Milena M. Flašar

 3.8 Sterne bei 34 Bewertungen

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Herr Katō spielt Familie

Herr Katō spielt Familie

 (34)
Erschienen am 02.02.2018

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Rezension zu "Herr Katō spielt Familie" von Milena M. Flašar

Herr Kato in Pension
sar89vor 6 Monaten

Herr Kato ist pensioniert und sucht nach einer Aufgabe. Das Zusammenleben mit seiner Frau ist auch nicht so einfach. Er nervt sich ab kleinen Dingen und sogar daran, dass er nicht an einer Krankheit erkrankt ist um die er sich kümmern könnte. Dann trifft er auf dem Friedhof auf Mie, die regelmässig Familie spielt, sprich verschiedene Rollen für andere Menschen spielt. Enkeltochter, Tochter, Schwester etc. Sie engagiert Herr Kato und er nimmt zu seiner Überraschung an. Dabei lernt er sein Leben mit seiner Frau wieder schätzen.  Endlich wird auch seine eigene Tochter schwanger und er endlich Opa. Mie verschwindet aus seinem Leben so schnell, wie sie gekommen ist. 

Michiko Flasar spricht interessante Themen wie das Zusammenleben im Ruhestand, was tun im Ruhestand, was vor allem Männern nicht immer ganz einfach zu fallen scheint und Sinn im neuen Lebensabschnitt zu finden. Auch alte Muster loszulassen ist ein Thema. Das Ganze ist aber eher umständlich beschrieben. Ich hatte zwar schon eher wenig Zeit zum Lesen aber trotzdem sehr lange an diesem eher dünnen Buch. Stellenweise ist es schon eher langatmig und in zu leisen Tönen geschrieben. Meine Sympathie für Herrn Kato verhelfen dem Buch aber zu 3 Sternen.

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Rezension zu "Herr Katō spielt Familie" von Milena M. Flašar

Herr Kato weiß nicht, was er will
Dajobamavor 6 Monaten

Nach der Lektüre von "Herr Kato spielt Familie" bin ich zugegebenermaßen etwas zwiegespalten. Einerseits behandelt Milena Michiko Flasar in ihrem recht schmalen Werk ein sehr interessantes Thema, oder sogar mehrere. Auch der Sprachstil ist angenehm zu lesen. Aber: irgendwie konnte mich das Gelesene über weite Strecken nicht fesseln, konnte ich nicht feststellen, was ich persönlich aus der Geschichte mitnehmen kann. Unbestritten ist es ein Buch der sehr leisen Töne.

 

Herr Kato lebt, wie es sein Name und das Cover bereits vermuten lassen, irgendwo in Japan und befindet sich schon seit einigen Monaten im wohlverdienten Ruhestand. Doch den kann er irgendwie nicht so richtig genießen. Denn er weiß nicht, was er mit der vielen freien Zeit anfangen soll. Von seiner Frau hat er sich nach jahrzehntelanger Berufstätigkeit längst entfremdet. Jetzt sind sie sich gegenseitig im Weg. Bis Kato (einen Vornamen erfahren wir nicht) plötzlich Mie kennenlernt, die sehr geheimnisvoll auftritt und ihm einen seltsamen Vorschlag macht. Von ihrer Agentur lässt er sich engagieren und schlüpft in verschiedene Rollen. Vom Opa zum Firmenchef zum Ehemann nimmt er verschiedene Aufträge an. Er spielt Familie. Doch was sucht er eigentlich?

 

Gerade mit Herrn Kato bin ich leider so gar nicht warm geworden. Mag daran liegen, dass er eine ältere Generation verkörpert. Mich nervte aber besonders seine Selbstbezogenheit und noch schlimmer seine Antriebslosigkeit. Der bekommt einfach auch nichts auf die Reihe. Außer der Sache mit der Schauspielerei, da blüht er plötzlich auf. Nur ist mir hier bis zum Schluss nicht klargeworden, was uns die Autorin eigentlich damit sagen wollte. Ein paar emotionale Familiengeschichten, zum Ende hin hat es mir auch besser gefallen, aber irgendwie fand ich es nicht ganz rund. Generell mag ich die leisen Töne, hier blieb es mir aber insgesamt ein bisschen zu blass.

 

Ein netter Roman über das Älterwerden und den Renteneintritt. Über das Leben nach der Berufstätigkeit. Auch über den Sinn des Lebens und was am Ende wirklich wichtig ist. Vielleicht war es für mich der falsche Zeitpunkt für dieses Buch, aber so richtig warm geworden bin ich damit leider nicht.

 

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Naibenaks avatar

Rezension zu "Herr Katō spielt Familie" von Milena M. Flašar

Poetisch, melancholisch, leise... und gut!
Naibenakvor 7 Monaten

Herr Kato tritt in den Ruhestand ein und prompt findet er sich in einem Leben wieder, das ihm doch ziemlich fremd ist. Er, der sich bislang extrem über den Job definiert und vom Familienleben nur am Rande etwas wahrgenommen hat, hat es nun äußerst schwer, sich an seinen neuen Lebensabschnitt zu gewöhnen. So ohne eine richtige Aufgabe lebt er in den Tag hinein, wirkt chronisch unzufrieden und unausgeglichen. Bis er auf eine junge Frau trifft, die ihn auf der Stelle für ihre „Agentur“ begeistern will und es auch schafft. Herr Kato wird als Schauspieler engagiert. Und zwar spielt er fortan „Familie“. Er wird als jeweilig gewünschtes Familienmitglied gebucht, als sogenannter „Stand-in“ (Ersatz). Klingt schräg? Ja, das könnte man meinen. Aber es ist in gewisser Weise (leider) gar nicht so abwegig. Und wie schlägt sich Herr Kato wohl in dieser neuen Rolle? Welche Auswirkungen hat diese Aufgabe möglicherweise auf sein Leben?

Stilistisch in einer poetischen, sehr leisen und melancholischen Weise erzählt die Autorin von einem Mann, der einer Depression entgegenschlittert und durch diese Aufgabe vorerst noch einmal die Kurve kriegt. Denn: hier muss er plötzlich die Empathie hervor holen, die ihm in den Jahren zuvor scheinbar verloren gegangen ist. Dass sie aber vorhanden ist, merkt man nun deutlich und man wundert sich als Leser nicht selten, wie schnell diese „Verwandlung“ dann doch von statten geht. Insbesondere in Bezug auf seine Ehefrau ändert sich Herr Kato mir persönlich etwas zu schnell. Und so schnell, wie diese Veränderung fortschreitet, ist der Job auch schon wieder beendet. Ein bisschen zu fix und holprig das Ganze für mein Gefühl, und dennoch: schöne Szenen und Gedanken werden in diesen kurzen Roman – insbesondere in diesen Abschnitt der „Stand ins“ - eingebracht, die einen innehalten und reflektieren lassen.

 Zum Ende hin wird die Geschwindigkeit dann rausgenommen und wir erleben, wie sich Herr Kato nun langsam, aber kontinuierlich an das Familienleben gewöhnt, wie unbeholfen und voller Ängste dieser Mann ist und wie er zaghaft versucht, etwas zu bewegen. Das Ende ist recht offen und lässt Platz für verschiedene Interpretationsansätze. Das gefällt mir und zeigt gleichermaßen, dass dieser Einschnitt im Leben mancher Menschen, wenn sie in Rente gehen, sehr tief ist und es einfach Zeit braucht, sich damit zu arrangieren. Dies darzustellen, ist der Autorin meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Insgesamt ist mir die Geschichte aber ein bisschen zu kompakt und hätte gut und gern noch 50-100 Seiten mehr vertragen. Trotz allem habe ich mich in den Herrn Kato sehr gut einfühlen können, von daher ist der Kritikpunkt nur zweitrangig.

Fazit: Eine leise, melancholische Geschichte über den Renteneintritt und die damit verbundenen, teils dramatischen Einschnitte im Leben. In schöner, poetischer und reflektierender Sprache zeigt die Autorin dabei gesellschaftliche Missstände auf. Ein bisschen zu kurz im Ganzen, dennoch berührend und offen für Interpretationen. Hat mir gut gefallen!

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