Mike Croft

 3.5 Sterne bei 21 Bewertungen
Autor von Tief und Tief.

Alle Bücher von Mike Croft

Tief

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 (20)
Erschienen am 14.02.2012
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 (1)
Erschienen am 20.04.2011

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Stefan83s avatar

Rezension zu "Tief" von Mike Croft

Ein Schätzing "Light", der unterhält
Stefan83vor 7 Jahren

Wenn dem etwaigen Leser bei der Lektüre dieser Rezension ein leichtes Déjà-Vu-Gefühl beschleicht, so ist dies nicht verwunderlich, hat doch Kollege Michael Drewniok Mike Crofts Öko-Thriller „Tief“ bereits gewohnt umfassend auf der Phantastik-Couch besprochen. Der ein oder andere mag sich nun fragen: Bedarf es da überhaupt einer zweiten Beurteilung? Rein objektiv gesehen eigentlich nicht, zumal auch der jetzige Rezensent inhaltlich zu dem gleichen Ergebnis kommt. Insofern ist der vorliegende Text in erster Linie doppelte Werbung, welche jedoch „Tief“ wahrlich verdient hat, da der Roman nicht nur vortrefflich mit den Elementen des Genres jongliert, sondern auch sehr kurzweilig unterhält und dem „Schätzing“-Milieu langvermisste Leichtigkeit zurückbringt.

Das ein Pottwal strandet ist an sich schon ein seltenes Ereignis, leben diese Tiere doch in den Weiten der Tiefsee und meiden in der Regel die flacheren Küstengewässer. Wenn dies aber dann auch noch am Badestrand des südenglischen Seebads Brighton geschieht, so ist das mehr als ungewöhnlich, weshalb man unverzüglich nach Dr. Roderick, genannt „Roddy“, Ormond schickt. Der Direktor des Instituts für Meeressäugetiere in London und weltweit anerkannte Walfachmann soll das Tier so schnell wie möglich zurück in den Ärmelkanal befördern. Der exzentrische Ormond, bei dem die nach Informationen dürstende Journalistenmenge auf Granit beißt, tut jedoch erst einmal nichts dergleichen. Stattdessen nimmt er die Gelegenheit wahr, um den riesigen Meeressäuger näher zu untersuchen. Dabei entdeckt er Erstaunliches. Der Pottwal ist keineswegs gestrandet, sondern hat sich vielmehr mit voller Geschwindigkeit auf den Strand geworfen. Außerdem kennt Ormond das Tier. Vor vielen Jahren hat er dieses Exemplar namens „Blackfin“ vor Neufundland fotografiert. Ein Zufall?

Während Ormond gemeinsam mit seinem Kollegen Whitaker das Tier untersucht und alles für die Rückbeförderung ins Meer vorbereitet, gerät im Nordatlantik ein alter Frachter in Seenot. Der soll im SONAZ-Sperrgebiet (eine“ Special Operations No Access Zone“, die Großbritannien nach Ende des Zweiten Weltkriegs für experimentelle Tests mit Atomwaffen nutzte) einen Behälter unbekannter Herkunft versenken und sieht sich nun von ganzen Walherden attackiert. Auch Fischer der Gegend berichten vom merkwürdigen Verhalten des Meeressäuger und schrecklich deformierten Fischen in ihren Netzen. Was geht dort im Meer vor sich?

Als Ormond langsam die Vermutung kommt, dass die Wale die Menschen nicht angreifen, sondern ihnen etwas mitteilen wollen, scheint es beinahe zu spät. Und der gerettete Blackfin kehrt zurück – mit hunderten seiner Artgenossen und einer Warnung, die es zu entschlüsseln gilt – bevor es für Mensch und Tier zu spät ist.

Wer nach dieser gekürzten Inhaltsbeschreibung bereits ahnt, worauf das Ganze hinausläuft und in ihr gewisse Parallelen zu Schätzings dickem Schinken entdeckt, liegt einerseits wohl richtig, andererseits aber auch nicht ganz, denn „Tief“ bietet zwar wahrlich wenig Überraschendes in der insgesamt sehr simplen Handlung, verschont den Leser dafür aber mit ausuferndem Wissenschafts-Blabla. Croft nimmt sein Anliegen (das er eins hat, wird zwischen den Zeilen immer wieder ersichtlich) und seine Geschichte nicht ganz so ernst, und schippert einen Kurs, der den platten Mystery-Mainstream ebenso meidet, wie das Aneinanderreihen fachspezifischer Begriffsungeheuer. Unterhaltung ist hier nicht eine Verpackung, in der sich ein moralisches Mahnmal verbirgt, sondern Triebfeder des Plots. Ein Rezept, das funktioniert, da die in den Dialogen und den Handlungen der Figuren verborgenen Botschaften uns dennoch erreichen. Wenn daher „Glennkill“-Geplagte schon zu Beginn, der uns in die Gedankenwelt des Pottwals „Blackfin“ versetzt, die Segel streichen wollen, sollten diese dem Buch lieber noch etwas Zeit geben – denn es lohnt sich.

Trotz teils kruder Behauptungen oder dem doch sehr zusammengezimmerten Handlungsrahmen, weiß Mike Croft seine Effekte geschickt zu platzieren. Jedes Rad greift nahtlos ins andere, jedes Wort sitzt da wo es hingehört. Relativ schnell stellt sich ein rasanter Leserhythmus ein, der bis zum Ende hin keinerlei Unterbrechung erfährt. Dies liegt vor allem an Crofts erfrischendem Stil. Sein herrlicher, immer wieder zum Schmunzeln verführender, bitterer Sarkasmus passt erstaunlich gut zur eigentlich ernsten Geschichte, (Hier muss auch der treffsicheren Übersetzerin ein Lob ausgesprochen werden) die nur auf den ersten Blick fantastisch klingt und im Kern (leider) viel zu Nahe an der Realität ist. Vielleicht ist gerade deswegen die Auflösung, welche das seltsame Verhalten der Wale erklärt, dann auch so wenig überraschend. Durchaus möglich, dass hier die Realität die Fiktion bereits überholt hat. Zu dieser Erkenntnis lässt Croft uns aber selbst kommen. Den moralischen Zeigefinger spart er sich.

Gespart hat er allerdings auch bei der Besetzung seines Romans. Neben dem Held, der Freundin des Helden und dem Bösewicht führen die meisten anderen Personen (von der britischen Verteidigungsministerin Victoria Adlington hätte man gern mehr gesehen) nur ein Schattendasein, was der ohnehin sehr linearen Geschichte nicht immer gut bekommt. Die gelungene Zeichnung der Figuren macht diese zahlenmäßige Überschaubarkeit dann aber fast wieder wett. „Roddy“ Ormond ist ein liebenswerter Protagonist, dem man genauso gern über die Schulter guckt, wie dem zwielichtigen Tony Rattigan, dessen schizophrenes Handeln im Verlauf der Geschichte erschreckend glaubwürdig daherkommt.

Insgesamt präsentiert sich „Tief“ als äußerst unterhaltsamer und letztendlich auch glaubwürdiger „Schätzing-Light“, der gekonnt mit den üblichen Klischees spielt, ohne dabei zur reinen Komödie zu verkommen. Ein entdeckenswerter Roman vom Dumont-Verlag, der Lust auf mehr aus der Feder des schottischen Autoren macht.

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Rezension zu "Tief" von Mike Croft

Rezension zu "Tief" von Mike Croft
cvcoconutvor 7 Jahren

Das sollte ein Buch sein für sämtliche Umweltschützer und Umweltverschmutzer. Das ist ein Aufruf unsere natur sauber zu halten und es wird gezeigt was passiert wenn wir das nicht tun. Die Geschichte ist teils aus der Sicht der Wale geschrieben und wie sich die Verdreckung der Meere auf sie auswirkt. Sie versuchen den Menschen das auf ihre Art begreiflich zu machen. Das Buch ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber wer sich ein bißchen für Natur und Umwelt interessiert, dem werden etwas die Augen geöffnet.

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Rezension zu "Tief" von Mike Croft

Rezension zu "Tief" von Mike Croft
anushkavor 7 Jahren

Zu flach und zu moralisierend

Ein riesiger Pottwal strandet in England. Ein Killerwal in einem Meerespark benimmt sich merkwürdig. Roddy Ormond hat als Meeresbiologe dieser Tage viel zu tun. Als eine große Gruppe Wale auf die Strände zuschwimmt, wird er zum Leiter der Krisenkommission berufen. Doch nicht alle wollen, dass herauskommt, was die Wale den Menschen zu sagen haben.

Der Klappentext klingt nach einem spannenden Ökothriller á la "Der Schwarm". Allerdings konzentriert sich Mike Croft auf begrenzte Schauplätze und eine einzige Tierart. Das Interesse von Walfreunden und Fans der Verhaltensbiologie dürfte geweckt sein. Auch ich habe dieses Buch ohne zu zögern gekauft.
Leider wirkt es letztlich doch noch etwas unausgereift. Der Leser begleitet den Pottwal auch in die Tiefen des Meeres und hat an seinen Gedanken teil, was ich wenig überzeugend fand, da "Blackfin" meines Empfindens nach übermäßig vermenschlicht wurde, ohne Rücksicht darauf, dass es sich hier um eine gänzlich andere Spezies mit völlig anderen Lebenserfahrungen handelt. Auch die unterstellten Absichten und zielgerichteten Handlungen setzen ein extrem hohes Maß an kognitiver (menschlicher) Leistungsfähigkeit voraus, die ich wenig überzeugend fand. Die Einbindung der persönlichen Lebens- und Liebensgeschichten wirkte auch stark konstruiert. Und was mich immer wieder störte war, wie viele der Charaktere doch im Zeitalter von HD TV und Flatscreens noch einen schwarz-weiß Fernseher besitzen.

Insgesamt war der Ansatz dieses Buches gut, die Story an sich jedoch zu flach (bspw. war der Gegenspieler abgrundtief böse) und leider auch - eine Gefahr, die bei Ökothrillern immer besteht - zu moralisierend. Natürlich ist es wichtig, auf ökologische Katastrophen hinzuweisen und das Bewusstsein für Umweltschutz zu fördern, jedoch stört es mich beim Lesen, wenn so vordergründig moralisiert wird. Der Ansatz und die gewählte Thematik sind also interessant, es mangelte jedoch an der Umsetzung.

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