Michel Houellebecq , Bernard-Henri Lévy Taschenbücher / Volksfeinde

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Inhaltsangabe zu „Taschenbücher / Volksfeinde“ von Michel Houellebecq

Nach den Kontroversen um den Roman ›Unterwerfung‹ und den persönlichen Anfeindungen gegen seinen Autor ist dieses Duell in Worten aktueller denn je. Bernard-Henri Lévy und Michel Houellebecq sind zwei der wichtigsten Intellektuellen des französischen Literaturbetriebs und erwiesenermaßen »Volksfeinde«: Der umstrittene Philosoph trifft auf den meistgehassten französischen Schriftsteller der Gegenwart. Zwei bekennende Narzissten fragen sich, womit sie den Hass der Öffentlichkeit verdient haben, und sezieren das eigene Image mit kluger Koketterie: ein Schlagabtausch, der ins Private und Politische geht, poetologische Fragen ebenso behandelt wie philosophische und nebenbei glänzend unterhält.

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  • Rezension zu "Volksfeinde" von Michel Houellebecq

    Taschenbücher / Volksfeinde

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    29. November 2009 um 17:30

    Provokation und Auflehnung, beides Konstanten der französischen Literatur. Von Voltaire, Baudelaire und de Sade, über Celiné, Camus und Sartre – Buchseiten, die in das Fleisch der Leser schneiden; öffentliche Persönlichkeiten, die von der Presse beschmutzt, angefeindet und verleumdet wurden. Homer Simpson verteidigte einst in einem ergreifenden Plädoyer vor Gericht das Recht, Personen des öffentlichen Lebens anfeinden und belästigen zu dürfen. “Look, all I'm saying is, if these big stars didn't want people going through their garbage and saying they're gay, then they shouldn't have tried to express themselves creatively.” Es ist davon auszugehen, dass die französischen Journalisten, ihres Maulkorbes entledigt, sich auf ähnliches berufen. . „Lieber Bernhard-Henri Lévy, wir sind grundverschieden – mit Ausnahme eines entscheidenden Punktes: Es handelt sich bei uns beiden um ziemlich verachtenswerte Individuen.“ So beginnt das Buch „Volksfeinde“, das den Briefwechsel zwischen Michel Houllebecq („Nihilist, Reaktionär, Zyniker, Rassist und verabscheuungswürdiger Frauenfeind“) und Bernhard-Henri Lévy („ … ein Philosoph ohne Gedanken, dafür mit Beziehungen, und darüber hinaus … verantwortlich für den lächerlichsten Film der Filmgeschichte“) dokumentiert. Eine Romancier Nabelschau, die in Frankreich in einer Rekordauflage produziert wurde. . Die Korrespondenz zwischen Schriftstellern bildet seit jeher ein eigenes Genre. Doch kennen wir solches eigentlich nur von Menschen, die nicht mehr unter den Lebenden weilen. Das heißt: der Briefwechsel zwischen Houellebecq und Levy war von vornherein als Buchprojekt anvisiert, was durchaus einen Anflug von Misstrauen aufwerfen kann, denn jeder der beiden war sich gewahr, dass der jeweilige Brief nicht nur vom Empfänger, sondern auch von jedem anderen gelesen werden würde. Jeder der beiden schreibt also nicht ausschließlich an den andern, sondern inszeniert für ein Publikum. . Derartige Befürchtungen, ich konnte mich zu Anfang selbst nicht davon freimachen, sind jedoch unbegründet. Sicher nutzen beide das Buch auch als Plattform, sich gegen die Anschuldigungen der Presse zu verteidigen, ihre eigene Version der Geschichte zum Besten zu geben, aber das sollte man den beiden in Anbetracht der geballten Attacke, die wie ein permanentes Sturzgewitter in der französischen Presse auf sie niedergeht, durchaus zugestehen. Und dass die Briefe stilistisch formvollendet sind, kommt dem Leser schließlich zugute, gerade auch in einer Zeit, in welcher das kunstfertige Briefschreiben immer mehr schwindet, durch eine draufloslabernde Blog Bewegung an Ästhetik einbüßt. . Die Themen sind vielfältig. Man reflektiert über Politik, Literatur und Gesellschaft, findet aber auch immer wieder zu Offenbarungen, die gerade im Fall Houllebecq, der durch eine unautorisierte Biographie und ein infames Enthüllungsbuch seiner eigenen Mutter, immer mehr als Rätsel erscheint, überraschen. Houellebecq ist zudem dafür bekannt, nicht gerade umgänglich zu sein. Ich erinnere mich an eine Folge der Arte-Reihe „Durch die Nacht mit…“, in welcher der katalanische Opernprovokateur Calixto Bieito auf Houellebecq traf. Bieito ist ein großer Fan von Houllebecq, weswegen er ihm enthusiastisch die Augen rollend, aufdringlich die Zähne bleckend geradezu überfällt und ständig physisch berührt, Houellebecq hingegen verliert sofort das Interesse, blockiert, betrinkt sich, wird reaktionär, spricht schlussendlich keinen Ton mehr – das mediale Scheitern eines Gesprächs. Ich verstand sein Ressentiment. Ein Ressentiment, das einem schnell als Arroganz ausgelegt wird. . Doch in der Korrespondenz mit Levy blüht Houllebecq ungewöhnlich selbstkritisch, gefühlvoll und interessiert auf (seine Enthüllungen erlauben mir eine völlig neue Lesart seines Gesamtwerks). Und so ist „Volksfeinde“ brillanter und tiefgründiger Diskurs, der poetische Schlagabtausch zweier angefeindeter Autoren, der zwar auch provokante Thesen enthält (etwa die aufgezeigten Parallelen zwischen Linken und fundamentalen Islamisten), im Kern aber doch eine verblüffende Reflektion über die Bedeutung von Literatur bleibt. Ganz unzweifelhaft eines der besten Bücher, das ich in diesem Jahr lesen durfte.

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