Michel Rostain

 4.2 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Als ich meine Eltern verließ, Syn und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Michel Rostain

Michel RostainAls ich meine Eltern verließ
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Als ich meine Eltern verließ
Als ich meine Eltern verließ
 (9)
Erschienen am 11.08.2014
Michel RostainAls ich meine Eltern verließ
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Als ich meine Eltern verließ
Als ich meine Eltern verließ
 (0)
Erschienen am 11.04.2012
Michel RostainThe Son
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The Son
The Son
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Erschienen am 23.05.2013
Michel RostainLe Fils. Als ich meine Eltern verließ, französische Ausgabe
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Le Fils. Als ich meine Eltern verließ, französische Ausgabe
Michel RostainLe fils. Als ich meine Eltern verließ, französische Ausgabe
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Le fils. Als ich meine Eltern verließ, französische Ausgabe
Michel RostainSyn
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Syn
Syn
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Erschienen am 01.01.2014

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Rezension zu "Als ich meine Eltern verließ" von Michel Rostain

Die Trauerarbeit der Eltern aus der Sicht des verstorbenen Kindes
Osillavor 2 Jahren

Ein autobiografischer Roman von Michel Rostain, der seinen eigenen Sohn aufgrund einer Gehirnhautentzündung verloren hat. Rostain lässt seinen Sohn Lion die Geschichte erzählen. Lion begleitet die Geschehnisse nach dem eigenen Tod und kommentiert das Verhalten seiner Eltern liebevoll und oft auch mit leicht trockenem Humor. Es erscheinen immer wieder Rückblicke aus vergangenen Zeiten, als die Welt noch heil war. Michel Rostain zeigt wie schmerzvoll der Verlust des eigenen Kindes ist, lässt seinen Sohn aber durch die Erzählperspektive immer wieder auferstehen und in Gedanken an seinem Leben teilhaben.

„In den Fluren der Nacht wird der Tod zu dem, was er ist: eine nur fast ewig währende Trennung, unterbrochen von kurzen ekstatischen Begegnungen des Wiedersehens. Ohne die Träume wäre der Tod sterblich – oder unsterblich? Aber er hat einen Riss, ist hereingelegt und vereitelt worden. Geister entfliehen seinen Gefilden und spenden uns Sterblichen Trost.“ Hélène Cixous (Seite 107)

Michel Rostain hat das wohl Schlimmste erlebt, was ein Vater erleben kann: den plötzlichen Tod seines 21-jährigen Sohnes. Lion ist an einer Gehirnhautentzündung erkrankt, doch bis die Ärzte diese schwere Krankheit diagnostizieren und behandeln konnten, war es auch schon zu spät. Lion stirbt nach nur wenigen Tagen und hinterlässt seinen zutiefst verstörten Eltern.

„Immer wenn Papa an mich denkt, weint er. Papa ist nur dann glücklich, wenn er an mich denkt. Papa ist also jedes Mal glücklich, wenn er weint.“ (Seite 108)

Der tote Sohn Lion begleitet seinen Vater in den ersten Wochen und Monaten nach dem Tod auf den Weg zurück ins Leben. Die Eltern sind verständlicher Weise zunächst so geschockt vom plötzlichen Tod ihres Sohnes, dass sie sich zurück ziehen wollen. Glücklicherweise lässt dies ihre Arbeit nicht zu und so haben die Eltern schon früh einen Ankerpunkt in ihrem Leben. Sie stürzen nicht völlig ab, aber sie haben Schwierigkeiten die Heiterkeit in ihrem Leben zurück zu gewinnen. Sie bekommen ein schlechtes Gewissen, wenn sie Glück oder Frohsinn verspüren, obwohl doch ihr Sohn gestorben ist und sie dieses Glück vielleicht gar nicht spüren dürften. Der innere Konflikt wird durch den toten Sohn einfühlsam kommentiert.  Lion überblickt das Leben seines Vaters und taucht auch in der Vergangenheit des Vaters auf. Erinnerungen, die plötzlich im Gedächtnis des Vaters auftauchen werden durch den Sohn kommentiert.

Die Trauerarbeit der Eltern aus der Sicht des Sohnes ist ein interessanter Ansatz. Denn ist es nicht so, dass man immer wieder darüber nachdenkt, was ein Verstorbener zu dieser oder jener Situation gesagt hätte? Welchen Rat oder welchen Kommentar er abgegeben hätte? Ob er sich gefreut hätte? Rostain schreibt überwiegend berührend über die Zeit nach dem Tod seines Sohnes, oftmals wirkte der Stil für mich aber auch etwas monoton. Wobei dies auch die Lethargie und den inneren Konflikt des Autors widerspiegeln könnte. Denn die Eltern müssen zunächst den Schmerz über den Verlust überwinden, um den Weg ist Leben und den Spaß am Leben wiederzufinden. Sie müssen die Schuldgefühle ablegen. Denn auch wenn ein geliebter Mensch gestorben ist, hat man ein Recht darauf, wieder glücklich und fröhlich zu sein. Auch die Vorwürfe, die sich Rostain macht, dass er die letzten Tage und Stunden mir seinem Sohn nicht ausreichend genutzt haben könnte, muss er überwinden. Es war ihm schließlich nicht möglich den Ernst der Lage zu erahnen, kam die Krankheit des Sohnes doch zu plötzlich.
Die Zeitsprünge in der Geschichte machten es mir manchmal schwer, der Erzählung zu folgen. Ist man im einen Moment noch in der Zeit nach dem Tod, wo der Vater die Wäsche des Sohnes in die Reinigung bringt, so kann man im nächsten Moment schon wieder weit in der Vergangenheit auf der Beerdigung eines guten Freundes der Familie sein. Auch diese Zeitsprünge könnten die innere Zerrissenheit des Autors widerspiegeln, sie sorgten aber doch für ein schwereres Verständnis des Gesamtzusammenhangs.

Das Buch steckt keinesfalls voller Sentimentalität und bringt einen nicht ständig dazu, in Tränen auszubrechen. Im Gegenteil, oftmals schreibt Rostain sehr sachlich und faktisch, was eher ungewöhnlich für dieses Genre ist. Die Frage, die man sich als Leser von Beginn an stellt, nämlich „Kann man den Verlust seines eigenen Kindes jemals verkraften?“ beantwortet der Autor in der Danksagung durch die Worte eines Freundes:

„Ich möchte dir sagen, dass man damit leben kann.“ (Seite 157)

Und genau das ist die Kernaussage dieses Buches. Es geht nicht darum, sich in der Trauer zu verlieren, sondern darum einen Weg aus der Trauer und zurück ins Leben zu finden.

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capkirkis avatar

Rezension zu "Als ich meine Eltern verließ" von Michel Rostain

Rezension zu "Als ich meine Eltern verließ" von Michel Rostain
capkirkivor 6 Jahren

“Immer, wenn Papa an mich denkt, weint er. Papa ist nur dann glücklich, wenn er an mich denkt. Papa ist also jedes Mal glücklich, wenn er weint”

Ein wirklich bewegender, wunderbarer autobiografischer Roman, der zwar den Tod als Hauptthema hat, gleichzeitig aber das Leben aus vollem Herzen bejaht.

Ein Buch, das nicht aus der Sicht der trauernden Eltern geschrieben ist, sondern aus Sicht des toten Sohnes, der sie beobachtet und ihre Handlungen nachdenklich, mitleidig, teilweise auch mit einem gewissen Humor und reichlich pietätlos kommentiert. “Mein Gott Papa, stell Dich nicht so an!”

Michel Rostain verliert seinen 21jährigen Sohn innerhalb weniger Tage. Lion stirbt an Gehirnhautentzündung, für die Eltern so plötzlich, dass sie mit seinem Tod kaum fertig werden können. Immer wieder geht vor allem der Vater die letzten Tage vor dem Tod des geliebten Kindes durch, verliert sich in Kleinigkeiten, macht sich Vorwürfe, dass er nicht genug Zeit mit ihm verbracht hat, überlegt, was er hätte anders machen können, warum Lion hat sterben müssen, er sucht nach mehr Informationen, saugt alles auf, was ihm Andere über seinen Sohn erzählen können, deutet Zeichen und seien sie noch so klein und versucht verzweifelt einen Weg zu finden, um mit dem Verlust umzugehen, um trotzdem weiterzuleben, das Unvorstellbare verständlich zu machen.

“Die nicht in Worte zu fassenden Glücksmomente ihres Mutter- und Vaterdaseins haben sie, als ich ein Baby war, bis in die Haarspitzen genossen. Welch ein Glück, mit dem Leben zu leben. Jetzt müssen sie mit dem Tod leben. Die Momente der Trauer lassen sich in Worte fassen. Die Zeit des Todes ist entsetzlich gut mit Worten zu beschreiben. Papa steckt mitten drin.”

Unsentimental, fast sachlich und doch so bewegend und zuversichtlich erzählt Rostain von den Wochen und Monaten nach dem tragischen Ereignis.
Das Schreiben hat ihm den Halt gegeben, mit dem Verlust umzugehen, so Rostain – ihm begreiflich zu machen, was geschehen ist und ihm gleichzeitig zu zeigen, dass das Leben weiter geht – trotz allem.

“Ein Toter, eine Zeremonie, ein vorbeiziehender Sarg, da bleibt der Fuß einen Moment lang in der Tür des Unvorstellbaren stecken: Das Leben wird bald weitergehen, als wäre nichts geschehen, aber trotz allem wird man eine Unruhe verspüren, ein Beben, ein Zögern, einen vorbeiziehenden Schatten, vielleicht auch bloß den Schatten eines Schattens. Diese Verwirrtheit ist furchtbar, menschlich, ein Zeichen von Leben. “

“Es lebe des Leben, trotzdem!” – ruft er bei der Beerdigung seines Sohnes immer wieder “Es lebe das Leben!”, denn “Man kann damit leben” erzählt er ihm Nachwort, man kann es lernen. Auch wenn es das Schlimmste ist, ein Kind zu verlieren, es ist nicht das Ende.
Einen Teil von Lions Asche verstreuen die Eltern schließlich an den Hängen des Vulkans Eyjafjallajökull in Island. Als dieser 2010 ausbricht, den Flugverkehr über Europa lahmlegt und Lions Asche nach Hause zurückweht, haben sie die Freude an einem Leben, in dem es Lion einmal geben hat, wiedergefunden.

Ich musste bei dem Buch abwechselnd weinen und lachen.
Rostain hat sich seiner Trauer gestellt, sich aber von ihr nicht besiegen lassen. Seine Erzählung gibt Kraft und Mut. Hut ab vor diesem Mann und der Leistung dieses feinfühlige Buch zu schreiben.

Der Autor und Vater hat mit seinem Debutroman 2011 den renommierten französischen Buchpreis “Prix Goncourt” erhalten, obwohl sein Buch nicht einmal in der offiziellen Nominierten Liste zu finden war – völlig zu Recht, denke ich und vergebe 5 bewegte Sterne!

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fcbfroschs avatar

Rezension zu "Als ich meine Eltern verließ" von Michel Rostain

Rezension zu "Als ich meine Eltern verließ" von Michel Rostain
fcbfroschvor 7 Jahren

Inhalt:
"'Am elften Tag nach meinem Tod brachte Papa meine Bettdecke in die Reinigung, die Arme voll Bettwäsche, in der seine Nase steckt. Er meint, sie riecht nach mir. In Wahrheit stinkt sie, schließlich habe ich weder die Bezüge noch das Federbett jemals gewaschen''."
Michel Rostains 21jähriger Sohn wird unerwartet und plötzlich durch eine Meningitis aus dem Leben gerissen. In diesem Roman lässt der Vater seinen Sohn die Trauerarbeit seiner Eltern kommentieren und begleitet sie, bis sie ihre Freude am Leben wiedergefunden haben.

Meine Meinung:
"Als ich meine Eltern verließ" ist eines der großartigsten Bücher, die ich jemals gelesen habe. Es ist ein Buch, im Mittelpunkt den Tod, aber ein Loblied auf das Leben. Wenn Kinder vor ihren Eltern gehen, bleibt viel Schmerz zurück und viele Fragen, auf die keine Antworten gefunden werden können. Zum Beispiel, ob der Tod nicht alle Momente, vor Lions Ableben, bereits überschattet hatte. Ahnte der Sohn etwas von dem bevorstehenden Ende? Wie konnte er sonst die Bakterien zulassen, die seinem Leben ein Ende setzten? Gegenstände, Gedanken und Beziehungen des Sohnes werden abgesucht nach jedem kleinsten Detail, jeder kleinsten Antwort auf die Fragen, die sich die Eltern stellen. Es ist eine Wut zu spüren, darüber, dass der Sohn sterben musste, darüber, dass man so vieles anders gemacht hätte, hätte man von den Geschehnissen bereits gewusst. Vorwürfe, und viele Tränen. Zu Beginn. Gleichzeitig spürt man die Überforderung, und den fehlenden Platz für den Schmerz über den Tod. Denn wenige Stunden nach dem Ableben müssen Entscheidungen getroffen werden: über die Beerdigung, über den geeigneten Thanatologen, über eine Bestattung oder Einäscherung, über die gewünschte Zeremonie und über den besten Sarg und Friedhof. Dann der Abschied, den die Eltern gemeinsam mit Verwandten und Freunden vom Sohn nehmen (müssen) und schließlich ist er doch da: Der Platz für die Trauer. Die Fragen lassen nach. Die Tränen nicht. Ein paar Monate nach dem Tod verreisen die Eltern nach Island um die Asche, die sie aus der Urne für eigene Zwecke sicher gestellt haben, im Vulkan Eyjafjallajökull zu verstreuen. Dieser Vulkan wird wenige Jahre später in aller Munde sein, wenn er den Flugverkehr Europas lahmlegt. Zeichen für die Eltern, die sie an ihren Sohn voller Glück und Freude zurückdenken lassen und das gemeinsame Leben, das sie mit ihm führen durften.

Jedes Wort in diesem Roman strahlt vor Liebe. Die Liebe zu dem Sohn, der nachsichtig und mit leichtem Humor seine Eltern beobachtet beim Abschied nehmen und dabei, das Leben wieder als etwas Wertvolles wahrzunehmen. Genau diese Liebe ist es, die dem Roman die Kraft gibt und diesen wundervollen Gedanken "Es lebe das Leben" - trotz dem Verlust. Ohne jeden Pathos geschrieben, nicht aus der Sicht eines Verlassenen, sondern aus der Sicht desjenigen, der verlassen hat. Auch mit einem Blick auf unsere Kultur, und wie wir mit dem Tod umgehen.

Mein Fazit:
"Als ich meine Eltern verließ" sprüht vor Lebenslust, trotz der Trauer und Verzweiflung, die von Beginn an mit jedem Wort mitschwingt. Doch sie verändert sich in dem Buch in eine freudvolle Trauer. Über den Verlust, mit dem die Eltern zu leben gelernt haben, über den Schmerz, der sie begleitet, aber nicht mehr bestimmt und der es zulässt, dass sie glücklich sind, gemeinsam mit den Erinnerungen an ihren Sohn.

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