Milan Kundera Die Unsterblichkeit

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Inhaltsangabe zu „Die Unsterblichkeit“ von Milan Kundera

In einem Fitness-Club über den Dächern von Paris sitzt Milan Kundera, Autor und Figur der Unsterblichkeit, und beobachtet, wie eine etwa sechzigjährige Frau Schwimmstunden nimmt. Zum Abschied winkt sie dem Schwimmlehrer noch einmal zu und macht dabei eine so graziöse Handbewegung, daß der Betrachter beschließt, diese Geste, die die ganze unerträgliche Leichtigkeit des Seins zu enthalten scheint, der Heldin seines Romans, Agnes, zum Geschenk zu machen.
Als würden auch wir auf diese Weise in den Roman gewunken: zu Agnes, der scheinbar Ätherischen, die ein erotisches Doppelleben führt; zu Laura, ihrer ein bißchen sentimentalen Schwester, die mit dem Journalisten Bernard nicht glücklich werden darf, weil dessen Geschwätz im Radio den Autor jeden Morgen zum Wahnsinn treibt; und zu Paul, der – auf seine Weise – bei den Schwestern seine Spuren hinterläßt. Darüber unterhalten sich auf höherer Ebene, im Jenseits: Goethe (in Pantoffeln, mit einer Sonnenblende am Stirnband) und Hemingway. Aber es gibt in diesem musikalischen Roman eben nicht nur die »große Unsterblichkeit« der Berühmten, sondern auch diese graziöse Handbewegung, die unvergessen bleibt: aufgehoben für alle Zeiten und unsterblich geworden in diesem Roman.

Ernsthaft. Meisterlich geschrieben. Anspruchsvoll. Paris.

— MichaelBeisteiner

sehr inspirierend, aber teilweise zu negativ für mich

— IsabellaMuhr

Meiner Meinung nach das Beste der Kundera Bücher.

— Winterblue

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  • Herrlich!

    Die Unsterblichkeit

    badische_lesenaerrin

    09. July 2016 um 23:23

    Die Unsterblichkeit von Milan Kundera. Dies ist mein erstes Buch,dass ich von ihm gelesen habe. Habe es von meiner Schwester zum Geburtstag bekommen. Ein Buch,dass so leicht und locker daherkommt und doch gleichzeitig zum Nachdenken anregt. Die Geschichten spielen in Paris und sind eine Mischung aus Autobiographie und essayische Geschichten. Autobiographie weil der Autor sich in dem Buch selber darstellt. In den essayischen Geschichten tauchen Personen auf wie Goethe oder Avenarius. Die Art wie er schreibt ist so fließend und locker,sodass der Leser auch wie mittendrin im Geschehen der Geschichten ist. Jedenfalls ging es mir so. Absolut empfehlenswert! Für alle, die gerne über das Leben nachdenken und philosophieren. Mich hat das Buch mit einem nachdenklichem,aber glücklichem Gefühl zurückgelassen!

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  • Nicht so ganz nach meinem Geschmack

    Das Leben ist anderswo

    gst

    „Jeder Mensch bedauert, nicht auch ein anderes Leben als das eine, einzige leben zu können; auch Sie würden gerne alle Ihre nicht verwirklichten Möglichkeiten durchleben, alle Ihre möglichen Leben. Unser Roman ist wie Sie. Auch er wünscht sich sehr, andere Romane zu sein, jene, die er hätte werden können, aber nicht war.“ (Seite 297) Milan Kunderas Roman beginnt in Prag zu Ende des zweiten Weltkrieges. Er erzählt die Geschichte von Jaromil. Als Kind sonnt er sich in der uneingeschränkten Bewunderung seiner Mutter und wird von ihr als Wortjongleur gefeiert. Schnell zeigt sich, dass sie nicht beziehungsfähig ist. Gerade deswegen geht sie eine innige Symbiose mit dem Sohn ein und empfindet ihn als Stück ihrer selbst. Sie schüttet ihn zu mit ungeteilter Aufmerksamkeit, besitzergreifender Liebe und endloser Bewunderung. Streng bewacht sie ihn und ordnet ihm jedes eigene Interesse unter. In insgesamt sieben Teilen, die jeweils wieder in eigene Kapitel unterteilt sind, erzählt Kundera von Jaromils Kindheit, seinem Heranwachsen, seinen Träumen und seiner eifersüchtigen Liebe, seinen Erfolgen und seinem Scheitern. Während dieser Zeit erlebt er die von der Bevölkerung mit Euphorie begrüßte Machtübernahme durch die Kommunisten im Jahr 1948. Kritische Töne haben es unmöglich gemacht, den 1970 noch in der Tschechoslowakei fertig gestellten Roman in der ursprünglichen Heimat Kunderas erscheinen zu lassen. Erst 1973 kam das Buch in französischer Sprache heraus, der Sprache, in der der inzwischen 85jährige seine späteren Romane verfasste. Nachdem ich schon mehrere Romane Kunderas mit Begeisterung inhaliert habe, konnte mich dieser nur teilweise gefangen nehmen. Mich begeisterten weder Jaromils jugendliche Fragestellungen („Bin ich nackt oder angezogen hübscher?“) noch die über allem stehende Mutter. Eher gefiel mir der Auftritt eines älteren Dichters, der meinte: „Jung ist, wer sich der Zukunft verschrieben hat und nicht zurückschaut.“ Jaromil, der ewige Zweifler dagegen „beneidete seine Mitschüler um das wirkliche Leben, in das er noch immer nicht eingetreten war.“ Nach einer lang ausgedehnten Lesezeit schloss ich dieses Buch mit sehr gemischten Gefühlen und bin sicher, dass ich kein zweites Mal mehr hineinschauen werde.

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    • 4
  • Ein Buch wie ein Spaziergang

    Die Unsterblichkeit

    fcbfrosch

    09. February 2014 um 13:03

    Wir finden Einstieg in diesen Roman über eine Geste, die den Autor fasziniert. Er sitzt im Schwimmbad und beobachtet die Menschen, vorzugsweise eine ältere Dame, die beim Verlassen des Wassers dem Bademeister auf bemerkenswerte und auffällige Art zuwinkt. “Jedenfalls wusste sie in dem Moment, als sie sich umdrehte, lächelte und dem jungen Bademeister zuwinkte (der sich nicht mehr zurückhielt und losprustete), nichts von ihrem Alter. Eine von der Zeit unabhängige Essenz ihrer Anmut hatte sich für einen Augenblick in einer Geste offenbart und mich geblendet. Ich war auf merkwürdige Weise gerührt. Und vor mir tauchte das Wort Agnes auf. Ich habe nie eine Frau mit diesem Namen gekannt.” S. 10 Das ist nun die Situation, in der wir Agnes kennenlernen. Wir beobachten sie zu Hause, wie sie aus der Wohnung schlüpft und aufbricht, in die Stadt zu gehen. Unsere Beobachtungen begleitet der Autor, welcher ab und zu innehält und gewisse Situationen auseinanderbricht, um uns auf gewisse Einzelheiten aufmerksam zu machen. So ist dieser Roman bei weitem kein Fluss, sondern eher eine Aneinanderreihung von verschiedenen Gedanken, Beobachtungen und Szenen. Das Buch ist also eher wie Atmen statt fließen. Man atmet ein: und sammelt Ideen, Eindrücke und nährt sich an dem Reichtum der Worte Kunderas, die im Gegensatz zum Buch doch eher wie ein Fluss sind. Sie schwingen und klingen, plätschern meist sanft dahin, rauschen und brausen ab und zu, bleiben an Steinchen hängen, und tosen dann alsbald weiter. Und dann atmet man aus: Man verliert Agnes, Paul und Laura aus dem Blick – hat plötzlich Goethe vor sich und Hemingway -, reflektiert die gewonnen Eindrücke und fügt sie zu einem eigenen Bild zusammen, das vielleicht mit dem des Autors übereinstimmt, vielleicht aber auch nicht. “Der Mensch ist nichts anderes als sein Bild. Auch wenn die Philosophen behaupten, dass es egal ist, was die Welt von uns hält und nur zählt, was wir sind. Aber die Philosophen haben nichts begriffen. Solange wir mit Menschen zusammen leben, sind wir nichts als das, wofür diese Menschen uns halten.” S. 161 Es ist ein wenig seltsam – ungewohnt auch -, aber es ist auch wunderbar diesen Roman zu lesen, in dem man spazieren geht, Seite an Seite mit Milan Kundera, der einen am Arm berührt, wenn er einen auf etwas aufmerksam machen möchte und darauf deutet. Dann sitzt man ab und zu mit ihm auf einer Parkbank im Herbst und während die bunten Blätter an einem vorbei zu Boden sinken, erzählt er ein wenig anderes. Und dann stehen wir wieder auf und gehen weiter, laufen hinter Paul und Agnes her, beobachten Laura in dieser Konstellation. Wir machen uns ein umfassendes Bild von einem Charakter, das so tiefgründig und faszinierend ist, dass andere Romane daneben sehr blass und farblos erscheinen. Wenn man ihre Atmosphäre vergleichend betrachtet, in der man ersticken kann, aber bei Kundera das Atmen erst richtig ermöglicht. Ich bin fasziniert, wie aus einer einzelnen Geste ein solches Werk entstehen kann. Ich bin fasziniert davon, wie man einen solchen Roman auf eine so leichte und fantastische Art und Weise dem Leser klammheimlich vor die Füße legt. Viele mögen darüber steigen, doch wer ihn aufhebt und darin blättert, liest und genießt, wird sich wundern und bereichern. Der nächste Kundera liegt übrigens schon bei mir. “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins” heißt es. Das kennt ihr vielleicht. Wenigstens vom Titel. Fazit: Ich bin froh, dass mein Bauchgefühl mich zu Kundera lenkte – wie auch immer es funktioniert mit diesem Bauchgefühl, aber es wusste, dass Kundera in mein Buchregal gehört. Und nun sitzt er hier, wie ich in diesem Buch saß, und baumelt mit den Beinen. Ich sehe ihn wirklich vor mir auf dem Regalboden sitzen, mit einer Pfeife im Mund und wissend lächeln. Der Roman scheint mir sehr weise, ist er doch gefüllt von vielen klugen Worten und Gedanken. Wer gern einmal innehält im Leben, zurückblickt, beobachtet und alle an sich vorbeiziehen lässt, der wird an diesem Buch seine Freude haben.

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  • Rezension zu "Die Unsterblichkeit" von Milan Kundera

    Die Unsterblichkeit

    TheToastbroat

    02. November 2012 um 14:15

    Sehr viel Lebensweißheit, Liebe, Schriftstellerische Rafinesse, Emotionen und Philosophie untergebracht in einzigartigen Charakteren, verstrickten Erzählebenen und einer fiktiven Betrachtungsweise "von oben" durch Goethe und Schiller im Gespräch.
    Sehr empfehlenswert für Leser, die den Tiefgang suchen.

  • Rezension zu "Die Unsterblichkeit" von Milan Kundera

    Die Unsterblichkeit

    Beagle

    07. August 2011 um 18:04

    Die Unsterblichkeit. Sie ist etwas, wonach sich jeder Mensch sehnt. Doch, wie erlangt man sie? Man muss etwas Großartiges vollbringen, etwas, an das sich viele noch nach Jahren erinnern können. Man muss eine Bedeutung schon zu Lebzeiten erlangen, durch eine beachtliche Entdeckung, ein hervorragendes künstlerisches Können oder sonst irgendwie. Doch daran scheitern die Meisten von uns. Es wird ihnen nie gelingen, außerhalb des Kreises ihrer Angehörigen und Freunde, nach Lebzeiten noch erwähnt zu werden und selbst diese sterben irgendwann und der Mensch hinterlässt keine Spuren mehr. „Die Unsterblichkeit“ ist der Titel eines großartigen Romans des tschechisch-französischen Autors Milan Kundera. Aber, im Grunde ist dies nur ein Gedanke, eine Idee, die sich als Faden durch die Geschichte zieht und immer wieder einmal auftaucht. Der Roman spielt in Paris und handelt hauptsächlich von Agnes. Hauptsächlich sage ich deshalb, da immer wieder neue Figuren auftauchen, die scheinbar mit der Protagonistin nichts zu tun haben. Auch lässt sich Kundera selbst in dieser Erzählung mitwirken und tritt als Schriftsteller auf, der die Geschichte einer Frau aufschreibt, die er Agnes nennt. Seinem Freund Avenarius gewährt er immer wieder Einblick in die Geschichte und zusammen erläutern sie, wie es mit dem Leben weitergehen könnte. Aber, Agnes´ Lebensweg ist bereits vorgeschrieben. Es ist kein spektakuläres Leben, sondern das Dasein einer ganz gewöhnlichen Frau – ihrer Kindheit, ihrer ersten großen Liebe zu Paul, den sie heiraten wird und dann das eheliche Leben. Außergewöhnlich wird es nur durch die Sicht der anderen. Ihre Schwester Laura, der Kunsthändler „Rubens“ oder auch wieder Avenarius erzählen uns die kleinen Dinge von ihr, die sie für sie unsterblich machen. Kundera brilliert meisterhaft, indem er Wahrheit und Fiktion ineinanderfließen lässt, was aber nicht immer sofort erkennbar ist. So führt er seine Figuren oft erst sehr spät zusammen und belässt den Leser so in Spannung. Und wohl ist es auch sein philosophischstes Werk, denn in keinem anderen seiner Romane, lässt er so viele Gedanken einfließen. Und dabei macht er auch vor berühmten Personen der Geschichte keinen Halt. Er erklärt die Unsterblichkeit anhand der jungen Bettina von Arnim, die den alternden Goethe vergöttert, ihm verführerische Liebesbriefe schreibt und doch nicht von ihm geliebt wird. Doch diese Korrespondenz sollte sie unsterblich und für die Nachwelt von Bedeutung machen. Ein Thema, das auch Goethe in Pantoffeln und Hemingway im Jenseits diskutieren. „Die Unsterblichkeit“ ist ein grandioses Werk voller Verstrickungen und meisterhaften philosophischen Ansichten. Ein Werk, das wohl auch Kundera selbst unsterblich machen wird. Zwar ist es nicht ganz so berühmt, wie sein großer Roman „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“, aber zweifelsohne sollte es das sein!

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  • Rezension zu "Die Unsterblichkeit" von Milan Kundera

    Die Unsterblichkeit

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    12. September 2010 um 09:02

    ich lese äusserst selten Bücher mehrmals. Bei diesem habe ich eine Ausnahme gemacht. Ein tolles Buch.

  • Rezension zu "Die Unsterblichkeit" von Milan Kundera

    Die Unsterblichkeit

    HeikeG

    25. December 2008 um 12:17

    Die Kunst der Vieldeutigkeit . "Wer heute noch so verrückt ist, Romane zu schreiben, sollte wenigstens darauf achten, dass der Inhalt nicht nacherzählbar ist. Ein Roman ist schließlich kein Fahrradrennen mit Start und Ziel, er gleicht vielmehr einem Menü aus mehreren Gängen.", erklärt Milan Kundera seinem Freund Prof. Avenarius, um ihm die ungewöhnliche Struktur seines entstehenden Romans zu verdeutlichen. . Damit hat er gleichfalls den Duktus des Buches umrissen. Dessen Inhalt ist wahrhaftig schwer nacherzählbar und zum Verständnis der wunderbaren Zeilen aus der Feder des tschechischen Schriftstellers, der seit 1975 in Frankreich lebt, auch gar nicht wichtig. Kundera selbst legt die Begründung in seinen zweiten Satz. Denn wer muss und will schon die exakte Zubereitung, die detaillierten Zutaten einer genussvollen Speisenfolge kennen. Als solche zumindest kann man Milan Kunderas Werk ohne Zweifel bezeichnen. "Die Unsterblichkeit" ist ein vorzüglich "konfektioniertes", mit feinsten Ingredienzien veredeltes und perfekt angerichtetes Menü in sieben Gängen (Kapiteln). . Schon die "Vorspeise" (1. Kapitel) zeichnet sich als kleine Delikatesse aus. Kundera platziert sich selbst in einen mondänen Pariser Fitness-Club, wo er eine etwa sechzigjährige Dame beim Schwimmunterricht beobachtet. Beim Abschied von ihrem jungen Lehrer fasziniert ihn eine graziöse Handbewegung der reifen Frau, die beinahe losgelöst von ihrem nicht mehr jugendlichen Körper im Raum stehen bleibt ("Mit einem bestimmten Teil unseres Wesens leben wir außerhalb der Zeit. Vielleicht wird uns unser Alter überhaupt nur in außergewöhnlichen Momenten bewusst, und wir leben die meiste Zeit alterslos."). Diese mit einer bezaubernden Leichtigkeit ausgeführte Geste - ein Winken - offenbart solch eine Anmut, dass der Autor das Bedürfnis verspürt, einen Roman daraus zu machen ("eine von der Zeit unabhängige Essenz ihrer Anmut hatte sich für einen Augenblick in einer Geste offenbart und mich geblendet"). . Seine Protagonistin nennt er Agnes - eine Mittvierzigerin. In den folgenden zwei Jahren kreiert er häppchenweise seine "delikate Speisenfolge" - ihr familiäres Umfeld - um sie herum. Das sind zum einen ihr Mann Paul, ihre Tochter Brigitte, die so ungleiche Schwester Laura und deren Lebensgefährte sowie ihren bereits verstorbenen Vater. . Dabei scheinen einige Zwischengänge "geschmacklich" aus der Menüfolge auszubrechen. Neue Episoden werden scheinbar losgelöst eingeflochten So begegnet der Leser in einem Kapitel Goethe und Hemingway im Jenseits, die sich u. a. über Bettina von Arnim unterhalten oder er wird mit den scheinbar völlig losgelösten erotischen Abenteuern eines Mannes mit Namen Rubens konfrontiert. Doch der Schein trügt. Alles ist wohlüberlegt, die Grundkomposition bleibt stets bewahrt. Der sogenannte rote Faden - Gibt es eine Unsterblichkeit der Seele? Falls nicht, wenigstens die Erinnerung an eine Seele in der Nachwelt? - durchzieht latent metaphorisch die gesamte Romanstruktur. . Kundera verwebt die Rahmenhandlung (der Ich-Erzähler Milan Kundera erfindet, konzipiert und vollendet seinen Roman "Die Unsterblichkeit") virtuos mit einer Binnenhandlung (Agnes und ihr direktes Umfeld). Von Zeit zu Zeit interagieren beide und beeinflussen sich gegenseitig. Fiktion und Realität interferieren kontrapunktisch, "wie wenn zwei Melodien in einer Komposition verbunden werden". Diese raffiniert verknüpften Handlungsstränge variiert er zusätzlich mit kunstvoll eingestreuten Rückblenden, Vergleichen und "poetische Zufällen" und setzt damit eine delikate, in sich absolut stimmige "Speisenfolge" zusammen, der ein lang anhaltender "Abgang" - um einen Begriff aus der Degustation zu verwenden - beschienen ist. . Mit dem "Dessert" erhalten letztendlich alle Personen ihre wohldosierte Bestimmung oder besser: tragen zur vollendeten Würze bei. Kunderas wunderbares Kaleidoskop findet seine genussvolle Gesamtvollendung. . Aber auch nach dem Zusammenschluss der einzelnen Episoden, war es nie so unwichtig, über die Handlung eines Romans zu diskutieren. Jedes Kapitel ist ein Amüsement seiner selbst. Der Autor philosophiert auf genussvolle Art und Weise über die Grundstruktur des Menschseins: mal melancholisch, dann wieder durchzogen von einer schwebenden Leichtigkeit, mal ironisch oder von Zeit zu Zeit mit einer Spur Bitterkeit. Kundera spricht Themen wie Liebe, Ehe, die Bedeutung von Gesten, Körper, Geist, das Sein und die Originalität des Ichs eines Menschen, Schicksal, Tod, Trauer und Glück, Hässlichkeit und Schönheit, gemeinsames Erleben und Alleinsein, ja, die Grenzen der Welt an sich an. . Fazit: Milan Kunderas Roman offenbart sich als "eine wahre Brandung von Musik": ein Buch, das philosophisch über die Grundessenzen des menschlichen Lebens nachdenkt, in die Ferne jenseits von Raum und Zeit lockt und eine unbestimmte, grenzenlose Sehnsucht verspüren lässt und alle Sinne des Lesers gefangen nimmt. . Ganz große Literatur!

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  • Rezension zu "Die Unsterblichkeit" von Milan Kundera

    Die Unsterblichkeit

    HeikeG

    21. December 2008 um 20:34

    Die Kunst der Vieldeutigkeit . "Wer heute noch so verrückt ist, Romane zu schreiben, sollte wenigstens darauf achten, dass der Inhalt nicht nacherzählbar ist. Ein Roman ist schließlich kein Fahrradrennen mit Start und Ziel, er gleicht vielmehr einem Menü aus mehreren Gängen.", erklärt Milan Kundera seinem Freund Prof. Avenarius, um ihm die ungewöhnliche Struktur seines entstehenden Romans zu verdeutlichen. . Damit hat er gleichfalls den Duktus des Buches umrissen. Dessen Inhalt ist wahrhaftig schwer nacherzählbar und zum Verständnis der wunderbaren Zeilen aus der Feder des tschechischen Schriftstellers, der seit 1975 in Frankreich lebt, auch gar nicht wichtig. Kundera selbst legt die Begründung in seinen zweiten Satz. Denn wer muss und will schon die exakte Zubereitung, die detaillierten Zutaten einer genussvollen Speisenfolge kennen. Als solche zumindest kann man Milan Kunderas Werk ohne Zweifel bezeichnen. "Die Unsterblichkeit" ist ein vorzüglich "konfektioniertes", mit feinsten Ingredienzien veredeltes und perfekt angerichtetes Menü in sieben Gängen (Kapiteln). . Schon die "Vorspeise" (1. Kapitel) zeichnet sich als kleine Delikatesse aus. Kundera platziert sich selbst in einen mondänen Pariser Fitness-Club, wo er eine etwa sechzigjährige Dame beim Schwimmunterricht beobachtet. Beim Abschied von ihrem jungen Lehrer fasziniert ihn eine graziöse Handbewegung der reifen Frau, die beinahe losgelöst von ihrem nicht mehr jugendlichen Körper im Raum stehen bleibt ("Mit einem bestimmten Teil unseres Wesens leben wir außerhalb der Zeit. Vielleicht wird uns unser Alter überhaupt nur in außergewöhnlichen Momenten bewusst, und wir leben die meiste Zeit alterslos."). Diese mit einer bezaubernden Leichtigkeit ausgeführte Geste - ein Winken - offenbart solch eine Anmut, dass der Autor das Bedürfnis verspürt, einen Roman daraus zu machen ("eine von der Zeit unabhängige Essenz ihrer Anmut hatte sich für einen Augenblick in einer Geste offenbart und mich geblendet"). . Seine Protagonistin nennt er Agnes - eine Mittvierzigerin. In den folgenden zwei Jahren kreiert er häppchenweise seine "delikate Speisenfolge" - ihr familiäres Umfeld - um sie herum. Das sind zum einen ihr Mann Paul, ihre Tochter Brigitte, die so ungleiche Schwester Laura und deren Lebensgefährte sowie ihren bereits verstorbenen Vater. . Dabei scheinen einige Zwischengänge "geschmacklich" aus der Menüfolge auszubrechen. Neue Episoden werden scheinbar losgelöst eingeflochten So begegnet der Leser in einem Kapitel Goethe und Hemingway im Jenseits, die sich u. a. über Bettina von Arnim unterhalten oder er wird mit den scheinbar völlig losgelösten erotischen Abenteuern eines Mannes mit Namen Rubens konfrontiert. Doch der Schein trügt. Alles ist wohlüberlegt, die Grundkomposition bleibt stets bewahrt. Der sogenannte rote Faden - Gibt es eine Unsterblichkeit der Seele? Falls nicht, wenigstens die Erinnerung an eine Seele in der Nachwelt? - durchzieht latent metaphorisch die gesamte Romanstruktur. . Kundera verwebt die Rahmenhandlung (der Ich-Erzähler Milan Kundera erfindet, konzipiert und vollendet seinen Roman "Die Unsterblichkeit") virtuos mit einer Binnenhandlung (Agnes und ihr direktes Umfeld). Von Zeit zu Zeit interagieren beide und beeinflussen sich gegenseitig. Fiktion und Realität interferieren kontrapunktisch, "wie wenn zwei Melodien in einer Komposition verbunden werden". Diese raffiniert verknüpften Handlungsstränge variiert er zusätzlich mit kunstvoll eingestreuten Rückblenden, Vergleichen und "poetische Zufällen" und setzt damit eine delikate, in sich absolut stimmige "Speisenfolge" zusammen, der ein lang anhaltender "Abgang" - um einen Begriff aus der Degustation zu verwenden - beschienen ist. . Mit dem "Dessert" erhalten letztendlich alle Personen ihre wohldosierte Bestimmung oder besser: tragen zur vollendeten Würze bei. Kunderas wunderbares Kaleidoskop findet seine genussvolle Gesamtvollendung. . Aber auch nach dem Zusammenschluss der einzelnen Episoden, war es nie so unwichtig, über die Handlung eines Romans zu diskutieren. Jedes Kapitel ist ein Amüsement seiner selbst. Der Autor philosophiert auf genussvolle Art und Weise über die Grundstruktur des Menschseins: mal melancholisch, dann wieder durchzogen von einer schwebenden Leichtigkeit, mal ironisch oder von Zeit zu Zeit mit einer Spur Bitterkeit. Kundera spricht Themen wie Liebe, Ehe, die Bedeutung von Gesten, Körper, Geist, das Sein und die Originalität des Ichs eines Menschen, Schicksal, Tod, Trauer und Glück, Hässlichkeit und Schönheit, gemeinsames Erleben und Alleinsein, ja, die Grenzen der Welt an sich an. . Fazit: Milan Kunderas Roman offenbart sich als "eine wahre Brandung von Musik": ein Buch, das philosophisch über die Grundessenzen des menschlichen Lebens nachdenkt, in die Ferne jenseits von Raum und Zeit lockt und eine unbestimmte, grenzenlose Sehnsucht verspüren lässt und alle Sinne des Lesers gefangen nimmt. Ganz große Literatur!

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