Michel Jean

 5 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Kukum, Maikan und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Michel Jean

Michel Jean, geboren 1960, ist Innu aus der Gemeinde Mashteuiatsh am Lac Saint-Jean (Québec). Nach einem Studium der Geschichte und Soziologie arbeitet er seit 1988 als Journalist und Moderator für die französischkanadischen Fernsehsender Radio Canada Info und, seit 2005, TVA Nouvelles. Er ist mit acht Romanen und zwei Anthologien mit Erzählungen indigener Autorinnen und Autoren aus Québec einer der wichtigsten indigenen Autoren Québecs. Im Oktober 2021 erschien sein Roman Tiohtiá:ke (Montréal in der Sprache der Mohawk). Sein Roman Kukum verkaufte sich weit über 100.000 Mal in Québec und wurde im Herbst 2020 mit dem renommierten Prix littéraire France-Québec und im Herbst 2021 mit dem erstmals verliehenen Prix littéraire Nature Nomade ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Maikan (ISBN: 9783990295397)

Maikan

 (1)
Neu erschienen am 01.09.2022 als Gebundenes Buch bei Wieser Verlag.
Cover des Buches Kukum (ISBN: 9783293209428)

Kukum

 (1)
Neu erschienen am 11.07.2022 als Taschenbuch bei Unionsverlag.

Alle Bücher von Michel Jean

Cover des Buches Kukum (ISBN: 9783990294703)

Kukum

 (2)
Erschienen am 14.10.2021
Cover des Buches Atuk (ISBN: 9783990295007)

Atuk

 (1)
Erschienen am 31.03.2022
Cover des Buches Kukum (ISBN: 9783293209428)

Kukum

 (1)
Erschienen am 11.07.2022
Cover des Buches Maikan (ISBN: 9783990295397)

Maikan

 (1)
Erschienen am 01.09.2022
Cover des Buches Amun (ISBN: 9783990293867)

Amun

 (0)
Erschienen am 14.03.2020

Neue Rezensionen zu Michel Jean

Cover des Buches Maikan (ISBN: 9783990295397)Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Maikan" von Michel Jean

Die Geschichte des Völkermordes an den First People Kanadas
Bellis-Perennisvor 13 Tagen

Dieser erschütternde Roman beschäftigt sich mit dem Genozid der Weißen an den Inuit Kanadas. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden rund 150.000 autochthone Kinder ihren Familien entrissen und in 139 Internatsschulen verbracht, um „den Indianer in ihnen zu töten“ und sie damit zu „zivilisieren“


Dieser Roman erzählt die brutale Geschichte von drei jungen Innu, Marie, Virginie und Charles, die im August 1936 zwangsweise in das Internat Fort George gebracht wurden, rund 1.000 km von ihren Familien entfernt.  


Die junge Anwältin Audrey Duval, die für zahlreiche betroffene Innu pro bono Entschädigungen des Staates erstritten hat, entdeckt dass die Namen der drei Kinder spurlos in der Geschichte Kanadas verschwunden sind. Vom Ehrgeiz gepackt, beginnt sie zu recherchieren und entdeckt in einer alkoholkranken Frau eines des beiden verschwundenen Mädchen. In zahlreichen Rückblenden erfährt Audrey das ganze Ausmaß der Tragödie... 


“...es ist meine Aufgabe als Anwältin, denen Gerechtigkeit zu verschaffen, die ein Anrecht darauf haben. Und diese Männer werden wir verhaften und verurteilen lassen, unabhängig von ihrem Alter. Aber dafür muss ich noch eine Sache wissen. Was ist mit Virginie passiert?“ (S. 186)


 Meine Meinung: 


Obwohl ich schon zahlreiche Bücher zu Völkermorden (Shoa, Armenien, Ukraine etc.) gelesen habe, hat mich dieser Roman von Autor Michel Jean tief erschüttert.  


Dieser Roman ist bereits 2013 unter dem Titel „Le vent en parle encore“ (auf deutsch „Der Wind spricht noch davon“) erschienen. Als 2021 und Anfang 2022 die Überreste von rund 1.000 indigenen Kindern in Massengräbern nahe der Umerziehungsanstalten gefunden worden sind, hat sich der Wieser Verlag zu einer aktualisierten Neuauflage entschlossen. 


Der Titel „Maikan“ bedeutet Wölfe in der Sprache der Inuit, was sehr gut zum Inhalt des Buches passt. Denn die quasi als Gefangene gehaltenen Kinder im Alter zwischen 6 und 16 Jahren sehen ihre „Erzieher“, hauptsächlich katholische Geistliche und Nonnen als Wölfe, die sie belauern und beim kleinsten Anzeichen von Schwäche erbarmungslos zuschlagen. Die Kinder dürfen ihre eigene Sprache nicht mehr verwenden, müssen hungern, werden geschlagen und sind sexuellem Missbrauch ausgesetzt. 


Von den 150.000 verschleppten Kindern sind mehr als 4.000 an Unterernährung, Seuchen und den erlittenen Misshandlungen während ihres Aufenthaltes in einer dieser Anstalten gestorben. Rund 80.000 der ehemaligen Zöglinge leben noch. Ihnen ist dieses Buch gewidmet, einige Familienmitglieder des Autors haben das Internat Fort George er- und überlebt. Eine sehr junge Cousine seiner Mutter ist dort unter ungeklärten Umständen gestorben.   


Fazit: 


Diesem erschütternden Dokument über die fanatische und systematische Ausrottung der First People in Kanada gebe ich 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung, auch wenn das Buch sehr schwere Kost ist.

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Cover des Buches Kukum (ISBN: 9783293209428)aus-erlesens avatar

Rezension zu "Kukum" von Michel Jean

Zartes Band, das niemals brechen wird
aus-erlesenvor 2 Monaten

Veränderungen sind immer mit Schwierigkeiten verbunden. Nun sind diese Schwierigkeiten nicht immer gleich als solche erkennbar. Oft siegen die Abenteuerlust und der Forscherdrang über die Unebenheiten der Situation. Almanda geht – ganz nüchtern betrachtet – ein Risiko ein als sie Thomas folgt. Nicht einfach so! Vielmehr ist es ein tiefe Liebe, die ihr das Vertrauen schenkt, das sie benötigt, um immer weiter zu gehen. 

In einem Kanu zog er einmal an ihr vorbei. Immer öfter kreuzten sich ihre Blicke. Und ganz automatisch – manches kann, darf, man nicht erklären – sind Thomas und Almanda ein Paar. Sie spricht nur wenig die Sprache der Innu, zu denen Thomas gehört. Er spricht kaum französisch. Doch die Sprachbarriere ist nicht das, was sie zu sein scheint. Denn sie ist überwindbar. 

Immer weiter taucht Almanda in eine ihr fremde Welt ein. Das Kanada, das sie bisher kannte, ist hier draußen ein anderes Land. Die Innu leben mit der Natur. Die Jahreszeiten sind die einzigen Gradmesser. Wenn man Hunger hat, geht man jagen. Aber nur so viel wie man gerade benötigt. Und wenn der Hunger wiederkommt, geht man wieder auf die Jagd. Mit Thomas’ Schwestern gärbt sie Karibufelle. Redet mit ihnen, saugt das Fremde in sich auf wie ein trockener Schwamm das Wasser der endlosen Seen, an deren Ufern die Innu leben. 

Doch die Idylle bekommt Risse als der natürliche Lebensraum der Innu vom technischen Fortschritt, sprich Maschinen, Fabriken und dem dazugehörigen Lärm inklusive eines neuen Rhythmus empfindlich gestört wird. Die Siedlungen der Innu müssen diesem „Fortschritt“ weichen. Es beginnt eine neue Zeit. Wieder einmal. Doch dieses Mal müssen Almanda und Thomas das Neue gemeinsam bewältigen.

Lange bevor der Fortschritt den amerikanischen Kontinent eroberte, lebten hier Menschen. Unter anderem auch die Innu. Hier verwandelte sich die Asche ihrer Ahnen in nährstoffreichen Boden lange bevor auch nur ein einziger Fremdling jemals amerikanischen (kanadischen) Boden betrat. Michel Jean gibt den so genannten Ersten Völkern mit „Kukum“ eine Stimme, die weithin zu vernehmen ist. So bedächtig Thomas durch den Wald schreitet, so gefühlvoll beschreibt Michel Jean die Lebensgewohnheiten seines Volkes. Es ist die Geschichte seiner Urgroßmutter, die diesem Buch zugrunde liegt. Manchmal wie im Märchen, manchmal so echt die Schlange an der Supermarktkasse treibt die Geschichte den Leser an nicht stehen zu bleiben. Immer weiter zieht es ihn, um zu erfahren, ob es nicht ausreichend ist eine Veränderung im Leben zu erfahren. 

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Cover des Buches Atuk (ISBN: 9783990295007)Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Atuk" von Michel Jean

Wie aus Shashuan Pileshish Siméon die Jeanette Gagnon wurde ...
Bellis-Perennisvor 5 Monaten

Nach „Kukum“, das die Lebensgeschichte seiner Urgroßmutter Almanda erzählt, widmet sich Michel Jean nun in „Atuk“ seiner Großmutter Jeanette.  

Jeanette wächst mit ihren Eltern und Geschwistern in den Wäldern in der Provinz Quebec auf. Als sie sich 15-jährig in Xavier Gagnon, einen Mann verliebt, der als Weißer gilt und ihn gegen den Willen ihrer Eltern heiratet, verliert sie nach den damals gültigen Gesetzen ihren Status als Indianerin und muss das den Innu zugeteilte Reservat verlassen. Sie zieht in die Stadt, bekommt elf Kinder.

Dieser Umstand bewirkt, dass auch der Autor Michel Jean in der Stadt aufwächst und nun in seinen Romanen auf Spurensuche nach seinen Wurzeln geht.  

Meine Meinung: 

Der Roman ist in der Ich-Form geschrieben. Das Besondere ist, dass es zwei Ich-Erzähler gibt, nämlich Jeanette als „Sie“ und Michel als „Er“. Abwechselnd erzählen sie uns ihre Geschichte bzw. Erlebnisse. Wir steigen in das Buch zum Begräbnis von Jeanette ein. Nach und nach enthüllen uns die beiden Erzählstränge die Lebensweisen der Innu. 

Für den Autor ist die Spurensuche nicht einfach. Er muss sich zahlreichen Vorurteilen stellen, denen die Autochthonen ausgesetzt sind. Er berichtet von der Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeiten der Indianergesetze. Wenn eine Innu einen Weißen oder Mischling heiratet, verliert sie, wie es Jeanette ergangen ist, ihren Indianerstatus. Heiratet ein Weißer eine Innu, so wird er in die Gemeinschaft aufgenommen und genießt (?) den Schutz der Gesetze.  

Wie schon in „Kukum“ wird die Lebensart der Innu, über die in der Geschichte Kanadas kaum etwas zu lesen ist, sehr einfühlsam dargestellt. Dazu hat der Autor die Sprache seiner Vorfahren erlernt. Manchmal fühlt er ob der nach wie vor bestehenden Vorurteile ohnmächtigen Zorn. Er  hat den Indianer in sich.

Fazit: 

Eine einfühlsame und interessante Suche nach den eigenen Wurzeln, der ich wieder 5 Sterne gebe.

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