Miklós Bánffy

 4.5 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Die Schrift in Flammen, Verschwundene Schätze und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Miklós Bánffy

Miklós BánffyDie Schrift in Flammen
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Die Schrift in Flammen
Die Schrift in Flammen
 (6)
Erschienen am 01.06.2014
Miklós BánffyVerschwundene Schätze
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Verschwundene Schätze
Verschwundene Schätze
 (4)
Erschienen am 01.01.2015
Miklós BánffyIn Stücke gerissen
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In Stücke gerissen
In Stücke gerissen
 (1)
Erschienen am 09.12.2016

Neue Rezensionen zu Miklós Bánffy

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M

Rezension zu "Verschwundene Schätze" von Miklós Bánffy

Verschwundene Schätze von Miklos Banffy
Minoovor einem Jahr

In dem ersten Band der Trilogie betrachtet Miklos Banffy die ungarische Oberschicht. Die Gesellschaft an sich mit all ihren Intrigen, Bedürfnissen, Sehnsüchten und Charaktereigenschaften wurde sehr detailliert und ausführlich beschrieben. Erzählt wurde die Geschichte der beiden Grafen Balint und Laszlo (in etwa zu gleichen Teilen), deren Entwicklung und deren große Gefühle für zwei Frauen. Auch politische Einblicke gab es bereits. Die Stimmung des ersten Bandes war unbeschwerter. Es gab humorvolle Stellen, welche in diesem zweiten Band deutlich seltener vorkommen. Dass die Stimmung in den beschriebenen Jahren in Siebenbürgen eher düster und vorahnungsvoll ist, spiegelt sich in der Atmosphäre des Buches wider. Die politische Lage spitzt sich zu, der erste Weltkrieg steht bevor.

Im zweiten Band der Trilogie steht die Politik im Vordergrund. Alle Leser, die nicht oder nur wenig mit der Geschichte Siebenbürgens vertraut sind, sollten sich spätestens vor dem Lesen des zweiten Bandes noch ein paar Grundkenntnisse zulegen. Genauestens beschreibt Banffy die Politik der Ungarn zur damaligen Zeit. Ein gewisses Interesse ist also absolut notwendig. Die Hauptthemen des ersten Bandes geraten etwas in den Hintergrund. Zwar wird Balints Liebe zu Addy nach wie vor thematisiert, doch Laszlo kommt in diesem zweiten Band - zu meinem Bedauern! - kaum noch vor, war er doch in "Die Schrift in Flammen" mein Liebling. Die Geschichte geht voran. Genauer thematisiert wird in diesem Buch auch die Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau.

Der Schreibstil des Autors ist nach wie vor ein wahrer Genuss und erinnert stark an Tolsois Schreibe, mit welchem er auch des Öfteren verglichen wurde. 

"Im prasselnden Regen erreichten sie manche Tropfen, sie rollten ihr über das Gesicht hinab und bedeckten die Brillengläser. Doch nicht dies allein behinderte ihre Sicht. Ihre Tränen sammelten sich auch auf der Innenseite der gewölbten Gläser. Allmählich durchdrangen sie - es waren so viele - den fest anliegenden Rand der Brille und flossen ihr die Wangen hinab. Die Natur und die ihre Augen wetteiferten miteinander, so beweinten sie ihre Trauer." (S. 107)
Fazit: Keine Frage, dass es sich bei Banffys Werk um Weltliteratur handelt. Stilistisch sicher schafft er Atmosphären und schillernde Bilder im Kopf des Lesers wie kaum ein anderer. Sehr zu empfehlen, ein Interesse an der (ungarischen) Politik ist aber Grundvoraussetzung.

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Rezension zu "Die Schrift in Flammen" von Miklós Bánffy

Die Schrift in Flammen
Minoovor 2 Jahren

Zusammenfassend geht es in dem ersten Band der Siebenbürger-Trilogie von Miklos Banffy vor allem um Ungarns Geschichte, die damalige Politik und Gesellschaft, Intrigen und natürlich die Liebe.

Besonders genossen habe ich den ausschweifenden, eindringlichen Schreibstil. „Die Schrift in Flammen“ ist kein einfaches Werk und lässt sich nicht mühelos lesen. Doch selten lohnt sich die Mühe so sehr wie bei diesem Buch. Banffys Schreibstil ist wunderschön. Wie er die Menschen, die Natur, die Bälle und die Liebe beschreibt ist teilweise urkomisch, teilweise melancholisch und immer voller Leben. Natürlich muss man Gefallen, an seitenlangen (Natur-)Beschreibungen finden. Leser, die einen eher knappen Schreibstil bevorzugen, dürften sich hier langweilen und wenig Freude an dem Buch finden. Banffy selbst gehörte zum ungarischen Adel, was sicherlich zu der Authentizität der Geschichte und der Melancholie, mit welcher der Untergangs der Aristokratie beschrieben wurde, beitrug. Mit Ungarns Geschichte und Politik befasst sich der Autor sehr genau. Interesse an ebendieser sollte der Leser auf jeden Fall mitbringen. Als Laie fiel es mir schwer, den politischen Geschehnissen zu folgen, sodass ich während dem Lesen, Nachhilfe im Bereich der ungarischen Geschichte nahm. Alles konnte ich dennoch nicht ganz nachvollziehen, weshalb ich vor Band 2 auf jeden Fall noch einiges nachlesen möchte.

Das Buch ist in sechs ungefähr gleichgroße Kapitel unterteilt. Die Leben der Protagonisten Balint und Laszlo sind sehr unterschiedlich. Während Balint ein sehr geordnetes und zielstrebiges Leben führt, ist Laszlo der Träumer, der etwas planlos durchs Leben schreitet und sich letzten Endes durch seine Spielsucht in den Ruin treibt.

Gleich zu Beginn des Buches, wurden die Personen auf einem Ball vorgestellt. Mein erster Gedanke war, dass ich mir die Namen und deren Gesichter und Geschichten bestimmt nicht merken kann, das sicherlich aber auch nicht muss. Weit gefehlt. Trotz der ungewohnten Namen, konnte ich mir diese sehr gut einprägen. Dies war auch notwendig, da die Personen vom Anfang alle wieder vorkommen. Es ist nun mal ein geschlossener Kreis, in welchem sich die großen Familien des Landes bewegen.

"Beim Anblick seiner Stupsnase, des runden Gesichts und des mächtigen Schnurrbarts hätte man meinen können, er sei ein alter Kater, der irgendwo eine Wurst gestohlen hat."  (S. 338)
Die Charaktere zeichnete Banffy sehr detailreich und authentisch, sodass ich bei manchen Ekel empfand und mich auf andere freute. Manche verachtete ich zutiefst, anderen hätte ich gerne in ihrem Leid beigestanden. Besonders angetan war ich von dem groben und doch liebenswerten Nebencharakter Zakatas, dessen Bemerkungen ich immer mit einem Grinsen las.

"Ihr Rindviecher! Ein Gast kommt an, und mir sagt niemand etwas! Ich werde euch alle so durchprügeln, dass ihr bis zu eurem letzten Tag Krüppel bleibt! Wo bist du, mein Vögelein?" Breit fuchtelnd kam er zwischen den Fliederbüschen zum Vorschein, während er sich immer wieder brüllend zurückwandte: "Ihr Esel, ihr Schweine", um dann erneut lächelnd Balint zuzurufen: "Lieb, dass du gekommen bist, du machst mir wirklich große Freude!"  (S. 558/559)
Auch das Leben der Charaktere empfand ich als sehr spannend und authentisch. Der glamouröse Lebensstil der sich in Bällen und Pferderennen widerspiegelt, aber auch unterschiedliche Besuche, der Druck der Gesellschaft, die Lästereien und Intrigen habe ich unglaublich gerne gelesen. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz und in kaum einem Werk zuvor, habe ich so authentische und mitreißende Liebesgeschichten gelesen, wie in "Die Schrift in Flammen". Sowohl Balints Liebe zu Adrienne, als auch Laszlos Liebe zu Klara hat sich  mich zutiefst berührt und mitgerissen. Die Beschreibung, wie sich die Männer nach diesen Frauen sehnen ist unvergleichbar.
 
"So wortlos verblieben sie noch lange; der Mann starrte an die Decke, die Frau, das Kinn in die Hand gestützt, wandte den Blick nicht vom Gesicht des Freundes. Lage Zeit verharrten sie in der unendlichen Stille ihres nach Liebe riechenden Heims, wo doch jeder Winkel von ihren vielen wilden Umarmungen wusste." (S. 659)
Fazit: Die Mühe, die man beim Lesen aufbringen muss wird tausendfach belohnt. Dennoch sollte man Interesse an der ungarischen Geschichte sowie eine Vorliebe für den ausschweifenden Schreibstil mitbringen, um Banffys Meisterwerk wirklich genießen zu können.

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Rezension zu "Die Schrift in Flammen" von Miklós Bánffy

Tiefreichender Gesellschaftsroman
michael_lehmann-papevor 4 Jahren

Tiefreichender Gesellschaftsroman

1934 bereits ist dieser erste Band der Trilogie der „Siebenbürger Geschichten“ erschienen, die im Gesamtumgang episches Ausmaß erreichen (wie die gut 800 Seiten dieses ersten Benades bereits zeigen).

Geschichten, in denen Banffy den „Übergang der Welt“ in romanartiger Form zum Thema setzt. Die „Gesellschaft“ des niederen und hohen Adels kurz nach der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert hin (speziell in Ungarn in diesem Roman). Die Fragen individueller Freiheit, die in den Raum treten. Die „große Politik“ der „Reichsvergrößerung“, die Strategien und Intrigen auf kleiner, persönlicher und großer, politischer Ebene. Der allmähliche Niedergang der „alten Welt“, welche diesen kaum zu sehen vermag und noch weniger sehen will.

Eingebunden in Jagden, Bälle, Heiratsabsprachen, entspanntem Lebenslauf, ernsthaften Nachdenken über den Zustand der Welt und notwendige Veränderungen zur Verbesserung der Lage auch für den einfachen Mann.

Vielfache, innere Strömungen, die Banffy an seine Personen bindet, idealtypische Vertreter bestimmter Geisteshaltungen kreiert und in ein verflochtenes Beziehungsgeflecht versetzt.

Fürstin Agnes, noch eher niederer Adel, aber immer mit dem „Blick nach oben“, hin zum „Olymp“, den besten Rängen in Theater und Oper, wo die „Großen“ untereinander verweilen und strikt darauf achten, auch untereinander zu bleiben.

Eine „klassische“ Haltung verkörpert die Fürstin, die vieles in Bewegung setzt, für ihre Stieftochter eine bestmögliche Partie zu ergattern, um für sich selber den Aufstieg anzugehen.

Klara, die Stieftochter, durchaus noch im „alten Geist“ des Gehorsams erzogen.

„Sie zögerte ein wenig, doch unter der Last des auf sie gerichteten strengen Blickes widerlegte sie sich bereits in der Fortsetzung (des von ihr aufmüpfig angefangenen Satzes).

Und beugt sich, äußerlich, zunächst unter die „alte Haltung“ der Gräfin:
„Deshalb ist es notwendig, dass ich auch an deiner Stelle denke“. Ganz die „alte Schule“.

Doch ganz anderes steht im Raum. Klara liebt. Einen Tunichtgut. Dem Müßiggang und Spiel verschrieben, unterbrochen von hier und da einem Duell. Lazlo.
Und findet in sich Klarheit und Kraft, Bedingungen zu setzen. Für den, der auch sie liebt, aber noch „klassisch“ das Nichtstun voranstellt. Und gegenüber denen, die über sie bestimmen wollen. In Klara treffen sich alte und neue Welt, rigide Normen und individuelle Lebensgestaltungssehnsucht.

Während Graf Abady, ebenfalls Teil dieser Gesellschaft, gründlich nachdenkt. Über die Welt, in der er lebt, über den sinnlosen Flitter und Tand, der die Tage so angenehm verstreichen lassen würde und die sozialen Spannungen, die langsam, aber spürbar in den Raum treten.

Während auf höchster Ebene Anschlüsse betrieben werden sollen und die junge Adrienne erkennt, dass sie sich vielleicht schmerzlich lösen hat, um ihr Leben nicht zu zerstören.
Was wiederum den Grafen Abady mit einbeziehen wird.

Große und kleine Dramen, Spannungen, Reibungen, neue Gedanken und Beharren auf alten Vorstellungen bieten im Roman somit vielfältige Formen der Reibung an. Zeitenwenden im einzelnen Leben und im gesamten gesellschaftlichen Bereich, die Banffy detailliert aufnimmt und verfolgt.

In einer sehr eleganten und komplexen Sprache, die an Thomas Mann, Tolstoi oder auch an Stefan Zweig erinnert, dem modernen Leser aber auch als sehr, sehr langsam und breit vorkommen kann. Es braucht Geduld, die ruhigen Beschreibungen, die breiten Darstellungen der Protagonisten und das langsame Tempo der Entfaltung der Geschichte und der einzelnen Schicksale zu folgen. Manches mal auch viel Geduld, wenn sich Banffy in Kleinigkeiten fast verliert.

Insgesamt sehr gelungen setzt Banffy die „große Zeitenwende“ mit ihrem knirschenden Gebälk in Szene und bricht diese herunter auf seine Personen, die, jeder und jede, eine bestimmte Haltung, eine konkrete Stellung zur Welt der Jahrhundertwende einnehmen und diese damit in ihren vielfachen Veränderungen und Formen in ihrem Nährboden zum ersten Weltkrieg ist sehr griffig und präsent vor Augen führen. Mit Längen, allerdings.

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