Michel Houellebecq Unterwerfung

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Inhaltsangabe zu „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq

Paris, 2022: Der Literaturprofessor François führt ein einsames Leben. Seine einzige Leidenschaft gilt dem dekadenten Schriftsteller Huysmans. Tiefergehende Beziehungen interessieren ihn ebenso wenig wie aktuelle politische Ereignisse. Doch als in Frankreich gewählt wird, gerät sein ruhiges Leben ins Wanken. Um den als wahrscheinlich geltenden Sieg des Front National zu verhindern, koalieren die bürgerlichen Parteien mit der Bruderschaft der Muslime: Neuer Präsident wird deren charismatisches Oberhaupt Mohammed Ben Abbes. Nach und nach beginnt sich die französische Gesellschaft zu wandeln – und auch François muss jetzt neue Wege gehen.
Das neue Buch von Michel Houellebecq handelt vom Zusammenprall der Kulturen und vom Verhältnis von Orient und Okzident, von Judentum, Islam und Christentum – ein Buch von brisanter Aktualität!

Ungekürzte Lesung mit Christian Berkel
6 CDs Laufzeit 468 min

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    Unterwerfung

    Jare

    16. December 2015 um 16:49

    Im Jahr 2022 gewinnt die Partei der Bruderschaft der Muslime unter Führung von Mohammed Ben Abbes die französische Präsidentschaftswahl. Dieser Wahlsieg ist unter anderem durch die bürgerlichen Parteien zustande gekommen, die Abbes bei der entscheidenden Stichwahl unterstützt haben, um zu verhindern, dass der Front National unter Führung von Marine Le Pen die Wahl gewinnt. Ein Wahlsieg, der eine schleichende Veränderung Frankreichs mit sich bringt. Mitten drin steht dabei der Literaturprofessor Francois, der immer wieder Verhältnisse mit seinen Studentinnen eingeht, die nicht länger als ein Jahr andauern. Sein Spezialgebiet ist das Leben und Wirken des belgischen Schriftstellers Joris-Karl Huysmanns. Francois beginnt sein Leben zu hinterfragen. Er arrangiert sich und kollaboriert am Ende sogar mit dem neuen, demokratisch gewählten, islamischen Syndrom.  Seit seinem Roman "Elementarteilchen" ist Michel Houellebecq einer der renommiertesten französischen Literaten. Mit "Unterwerfung" zeichnet er ein eher düsteres Bild der Zukunft, in der sich der Westen mehr oder weniger selbst aufgegeben hat. Frauen zurück an den Herd, die Familie als Keimzelle der Gesellschaft. Houellebecqs Stoff ist provokant und an einigen Stellen fernab der oft beschworenen Political Correctness. Doch gerade das macht den Reiz dieser durchaus nicht immer leicht zu verstehenden Geschichte aus.  Umso größer die Aufgabe für Leonard Koppelmann (Hörspielbearbeitung und Regie), Manfred Hess (Dramaturgie und Redaktion) und ihrem Team, diesen Roman als Hörspiel aufzubereiten. Wie bei einer Kinoadaption mussten tiefe Einschnitte in der Handlung vorgenommen werden, um das Ganze auf eine Spieldauer von knapp drei Stunden unterzubringen. Doch wo viele Kinofilme scheitern, gelingt es hier, der Komplexität der Geschichte gerecht zu werden und den Roman so aufzubereiten, dass das Hörspiel wie aus einem Guss klingt. Die Mischung aus Sprecherpassagen und akustisch-musikalischer Untermalung ist ausgewogen und sorgt für den passenden Rahmen.  Insgesamt 20 Sprecher sorgen dafür, die Geschichte zum Leben zu erwecken. Allen voran Samuel Weiss und Wolfram Koch. Weiss spricht den von seinen Ausschweifungen geprägten Literaturprofessor mit vornehm zurückhaltender Intensität, die es dem Hörer ermöglicht, sich selbst ein Bild von François zu machen. Gleiches gilt für Wolftam Koch, der sich um die Passagen von Huysmanns kümmert. In weiteren Rollen brillieren unter anderem Imogen Kogge, Johann von Bülow oder Christian Redl.  Fazit: "Unterwerfung" ist alles andere als leichte oder gar seichte Unterhaltung. Auch wenn der Roman natürlich stark auf französische Gegebenheiten eingeht, ist man als Hörer gefesselt von dem Szenario, das provoziert, schockiert, aufklärt und gleichzeitig ratlos macht. "Unterwerfung" kann und muss daher als große Literatur angesehen werden. Die überaus gelungene Hörspieladaption lässt nichts vermissen, schürt aber trotzdem den Wunsch, sich nach dem Hören in Gänze mit diesem großen Entwicklungsroman zu beschäftigen. 

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  • Anstiftung zum Denken

    Unterwerfung

    Buecherschmaus

    02. September 2015 um 14:04

    "Unterwerfung" wird man wohl nie ohne die Umstände seine Veröffentlichung lesen können. Am Tag seines Erscheinens geschahen die schrecklichen Morde in der Redaktion von "Charlie Hebdo" in Paris. Provokation wurde ihm vorgeworfen, Geschmacklosigkeit, Islamfeindlichkeit, Verwendung rechtsnationaler Argumente.  Alles sicher nichts Neues für Michel Houellebecq, sowohl enfant terrible als auch gefeiertes Genie der französischen Literaturszene. Und doch sind diese Vorwürfe, nur zum Teil zutreffend, aber extrem verkaufsfördernd, der Intention des Romans abträglich. Denn zu etwas will der Text ganz sicher provozieren, nämlich zum Denken, auch über selbstauferlegte oder gesellschaftlich vereinbarte Denkverbote hinaus. Und dafür muss man sich zunächst einmal auf ihn einlassen. Denn, wie Michel Houellebeq in einem wunderbaren Abschnitt des Textes schreibt „Allein die Literatur vermittelt uns das Gefühl von Verbundenheit mit einem anderen menschlichen Geist“, erklärt François, „auf direkte, umfassendere und tiefere Weise, als das selbst in einem Gespräch mit einem Freund möglich wäre“. Dass dies für den Leser nicht immer einfach ist, beweist "Unterwerfung". Da ist zunächst einmal das Szenario: Im Frankreich des Jahres 2022 haben die etablierten Parteien, um einen vorhersehbaren Wahlsieg der "Front national" abzuwenden, eine Koalition mit der "Islamischen Bruderschaft" geschlossen. Nach enormen Stimmengewinnen wird deren Vorsitzender neuer Präsident von Frankreich. Das zieht eine fortschreitende Islamisierung Frankreichs (des Mutterlandes von Freiheit und Menschenrechten) nach sich. Keine radikale Islamisierung, wie wir sie in grässlichstem Ausmaß durch den IS sehen, sondern eine gemäßigte, sozusagen freundliche. Die islamischen Machthaber verwenden praktisch das westliche, kapitalistische Instrument der "feindlichen Übernahme". Ungeheuere Geldmengen werden aus den Ölstaaten ins Land gepumpt (kommt uns das vertraut vor?) und z.B. in die Bildung investiert. In islamische Bildung versteht sich. Andere Lebensweisen und Religionen werden zwar geduldet, aber nun leider nicht mehr finanziell gefördert.  So muss auch der Ich-Erzähler François wählen zwischen Konversion zum Islam oder aber Verlassen der Universität, an der er als Professor für Literaturwissenschaft gelehrt hat. Dieser François ist der nächste Punkt, auf den Einzulassen der Leserin schwer fiel. Völlig emotionslos, allein an der Befriedigung seiner kulinarischen und sexuellen Bedürfnisse orientiert, ohne größere zwischenmenschliche Bindungen, verlässt er zunächst mit saftigen Abfindung (den Saudis sei Dank) die Sorbonne. Da ihm aber an der neuen islamisierten Gesellschaft allenfalls der Blick auf "herrliche Ärsche" fehlt, was er aber durch Dessous-Fantasien bei den nun verhüllten Studentinnen zu kompensieren vermag, kehrt er schließlich doch an seinen Lehrstuhl zurück, mit dreifachem Gehalt und der Aussicht auf mindestens drei Frauen, möglichst Frischfleisch im Teenageralter plus eine reife Dame mit umwerfenden Kochkünsten. Nun darf man natürlich auf gar keinen Fall Autoren mit ihren Erzählern gleichsetzen und auch grauslig unsympathische Hauptpersonen bevölkern zuweilen hervorragende Romane. Aber dieser François macht es einem dann doch sehr schwer. Denn wie er zu Beginn des Romans einmal dozierte: "Ein gutes Buch ist ein Buch, dessen Autor man mag, mit dem man gern Zeit verbringt." Da ist sicher ein Schuss Sarkasmus und Ironie dabei, wie in so manchen Abschnitten des Romans, aber da ist auch etwas Wahres dran.  Und hoffentlich lassen sich nicht zu viele Leser dadurch von der Lektüre der "Unterwerfung" abhalten, dass man, zumal als Frau, weder Buch noch Autor noch Erzähler so leicht mögen kann. Denn, wie zu Beginn gesagt, dieses Buch stiftet zum Denken an. Denken, dass es Einen graust. Darüber, wie plausibel das Szenario erscheint. Wie leicht eine dem ganzen multikulturellen Nebeneinander, der Vielfalt der Denk- und Lebensweisen, ja offenbar dem Denken an sich scheinbar schon überdrüssige Konsumgesellschaft sich von abendländischen Werten und Normen lösen kann, wenn nur die Kasse und das eigene Wohlbefinden stimmt. Und diese Gefahr droht nicht unbedingt nur von einer Seite. Wie der neue Präsident der "Islamischen Universität Sorbonne" formuliert: "Der Gipfel des menschlichen Glücks besteht in der absoluten Unterwerfung." Schauderhaft. Und wo bleibt der Widerstand der weiblichen Bevölkerung? Der findet nicht statt. Ebenso schauderhaft, aber auch das irgendwie nicht gänzlich unglaubwürdig. Also, kein schönes Buch, aber UNBEDINGT LESEN!

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