater, den er bis zu seinem Tod nicht wirklich zu kennen schien, sucht Jed gezielt die Konfrontation mit der Einsamkeit. Houellebecqs Roman ist nicht nur im Künstlermilieu angesiedelt, er kommentiert den gesellschaftlichen Status von Kunst auf indirekte Art und Weise. Der Titel gepaart mit Jeds Haltung und Ausstellungstitel >>DIE KARTE IST INTERESSANTER ALS DAS GEBIET<< (78) bieten da einen interessanten Interpretationsansatz. Denn wenn dem so ist, dass die Karte, das menschlich geschaffene Konstrukt, tatsächlich interessanter ist als das Gebiet, welches für das reale Leben stünde, dann besagt das viel über den Stellenwert von Kunst. Hochpreisung und Kritik, Ruhm und Misserfolg, Leben und Tod - Houellebecq beleuchtet in seinem Roman stets beide Seiten der Medaille. Der Mordfall, der nahezu künstlerisch inszeniert wurde, deutet allerdings ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Karte und Gebiet in der heutigen Zeit an. Jeds Reaktion darauf, der sinnbildliche Rückzug aus dem Gebiet und das Verlorengehen mit der Karte, ist sicherlich nur eine Möglichkeit, mit dieser Entwicklung umzugehen. Doch muss es wirklich zu solch radikalen Maßnahmen kommen? Mit dieser Frage entlässt Houellebecq den Leser. Darin zeigt sich, dass Karte und Gebiet eben nicht nur ein Künster-, sondern auch ein Gesellschaftsroman von gegenwärtiger Brisanz ist. _______________ Die Seitenangaben beziehen sich auf die Ausgabe, die 2011 bei Dumont erschien.

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  • Rezension zu "Karte und Gebiet" von Michel Houellebecq

    Karte und Gebiet
    AnnicaB

    AnnicaB

    21. November 2011 um 17:55

    „Karte und Gebiet“ ist provokant wie man es von Houellebecq kennt, erwartet und liebt - aber es ist zugleich reifer als die übrigen Romane des Franzosen, es ist weniger inszeniert und „gewollt“, es verzichtet auf die absichtlich schockierend-abartigen Sexszenen, weil sie nicht mehr benötigt werden, um auf den Schmerz, die Verzweiflung und die Zerrissenheit der menschlichen Existenz zu verweisen. „Karte und Gebiet“ zeichnet das abgründige aber niemals abwegige Bild der Gesellschaft einer westlichen Zivilisation, die nicht zwangsläufig die französische sein müsste. In "Karte und Gebiet" begegnen uns die in Houellebecqs Werk allgegenwärtigen Themen wie die Unmöglichkeit von erfüllenden zwischenmenschlichen Beziehungen oder das Verhältnis von Leben und Kunst. Einmal mehr taucht eine Figur namens "Michel Houellebecq" auf - zugleich Selbstinszenierung des Autors und ein Hinters-Licht-Führen des Lesers. Wie viel Autobiographisches steckt in dieser Beschreibung? Wie weit wollen wir dem Autor glauben, wenn er "sein" misanthropisches Leben in Irland beschreibt (er hat tatsächlich einen Wohnsitz in Irland)? Houellebecq verführt selbst die Leser zur Auseinandersetzung mit der Frage nach Autobiographie oder Fiktion, die sich der Autorkonstruktion normalerweise entziehen und die der Autor eines Werkes lediglich als Ordnungselement interessiert und nicht als real existierende Person. Der schönste Clou ist dann auch die Inszenierung vom Tod des Autors – nicht nur als literaturtheoretisches Konzept im Sinne Roland Barthes‘, sondern wortwörtlich. Versteckt sich hier eine Anerkennung des Konzepts oder aber dessen Parodie? Dem Tod wird dann auch nur auf den ersten Blick kriminalistisch begegnet, was „Karte und Gebiet“ kurzzeitig den Anstrich eines Thrillers verleiht. Aber hier kann nicht die Polizei die Wahrheit aufdecken, nur die Kunst kann ihr auf die Schliche kommen. Und so mutiert der vermeintliche Thriller schnell wieder zum Künstlerroman, in dem Houellebecq mit zahlreichen Facetten der postmodernen Gesellschaft ebenso wie der postmodernen Ideengeschichte jongliert. Dies mag für den ein oder anderen Leser ermüdend-mäandernd wirken, möglicherweise gar eklektizistisch, manch einer mag vielleicht gerade die atemlos-abartigen Beschreibungen von Orgien und tierhaftem Sex vermissen, doch allen anderen wird „Karte und Gebiet“ ein Ereignis sein, ein Meisterwerk, die konsequente Fortentwicklung des Houellebecq’schen Werkes, all seiner Themen und der scharfen und unbarmherzigen Beobachtung seiner Umwelt und der verzweifelten-vereinzelten Menschen in ihr. Fünf Adjektive über dieses Buch; Provokant. Reif. Postmodern. Umbarmherzig. Verzweifelt. Besucht auch mein Blog: http://litterra.wordpress.com/

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