Chirú

von Michela Murgia 
4,6 Sterne bei7 Bewertungen
Chirú
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Bernadette35s avatar

Schön geschrieben, obwohl sich mir die Hauptfigur (was genau unterrichtet sie und warum?) nicht so richtig erschließt

marieliliths avatar

Toll!!!!! Ganz große Empfehlung!

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Inhaltsangabe zu "Chirú"

Als Eleonora und Chirú einander zum ersten Mal begegnen, ist sie achtunddreißig und er achtzehn Jahre alt. Nichts scheint die beiden zu verbinden. Und doch nimmt die bekannte Theaterschauspielerin den schlaksigen Musikstudenten als Schüler an, um seinen Weg für eine Weile zu begleiten. Sie führt ihn in ihre schillernde Künstlerwelt ein.
Aber was ist diese lebensgewandte Frau für den Jungen ? Lehrerin, Mutter, Geliebte? Von allem etwas und nichts davon ganz. Wie »Accabadora« beginnt auch dieser Roman Murgias in Sardinien, führt seine Protagonisten dann aber durch ganz Europa. Michela Murgia erweist sich erneut als sensible Erzählerin ? sie entwirft kraftvolle, autonome Charaktere, die sie meisterlich durch die Untiefen menschlicher Beziehungen führt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783803132871
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:0 Seiten
Verlag:Wagenbach, K
Erscheinungsdatum:10.03.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor 9 Monaten
    Michela Murgia - Chirú

    Viele Jahre sind vergangen seit Eleonora zuletzt einen Schüler angenommen hatte. Zu stark war der Schmerz nach dem Selbstmord Nins. Als die Chirú zum ersten Mal begegnet, sieht sie sofort, dass sie den 18-Jährigen Violinisten begleiten, ihn in das Leben der Kunst einführen muss. Unbedarft ist Chirú, aber ein gelehriger Schüler, doch seine Lehrerin unterschätzt ihn. Zunehmend und schmerzhaft muss sie erkennen, dass er nicht nur schnell lernt, sondern vor allem eine scharfe analytische Beobachtungsgabe besitzt, die er in Worte umzusetzen vermag, die nicht nur ins Schwarze treffen, sondern dort auch wie Dolche einstoßen und die Brutalität der Wahrheit geäußert durch seine Jugend umso schlimmer erscheinen lassen.

    Michela Murgias Roman liest sich ausnehmend langsam. Voller leiser Töne, einzelner Sätze, die ihre Zeit einfordern aufgrund der Bedeutungsschwere, die ihnen innewohnt. Man kann nicht oberflächlich über sie hinweggehen, zu viel liegt darunter, was sich nach und nach entfalten will.

    Ihre beiden Protagonisten sind ein ungewöhnliches Paar. Eleonora, erfolgreiche Theaterschauspielerin und Freigeist, lässt sich weder gedanklich einsperren noch von Konventionen begrenzen und doch lebt sie genau jene wiederum und bringt sie ihren Schützlingen bei. Chirú, der sich unweigerlich in diese attraktive und unnahbare Frau verlieben muss, bewundert sie und saugt ihre Worte regelrecht auf. Doch die Nähe, die zwischen beiden entsteht, wird durch ihre Tournee unterbrochen und ihre über Monate gepflegte Nähe erfährt nun eine plötzliche Loslösung.

    Eigentlich sind die Rollen klar verteilt: sie die ältere, weisere, die Lehrerin. Er der jung, vielleicht noch naive Schüler. Doch früh schon zeigt sich, dass mehr in ihm steckt. Er durchschaut sie: das äußere Bild einer Bürgerin, einer Frau, die nicht gefallen will, die im Inneren jedoch einsam ist und unglücklich. Die Maske, die sie auf der Bühne trägt, hat sie auch im Leben für sich gefunden. Sie ist verletzt von seinen Worten und muss doch die Treffsicherheit anerkennen. Ihm kann sie nichts vormachen. So auch nicht ihre Beziehung zu Martin verheimlichen. Doch sie kann den jungen Schüler nicht einfach aufgeben, auch wenn dieser offenkundig für sie schwärmt. Zu sehr reizt sie das Gefühl der Allmacht, den Einfluss, den sie auf ihn hat. Für diesen Hochmut wird sie bezahlen, sie ahnt es und doch rennt sie sehenden Auges weiter.

    Kommentare: 1
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    SamiraBubbles avatar
    SamiraBubblevor einem Jahr
    Eine ungewöhnliche Schüler-Lehrer-Beziehung

    Die 38-jährige Ich-Erzählerin und Schauspielerin Eleonora aus Cagliari (It) nimmt einen 18-jährigen, ambitionierten Musikstudenten namens Chirú unter ihre Fittiche. Sie geht damit auf seine Bitte ein, ihm die wichtigen Dinge im Leben zu lehren: Die Kunst, die Literatur und die Liebe. In den kommenden intensiven Wochen entwickelt sich zwischen den beiden eine Anziehungskraft, die aber nicht sexueller Natur ist, sondern eher intellektueller Art und der sich beide nur schwer entziehen können oder mögen.
    Die Autorin nimmt den Leser auf die Reise einer Beziehung mit, die so lebendig, so bereichernd für beide ist.
    Ihre Sprache ist elegant, klug, sensibel und berührend. Jeder Satz ist eine Wohltat, dass ich ganze Passagen noch mal gelesen, ihren Sinn und Klang nachgespürt habe, einfach weil sie so verwöhnend waren.

    EMPFEHLUNG: Ja

    ____Diese und andere Rezensionen findet ihr auf meinem insta-blog https://www.instagram.com/books_on_blankets/ (@books_on_blankets). Freu mich euch da zu sehen! :)_____

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    Sigismunds avatar
    Sigismundvor einem Jahr
    Kurzmeinung: ANRÜHREND und BESINNLICH empfand ich diese 18 Lektionen über die Frage, wer uns prägt - Eltern, Lehrer, Partner? Ein Genuss war die Sprache.
    Anrührend und besinnlich

    ANRÜHREND und BESINNLICH fand ich das vor einer Woche bei Wagenbach als Hardcover neu veröffentlichte Buch "Chirú" der Italienerin Michela Murgia (44). Es ist kein Roman, sondern es sind achtzehn einem Handlungsstrang folgende Lektionen über die Frage "Wer macht uns zu dem, was wir sind?" Uns prägen, leiten und beeinflussen unterschiedliche Menschen - Eltern, Lehrer, Freunde, Partner. Murgias Buch beschreibt sehr sensibel die alltäglichen Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau, zwischen Alt und Jung und regt zum Nachdenken an, ohne sich mit einer Botschaft aufzudrängen. Besonders wohltuend empfand ich die wohlklingende Sprache des Buches, die wir im Deutschen natürlich der bereits preisgekrönten Übersetzerin Julika Brandestini zuverdanken haben. Es muss sprachlich wohl ein noch größerer Genuss sein, dieses Buch in seiner italienischen Originalfassung lesen zu können. "Chirú" ist unbestritten EMPFEHLENSWERT.

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    JulesBarroiss avatar
    JulesBarroisvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Michela Murgia liefert mit Chirú eine starke Geschichte von Begegnungen und Auseinandersetzungen, von Gewissheiten und Zweifel.
    Die Brüche der menschlichen Seele

    Chirú - Michela Murgia (Autorin), Julika Brandestini (Übersetzerin) 206 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach (10. März 2017), 20 €, ISBN-13: 978-3803132871

     

    Chirú ist ein Roman über die Geschichte der Beziehung zwischen Eleonora, einer versierten Theaterschauspielerin von achtunddreißig und Chirú, einem aufstrebenden und ambitionierten Geiger zwanzig Jahre jünger, dem Eleonora helfen will, eine Karriere zu starten.

    Zwischen ihnen entsteht sofort ein Vertrauensverhältnis, das über die herkömmliche Beziehung zwischen einem Lehrer und dem Lernenden hinausgeht. Es bleibt unklar, wer lehrt oder wer lernt und ob es angemessen ist, aus ihren Rollen etwas zu übertragen. „Ich habe Chirú an dem Geruch von Fäulnis erkannt, der aus seinem Inneren drang, derselbe Geruch wie bei mir.“ (Seite 7).

    Die Unterrichtsstunden finden nicht in den vier Wänden eines Klassenzimmers statt, sondern in der Altstadt von Cagliari, wenn sie Sandwiches und Pommes essen, beim Sprechen über Mozart und Da Ponte; in Cafés, in den Straßen und am Strand, wenn der Mistral weht. Die Lektionen werden fortgesetzt auf einer Tournee von Eleonora in Stockholm, Prag und Florenz; und es ist in der Stadt Florenz, wo ihre Geschichte eine neue Wendung nimmt.

    In 18 Lektionen erfahren wir nicht nur über die Beziehung zwischen Chirú und Eleonora, sondern Eleonora denkt zurück an ihre Kindheit, die Beziehung zu ihren Eltern, mit einem dominanten Vater, einer Mutter, die nicht Rebell sein konnte und einem Bruder, mit denen es keine Verständigung gab. Wir kehren zurück zu der Zeit, als sie selber eine Schülerin von Fabrizio war, der auch heute noch viele Jahre später, ihr Führer, ihr Mentor ist. Zusätzlich atmen wir in diesen „Unterrichtsstunden“ einen Hauch von Freiheit, aus dem neue Gedanken entstehen und wir lernen, Dinge aus einer Sicht zu sehen, die wir nicht kennen.

    Das große Thema des Romans ist ein universelles: wie und von wem lernen wir, uns von Einflüssen zu lösen und unseren persönlichen Einsichten unabhängig zu folgen? „Ich war ein fröhliches Kind, dessen Laune nur durch bestimmte Anlässe getrübt wurde. Anders als der Rest meiner Familie verstand ich bereits mit acht Jahren, mich alleine glücklich zu machen, und mit achtunddreißig setzte ich jeden Tag alles daran, mir diese Autarkie des Herzens zu bewahren, ohne dies als Einsamkeit zu bezeichnen.“ (Seite 110) Oder täuschen wir uns, wenn wir glauben in der Lage zu sein, unsere Gefühle in ihrer Unberechenbarkeit steuern zu können?

    Es geht um zwei zentrale Elemente jedes Menschen: über Macht, über das Verhältnis zur Macht und über Machtverhältnisse. Und das zweite Element ist die Rolle der Geschlechter, die in der Kombination mit Macht einen besonderen Reiz entfaltet. „Die Mutter, die Geliebte und die Lehrerin bildeten eine symbolische Triade, die nicht einen ihrer Bestandteile verlieren durfte. Die ersten beiden hielten sich gegenseitig im Zaum, und die dritte erinnerte die beiden anderen daran, dass das Privileg dieser Spannung nicht ewig fortdauern würde.“ (Seite 115)

    Die beiden Protagonisten stellen dar, was wir nicht sind, sondern zeigen das Streben, was wir gerne werden wollen. Und wir sehen, dass die Grenzen zwischen Realität und Fantasie viel schwächer und durchlässiger sind, als den meisten Menschen bewusst ist.

    Michaela Murgia schreibt einen faszinierenden Stil, schnörkellos, lebendig und scharf, manchmal roh. Die Autorin schafft es, den Leser mit auf die Reise zu nehmen, authentisch und spannend. Bemerkenswert ist die Fähigkeit von Michela Murgia den Gefühlen Wort zu geben, die Schatten  der Seele und ihre psychologische Falten in dieser ungewöhnlichen Beziehung zwischen einem Schüler und Lehrer auszuleuchtet. Jeder Satz kriecht in verborgene Bereiche der menschlichen Seele. Ein Stil der den Leser fordert, und ihn gleichzeitig verwöhnt. „Whisky, der in einem Glas schwappte und sein unverwechselbares Aroma von gelöschtem Feuer verbreitet.“ (Seite 113) Allein schon wegen des ästhetischen Genusses solcher Sätze und Vergleiche lohnt sich das Buch.

    Michela Murgia liefert mit Chirú eine starke Geschichte von Begegnungen und Auseinandersetzungen, von Gewissheiten und Zweifel.

    Ganz einfach: ein ausgesprochenes Lese- und Denkvergnügen.

     

    Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

    https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1104-chiru.html

    Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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    Bernadette35s avatar
    Bernadette35vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Schön geschrieben, obwohl sich mir die Hauptfigur (was genau unterrichtet sie und warum?) nicht so richtig erschließt
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    marieliliths avatar
    marielilithvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Toll!!!!! Ganz große Empfehlung!
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    Murmeltierchens avatar
    Murmeltierchenvor einem Jahr

    Gespräche aus der Community zum Buch

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