Mikael Niemi

 3,9 Sterne bei 379 Bewertungen
Autor von Populärmusik aus Vittula, Die Flutwelle und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Mikael Niemi

Mikael Niemi wurde 1959 geboren und wuchs im hohen Norden Schwedens in Pajala auf. Dort lebt er heute noch. 2000 erschien sein Debütroman "Populärmusik aus Vittula". Er konnte damit einen großen Erfolg feiern. Das Buch stand monatelang auf Platz 1 der Bestsellerliste, verkaufte sich über eine Million mal, wurde in 24 Sprachen übersetzt und ebenso erfolgreich verfilmt.

Alle Bücher von Mikael Niemi

Cover des Buches Populärmusik aus Vittula (ISBN: 9783442738915)

Populärmusik aus Vittula

 (222)
Erschienen am 29.09.2008
Cover des Buches Die Flutwelle (ISBN: 9783442749928)

Die Flutwelle

 (45)
Erschienen am 12.10.2015
Cover des Buches Der Mann, der starb wie ein Lachs (ISBN: 9783641157494)

Der Mann, der starb wie ein Lachs

 (41)
Erschienen am 27.11.2014
Cover des Buches Das Loch in der Schwarte (ISBN: 9783641160005)

Das Loch in der Schwarte

 (34)
Erschienen am 24.11.2014
Cover des Buches Erschieß die Apfelsine (ISBN: 9783442753024)

Erschieß die Apfelsine

 (27)
Erschienen am 09.06.2011
Cover des Buches Wie man einen Bären kocht (ISBN: 9783442771400)

Wie man einen Bären kocht

 (3)
Erscheint am 11.10.2021
Cover des Buches Wie man einen Bären kocht: Roman (ISBN: B07ZTFZXM4)

Wie man einen Bären kocht: Roman

 (0)
Erschienen am 16.03.2020
Cover des Buches Die Flutwelle (ISBN: 9783836807432)

Die Flutwelle

 (4)
Erschienen am 01.04.2014

Neue Rezensionen zu Mikael Niemi

Cover des Buches Populärmusik aus Vittula (ISBN: 9783442738915)Katfryys avatar

Rezension zu "Populärmusik aus Vittula" von Mikael Niemi

Die geniale Erfindung der Luftgitarre
Katfryyvor einem Monat


 

Es ist ja nicht immer leicht, ins Erzählen zu kommen. Manchmal muss man sich vorher ein bisschen warm machen. Mikael Niemis Erzähler lockert seine Zunge so: Auf dem Gipfel eine Himalaya-Fünftausenders küsst er eine tibetanische Gebetsplatte, Lippen und Zunge frieren am Metall fest, er pinkelt in seinen Trinkbecher, schüttet das warme Zeug über den Mund und sagt: „Ich habe mich freigepisst.“ Was für ein herrlicher Auftakt! Es ist schon fast zwanzig Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe, aber es ist immer noch total präsent. Mit Büchern ist es wie mit Menschen. Manche Begegnungen vergisst Du schon nach ein paar Tagen wieder, an andere erinnerst Du Dich ein Leben lang. Aber warum bloß? Eigentlich ist fast alles in dem Roman fremd und weit weg: Ein winziges Kaff im nördlichsten Norden Schwedens, direkt an der Grenze zu Finnland, zwei Jungs, Sechzigerjahre. Hier erleben wir ihn in voller Gestalt: Den Arsch der Welt. Es gibt kaum Radio, kein Fernsehen, das nächste Dorf ist weit entfernt und im Winter geht sowieso gar nichts. Die Menschen dort schließen Wetten darauf ab, wer´s am längsten besoffen in der Dampfsauna aushält. In dieser öden Umgebung haben Matti und sein Freund Niila ein Erweckungserlebnis. Sie hören eine Schallplatte von den Beatles, eine Single. Und das beschreibt Matti so: 

 

„Ein Pulverfass explodierte und sprengte das Zimmer. Der Sauerstoff ging zur Neige, wir wurden gegen die Wand gepresst, während sich die Kammer in rasender Fahrt drehte. Wir klebten wie die Briefmarken fest, das Blut wurde uns ins Herz gepresst, sammelte sich in einem darmroten Klumpen, bevor alles kehrt machte in die andere Richtung sprang, bis in die Finger und Zehenspitzen, rote Speerspuren von Blut im ganzen Körper, bis wir wie die Fische nach Luft schnappten. Nach einer Ewigkeit hielt der Wirbel an. Die Luft sauste durch das Schlüsselloch wieder davon, und wir fielen als kleine, feuchte Häufchen auf den Boden. Rock ´n´roll music. Beatles.“

 

Danach sind sie infiziert – (upps, sorry für das böse Wort in Zeiten der Pandemie). Matti und Niila wollen Musik machen. Erstmal üben sie in der Garage. Allerdings ohne Instrumente. Die Erfindung der Luftgitarre wäre auch ein guter Titel. Diese Szene mit der Beatles-Platte ist nur eine von so vielen unglaublich lebensvollen, intensiven Momenten. Wer kennt das nicht: Von Musik mit voller Wucht gegen die Wand geschleudert zu werden. Mir ging´s mit Smells like teen spirit so. Wer Etiketten mag, würde auf den Roman wohl Coming-of-age kleben. Ja, es geht auch um erste Liebe, ums Aufwachsen in psychopathischen Scheißfamilien und Ablösung vom Elternhaus. Die beste Metapher für die Pubertät habe ich in diesem Buch gefunden, es gibt da eine überraschend surreale Stelle: Ein Junge, (ich weiß nicht mehr genau, ob das Matti sein soll), klettert als Kind in eine Art Eisenofen hinein, verbringt dort Jahre und kommt dann als Erwachsener wieder heraus. Wer öfter mit Pubertierenden zu tun hat, der kann also erleichtert sein. Stellt Euch einfach vor, die sind eigentlich gar nicht hier. Die befinden sich ein einem abgeschlossenen Eisenofen. Und dann irgendwann. Ganz plötzlich. Da kommen sie heraus. Vernünftig, geläutert, alle Schrauben festgezogen, alle Tassen wieder im Schrank. Aber der Roman ist viel mehr als Comming-of-age. Es geht auch um diese fantastische Landschaft, das Einfrieren und das Abtauen. Sehr, sehr poetisch. Guckt nicht den Film! Lest das Buch! Bitte!

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Cover des Buches Wie man einen Bären kocht (ISBN: 9783442758005)Leselampe_s avatar

Rezension zu "Wie man einen Bären kocht" von Mikael Niemi

Eine historische Kriminalgeschichte
Leselampe_vor 4 Monaten

Kengis, Nordschweden, im Sommer 1852. 

Der Samenjunge Jussi wird von einem naturwissenschaftlich interessierten Probst im Straßengraben aufgefunden. Vor seiner alkoholkranken und ihn misshandelnden Familie entflohen, lernt er als Findelkind des Probsts fortan das Lesen und Schreiben, aber auch viel über die Botanik und die spirituelle Erweckungsbewegung im Schweden des 19. Jahrhunderts. Doch dann verschwindet ein Mädchen und wird im Moor tot aufgefunden. Der Landjäger sieht den Übeltäter in einem Bären, denn es gibt Spuren, die das bezeugen. Er stellt eine enorme Geldsumme als Belohnung für den Tod des Bären in Aussicht, doch Jussi und der Probst zweifeln an der Fähigkeit des Landjägers und begeben sich auf eigene Spurensuche. Eine akribische Suche nach Beweisen im Anfangsstadium der Forensik beginnt. Schon bald gibt es jedoch einen neuen Mordfall, doch das Fell des wütenden Bären ist längst abgezogen - war der Täter also doch ein Mensch? 

Schnell fällt der Verdacht auf den "Schamanenbengel" Jussi. Jussi, der Erzähler im Buch, ist ein mittelloser, gemiedener Außenseiter in einer samenfeindlichen, misstrauischen Gesellschaft, wo fortan in jedem Schatten das Böse vermutet wird. Das Buch ist überwiegend geschrieben aus seiner Sicht, in einer langsamen Sprache, die Geschichte entwickelt sich wirklich in Zeitlupentempo. Finde ich persönlich nicht schlimm, aber wer hier einen spannenden Schweden-Krimi erwartet, wird unglücklich mit dem Buch sein. Es hat eine Weile gebraucht, bis mich die Geschichte gepackt hat, aber dennoch war es interessant und gegen Ende hin doch noch recht spannend und überraschend zu lesen. 

Eine historische Detektivgeschichte, die aber auch viel Theologisches, kulturelle Konflikte und Unterdrückung anspricht.

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Cover des Buches Wie man einen Bären kocht (ISBN: 9783442758005)bootedkats avatar

Rezension zu "Wie man einen Bären kocht" von Mikael Niemi

Der Bär, der keiner ist
bootedkatvor einem Jahr

In Kengis in Nordschweden geht es 1852 auf Bärenjagd. Die reißende Bestie, so glaubt man, habe eine junge Frau angegriffen und getötet. Kurz darauf wird eine weitere junge Frau angegriffen und weist die gleichen Verletzungen auf. Unter anderem Würgemale am Hals. Noch bevor sie bestätigen kann, dass dies kein Bär, sondern ein Mann getan hat, sind der vielseitig gebildete protestantische Geistliche Laestadius und sein samischer Ziehsohn Jussi auf der richtigen Spur und haben sogar bereits einen Verdacht. Laestadius wird im Dorf jedoch kritisch, mitunter auch misstrauisch, beäugt und hat es alles andere als einfach, seinen Verdacht zu Gehör zu bringen.

Mit „Wie man einen Bären kocht“ hat Mikael Niemi einen unglaublich vielschichtigen Roman geschrieben, der die damalige Zeit in vielen verschiedenen Nuancen abbildet. Sowohl die Konflikte zwischen den Schweden, den Finnen und den Samen werden deutlich, als auch die Skepsis gegenüber dem Protestantismus. Hinzu kommt die Autoritätsgläubigkeit der einfachen Landbevölkerung gegenüber dem Landjäger Brahe, die aus Unsicherheit und auch aus Unwissen heraus entsteht. Während Brahe allerdings nur sieht, was er sehen will und es sich damit einfach macht, geht Laestadius deutlich offener an seine Ermittlungen.

Die Geschichte bewegt sich zwischen Erzählung, historischem Roman und Krimi und wird aus der Sicht des samischen jungen Manns Jussi erzählt. Jussi ist als Kind aus einem Elternhaus geflohen, in dem Alkohol, Vernachlässigung und Gewalt an der Tagesordnung waren. Da seine Herkunft für die Dorfbewohner unklar ist und er zudem den Samen angehört, ist er innerhalb der Dorfgemeinschaft eher ein Außenseiter. Für die Geschichte selbst, ist dies jedoch von Vorteil, da er außer zu Laestadius zu niemandem gehört. Das Auftreten der beiden erinnert an einen Kommissar und seinen Assistenten, obwohl beide keine Polizisten sind. Dennoch bemühen sie sich um Aufklärung, des Falls und geistige. Zusammen mit den Konflikten innerhalb des Dorfes spinnt Mikael Niemi so eine Geschichte, die auch über die Haupthandlung hinaus einiges zu bieten hat.

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