Michela Murgia Camilla im Callcenterland

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Inhaltsangabe zu „Camilla im Callcenterland“ von Michela Murgia

Eine amerikanische Staubsaugerfirma mit den Geschäftsmethoden einer Sekte: Michela Murgia schildert ihre Erfahrungen als Angestellte eines Callcenters.

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  • Das läuft über all gleich ab.

    Camilla im Callcenterland
    Duffy

    Duffy

    13. January 2014 um 11:19

    Michela Murgia, bei uns auch durch ihren Roman "Accabadora" bekannt geworden, hat vor ihrer Zeit als erfolgreiche Autorin u.a. auch als Callcenterangestellte gearbeitet. Diese Erfahrungen beschreibt sie im hier vorliegenden Buch auf eine sehr humoristische Art und Weise, obwohl sie ganz klar macht, wie ungehalten sie über Methoden und Behandlung durch ihren Arbeitgeber ist und in welchen dunklen Gefilden die Angestellten sich dort bewegen und ausgebeutet werden. Diese Callcenter sind ja auch bei uns hinlänglich oft und gründlich unter die Lupe genommen worden, so ass des nichts Neues in diesem Buch zu lesen gibt, denn die Methoden sind überall gleich. Der lockere Ton der Murgia macht das Buch zu einer kurzweiligen Angelegenheit, ist aber nicht unbedingt zwingend notwendig. Man hält sich besser an ihre Romane.

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  • Rezension zu "Camilla im Callcenterland" von Michela Murgia

    Camilla im Callcenterland
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    11. April 2012 um 10:39

    Michela Murgia erzählte von ihrem kleinen Job anno 2006 in ihrem Blog Il mondo deve sapere: Die studierte Theologin Murgia wurde kurzfristig zur Telefonistin in einem Callcenter der Staubsauger-Firma Kirby. Bitterböse zog sie im Blog über die Organisation von Kirby her, denn sie verdiente ihr tägliches Geld, um gleichzeitig tiefer in die Abläufe und Tricks des Konzerns zu schauen. Michela bemühte sich, möglichst viele Infomationen zu sammeln und zum Bild der wahren Firma Kirby zusammen zu setzen. Aus diesem Blog entstand auf Anfrage eines Verlags wenig später das gleichnamige Buch (das wiederum stand übrigens Pate für den 2008 entstandenen italienischen Film "Tutta la vita davanti"). Das Ziel der Telefonistinnen ist es, möglichst viele Termine für die Staubsaugervertreter zu vereinbaren. Statt eines stabilen Festgehalts verdienen die Frauen den Löwenanteil ihres Geldes als Prämie: Jeder Termin bringt ein paar Euro; wer besondere viele Termine schafft oder viele eigene Bekannte für Vorführungen gewinnen kann, bekommt deutlich mehr. Michela macht mit Kaltaquise mehr Termine als die meisten anderen, weil sie die psychologischen Spielchen der Telefonchoreographie schnell beherrscht. Sie wird nicht müde zu betonen, wie sehr sie und die Vertreter-Kollegen die Hausfrauen über den Tisch ziehen. Aus diesem Kontrast zieht das Buch seine Spannung: Michela, die sich im Buch Camilla nennt, zieht ihren Job durch, erkennt aber gleichzeitig, welche Tricks zu Grunde liegen. Sie lästert und schimpft über das Prinzip des Telemarketings mit viel, viel beißendem Spott. Eigentlich dürfte keiner, der das Buch auch nur ansatzweise gelesen hat, je wieder einem Telemarketer auf den Leim gehen. Denn die Tricks und Schlingen sind überall dieselben. Der monströse, hässliche Kirby-Staubsauger, ein unheimlich lautes und grausam überteuertes Hygienisierungsgerät, würde niemals in einem Laden neben den Wettbewersmodellen bestehen. Der Verkauf kann nur mit Hilfe der Überrumpelung funktionieren. Ohne Grinsen kann man dieses Buch nicht absolvieren, ganz egal, ob sich die gewiefte Telefonistin über den Kirby selbst lustig macht, ihre hinterhältigen Vorgesetzten oder ob sie die Angerufenen spielend leicht katalogisiert. Trotzdem: Es geht Michela Murgia nicht darum, zur reinen Belustigung zu schreiben. Sie klärt auch nicht nur über die Maschen der Bauernfänger in Callcentern auf. Speziell auf dem italienischen Arbeitsmarkt sind Arbeitsplätze wie diese von Arbeitgebern gefragt, bieten sie doch den Angestellten keinerlei Rechte oder Sicherheiten. Das Prämienkonzept zeigt, worum es geht: Das wirtschaftliche Risiko wird auf die Angestelltern verlagert, die Arbeitgeber profitieren von projektgebundenen Verträgen, die keine beruflichen Garantien für den Arbeitnehmer mehr enthalten. Kein Wunder also, dass sie ihren Arbeitgeber Kirby beim Namen nennt und klar stellt, wer von den italienischen Gesetzen profitiert. Alle Kollegen versteckt Murgia sonst hinter sprechenden Namen. Bei Michela Murgia ist aus Wut und Fassungslosigkeit ein sehr aufschlussreiches Buch entstanden, dass ich sowohl für Lesevergnügen als auch Aufklärung empfehlen kann. Man muss lediglich in Kauf nehmen, dass es -da es nicht als Roman konzipiert wurde- am Ende schlicht ausläuft: Camilla kann weder Kolleginnen vor dem weiteren Ritt auf der irren Kuh retten, noch kann sie sonst irgendwie das System stoppen. Als Camilla es nicht mehr aushält, kündigt sie kurzerhand. Aber letztlich ist das Buch gut so. Wer das System durchblickt, kann nicht viel alleine ausrichten - er kann erst einmal nur alleine aussteigen.

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