Michelle Halbheer

 4.3 Sterne bei 18 Bewertungen

Lebenslauf von Michelle Halbheer

Michelle Halbheer wuchs bei einer schwer drogenabhängigen Mutter auf, die Ende der Achtzigerjahre auf dem Zürcher Platzspitz verkehrte, der als »Needle Park« traurige internationale Berühmtheit erlangte. Ihre Kindheit überlebte die heute Dreißigjährige nur knapp. Mit ihrem Buch möchte sie auf das Schicksal der vergessenen Kinder aufmerksam machen, denn das Problem ist aktueller denn je: In Deutschland leben gegenwärtig vierzig- bis sechzigtausend Mädchen und Jungen in Familien, in denen zumindest ein Elternteil harte Drogen konsumiert. In der Schweiz spricht man von rund viertausend Kindern. Hilfe bekommen die wenigsten. Michelle Halbheer sagt: »Christiane F. wurde ihr Sohn weggenommen. Ein Glück, das viele andere Kinder nicht haben.«

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Michelle Halbheer

Cover des Buches Platzspitzbaby (ISBN: 9783037633045)

Platzspitzbaby

 (18)
Erschienen am 01.05.2015

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Rezension zu "Platzspitzbaby" von Michelle Halbheer

Eine erschütternde Erzählung
paperlovevor einem Jahr

Meine Rezension findet ihr auch auf:           https://mrspaperlove.blogspot.com 


"Platzspitzbaby" erzählt das Leben von Michelle Halbheer und wurde von der Journalistin Franziska K. Müller geschrieben. Das Buch ist bereits 2013 erschienen und erfuhr damals durch seinen tragischen Inhalt eine grosse Bekanntheit: Es geht um das Kind einer drogensüchtigen Mutter. Aktuell läuft eine gleichnamige Verfilmung des Buches im Kino, das die Erzählungen aber nicht 1:1 nacherzählt, aber lose auf Halbheers Erzählungen beruht. Und damit ist das Buch erneut in den Vordergrund gerückt und ich hatte endlich die Gelegenheit, es auch zu lesen.

Auf sehr eindrückliche, tragische Weise erzählt Michelle Halbheer, wie es für sie war, mit einer Mutter aufzuwachsen, die Heroin und Kokain konsumierte und ihrer Erziehungs- und Fürsorgepflicht nicht nachkommen konnte.
Die Geschichte beginnt mit dem Kennenlernen von Michelles Eltern, als ihre Mutter zum damaligen Zeitpunkt als Tänzerin in einer Table Dance Bar in Zürich gearbeitet hatte. Ihr Vater wollte sie aus diesem Umfeld befreien und kurze Zeit später wurde ihr Glück durch die Geburt von Michelle gekrönt. Die darauffolgenden ersten Jahre hat Michelle noch positiv in Erinnerung, doch als sie ungefähr fünf Jahre alt war, musste sie zusehen, wie sich das Wesen ihrer Mutter allmählich veränderte. Erst, als sie Zuhause die Kanüle einer Spritze gefunden und sie ihrem Vater mit einem fragenden Blick vorgelegt hatte, erfuhr die ganze Familie, was sie im Stillen schon lange vermutet hatten: Michelles Mutter war wieder den Drogen verfallen.

Die darauffolgenden Jahre waren von der Sucht geprägt. Michelle musste nicht nur zusehen, wie sich ihre Mutter mit den Drogen allmählich zugrunde richtete, sie erlebte auch immer wieder physische und emotionale Gewalt, bis sich ihre Eltern irgendwann trennten. Eigentlich hatte sie geplant, bei ihrem Vater zu leben, doch ihre Mutter hatte Michelle mit Suizid gedroht, falls sie sich für ihren Vater entscheiden würde. Und so blieb Michelle nichts anderes übrig, als bei ihrer drogensüchtigen Mutter zu bleiben - denn trotz der Drogen, liebte sie ihre Mutter über alles.
Nachdem Michelle mit ihrer Mutter alleine gelassen wurde, folgten weitere Jahre der Gewalt, des Drogenkonsums und der Vernachlässigung. Obwohl Michelle verwahrlost und ungepflegt in der Schule erschien und auch die Polizei immer wieder für Einsätze bei den Halbheers Zuhause erscheinen musste, schien sich niemand wirklich für das Schicksal des Kindes einer Drogensüchtigen zu kümmern; geschweige denn, sie aus diesem toxischen Umfeld zu befreien. Etwas, das Michelle den Behörden heute noch vorwirft - zurecht, wie ich finde.
Und genau das war auch die Botschaft, die Michelle Halbheer mit diesem Buch vermitteln will, denn es gab und gibt immer noch viele Kinder drogensüchtiger Eltern, die ein ähnliches Schicksal erleiden müssen, wie sie. Vernachlässigt von der eigenen Mutter, sich selbst überlassen und im Stich gelassen, von öffentlichen Behörden, die sich eigentlich um das Wohl von Kindern kümmern sollten. Obwohl das Elend auf dem Platzspitz als Drogenumschlagplatz öffentlich bekannt war, sprach niemand über die Kinder der Drogensüchtigen. Ein Fehler, der zukünftig vermieden werden soll. Michelle ist sich sicher, dass es ihr besser ergangen wäre, wenn sie damals fremdplatziert worden wäre. Doch stattdessen wurde sie als Mittel dazu verwendet, dass ihre Mutter dank ihrer Tochter nicht völlig mit ihrem Drogenkonsum abstürzen würde. Eine Verantwortung, die kein Kind für ihre Eltern tragen sollte.

Das Buch schildert sehr eindrücklich einige Stationen aus Michelle Halbheers Leben. Da ich selbst im Suchtbereich tätig bin, kenne ich bisher eher die Seite der Betroffenen - den süchtigen Eltern. Ich fand es deshalb sehr interessant, die andere Perspektive kennenzulernen. Und die ist leider sehr tragisch und erschütternd. Man merkt beim Lesen, welche Spuren diese Erfahrungen auf die inzwischen erwachsene Michelle hinterlassen haben. Hinter ihren Worten stecken viele Vorwürfe und viel Schmerz, ihrer Mutter und den untätigen Behörden gegenüber. Vermutlich wird sie dies alles niemals ganz loslassen können.

Der Schreibstil der Ghostwriterin ist sehr simpel gehalten und hat mich nicht vollends überzeugt. Es werden zwar immer wieder eindrückliche Szenen aus Michelles Leben geschildert, aber zwischen diesen Szenen bzw. Kapiteln gibt es teilweise grössere Zeitsprünge, die dazu geführt haben, dass die Erzählung stellenweise eher oberflächlich bleibt. Ich hätte mir gewünscht, dass das Buch emotional etwas mehr in die Tiefe gehen würde. Vielleicht wäre es einer anderen Autorin (noch) besser gelungen, den Schmerz und die Gefühle von Michelle Halbheer in Worte zu verpacken.

Fazit:
"Platzspitzbaby" erzählt die tragische Geschichte von Michelle Halbheer, die von einer drogensüchtigen Mutter aufgezogen wurde. Ihr Leben war nicht nur durch die Sucht, sondern auch durch physische und emotionale Gewalt geprägt gewesen - und das schlimmste daran ist, dass die Behörden jahrelang tatenlos zugesehen und nicht interveniert haben. Mit diesem Buch will Michelle den Kindern drogensüchtiger Eltern ein Gehör verschaffen und auf ein Missstand hinweisen, vor dem zukünftig nicht mehr die Augen verschlossen werden dürfen: Die negativen Folgen von drogensüchtigen Eltern auf ihre Kinder. Trotz einiger eindrücklicher Szenen, hat mich der Schreibstil der Ghostwriterin aber nicht vollends überzeugt und manchmal hatte ich das Gefühl, dass einige Szenen zu schnell abgehandelt wurden und mehr Tiefe verdient hätten. Dennoch ein wichtiges Buch, das mir noch länger in Erinnerung bleiben wird und von mir deshalb 4 Sterne erhält.

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Rezension zu "Platzspitzbaby" von Michelle Halbheer

Eine Kindheit im Drogensumpf der Mutter
Buecherwurm1973vor einem Jahr

Im 2014 war dieses Buch in der Schweiz in aller Munde, man kam nicht daran vorbei. Dennoch liess es mich kalt. Obwohl ich noch die grausamen Bilder vom Platzspitz und Letten vor Augen hatte. Für mich als Teenager wirkten die damals sowohl verstörend als auch ein abschreckendes Beispiel für die Drogensucht. Nun kam ein Film über den Platzspitz in die Kinos, der sich an diesem Buch anlehnt. Jetzt fühle mich bereit, mich mit dem Schicksal von Michelle Halbheer zu beschäftigen.

Michelle wuchs bis zu ihrem 5. Lebensjahr in einer intakten Familie auf. Aus unerklärlichen Gründen fällt ihre Mutter wieder in die Drogensucht. Ihr Vater und seine Mutter versuchen Michelle weiterhin einigermassen ein stabiles Familienumfeld zu bieten. Es kommt, wie es kommen musste, die Ehe zerbricht. Die Mutter droht ihrer Tochter, sich umzubringen, falls sie zu ihrem Vater zieht. Eigentlich war dies schon beschlossene Sache, aber Michelle hat Angst ihre Mutter zu verlieren und sagt dem Gericht, sie wolle bei der Mutter leben. Das wäre beinahe ihr Todesurteil geworden. Die Alimente gehen für Drogen drauf und das Mädchen ist chronisch unternährt. In der Oberstufe wird ihr endlich geholfen und sie wird bei der Schwester ihres Vaters untergebracht. Die Familie ist in einer Freikirche und Michelle passt sich an.

Es ist ein Skandal, dass Michelle so lange bei der Mutter leben musste. Die Behörden und Schule hätten viel früher eingreifen müssen. Die Behörden waren der Meinung, dass ein Kind eine Mutter dazu veranlassen kann, einen Drogenentzug zu machen und sich um das Kind kümmern zu wollen. Dieser Irrtum hat vielen Kindern von Süchtigen meist ebenfalls den Weg in den Drogensumpf geebnet. Wenn Michelle eines nicht wollte, enden wie ihre Mutter. Sie machte eine Lehre zur Dentalassistentin.

Es ist erschütternd, über Michelles Martyrium zu lesen. Mich stört die einfache Sprache nicht, aber die Distanz mit der die Autorin schreibt. Etwas mehr Empathie hätte dem Schreibstil gut getan.  

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Rezension zu "Platzspitzbaby" von Michelle Halbheer

Tatsache
Lenchivor einem Jahr

Bei diesem Buch handelt es sich um eine Biographie eines Kindes, das mit seiner drogensüchtigen Mutter aufwächst. Beginnend in Zürich, wo die Familie lebt, wird man mitgenommen in die Kinderjahre als auch auf dem Weg in das erwachsen werden der Protagonistin und ihrem Kampf gegen die Sucht ihrer Mutter und das Versagen von Behörden, Schulen und Ärzten. Michelle Halbheer schreckt nicht vor der Wahrheit zurück und manchmal musste ich fassungslos meinen Kopf schütteln als ich davon las, wie sehr ihre Bezugspersonen versagt haben. Ihre Mutter kämpft ihr Leben lang gegen die Drogen, besser gesagt, will dagegen gar nicht kämpfen und Michelle bleibt alleine und verlassen zurück. Ihre Kindheit ist traumatisch doch trotz allem versucht sie, das beste daraus zu machen. Der Vater ist zur Untätigkeit gezwungen und muss Michelle ihrem Schicksal überlassen.
Beeindruckend ist, wie Michelle selbst mit ihrer Vergangenheit umgeht und sich nicht auf ihrem Weg in ihre Zukunft beirren lässt. Als sie endlich Hilfe erfährt, ist diese nur von kurzer Dauer. Sie kommt in eine Familie, in der Religion groß geschrieben wird. Endlich der Drogenhölle entkommen, wird sie in das nächste Extrem geworfen und hat keine Chance, sich selbst zu finden. Erst im erwachsen werden gelingt ihr der Befreiungsschlag, doch trotzdem wird ihre Vergangenheit immer ihre Schatten auf sie werfen.
Schockierend im Buch ist die Untätigkeit der Behörden oder Schulen, die jahrelang sehr wohl mitbekommen haben, wie schlimm die Situation für Michelle war und doch nichts unternommen haben, um ihr zu helfen.
Ein Buch, das zum Nachdenken anregt!

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