Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

von Milan Kundera 
4,1 Sterne bei1,090 Bewertungen
Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
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Positiv (822):
L

Tiefschichtig, man kann sich richtig in die Charaktere verlieben,so fein wie sie gezeichnet sind.

Kritisch (83):
L

Durchaus mit schönen Gedanken und einer spannenden Geschichte (auch aus historischer Sicht), aber auch furchtbar belehrend.

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Inhaltsangabe zu "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins"

Der Prager Chirurg Tomas, der die Frauen begehrt und zugleich fürchtet, ein Erotomane, der seine Scheidung wie eine Hochzeit feierte und fortan der Liebe aus dem Weg ging, bricht für die Kellnerin Teresa mit einigen seiner Grundsätze. Seine erotischen Freundschaften, wie jene mit der Malerin Sabina, führt er aber weiter. Teresa verlässt ihn in Zürich, wo sich die beiden, inzwischen verheiratet, nach dem russischen Einmarsch in Prag, niedergelassen haben. Sie kehrt in ihr Heimatland zurück, er folgt ihr, verliert seine Stellung und arbeitet als Fensterputzer, später als Lastwagenfahrer in einem Dorf fern von Prag. Das Glück endet in der Katastrophe - Tomas und Teresa sterben bei einem Verkehrsunfall nach einem Tanzabend. Der Roman ›Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins‹ verschaffte Milan Kundera den internationalen Durchbruch.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596510979
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:464 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:01.09.2009
Das aktuelle Hörbuch ist am 27.02.2007 bei Random House Audio erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    supersusis avatar
    supersusivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Dies Buch ist so vielschichtig, dass mir eine Rezension richtig schwer fällt. Auch hat es sehr gemischte Gefühle ausgelöst. Empfehlenswert i
    vielschichtig

    Dies Buch ist so vielschichtig, dass mir eine Rezension zum ersten Mal richtig schwer fällt. Auch hat es sehr gemischte Gefühle ausgelöst. Von manchen Gedanken war ich sehr angetan. Vieles machte nachdenklich. Manches erschütterte. Einiges habe ich mir rausgeschrieben, weil ich zu wichtig fand, um es zu vergessen. Und anderes fand ich so abstoßend, dass ich den ganzen guten Eindruck des Buches in Frage gestellte habe. Wieder andere Dinge fand ich zutiefst verstörend.

    Zum Inhalt : Die Geschichte spielt in Tschechien zur Zeit der Russischen Okkupation (1968). Tomas, ein Arzt, ist mit Teresa verheiratet, hat aber viele Geliebte. Vor allem mit Sabina hat er eine längere Affaire. Sie wiederum ist im Laufe der Geschichte mit Franz zusammen. Erzählt wird das Ganze aus den verschiedenen Perspektiven der Figuren und der des Autors, sodass man einen tiefen Eindruck gewinnt, von der Gedanken- und Gefühlswelt der Personen, sowie ihre Entwicklung. Es findet ein ständiger Wechsel von Zeiten und Rückblicken, Vorschauen, Träumen und Gegenwart statt, die aber nicht verwirren. Man kann trotz dieser Zeitsprünge dem Geschehen sehr gut folgen.

    Dies Buch ist einerseits sehr politisch, andererseits werden die Beziehungen der Personen bis ins kleinste Detail philosophisch analysiert, und dann folgt wieder spannende Handlung. Trotzdem ist es nicht chaotisch, sondern läßt sich wunderbar lesen.

    Erschütternd fand ich, wie die Radioansprache von Dubcek geschildert wird, der nach 6 Tagen Haft kaum noch sprechen kann, so zugerichtet war er. Auch sonst wird immer wieder Bezug auf die geschichtlichen Ereignissen dieser Zeit in Prag genommen. Es wird z.B. erwähnt, wie in allen Städten sämtliche Straßenschilder über Nacht verschwanden als die Russen einmarschierten und diese somit eine Woche lang umher irrten, ohne zu wissen, wo sie waren oder die strategisch wichtigen Gebäude (z.B. Rundfunk und Fernsehen) zu finden. Aber die historischen Geschehnisse sind nicht nur Kulisse, sondern haben auch Einfluß auf das Leben der Figuren. So darf Tomas nicht länger als Arzt praktizieren und wird Fensterputzer. Durch sein Schicksal wird deutlich, wie perfide die Methoden der Besatzer sind, um Leute zu zwingen, das zu tun, was ihnen im innersten (aus moralischen, ethischen oder Loyalitätsgründen) widerstrebt. Das Regime bringt die Leute in eine ausweglose Situation. Um sich selbst zu retten (Job, Wohnung, Ansehen oder auch das Leben selbst), muß man andere fälschlich beschuldigen und somit seine Ehre, seinen Anstand, seine Selbstachtung und seine Seele verkaufen. Dadurch, dass immer mehr Menschen gezwungen werden, Statements oder Dementi zu unterschreiben und somit andere zu denunzieren, kommt es zu einer gezielten, systematischen Demoralisierung des Volkes. Und diejenigen, die versuchen sich dem entgegen zu stellen, indem sie z.B. Unteschriften sammeln, um politische Gefangene zu befreien, wissen, dass sie nichts erreichen werden. Sie stehen also "vor der Wahl : entweder Theater zu spielen oder gar nichts zu tun ". (S. 256). Schlimm fand ich auch die Schilderung, wie das Volk in eine bestimmte Richtung gelenkt wurde, um Hemmschwellen abzubauen, die Aggressivität zu fördern und zu lenken und diese Kampagne (zunächst nur gegen Tiere z.B. Hunde) von den Zeitungen geschürt wurde. Es ist echt erschreckend, wie einfach das geht und das Buch ist daher immer noch ziemlich aktuell.

    Wie gesagt, wird die Geschichte aus der Sicht der verschiedenen Personen, aber auch der des Autors erzählt. Sei es, dass der Autor einige Seiten einschiebt, wo er detailiert erklärt, was einzelne Begriffe für Sabina und für Franz bedeuten (z.B. Frau, Musik, Friedhof) und weshalb dies so ist, sei es, dass er philosophische Betrachtungen anstellt, warum seine Figuren so handeln.  An einer Stelle schreibt er, dass die Personen seines Romans seine eigenen Möglichkeiten seien, die sich nicht verwirklicht haben. Manchmal mischt er auch die Erzählweisen: " Einige Tage später fiel Tomas ein Gedanke ein, den ich als Ergänzung zum vorigen Kapitel hier anführen will :..." (S.215).  Dieser Schreibstil hat mir sehr gefallen, denn er ist dem Autor unglaublich gut gelungen und bereichert das Buch.

    Was mich ein wenig verstört hat, ist die Mutter von Teresa und wie sie sich in ihr gegenüber verhalten hat. Teresas daraus resultierende Alpträume werden ausführlich analysiert und da die Mutter Teresa sehr geprägt hat, sind sie in den verschiedensten Situationen immer wieder Thema. Was mich sehr verstört hat, ist eine Szene, in der Tomas Teresa einen Berg hochschickt, wo ein Mann Menschen erschießt, die Selbstmord begehen wollen. Dies ist die einzige Stelle, wo ich nicht sicher bin, ob ein Traum oder Wirklichkeit geschildert wird. Mit keinem Wort wird angedeutet, es könne ein Traum sein, aber wenn das die Wirklichkeit ist, dann will ich dies gar nicht wahrhaben. Völlig daneben fand ich die seitenlange philosophische Abhandlung über Sch... und die Frage, ob Gott auch Darmtätigkeit hat, wo er uns doch nach seinem Ebenbild erschaffen hat. Da hätte ich das Buch am liebsten weggelegt und nicht weiter gelesen. Den Sch... hätte er sich echt schenken können.

    Dies ist absolut nicht mein Genre (bin Krimifan), aber es war interessant, lies sich gut lesen und hatte einen ungewöhnlichen Schreibstil, der mir sehr gefiel. Der Klappentext besagt, es sei "einer der witzigsten und intelligentesten Romane", der "höchste inrellektuelle Ansprüche befriedigt." Dem kann ich mich allerdings nicht anschließen. Dennoch kann ich dies Buch empfehlen.

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    badische_lesenaerrins avatar
    badische_lesenaerrinvor einem Jahr
    Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

    Klappentext:

    Die verschlungene Liebesgescichte zwischen Tomas und Teresa gibt den Rahmen ab für einen der witzigsten und interlligentesten Romane der vergangenen Jahre, der zugleich Leselust und höchste interllektuelle Ansprüche befriedigt.

    Ein wunderbares Buch das mti einer,wie ich finde, Leichtigkeit daher kommt. Es hat mich inspiriert und zum Nachdenken gebracht. Es ist mein zweites Buch  von Milan Kundera. Könnte mein Lieblingsautor sein,wenn er es vielleicht nicht längst schon ist! :-)

    Ich kann jedem dieses Buch wärmstens empfehlen!

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    Fabulas avatar
    Fabulavor 3 Jahren
    Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins...

    Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins... Ja es war dieser Titel, der mich von Anfang an in seinen Bann gezogen hatte. Das Buch hat in einer Zeit zu mir gefunden, in der es mir selber nicht gerade bestens ging. Ich legte mein Wohlergehen in die Hände der 'literarischen Therapie', suchte Zuflucht in der Welt der Bücher, in der Welt der unerträglichen Leichtigkeit des Seins. 


    ((Exkurs: Es gibt ein Buch vom Suhrkampverlag "Die Romantherapie", worin ich in der Buchhandlung geblättert habe. Darin sind verschiedene 'Leiden' aufgeführt und Bücher dazu, mit denen man diese 'therapieren' kann. Siehe auch: http://www.zeit.de/kultur/literatur/2014-01/buch-die-romantherapie . Auf jeden Fall stand da 'Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins' unter der Rubrik Depression. Ein Thema, welches mich in letzter Zeit auf Grund von mir nahestehenden Personen sehr beschäftigte. Das war der Punkt der mich nach dem verführerischen Titel definitiv zum Kauf von Kunderas Roman überzeugte. Nach Vollenden der Lektüre denke ich zwar nicht, dass dieses Buch Menschen von ihren Depressionen befreien vermag, ABER es hat definitiv eine positive Wirkung auf die eigene Lebenseinstellung. Viel mehr als unter dem Stichwort 'Depression' würde ich es unter 'Liebeskummer' einordnen. Ja, dass es mir dabei geholfen hat, kann ich bestätigen! Aber kommen wir lieber zur eigentlichen Rezension...))

    Veröffentlicht wurde Milan Kunderas Roman im Jahr 1984. Der erfahrene Leser denkt sofort an George Orwell. Die Parallele ist nicht einmal so schlecht! 'Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins' spielt im Kalten Krieg in Prag... Prager Frühling, tschechoslowakische Reformpolitik, Kommunismus, Warschauer Pakt... Das ist der geschichtliche Hintergrund der Erzählung. Tatsächlich berichtet die Geschichte von versteckten Kameras, Abhörgeräten und Spitzeln der Polizei. Eine Überwachungssituation wie in Orwells fiktivem Roman '1984'. Solche und ähnliche 'Background' Informationen über die politische Situation der Zeit (Tschechoslowakei in den späten 1960er & 1970 er Jahren) durchziehen den ganzen Roman, machen aber nicht seinen Hauptanteil aus. Vielmehr als auf die geschichtlichen Hintergründe möchte ich auf die zahlreichen Philosophischen Einschübe des Romanes verweisen. 'Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins' ist nicht einfach eine leichte Liebesgeschichte. Die mit anderen 'Liebes'geschichten verschlungene Geschichte von Thomas und Theresa bildet vielmehr einen Rahmen für philosophische, witzige, intelligente, politische, lebenskünstlerische, unterhaltsame, zum Nachdenken anregende, manchmal langsam vor sich hin plätschernde gedankliche Einschübe & Konstrukte des Autors. Selten habe ich ein Buch mit so viel Tiefgang gelesen. Unaufhaltsam macht man sich als Leser Gedanken über die Liebe (die hier alles andere als klischeehaft funktioniert) und das Leben! In meinen Augen ist dieses Buch ein wahnsinnig intelligenter Roman, für den man sich Zeit nehmen sollte. Der Umschlagtext meint, dass er zugleich Leselust und höchste intellektuelle Ansprüche befriedigt. -> Das würde ich definitiv SO unterschreiben. 


    Meine lieben Leute LEST DIESES BUCH! Ich war von vorne bis hinten fasziniert, habe sehr viel nachgedacht und konnte eine Menge für mein eigenes Leben mitnehmen. Dass es mir gegen Liebeskummer geholfen hat, habe ich ja bereits erwähnt. Doch das ist noch lange nicht alles: Mein Buch ist jetzt voll von angestrichenen Passagen und Sätzen. Selten habe ich so viel aus einem Buch ziehen können wie hier. Es ist einfach nur fantastisch geschrieben... diese Mischung aus intellektuellem, philosophischen, liebesgeschichtlichen, historischem und unterhaltsamen machts einfach aus! Definitiv 5 Sterne!


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    Janosch79s avatar
    Janosch79vor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Eine Liebesgeschichte, die fernab aller typischen Klischees funktioniert!
    Ein Klassiker von Milan Kundera, der mehr als grandios ist!

    Liebesgeschichten sind immer so eine Sache, doch "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" von Milan Kundera ist völlig anders.
    Kunderas Meisterwerk spielt zur Zeit des Kalten Krieges in Tschechien. Die beiden Hauptprotagonisten Teresa und Tomas, die sich mehr als in einem innigen Liebesverhältnis befinden, wollen ihr Glück im Westen suchen. Auf der Flucht muss ihre Liebe einige schwere Proben überstehen.

    "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" ist ein Roman, den man mehr als einmal lesen muss.
    Das große Plus ist die Art und Weise, wie Milan Kundera mit Sprache umgeht.
    Er haucht den Figuren echtes Leben ein und entwickelt eine Geschichte fernab eines üblichen Liebesromans.
    Kundera taucht förmlich in Teresa und Tomas ein und vermittelt glaubhaft ihre Ansichten und Gefühlslagen.
    Zum einen die etwas leichtgläubige Teresa und zum anderen Tomas, dessen Sexualtrieb schon mehr als ausgeprägt erscheint.

    Die Sprache fesselt nicht nur beim ersten Lesen, sondern Milan Kundera gelingt es, immer neue Fragen zu diesem Roman zu entwickeln, die man am Anfang noch gar nicht in Augenschein genommen hat.
    Das Buch nimmt den Leser auf eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle mit: Lächelnd, betroffen, hoffend, nachdenklich.

    Gerade ist ja auch wieder ein neues Werk von Kundera erschienen, doch dieses Buch übertrifft alle Erwartungen.
    "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" öffnet das Herz und ist ein Klassiker der Literatur!

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    Saralondes avatar
    Saralondevor 5 Jahren
    Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

    Ich hatte dieses Buch schon lange auf dem SuB, ich habe damals relativ wahllos bei den Büchern aus der SZ Edition zugegriffen. Nachdem ich ein paar Bücher aus der Reihe gelesen hatte, war ich recht skeptisch, denn die meisten davon haben mir nicht zugesagt. Ich verstehe es nicht, aber ich habe mit preisgekrönten Autoren aus dem nicht anglo-amerikanischen Raum sehr oft Probleme, ich habe den Eindruck, dass in Deutschland und anderen Ländern die Sicht auf das, was “große Literatur” ist, eine andere ist. Mir gefallen doch Werke von Hilary Mantel und Ian McEwan!? Ich weiß es nicht, vielleicht sind mir Bücher wie die aus der SZ Bibliothek einfach zu “intellektuell”.

    Von diesem Buch war ich zunächst überrascht, es las sich für meine Begriffe besser, als ich erwartet hatte. Und das, obwohl ich Liebesromane eigentlich nicht so mag. Hier ist es jedoch von Anfang an so, dass eben nicht alles rosa und himmelblau ist, denn das zentrale Liebespaar, Tomas und Teresa, hat von Anfang an zu kämpfen, denn Tomas ist notorischer Fremdgänger und auch nicht gewillt, dies aufzugeben. Die Geschichte der beiden spielt sich vor dem Hintergrund des Prager Frühlings und der anschließenden Invasion der Sowjetarmee ab, daher ist das Buch auch in gewissem Sinne ein politischer Gesellschaftsroman. Wir erleben Tomas’ (der ein erfolgreicher Chirurg ist) und Teresas Abstieg aufgrund politischen Ungehorsams und die schreiende Ungerechtigkeit gegenüber den tschechischen Intellektuellen mit. Milan Kundera philosophiert stellenweise auch, was deutlich abgesetzt ist von der Romanhandlung. Ich konnte dem auch einigermaßen folgen. Das zentrale Thema des Romans bleibt jedoch die Beziehung zwischen Tomas und Teresa, ihr Umgang mit dem Betrug. Ich hatte gesagt, dass ich zunächst positiv überrascht war. Dann kamen jedoch Szenen, die ich nicht nur verwirrend fand, bei denen mir nicht klar war, ob das jetzt wieder einer von Teresas Albträumen war, was ich vermute. Das Buch springt auch plötzlich zu anderen Personen, vornehmlich Sabina, eine der Freundinnen von Tomas. Da der Autor frühzeitig vorwegnimmt, was mit den Hauptpersonen passiert, fand ich den Rest des Buches dann streckenweise einfach nicht mehr so interessant.

    Einen sehr positiven Aspekt möchte ich noch betonen: Wie ihr wisst, liebe ich Tiere über alles, und Milan Kunderas Einstellung zu Tieren gefällt mir sehr gut. Ich möchte folgendes Zitat nennen: “Und deshalb ist es so gefährlich, ein Tier in eine belebte Maschine, eine Kuh in einen Milchautomaten zu verwandeln: der Mensch schneidet auf diese Weise die Schnur durch, die ihn mit dem Paradies verbindet, und nichts wird ihn aufhalten, nichts wird ihn trösten können auf seinem Flug durch die Leere der Zeit.” (in meiner Ausgabe auf Seite 270)

    Das ist mir äußerst sympathisch. Die Rolle des Hundes von Teresa und Tomas fand ich deshalb auch sehr wichtig und bewegend.

    Insgesamt ging es mir mit dem Buch ähnlich wie mit “Deutschstunde” von Siegfried Lenz: Ich erkenne den literarischen Wert des Romans, er konnte mich jedoch inhaltlich nicht begeistern. Dennoch ein lesenswertes, philosophisches Werk.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren
    Rezension zu "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" von Milan Kundera

    Ist es wirklich die unerträgliche Leichtigkeit des Seins unter der wir Menschen leiden? Oder ist es die erträgliche Schwere, die mal leichter und mal schwerer wird, welche wir in uns tragen? Für jeden von uns ist die Antwort anders. Mal fühlen wir uns federleicht, mal drohen wir zu ersticken unter der Last der Welt.
    Kundera nimmt uns mit auf eine Reise durch die Gefühlswelten seiner Figuren, die so unterschiedlich wie gleich sind, und man davon ausgehen kann, dass sie alle nur eine Person darstellen.

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    WildRoses avatar
    WildRosevor 6 Jahren
    Rezension zu "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" von Milan Kundera

    Leider konnte dieser Roman, der ja zur Weltliteratur gehört, mich nicht hundertprozentig überzeugen. Gelegentlich fühlte ich mich an "Die Einsamkeit der Primzahlen" erinnert und wie schon dieses Buch fand ich auch Kunderas Werk leider nicht ganz so gut, wie ich es mir erwartet hatte.
    Gestört haben mich mehrere Dinge. Zum einen die absolute Verkorkstheit der Protagonisten und ihr für mich oft völlig unverständliches Handeln. Man konnte keinerlei Beziehung zu ihnen aufbauen; ich jedenfalls habe es gar nicht geschafft, mit ihnen mitzuleben, mitzuhoffen und mitzutrauern.
    Erzählt wird außerdem sehr durcheinander, was einigen Lesern ja gefallen mag, für mich persönlich wirkte das Buch daher jedoch häufig recht strukturlos.
    Natürlich ist es ein philosophischer Roman und einige dieser philosophischen Ausführungen des Autors fand ich gar nicht einmal so schlecht, sondern sie stimmten mich nachdenklich, aber es war schwierig, wenn immer jede Handlung der Hauptfiguren seitenlang analysiert wurde; hinzu gab es häufig sogar noch Wiederholungen, die meiner Meinung nach teilweise recht unnötig waren.
    Ich finde, Kundera hat versucht, zu viel in diesen Roman zu packen. Leider ist es für eine Liebesgeschichte nicht gerade fördernd, wenn die Hauptpersonen ständig nur analysiert und jede Handlung erklärt und gedeutet wird; teilweise hätte es doch ein wenig mehr Gefühl geben müssen, ein wenig mehr Leidenschaft, denn von einer Liebe zwischen Tomas und Thereasa habe ich unglücklicherweise selten etwas gemerkt.
    Nachvollziehbar war das Handeln der Personen jedenfalls oft nicht. Tomas hatte auch ein absolutes Treueproblem, was ja eigentlich an sich nichts Besonderes ist, sondern ein Thema, das in den meisten Romanen irgendwo eingebaut wird, daher konnte mich das auch nicht so fesseln und ich fand es eigentlich nur schade für Teresa. Um ehrlich zu sein, hat es mich oft geärgert, dieses ganze Hin und Her, dieses ständige Fremdgehen und Eifersüchteln - und mir persönlich war es auch zu viel Sex in dem Buch, wobei mich das grundsätzlich nicht stört, aber hier wirkte es für "Weiltliteratur" oft ziemlich ordinär und stattdessen hätte ich z.B mehr über die politischen Probleme erfahren, die eher nur am Rande erwähnt werden.
    Von Weltliteratur habe ich mir eigentlich mehr erwartet. Wer interessiert ist, sollte sich aber nicht abschrecken lassen, denn ich bin mir sicher, dass es einigen um vieles besser gefallen wird als mir.

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    Xirxes avatar
    Xirxevor 6 Jahren
    Rezension zu "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Roman Aus d. Tschech. von Susanna Roth aus dem Nachlaß Gerhard Löwenthal" von Milan Kundera

    Als Liebesgeschichte wird dieses Buch beschrieben, es gilt das glaubhafteste Liebespaar der modernen Literatur zu entdecken - doch um ehrlich zu sein, empfand ich genau das viel eher als Randgeschichte. Teresa und Tomas sind die Hauptfiguren in diesem Roman und man folgt ihrer zeitweise recht schwierigen Beziehung durch die Zeit. Tomas ist ein notorischer Fremdgänger trotz seiner Liebe zu Teresa, und daran ändert sich auch nichts, als sie die Tschechei verlassen und nach Zürich ziehen. Tomas trifft dort seine 'alte' Freundin Sabina wieder und sie und ihr späterer Geliebter Franz sind das zweite Liebespaar, von dem erzählt wird. All dies wie auch die Rückkehr von Teresa und Tomas nach Prag ereignen sich vor dem Hintergrund des Einmarsches der sowjetischen Truppen in die Tschechei.
    Und genau dies ist das eigentlich Thema des Buches: Das Verhalten der Menschen zueinander und sich selbst gegenüber unter den erdrückenden Bedingungen des Lebens in einer Diktatur. Wie verändern sich die Menschen, Werte, Ideale? Kundera wechselt dazu in seinem Buch zwischen einer Art Essay, in dem verschiedene Überlegungen dargestellt werden und der 'normalen' Erzählform, mit der die Geschichten der Protagonisten wiedergegeben werden. Leider nicht chronologisch, sondern immer wieder gibt es Zeitsprünge, so dass es mir nicht gelang, den Figuren wirklich nahe zu kommen. Alles in allem hatte ich häufiger den Eindruck, eine politisch-sozial-philosophisch-psychologische Abhandlung zu lesen als einen Roman. Doch vielleicht ist dieses Buch einfach auch ein Kind seiner Zeit. Vor knapp 30 Jahren waren solche Gedanken vermutlich recht neu und die beschriebenen gesellschaftlichen Situationen hochaktuell und brisant, während sie heute weit entfernt erscheinen.
    Wer also eine Liebesgeschichte zum Schmökern sucht, sollte sich eine andere Lektüre wählen.

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    C
    Cordulavor 7 Jahren
    Rezension zu "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" von Milan Kundera

    Noch bin ich nicht ganz durch - KEINE leichte Aufgabe ;-) Neben der Schilderung einer Liebesgeschichte vor dem Hintergrund politischer Wirren in der Tschechoslowakei zur Zeit des Prager Frühlings werden vom Autor "ganz nebenbei" Lebensweisheiten und Sinnfragen verteilt, die den Leser unweigerlich zum Nachdenken anregen.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren
    Rezension zu "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" von Milan Kundera

    Inhalt:
    Wir befinden uns während des Kalten Krieges, als der der Prager Chirurg Tomas die Kellnerin Teresa kennen lernt. Tomas ist ein Mann, der eine Affäre nach der anderen beginnt - Und doch hat Teresa etwas an sich, was ihn nicht los lässt. Er beginnt mit ihr eine Affäre, die zu einer lebenslangen Beziehung ausufert.
    Das Problem dabei ist das unterschiedliche Verständnis beider von Liebe und Sexualität. Während Tomas die Affären braucht, um glücklich zu sein, liebt Teresa innbrünstig und beansprucht ihn ganz für sich.
    Während des Prager Frühlings arbeitet Teresa als Fotografin. Doch die sowjetischen Truppen marschieren ein, der Prager Frühling wird niedergeschlagen und beide müssen sie fliehen. So verschlägt es sie in die Schweiz. Dort beginnt für sie ein neues Leben und Teresa hofft auf einen Neuanfang, ohne Tomas' Affären. Doch sind sie nicht die einzigen, die in die Schweiz fliehen.

    Meinung:
    Ich hatte das Buch bereits schon einmal vor ein paar Jahren begonnen, bin aber nicht weit gekommen. Irgendwie habe ich dann doch noch einmal hingegriffen und hatte das Buch dann auch relativ schnell durch. Nicht, weil die Geschichte besonders spannend oder fesselnd geschrieben ist. Es sind wohl eher die Charakterzeichnungen Kunderas, die das Buch so interessant machen.
    Jeder geschilderte Charakter ist vielschichtig und mit so viel Innensicht dargestellt, dass man sich richtig hinein versetzen kann - Selbst wenn ihre Taten im Endeffekt unverständlich für einen sind. Vielleicht ist aber auch gerade das der Reiz an der ganzen Sache.
    Zudem verbindet Kundera geschichtliche Ereignisse mit innermenschlichen Beziehungen auf eine interessante Art und Weise. Es ist ein faszinierendes Werk über die Geschichte Tschechiens, aber auch über den Menschen und seine individuellen Bedürfnisse und wie diese sich auf das zwischenmenschliche Leben auswirken können.

    Fazit: Ein interessantes und wichtiges Werk, aber ich denke man muss sich für diese Art von Büchern wirklich interessieren, um es zu mögen.

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