Michel Onfray Leben und Tod eines Dandys

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Inhaltsangabe zu „Leben und Tod eines Dandys“ von Michel Onfray

Brummell war der Erste unter den Dandys, so heißt es. Doch er war auch und vor allem eine ungehobelte Person, egoistisch, aggressiv, ironisch, zynisch, unhöflich, verlogen, betrügerisch,
beleidigend, arrogant, dünkelhaft, angeberisch und – natürlich – selbstzufrieden, bestand doch sein Lebensinhalt darin, den anderen ihren schlechten Geschmack vorzuwerfen, ihre Plumpheit, ihre Blasiertheit, ihren Mangel an Bildung.
Diese reale Persönlichkeit Brummell, umwölkt von ihren Mythen und Legenden, war über zwanzig Jahre hinweg ein strahlender Star der mondänen englischen Gesellschaft, bevor sie sich in einem Vierteljahrhundert auf französischem Boden in eine bejammernswerte Figur verwandelte, in einen
kläglichen Versager.
Wie hatte ein solch verabscheuenswürdiger Mann zur Schlüsselfigur des Dandytums werden können, einer Ethik der Eleganz und der Aristokratie, des guten Geschmacks und der Individualität? Dafür sorgte die Huldigung eines anderen Dandys, Jules Barbey d’Aurevillys Du dandysme ou de George Brummell, und dafür sorgte Charles Baudelaire. Brummell war ein Nichtsnutz, doch Barbey machte aus ihm ein schwarzes Gestirn, Baudelaire aus ihm ein glimmendes Feuer, das nicht zu lodern beliebte. Und was machen wir heute, in diesen nihilistischen Zeiten aus dem Dandy? Hat er uns noch etwas zu sagen?

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  • Biographische Bewertung eines „Standes“

    Leben und Tod eines Dandys

    michael_lehmann-pape

    14. November 2014 um 12:28

    Biographische Bewertung eines „Standes“ „Der Dandy bewegte sich an zwei entgegengesetzten Polen zugleich: zum einen kämpfte er einen brutalen…..Krieg….. Zum anderen zeigte er großes Talent für alles Zerbrechliche, Sanfte…“ (soweit es ihn interessiert für seine eigenen Zwecke). So formuliert es Onfray auf der Grundlage eines Buches von von Clauswitz, „Vom Kriege“, in dem von Clausewitz den „Dandy“ im Krieg näher beleuchtet als einen Einzelkämpfer, der nur für sich alleine kämpft mit seinen Interessen als einzigen Kriegsgründen. Auch wenn hier nur die Facette des „Dandy im Krieg“ angeführt wird, eine grundsätzliche Wertung findet sich natürlich in dieser Kennzeichnung als reiner und kühler „Egoist“. Eigenschaften, welche die Figur, der Onfray in diesem schmalen Werk nachgeht, durchaus extrem in sich vereinigt. Rein auf sich bezogen, so erschien George Bryan Brummel, Urgestalt, Inbegriff und „erster Dandy“ überhaupt seiner Umwelt. Ein Snob, arrogant, überheblich, verletzend, kein anderes Urteil über Geschmack und Leben akzeptierend als sein eigenes und dies mit seinem gesamten Lebensstil ausdrückend. Sich selbst zu „vergötzen“, dazu gehört auch der entsprechende „Putz“, die ausgewählte Kleidung. Gerade aber ausgesuchte Manieren eben nicht, denn diese wären ja als Kompromiss, als Anbiederung zu verstehen. In diesen „Manieren“ allerdings unterscheidet sich Brummel doch wesentlich von seinen „Nachfolgern“. Individualität statt Egoismus, beste Manieren in Stil, Kleidung und ästhetischem Geschmack statt Rohheit des Volkes, so stellt sich der Dandy in späteren Zeiten den Augen der Öffentlichkeit dar. Onfray wählt nun diese spannungsreiche Person Brummel (dessen Leben auch späterhin in Extremen verlief), um sich einigermaßen grundsätzlich der Struktur der nihilistischen Persönlichkeit zu nähern und selbstverständlich, auch wenn Onfray das kaum direkt anspricht oder ausspricht, hält der damit der Gegenwart einen Spiegel seiner Bewertung vor. Eine, folgt man dem Buch, überaus negative Bewertung, denn kaum ein positives Element lässt Onfray an Brummel und damit auch keines an der nachfolgenden „Bewegung“. Ein schöngeredeter Mythos einer innerlich hässlichen Person, das bleibt, folgt man Onfray in seiner Offenlegung des Inneren dieses ersten Dandys. Dem auch der Untergang Brummels fast logisch sich anschließt, den Onfray breit schildert. Schein und Sein versucht er somit, gegenüber zu stellen und die „wahre Natur“ des „Angebers“ zeigt sich letztlich in seinem schmählichen Scheitern im und am Leben. All dies basiert auf dem ersten (deutlich positiverem) Portrait Brummels von Jules Barbey, dem Onfray im weiteren Verlauf des Buches ebenfalls „Dandy- Allüren“ und mangeldne Distanz zu Brummel attestiert und entsprechend zu einer ähnlichen Bewertung des Autors gelangt, wie er sie für Brummel selbst vornimmt. So liest der Leser einen „Verriss“ des Dandytums an sich auf der einen Seite, aber auch, zum Ende des Buches hin, fast versöhnliche Anklänge an ein, könnte man sagen, „recht verstandenes Dandytum“ im Sinne Onfrays. Das bei Brummel und den direkten Nachfolgern nun nicht zu erleben war, das aber in den behaupteten Kernidealen doch Möglichkeiten in sich bergen könnte. Könnte man zumindest in Nebensätzen herauslesen. Alles in allem eine sehr parteiische Darstellung Brummels, die wie ein „Verriss eines Lebens“ daherkommt, eine darüber hinausgehende Absage an den Nihilismus und die Egozentrik der „Dandy-Bewegung“, ein Spiegel des gegenwärtigen „ständigen Drehens um sich selbst“, aber auch mit kleinen Verweisen auf Haltungen eines „Dandys“ versehen, die konstruktive Möglichkeiten bieten könnten. Das alle sin sehr lebendiger, klarer, direkter Sprache, mit Hybris geschrieben, trotz des knappen Raumes im Buch hier und da auch langatmig, dennoch aber durchaus informativ. Was das Dandytum an sich angeht, was daran in die Gegenwart wirkt und was, vielleicht, eine konstruktive Kraft sein könnte.

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