Milena Busquets

 3,6 Sterne bei 57 Bewertungen

Lebenslauf von Milena Busquets

Milena Busquets, 1972 geboren, hat in London Archäologie studiert und lebt und arbeitet seither in Barcelona – sie war in Verlagen, in der Modebranche, als Journalistin und Übersetzerin tätig. Auch das wird vergehen (2016) war ein internationaler Bestseller, der auch verfilmt wurde. Meine verlorene Freundin ist ihr zweiter Roman, der sie als wichtige Autorin der spanischen Gegenwartsliteratur eindrucksvoll bestätigt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Milena Busquets

Cover des Buches Auch das wird vergehen (ISBN: 9783518467732)

Auch das wird vergehen

 (44)
Erschienen am 13.06.2017
Cover des Buches Meine verlorene Freundin (ISBN: 9783518473429)

Meine verlorene Freundin

 (13)
Erscheint am 21.08.2023

Neue Rezensionen zu Milena Busquets

Cover des Buches Meine verlorene Freundin (ISBN: 9783518473429)
Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Meine verlorene Freundin" von Milena Busquets

Rückblicke ins Leben der Ich-Erzählerin
Gwhynwhyfarvor 4 Monaten

Der Anfang: «Gema ist für mich immer der Name einer Toten gewesen. Oder nicht immer, aber seit gut dreißig Jahren, und das ist fast dasselbe. Sie starb mit fünfzehn. Zwei Jahre später starb mein Vater.»


Die selbstbewusste Ich-Erzählerin, Mitte vierzig, Autorin und Übersetzerin, alleinerziehende Mutter zweier Söhne, lebt glücklich in Barcelona. Die Männer lieben sie, doch Beziehungen haben von Beginn an ein Ablaufdatumdatum, weil die Protagonistin sich stets eingeengt fühlt. Auch ihre derzeitige Beziehung mit einem Theaterdramaturgen erfüllt sie nicht mehr. Alles wird zu dicht und zu eng. Plötzlich erinnert sich die Ich-Erzählerin an ihre beste Kindheitsfreundin, die fünfzehnjährig an Krebs erkrankte und verstarb. Was wäre wohl aus ihr geworden? Sie fragt sich, warum sie sie vergessen hatte, die Erinnerung verblasst ist. So macht sie sich auf die Suche ihrer Erinnerung, geht Fotoalben durch und alte Schülerzeitungen, spricht mit den damaligen Schulfreundinnen. Letztendlich ist die Freundin nicht so wichtig, die auch nur sporadisch in diesem Roman hin und wieder für ein paar Zeilen auftaucht. 


«Wenn ich die Augen aufschlug und dabei aus irgendeinem Grund dem Blick einer anderen Person begegnete, die mich ansah, spürte ich unweigerlich einen Anflug von Panik und schlechter Laune.»


Der Roman geht in Rückblicken ins Leben der Ich-Erzählerin – Krankheit, Tod, Trauer, Verarbeitung und Vergessen von Personen ist das Thema, die Bedeutungslosigkeit des Daseins. Sie berichtet, als Gema im Krankenhaus lag, habe sie sie nie besucht. Als ihr eigener Vater plötzlich im Krankenhaus verstarb, reiste die Mutter am nächsten Tag ab, um sich mit einem Liebhaber zu treffen, ließ die 17-jährige allein mit der Trauer zurück. Der Angst vor Verlust sitzt tief in der Autorin fest. Bruno, ihre letzte Eroberung, möchte mit ihr zusammenziehen. Als er mit einem Theaterstück auf Tournee geht, soll sie ihn begleiten. Sie wimmelt ihn ab, und selbst seine täglichen Anrufe aus Italien sind ihr zu viel. Es ist Zeit zu gehen. 


«Wie schon seit Jahren, seit sie nicht mehr meine maßgeblichen Lieben waren, dachte ich auch jetzt, kurz bevor sie an der Tür klingelten: Keine Lust! ... Wie läppisch war Freundschaft doch verglichen mit Begehren! Wie lahm diese befriedete Liebe auf Abstand, frei von jedem starken Gefühl, dafür befrachtet mit unterschwelligen Verpflichtungen und anstrengenden Erwartungen, anfällig für die schlimmsten Eifersüchteleien und den unverzeihlichsten Verrat.»


Eine Protagonistin mit Bindungsängsten, Angst etwas geben zu müssen, wenn man nimmt. Angst vor zu viel Nähe, einem Verlust, der zu tief treffen könnte. Gleichzeitig ist sie ein wenig neiderfüllt auf andere, die tiefe Freundschaften pflegen – aber man kann nicht beides haben und sie hat sich für eine Seite entschieden. Genau das lässt die Ich-Erzählerin zunächst als oberflächlich erscheinen; doch sie zweifelt. Eine Frau, die sich selbst im Weg steht, die mit der Suche nach der Freundin sich auf die Suche macht, die eigene Identität zu finden. «Als würde es die namenlosen Vielen, die vor dem Zeitalter des Internets gelebt und gestorben waren, nicht geben, als wären sie verschwunden, ohne eine einzige Spur zu hinterlassen.» Spuren hinterlassen, nicht vergessen werden. Dem Leben einen Sinn geben, Halt haben, Geborgenheit. Eine Frau auf der Suche nach dem richtigen Weg. Welchen wird sie einschlagen?


«Ein permanenter und trügerischer Durchsatz im Gedächtnis, ein beständiges Kommen und Gehen, tatsächlich erinnerten wir uns an sehr Weniges, an einer Hand abzuzählen, alles andere erfanden wir oder borgten es uns.»


Ein lückenhaftes Gedächtnis, Verzerrung der Erinnerung, verschönern, zurechtbasteln – was ist die Wahrheit? Ein Roman als Selbstreflexion. Milena Busquets ist eine feine Beobachterin – ob es nun um Innenansichten geht oder um die Beobachtung von anderen Menschen. Das alles ist verortet in die Sommerhitze Barcelonas, Bars und Restaurants des Großstadtlebens. Ein dünner Band, der es letztendlich erst rückblickend in sich hat – denn während des Lesens flutscht man auf Grund der Leichtigkeit der Erzählung zunächst hindurch.



Milena Busquets, 1972 geboren, hat in London Archäologie studiert und lebt und arbeitet seither in Barcelona - sie war in Verlagen, in der Modebranche, als Journalistin und Übersetzerin tätig. Auch das wird vergehen (2016) war ein internationaler Bestseller, der auch verfilmt wurde. Meine verlorene Freundin ist ihr zweiter Roman, der sie als wichtige Autorin der spanischen Gegenwartsliteratur eindrucksvoll bestätigt.

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Cover des Buches Meine verlorene Freundin (ISBN: 9783518430477)
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Rezension zu "Meine verlorene Freundin" von Milena Busquets

nicht so meins
lese_katzvor 5 Monaten

Der Schreibstil war super, ach an sich hatte die Protagonistin einen netten Plauderton drauf, jedoch hatte ich das Gefühl das es ein bisschen das Thema verfehlt hat. Die Kapitel werden erst gegen Ende um diese Freundin gehen und davor erzählt Sie eigentlich nur das sie in einer Art Kriese steckt wo sie nicht weiß ob sie sich von ihren Freund trennen soll oder nicht. Das Thema um die Freundin hätte ich mir anders gewünscht, irgendwie mehr ausgebaut oder so..

Ansonsten war das Buch okay. Nichts Weltbewegendes Leider..

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Cover des Buches Meine verlorene Freundin (ISBN: 9783518430477)
Marapayas avatar

Rezension zu "Meine verlorene Freundin" von Milena Busquets

Gedanken über das Leben
Marapayavor 5 Monaten

Unweigerlich muss ich bei dem Titel zu Milena Busquets Roman „Meine verlorene Freundin“ an Elena Ferrantes neapolitanische Freundschaftssaga denken und bin demzufolge etwas voreingenommen in meiner Erwartungshaltung an Busquets Buch. Doch die verlorene Freundin der Ich-Erzählerin ist bereits mit 15 Jahren an Leukämie gestorben – also nicht wirklich verloren gegangen, sondern in den Gedanken und Erinnerungen der Erzählerin ganz an den Rand gedrängt worden vom Weiterleben, erwachsen werden, Liebe erleben, Familie gründen, loslassen müssen. Alltag bewältigen. Nun, 30 Jahre später schiebt sich die tote Freundin Gema wieder in den Mittelpunkt der Erzählerin, fordert Raum für sich ein und regt Gedanken und Ideen zu Leben, Verlust, Abschied und Tod an. 

Mir fiel es ein wenig schwer, Sympathie für die Ich-Erzählerin und damit auch ihrem Erzählen zu empfinden. Die Figur der Gema erscheint mir wie ein aufgesetzter Fixpunkt ohne wirkliche emotionale Empfindung zu sein. Einzig kreiert, um einen kleinen roten Faden zu haben, an dem entlang assoziativ Gedanken über das Leben, die Liebe und den Tod aufgereiht werden können. Die Ich-Erzählerin wirkt wahnsinnig oberflächlich auf mich, ihr leichtfüßiges Erzählen geht mir schnell auf die Nerven und ihr leichtfertiger Umgang mit anderen, ihr nahstehenden Menschen empfinde ich fast als unglaubwürdig. Doch in manchen ihrer Beobachtungen und Überlegungen kann ich mich auch wiederfinden. Manchmal ploppt auch in mir durch eine Assoziation oder vage Begegnung eine Situation oder Person der Vergangenheit in meinem Kopf auf und ich finde mich plötzlich am PC wieder, wo ich versuche im allwissenden Internet, Spuren dieser Person zu entdecken. 

Das Erzählen Milena Busquets reizt mich auf eine unangenehme Art und Weise. Ihre Erzähler-Figur ist das Gegenteil von mir. Sie hat alles, was ich nicht bin und mir wünsche. Sie fordert mich heraus, scheint fast spöttisch zu sagen, „Schau her, wie man das Leben auch leben kann!“ Alles erscheint ihr leicht – der Umgang mit Verlust und Tod, mit vorübergehender Liebe, Begehren und begehrt werden, Mutterschaft, Karriere, der Umgang mit Freundschaft. Doch nehme ich ihr die Leichtigkeit nicht vollends ab. Es verbirgt sich wohl eher der Wunsch danach, das Leben so leicht wie möglich nehmen zu können, doch auch sie sucht zwischen den Zeilen nach Anerkennung und Bestätigung. So lässt mich dieser schmale Band ein wenig ratlos zurück.

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