Milda Drüke Rot: Menschen in Kathmandu

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Inhaltsangabe zu „Rot: Menschen in Kathmandu“ von Milda Drüke

"Fernab von Zeitgeistreportagen überzeugt Milda Drüke in ihren Büchern mit realistischen Porträts von Menschen, die von einem anderen Weltbild erzählen." Frankfurter Allgemeine Zeitung Nicht den touristischen Attraktionen gilt das Interesse der Autorin, sondern den Menschen in ihrem Konflikt zwischen "persönlichem Wollen und kulturellem Sollen". Ihre studierten und europaerfahrenen Gastgeber erlauben ihr fünf Monate lang Einblick in höchst private Bereiche und Gewohnheiten einer archaischen Hindutradition inmitten eines modernen Alltags, zu dem Computer und Mikrowelle gehören und ein Sohn, der sich im Spiderman-Kostüm wohlfühlt. Nur dank der ihr gewährten Nähe offenbart sich der Autorin: Ihre weltoffene Gastgeberin unterwirft sich ihrem Ehemann, indem sie seine Füße mit der Stirn berührt. Sie trägt rote Glasarmreifen, wäscht donnerstags ihre Haare nicht und fastet regelmäßig - um sein Leben zu verlängern. Ohne Erlaubnis darf sie nicht aus dem Haus. Stoisch ertragen sie und ihre Familie die Realität Kathmandus: Stromabschaltungen. Anstehen für Trinkwasser und Benzin. Streiks und Demonstrationen. "Die fremde Welt eröffnet sich mir", schreibt die Autorin, "wenn ich mit den Menschen, die sie schaffen, lebe. Wenn das Unbekannte im täglichen Miteinander einfach passiert. Darauf zu warten habe ich mir die Zeit genommen."
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  • Rezension zu "Rot: Menschen in Kathmandu" von Milda Drüke

    Rot: Menschen in Kathmandu
    sunlight

    sunlight

    „ROT – Menschen in Kathmandu“ von Milda Drüke Was für ein Anfang – Buch aufschlagen und ein Feuerwerk aus roten Fotos, vom Teej-Fest im fernen Nepal, zieht mich in seinen Bann. Meine Neugierde ist geweckt und ich beginne sofort zu lesen. Fünf Monate war die Autorin bei einer jungen nepalesischen Familie zu Gast, Eltern mit fünfjährigem Sohn und einer Oma. Beide hatten im Ausland studiert, Puspa in Australien, Samjhu in den Niederlanden und sie sind somit mit der westlichen Kultur vertraut. In ihrer Heimat leben sie jedoch ganz traditionell ihre Kultur. Ansatzpunkt für viele Fragen, genau die, die auch ich stellen würde. Westliche Neugierde? Nein, eher das Bedürfnis zu verstehen. Und die Familie öffnete nicht nur ihre Türen, sondern auch ihre Herzen. Alltag in Kathmandu. Gerüche, Lärm, drückende Enge, Straßenläden, chaotischer Verkehr und heilige Kühe. Im Frühjahr 2008, erlebte M. Drüke die letzten Tage des Hindustaates, mit Bombenanschlägen und dem Terror der Maoisten. Das Leben ist durch die Religion genau geregelt, wie gehen Männer und Frauen miteinander um, die Verehrung der Götter und noch wichtiger, die der Ahnen. In der Familie herrschen klare Regeln. Puspa hat mit der Heirat das Versprechen gegeben, die „Göttin des Hauses“ glücklich zu machen, durch seine Verantwortung für sie und Taten. Sie hat sich ihm mit der Heirat unterworfen und dies wird immer wieder durch Rituale sichtbar. Die Füße des Ehemannes mit der Stirn berühren, rote Glasarmreifen tragen, montags fasten, donnerstags keine Haare waschen, am Teej-Fest teilnehmen … alles, um das Leben des Mannes zu verlängern. Als Fremde darf M. Drüke fragen, alles, was bisher in der Familie noch nie gesprochen wurde und oft fallen Sätze wie: „Ich denke nicht darüber nach. Ist eben unsere Kultur.“ Doch langsam wird auch die Unzufriedenheit Samjhus mit ihrer weiblichen Rolle formuliert, der Konflikt zwischen der Tradition und dem modernem Leben. Die Staatsform hat sich bereits zur Republik geändert und das Leben wird sich in den neuen Generationen auch verändern. Die 13 jährige Nichte hat ihre Visionen: „Seit ich ein Kind war, wollte ich anders sein als meine Familie. Ich will anders sein. Ich will meinem Land helfen. Ich will mein Land ändern. Ich will ihm, andere Werte vermitteln.“ Milda Drüke schreibt chronologisch ihre Erlebnisse auf und für sie, wie für uns, zum Teil sehr überraschende. Die ersten drei Worte jedes Absatzes sind fett und groß gedruckt – das Signal, hier beginnt etwas Neues. Ihr Erzählstil lässt uns riechen, hören, schmecken und mitfühlen. Ein Buch, das mich gefangen nahm und uns Respekt vor anderen Kulturen vermittelt. Ein Buch, das mich zum Nachdenken brachte und auch lächeln ließ. Ein Buch, das endete wie es anfing, mit Fotos - aus dem Alltag und der Gastfamilie. Ein Buch, dem ich viele Leser wünsche.

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    berka

    berka

    20. January 2011 um 12:29