Mieze Medusa

 3,9 Sterne bei 23 Bewertungen

Lebenslauf

Mieze Medusa, geboren 1975, heißt im bürgerlichen Leben Doris Mitterbacher und lebt in Wien. Sie steht als Rapperin und Spoken-Word-Performerin seit 2002 auf internationalen Bühnen und hat ihren MC-Namen in die Prosa mitgenommen. Ihr Debütroman „Freischnorcheln“ erschien 2008, seitdem hat sie Prosatexte, aber auch Sammlungen von Poetry-Slam-Texten und Tonträger des Hip-Hop-Duos „mieze medusa & tenderboy“ publiziert sowie Theaterarbeiten und musikalischexperimentelle Projekte realisiert. Zuletzt erschienen: „Du bist dran“ (2021), „Was über Frauen geredet wird“ (2022) und "Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich es genauso gemacht" (2025).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Mieze Medusa

Cover des Buches Du bist dran (ISBN: 9783701717293)

Du bist dran

(6)
Erschienen am 26.01.2021
Cover des Buches Was über Frauen geredet wird (ISBN: 9783701717606)

Was über Frauen geredet wird

(3)
Erschienen am 13.09.2022
Cover des Buches Mia Messer (ISBN: 9783852862460)

Mia Messer

(2)
Erschienen am 16.05.2013
Cover des Buches Mundpropaganda (ISBN: 9783852862040)

Mundpropaganda

(2)
Erschienen am 29.03.2011
Cover des Buches Freischnorcheln (ISBN: 9783902950581)

Freischnorcheln

(1)
Erschienen am 07.10.2015

Neue Rezensionen zu Mieze Medusa

Rhythmisch, rasant, politisch, sehnsuchtsvoll. Sich verlieren und wiederfinden.


Wien kocht. Wien gart. Wien ist ein Hitzetiegelschmelztopf. Hochsommer. Melanie zerfließt. Vor Hitze, vor Sehnsucht. Gefühle hat sie genug. Eine gute Portion Wut. Auf ihren Ex-Lebenspartner Vincent, der die gemeinsame Tochter Adele mit nach Neuseeland genommen hat. Auf die soziale Ungerechtigkeit. Auf Adele. Manchmal. Auf die Selbstgerechten. Auf die Machos. Auf sich selbst. 


Melanie liebt. Sie liebt ihre Tochter über die Weltkugel hinweg und checkt stündlich das Handy nach Nachrichten. Sie liebt ihren Job im feministischen Hotel, der sie über die Runden bringt, sie liebt die Alm ihres Cousins Theo, sie liebt ihre Mutter, die in Spanien lebt und sie liebt es, sie selbst zu sein. Mit vergangenheit. Mit Geschichte. Mit allen Fehlern, die sie gemacht hat. Sie haben sie hier hin gebracht. Hätte sie es vorher gewusst, hätte sie es genauso gemacht.


Die Stadt ist eine Landkarte aus Inseln. Sam und Ines, ihre Herzensfreundinnen. Selina, die Kollegin, der Raff. Die Chefin. Und dann ist da alles, was nicht Stadt ist. Die Alm. Die Tante Renate. Schon wieder die Erinnerung. Denn Melanie ist mehr. Sie fragt nicht laut aber leise. 


Mieze Medusa rauscht durch die Sprache, erfindet Worte, malt Bilder, Farben, Hitze, Licht, Gefühle, Musik. Die Figuren haben Humor, Scharfsinn, Tief- und Weitblick, wenn sie die relevanten Fragen wälzen: wer die Welt regiert, wie der Wohlstand verteilt ist, was Stadtplanung antreibt, welche Grenzen digitale Kommunikation hat, und warum Freundschaft und Solidarität die Säulen unseres Daseins sind. 


Das ist Wien, das sind fröhliche Klischees, das ist Wiener Schmäh, das ist Kultur und Popkultur, das ist Sprachkultur und Wortgenuss und Großstadtwahn. Rhythmisch, laut, wild und frei.


Ich liebe das Tempo, die Worte, den Text. Mieze Medusa schreibt von unglaublichen Frauen, öffnet die Arme und strotzt nur so vor Empathie. Für alles, was das Leben ausmacht. Seine Widersprüche, seine Schönheit, die Trauer, die Wut, die Liebe, den Mut. 


Randvoll mit Leben

Ja klar, was den Titel des Buches betrifft: Kann doch jede/r sagen! Aber: Im Prinzip ist es doch genau umgekehrt, oder wie? Wenn man so schlau wie heute wäre, hätte man doch damals alles anders gemacht, oder? So oder anders könnte man erste Abwehrreaktionen formulieren.

Wie auch immer, immerhin macht diese Fragestellung neugierig, und bildet die Grundlage einer ersten große Spannungskurve in Mieze Medusas neuestem Roman. Wie mag wohl Hauptperson Melanie zu dieser recht unpopulären Einsicht gekommen sein?

Das ist spannend, vorausgesetzt man lässt sich voll und ganz auf eine sehr private Lebensgeschichte ein. Melanie befindet sich nach der Trennung von Vincent, als seine zweite Ex, sozusagen in einem freien, aber doch irgendwie kontrollierten Fall. Schauplatz: Wien.

Dieser wird zu einem nicht unerheblichen Teil durch die besten Freundinnen Sam und Ines aufgefangen, ohne die sich Melanie ein Leben nicht mehr vorstellen kann. Sie selbst gestaltet sich ihren neuen Lebensabschnitt auch nicht ganz unkreativ. Hier spielen der neue Job in einem unkonventionellen Hotel, eine Bekanntschaft namens "The Raff", sowie Cousin Theo und seine "Alm" jeweils spannende Rollen.

Noch spannender ist aber die Art und Weise, wie die in Wien lebende Autorin diese Geschichte aufs Papier bringt. Sie erzählt sehr gerne, viel und ebenso ausführlich, was die Gefahr von Langatmigkeit birgt. Könnte man jedenfalls (fälschlicherweise) meinen.

Gewisse Längen gibt es tatsächlich, doch man genießt auch diese, da Mieze Medusa diese außerordentlich unterhaltsam zu gestalten weiß, egal ob es sich um eine Fahrt mit der U-Bahn handelt, Baden auf der Donauinsel, rustikale Arbeiten in Theos Waldbestand, die Folgen einer unüberlegten SMS oder wie es nach einem "Doggystyle" weitergeht.

Ferner arbeitet sie mit sehr starken Sprachbildern, welche die Charakterisierungen von Haupt- und Nebendarsteller/innen zu einem Lesevergnügen der besonderen Art gestaltet, und schon mal ein ganzes Kapitel ausfüllen können.

Aber auch in der Kürze trifft es die Autorin, am Beispiel von Vincents "Hausmanagerin", Frau Katharina, auf den Punkt:

"Sie behandelte Melanie auf die Art höflich, wie Menschen mit Manieren Luft behandeln, die einen zu starken Geruch hat, um sie völlig zu ignorieren."

Der Reichtum an Metaphern kommt natürlich auch der Gegend rund um Wien, als auch und besonders der Stadt selbst, zugute, was übrigens kein Reiseführer auch nur annähernd auszudrücken vermag:

"In Österreich muss man nicht präzisieren, was gemeint ist, wenn man von der Stadt spricht. Es gibt nur eine."

Selbst einem besonderen Licht schenkt sie eine Sprache:

"Schau mich an. Denk an nichts anderes. Ich bin allumfassend, ich bin da... ich bin ein Himmel, schau hoch zu mir."

Schweigen kann eine enorme "Lautstärke" besitzen, eine Götterdämmerung kann man "inhalieren", eine Person kann aussehen "wie Urlaub am Meer", oder Sehnsucht kann "Tsunamistärke" erreichen.

Nach diesen Passagen kommt man jeweils zunächst nicht weiter. Das sind Zeilen, die zum Verweilen einladen. Den Moment genießen, bevor er allzu schnell wieder weiterzieht.

Melanies Tochter ist mit ihrem Vater und dessen neuer Partnerin nach Neuseeland gezogen. Auf Unterhaltszahlungen hat Melanie verzichtet. Man traf eine eher umgekehrte Regelung. Die Auswirkungen der Trennung spielen die zweite Geige, die räumliche Trennung von ihrer Tochter die erste.

"Weiter weg als Neuseeland geht nur, wenn man den Planeten verlässt."

Dieses Buch zu verlassen, ist ebenfalls schwierig. Das Wechselspiel zwischen unendlich viel Zwischenmenschlichem, aber auch Grundsätzlichem öffnet neue Horizonte. Am Ende ist es so, als ob man die eine oder andere Person irgendwoher zu kennen scheint. Und übrigens: Auch die Wahl des Titels ist jetzt stimmig.

Dickes Buch, kleiner Schriftgrad (Lesebrillen, wenn nötig", aktualisieren), randvoll mit Leben, keine Längen, keine Langweile, und Männer nur als Randnotizen, denn Melanies Befindlichkeiten und ihr Lebensweg, sowie der ihrer Begleiterinnen, sind spannender.

Keine riesigen Plottwists, kein Drama deluxe, aber dafür so viel Atmosphäre, Wärme und Lebensnähe,

Melanie lebt nicht das perfekte Insta-Life (nicht mehr),  eher das Gegenteil: alleinerziehend ohne Kind (Adele ist in Neuseeland!), pleite, Ex-Frau Nummer zwei. Aber sie hält sich über Wasser, mit Humor, viel Herz und einem feministischen Hotel, das mehr Zuhause ist als Arbeitsplatz. Ihre Freundinnen? Goldwert. Und wenn alles zu viel wird, gibt’s da noch ihren Cousin, ein in die Jahre gekommener Surfer-Dude mit einer Alm, die wie ein kleiner Reset-Knopf funktioniert.

Mieze Medusa nimmt uns mit in ein Leben, das unperfekt, wild und wackelig ist, aber genau deshalb so lebendig.


Das Buch fühlte sich an wie ein Kaffee mit einer langjährigen Freundin. So einer, bei dem man sich sofort verstanden fühlt, auch wenn man sich ewig nicht gesehen hat. Melanie ist chaotisch, nicht immer logisch, aber sowas von echt. Ihre Sehnsucht nach Tochter Adele, die einmal um den Globus entfernt ist (geht es denn noch weiter?), tat beim Lesen richtig weh. Ich habe sie sofort ins Herz geschlossen, genauso wie ihre beiden Seelenfreundinnen Sam und Irene.


Die Szenen im Hotel Adele? Fast ein bisschen heimelig für mich. Ich war gedanklich sofort wieder mittendrin in meinen eigenen 15 Jahren Hotellerie und wenn wieder Hotellerie, dann so ein Hotel. Ganz toll beschrieben und speziell. Liebs. Und das Setting in Wien? Perfekt. Urban, manchmal schroff, manchmal charmant. Eben wie Melanie selbst.


Keine riesigen Plottwists, kein Drama deluxe, aber dafür so viel Atmosphäre, Wärme und Lebensnähe, dass man sich einfach fallen lassen kann in dieser kleinen großen Geschichte.



Eine Alltagsheldinnen-Story mit Herz, Humor und einer Portion Wiener Charme. Für alle, die das Leben feiern wollen auch (oder gerade), wenn’s mal schiefgeht.


"Manchmal ist Scheitern einfach nur eine andere Form von Mut." 💛

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