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MattisLundqvists avatar

Rezension zu "Wie werde ich ein guter Diktator?" von Mikal Hem

Lustige Unterhaltung mit kleineren Schwächen
MattisLundqvistvor 7 Monaten

Sehr nette Unterhaltung. Hinten raus verliert es ein wenig Luft; es scheint, als ob die zweite Hälfte des Buches dafür da ist, einen "Grund" zu haben über ein paar Diktatoren zu schreiben, anstatt wie MAN SELBST ein guter Diktator wird.


Gut unterhalten wurde ich allemal und man lernt durchaus einiges darüber, was einen Diktator ausmacht, der sich lange an der Macht halten kann - was anscheinend überhaupt nicht trivial ist.

Warum "nur" 3 Sterne? Weil das Buch ab der Hälfte den Faden verliert und weniger am Beispiel von Diktatoren das "wie" aufzeigt, sondern nur noch einfach die Spleens von diesen vorstellt. In der Schule würde man ab der Stelle sagen "Thema verfehlt".

Insgesamt dennoch sehr lustige Unterhaltung. Am Grabbeltisch auf jeden Fall zugreifen - zum Vollpreis bin ich mir unschlüssig. 

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artonymuss avatar

Rezension zu "Wie werde ich ein guter Diktator?" von Mikal Hem

Lustiges Buch mit ernstem Hintergrund
artonymusvor 4 Jahren

Was aussieht wie ein lustiges Buch für zwischendurch, entpuppt sich als vollwertiger Geschichtsunterricht zu allen gängigen und vergangenen Diktatoren oder absolutistischen Monarchen.

Auf 188 Seiten und zehn übersichtlichen Kapiteln erklärt der Autor ausführlich, worauf ein guter Möchtegerndiktator achten muss. Die eigentliche Lektion an sich ist recht kurz gehalten, denn der Großteil der Kapitel ist mit Beispielen von Diktaturen aus aller Welt gefüllt. Dabei zeigt sich auch, dass hinter dem lustigen Titel und Aufmacher viel mehr als nur reiner Spaß steckt.

Der Schreibstil ist locker gehalten und mit viel Witz gefüllt. Abgerundet wird das Ganze mit zwei Dutzend Bilder zu den verschiedensten Diktaturen und ihren verrückten Erfindungen.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich noch nie so viel Spaß dabei hatte, etwas über Geschichte zu erfahren. Vor der Lektüre dieses Buches hatte ich keine Ahnung was ein „Ruhnama“ sein soll oder welche krassen Rituale in manchen afrikanischen Ländern abgehalten werden. Die Fakten scheinen gut recherchiert (was das Literaturverzeichnis am Ende auch beweist). Alles in allem kann ich die Lektüre nur empfehlen – eignet sich auch als last Minute Geburtstagsgeschenk!


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M

Rezension zu "Wie werde ich ein guter Diktator?" von Mikal Hem

Ein hintergründig ernstes Buch
michael_lehmann-papevor 4 Jahren

Ein hintergründig ernstes Buch

Das mag zunächst wie sehr humorvoll wirken, diese lockere Sprache in Verbindung mit der Erweckung der Vorstellungskraft, wie denn der eigene Weg auf die Position eines Diktators so zu bewerkstelligen wäre (inklusive einer klaren Hilfe, zunächst überhaupt mal einen geeigneten Ort dafür sich zu suchen, wo einem nicht gleich die Kalaschnikows Kugeln um die Ohren jagen).

Schritt für Schritt, vom Putsch über das „Einheiraten“ (mit fast mehr Gefahren versehen noch, als der Putsch) bis zur (hoffentlich, oder?) dauerhaften Sicherung der „Macht“ geht Hem mit dem Leser locker formuliert die einzelnen „Karriereschritte“ samt „Stolpersteinen“ durch.

Es winkt viel!
Gottähnliche Verehrung (wie an treffenden Beispielen im Buch verdeutlich wird), enorme Reichtümer, Frauen ohne Ende (wie Hem aufweist, weibliche Diktatoren sind nun wirklich sehr, sehr selten, für diese 2-3 wären dann, je nach Gusto, „Männer ohne Ende“ zur Verfügung).

Dazu gehört aber auch ein Mindestmaß an Selbstüberhebung, das muss klar sein.

Wer nicht seine (teils absurd kruden) Gedanken in (lauten!) Reden unters Volk bringt, gar in Buchform (Bücher, die die Welt eher nicht braucht) veröffentlicht (Pflichtlektüre natürlich im eigenen Machtbereich), wer nicht das dringende Bedürfnis hat, goldene Statuen der eigenen Person auf zentralen Plätzen aufzustellen (koste es, was es wolle) und wer bei einer Hochzeitsfeier unter einer Million Dollar ausgibt, der sollte sich dringend überlegen, ob das ein Beruf für einen wäre.

Hinter all den phantasievollen Vorstellungen aber bietet Mikal Hem einen beinharten, ernsten Kern.
Denn er erzählt frei weg von so gut wie allen Diktatoren der letzten 50 Jahre. In ihren skurrilen Eigenarten, die eben nicht in eine dafür passende, geschlossene Einrichtung überführt wurden, sondern ihrem Wahn und ihrer Hybris einfach freien Lauf ließen. Ohne jeden Selbstzweifel und auf Kosten von Millionen von Leben (zusammengerechnet).

Wenn dann noch „im Westen“ „heldenhafte Befreier“ gefeiert werden (wie jener, der in Ruanda den Völkermord bekämpfte), sich aber letztlich als genauso furchtbar herausstellen, wie andere zuvor, dann kann dem Leser schon mulmig werden.

Zudem bietet Hem in seiner unterhaltsamen Art intensive Einblicke z.B. in die Gedankenwelt in Nordkorea samt einer Aufarbeitung der Geschichte des Landes, die in den regulären Nachrichten so einfach keinen Platz finden, vieles an der kruden Haltung der Führung dort aber verständlich erläutern.

Wer bestens dargebotene Informationen über all das sucht, was eben nicht „Demokratie“ ist, was in Formen von Alleinherrschaft sich darstellt (auch wenn eine Gruppe an der Macht ist, über kurz oder lang wird schon einer „das Sagen“ übernehmen), der ist mit diesem Buch bestens bedient. Und erhält am Rande noch einen informativen Überblick über die konkrete jüngere Diktatoren-Geschichte weltweit.

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