Ein normales Leben hat Hana nie kennengelernt. Während ihre Mutter nachts in einer Snackbar arbeitet, ist die 17-jährige Schülerin meist sich selbst überlassen. Doch das ändert sich, als die ältere Kimiko sich ihrer annimmt. Die beiden eröffnen eine Bar und gründen kurz darauf eine Wohngemeinschaft mit zwei weiteren jungen Frauen. Hana fühlt sich zum ersten Mal richtig frei, doch als das Geld knapp wird, setzt sie alles daran, ihr neues Leben und ihre Wahlfamilie zu retten. Dabei gerät sie immer mehr auf die schiefe Bahn…
Mieko Kawakami beweist immer wieder, dass sie wahnsinnig gute Geschichten erzählen kann - so auch mit ihrem neuen Roman „Das gelbe Haus“, der sich als moralische Gratwanderung durch die Schatten der Gesellschaft entpuppt, bei der das Illegale schnell zu einer erschreckenden Normalität wird. Er besticht dabei durch seine emotionale Zurückhaltung und die ruhigen Töne, die trotzdem eine subtile Spannung und einen starken Sog entwickeln.
Feinsinnig und mit einer unvergleichlichen Präzision lässt Kawakami uns in die Gefühlswelt ihrer Protagonistin Hana eintauchen, mit all ihren Hoffnungen und Ängsten. Sie gibt uns zahlreiche Einblicke in deren Alltag, der von Armut und dem Wunsch nach Zugehörigkeit geprägt ist. Mit schlichten, aber dennoch tiefgreifenden Sätzen, die leise nachhallen, kreiert sie eine vielschichtige Figur, die einen Platz im Leben sucht und um jedes kleine Stückchen fragilen Glücks kämpft, das ihr zuteil wird.
Trotz kleinerer Längen konnte mich „Das gelbe Haus“ erzählerisch vollends überzeugen. Vielleicht bin ich auch etwas voreingenommen, weil ich diese unaufdringliche Art, Geschichten zu erzählen, die der japanischen Literatur innewohnt – und natürlich auch Mieko Kawakami – sehr schätze, aber was soll’s – ich fand das Buch richtig gut! Weil mich die Erlebnisse der Figuren, die am Rand der Gesellschaft um ein bisschen Sicherheit, Unabhängigkeit und Beständigkeit kämpfen, um sich ein Zuhause zu schaffen, tief berührt und zum nachdenken gebracht haben. Daher von mir eine klare und deutliche Leseempfehlung.





















