Das Buch konnte mich vom Cover her direkt packen. Die Bewerbungsrunde für die Leserunde allein war bereits überzeugend. Die wunderschöne, digitale Karte mit der Suchfunktion verspricht eine wirklich interessante Welt und man bekommt die Mühe und Gedanken des Autors hinter der Geschichte bereits zu spüren, ohne überhaupt eine Seite gelesen zu haben.
Man spürt den Aufbau aber auch gut innerhalb des Buches. Es beginnt eigentlich mitten in der Geschichte. Die Prinzessin ist bereits gefangen und eine Rebellion hat sich schon ein gutes stückweit zusammengefunden. Man bekommt aber den Kontext ein gutes stückweit zu spüren und findet sich auch so zurecht, ohne jemals die offizielle Vorgeschichte dazu gesehen zu haben. Es fühlt sich nicht an, als hätte man etwas verpasst, auch wenn eben vieles nur durch indirekte Erzählungen eingefügt wird, was von einem guten Schreibstil zeugt.
Es wurde sich dafür umso mehr Zeit genommen, die Leute dann innerhalb der Rebellion mehr Zeit mit den Leuten zu verbringen. Das liegt allein an mir, weil ich das Buch immer nur bei Gelegenheit gelesen habe, aber ich konnte wegen der langen Zeit, die ich brauchte und trotz den extrem vielen auch ruhiger eingebauten Kapiteln, die hauptsächlich den Alltag des Heeres zeigen, die meisten Leute nie wirklich auseinanderhalten. Sie wirkten mir auf den ersten Blick einfach zu ähnlich, weshalb mir die Namen auch nie hängenblieben. Im Gesamten ist es aber nicht weiter schlimm. Man kann dem Geschichtsstrang auch sehr gut folgen, ohne all die Nebenfiguren auseinanderzuhalten können.
Was wohl am meisten hervorstechen kann, sind Avas Kräfte. Die Idee mit Nadel und Faden Magie einspinnen zu können ist wirklich mehr als interessant und wurde jeweils gut beschrieben. Was mir gefehlt haben, sind die Grenzen dieser Magie. Ava konnte praktisch alles damit tun, unabhängig von Faden, Nadel oder Stoff. Sie kann Gefühle kontrollieren, Informationen aus der Gegnerseite herauslocken, heilen und umgekehrt auch krankmachen, und Angriffe direkt abwehren lassen. Am Ende wusste die Armee der Rebellen bereits alles über den kommenden Angriff, hatten die Leute auf ihrer Seite und die Gegner sogar eingeschlossen und das alles nur dank Ava und ihrer übermenschlichen Kräfte. Es war ein stückweit zu viel und es wäre interessant gewesen, Ava auch mal an ihre Grenzen kommen zu sehen, aber bis auf ein wenig Fatigue, ging es ihr immer bestens, obwohl sie gerade eine halbe Armee mit einer Schutzrüstung versorgt hat.
Im Gesamten ist es also ein Buch, welches besonders mit dem speziellen Magiesystem und der bildlichen Gestaltung der Welt gewinnen kann. Die Figuren sind etwas blasser, was mich aber nicht stört (für mich ist der Geschichtsstrang zentraler). Einzige Schwäche sind die unbegrenzten Kräfte, die manchmal auch als Deus-Ex-Machina gewirkt haben. Letztendlich ist es aber noch immer eine lohnenswerte Geschichte, die von mir vier Sterne bekommt.














