Herr Katō spielt Familie

von Milena M. Flašar 
3,8 Sterne bei33 Bewertungen
Herr Katō spielt Familie
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (22):
Alexlauras avatar

Sensible Geschichte über einen Pensionisten und sein Leben. Lesenswert, teilweise aber langatmig.

Kritisch (2):
dj79s avatar

Ein merkwürdiges Buch, teils erschreckend, teils befremdlich, viele Gedankenspiele, wenig nachvollziehbare Handlung.

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Inhaltsangabe zu "Herr Katō spielt Familie"

Die Tage dehnen sich, und zugleich schnurrt die Zeit zusammen. Die Uhr läuft ab, dabei könnte es gerade erst losgehen. Ob ein kleiner weißer Spitz daran etwas ändern würde?
Den ehemaligen Kollegen hat er immer beneidet. Um den Ruhestand, das Motorrad und die neue Freiheit. Doch jetzt steht er selbst frisch verrentet auf den bemoosten Treppen vor seinem Haus und weiß nicht wohin. Eine Krawatte braucht er nicht mehr, zu Hause ist er im Weg, die Kinder sind längst ausgezogen. Ob die junge Frau, die er jüngst auf dem Friedhof getroffen hat, ihm nur etwas vormacht, vermag er nicht zu sagen. Er ist aus der Übung. Und dennoch nimmt er ihren Vorschlag an, lässt sich von ihrer Agentur »Happy family« mal als Opa, mal als Exmann, dann wieder als Vorgesetzter engagieren und trifft auf fremde Menschen und Schicksale. Er spielt seine Rollen gut, und seine Frau bekommt von alledem nichts mit. Sie hat wieder angefangen zu tanzen …
Ein nachdenkliches Buch über Erinnerungen und unerfüllte Träume, über Glücksmomente und Wendepunkte. Milena Michiko Flašar zeichnet mit wenigen Strichen, beredten Bildern und unnachahmlicher Wärme ein ganz gewöhnliches, ganz einzigartiges Leben.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783803132925
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:176 Seiten
Verlag:Wagenbach, K
Erscheinungsdatum:02.02.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    sar89s avatar
    sar89vor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Relevantes Thema aber umständlich geschrieben.
    Herr Kato in Pension

    Herr Kato ist pensioniert und sucht nach einer Aufgabe. Das Zusammenleben mit seiner Frau ist auch nicht so einfach. Er nervt sich ab kleinen Dingen und sogar daran, dass er nicht an einer Krankheit erkrankt ist um die er sich kümmern könnte. Dann trifft er auf dem Friedhof auf Mie, die regelmässig Familie spielt, sprich verschiedene Rollen für andere Menschen spielt. Enkeltochter, Tochter, Schwester etc. Sie engagiert Herr Kato und er nimmt zu seiner Überraschung an. Dabei lernt er sein Leben mit seiner Frau wieder schätzen.  Endlich wird auch seine eigene Tochter schwanger und er endlich Opa. Mie verschwindet aus seinem Leben so schnell, wie sie gekommen ist. 

    Michiko Flasar spricht interessante Themen wie das Zusammenleben im Ruhestand, was tun im Ruhestand, was vor allem Männern nicht immer ganz einfach zu fallen scheint und Sinn im neuen Lebensabschnitt zu finden. Auch alte Muster loszulassen ist ein Thema. Das Ganze ist aber eher umständlich beschrieben. Ich hatte zwar schon eher wenig Zeit zum Lesen aber trotzdem sehr lange an diesem eher dünnen Buch. Stellenweise ist es schon eher langatmig und in zu leisen Tönen geschrieben. Meine Sympathie für Herrn Kato verhelfen dem Buch aber zu 3 Sternen.

    Kommentare: 2
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    Dajobamas avatar
    Dajobamavor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Buch der leisen Töne. Ein interessantes Konzept, doch insgesamt blieb es mir etwas zu blass.
    Herr Kato weiß nicht, was er will

    Nach der Lektüre von "Herr Kato spielt Familie" bin ich zugegebenermaßen etwas zwiegespalten. Einerseits behandelt Milena Michiko Flasar in ihrem recht schmalen Werk ein sehr interessantes Thema, oder sogar mehrere. Auch der Sprachstil ist angenehm zu lesen. Aber: irgendwie konnte mich das Gelesene über weite Strecken nicht fesseln, konnte ich nicht feststellen, was ich persönlich aus der Geschichte mitnehmen kann. Unbestritten ist es ein Buch der sehr leisen Töne.

     

    Herr Kato lebt, wie es sein Name und das Cover bereits vermuten lassen, irgendwo in Japan und befindet sich schon seit einigen Monaten im wohlverdienten Ruhestand. Doch den kann er irgendwie nicht so richtig genießen. Denn er weiß nicht, was er mit der vielen freien Zeit anfangen soll. Von seiner Frau hat er sich nach jahrzehntelanger Berufstätigkeit längst entfremdet. Jetzt sind sie sich gegenseitig im Weg. Bis Kato (einen Vornamen erfahren wir nicht) plötzlich Mie kennenlernt, die sehr geheimnisvoll auftritt und ihm einen seltsamen Vorschlag macht. Von ihrer Agentur lässt er sich engagieren und schlüpft in verschiedene Rollen. Vom Opa zum Firmenchef zum Ehemann nimmt er verschiedene Aufträge an. Er spielt Familie. Doch was sucht er eigentlich?

     

    Gerade mit Herrn Kato bin ich leider so gar nicht warm geworden. Mag daran liegen, dass er eine ältere Generation verkörpert. Mich nervte aber besonders seine Selbstbezogenheit und noch schlimmer seine Antriebslosigkeit. Der bekommt einfach auch nichts auf die Reihe. Außer der Sache mit der Schauspielerei, da blüht er plötzlich auf. Nur ist mir hier bis zum Schluss nicht klargeworden, was uns die Autorin eigentlich damit sagen wollte. Ein paar emotionale Familiengeschichten, zum Ende hin hat es mir auch besser gefallen, aber irgendwie fand ich es nicht ganz rund. Generell mag ich die leisen Töne, hier blieb es mir aber insgesamt ein bisschen zu blass.

     

    Ein netter Roman über das Älterwerden und den Renteneintritt. Über das Leben nach der Berufstätigkeit. Auch über den Sinn des Lebens und was am Ende wirklich wichtig ist. Vielleicht war es für mich der falsche Zeitpunkt für dieses Buch, aber so richtig warm geworden bin ich damit leider nicht.

     

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    Naibenaks avatar
    Naibenakvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Buch, das definitiv zum Grübeln anregt, wenn man es zugeklappt hat. Wunderbarer Stil. Still und melancholisch. Berührend. Sehr schön!
    Poetisch, melancholisch, leise... und gut!

    Herr Kato tritt in den Ruhestand ein und prompt findet er sich in einem Leben wieder, das ihm doch ziemlich fremd ist. Er, der sich bislang extrem über den Job definiert und vom Familienleben nur am Rande etwas wahrgenommen hat, hat es nun äußerst schwer, sich an seinen neuen Lebensabschnitt zu gewöhnen. So ohne eine richtige Aufgabe lebt er in den Tag hinein, wirkt chronisch unzufrieden und unausgeglichen. Bis er auf eine junge Frau trifft, die ihn auf der Stelle für ihre „Agentur“ begeistern will und es auch schafft. Herr Kato wird als Schauspieler engagiert. Und zwar spielt er fortan „Familie“. Er wird als jeweilig gewünschtes Familienmitglied gebucht, als sogenannter „Stand-in“ (Ersatz). Klingt schräg? Ja, das könnte man meinen. Aber es ist in gewisser Weise (leider) gar nicht so abwegig. Und wie schlägt sich Herr Kato wohl in dieser neuen Rolle? Welche Auswirkungen hat diese Aufgabe möglicherweise auf sein Leben?

    Stilistisch in einer poetischen, sehr leisen und melancholischen Weise erzählt die Autorin von einem Mann, der einer Depression entgegenschlittert und durch diese Aufgabe vorerst noch einmal die Kurve kriegt. Denn: hier muss er plötzlich die Empathie hervor holen, die ihm in den Jahren zuvor scheinbar verloren gegangen ist. Dass sie aber vorhanden ist, merkt man nun deutlich und man wundert sich als Leser nicht selten, wie schnell diese „Verwandlung“ dann doch von statten geht. Insbesondere in Bezug auf seine Ehefrau ändert sich Herr Kato mir persönlich etwas zu schnell. Und so schnell, wie diese Veränderung fortschreitet, ist der Job auch schon wieder beendet. Ein bisschen zu fix und holprig das Ganze für mein Gefühl, und dennoch: schöne Szenen und Gedanken werden in diesen kurzen Roman – insbesondere in diesen Abschnitt der „Stand ins“ - eingebracht, die einen innehalten und reflektieren lassen.

     Zum Ende hin wird die Geschwindigkeit dann rausgenommen und wir erleben, wie sich Herr Kato nun langsam, aber kontinuierlich an das Familienleben gewöhnt, wie unbeholfen und voller Ängste dieser Mann ist und wie er zaghaft versucht, etwas zu bewegen. Das Ende ist recht offen und lässt Platz für verschiedene Interpretationsansätze. Das gefällt mir und zeigt gleichermaßen, dass dieser Einschnitt im Leben mancher Menschen, wenn sie in Rente gehen, sehr tief ist und es einfach Zeit braucht, sich damit zu arrangieren. Dies darzustellen, ist der Autorin meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Insgesamt ist mir die Geschichte aber ein bisschen zu kompakt und hätte gut und gern noch 50-100 Seiten mehr vertragen. Trotz allem habe ich mich in den Herrn Kato sehr gut einfühlen können, von daher ist der Kritikpunkt nur zweitrangig.

    Fazit: Eine leise, melancholische Geschichte über den Renteneintritt und die damit verbundenen, teils dramatischen Einschnitte im Leben. In schöner, poetischer und reflektierender Sprache zeigt die Autorin dabei gesellschaftliche Missstände auf. Ein bisschen zu kurz im Ganzen, dennoch berührend und offen für Interpretationen. Hat mir gut gefallen!

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    Winterzaubers avatar
    Winterzaubervor 5 Monaten
    Herr Kato ist nicht authentisch

    Herr Kato ist mit seiner neuen Freiheit als Rentner nicht sehr glücklich. Was tun, wenn man soviel Zeit hat, obwohl er seinen Job auch nicht unbedingt geliebt hat, stürzt ihn die neu gewonnene Freiheit nicht gerade in Verzückung. Herr Kato ist ein Mann, der grundsätzlich nicht das sagt und tut was er denkt, sondern was er meint, andere von ihm erwarten. So plätschert sein Leben dahin und mit seiner Frau verbindet ihn nicht viel und seine Kinder sind schon aus dem Haus.

    Im Park begegnet er Mie, die eine Alibi-Agentur leitet. Dort werden Menschen benötigt, die Ehemann, Opa, Arbeitgeber, Tochter ect. für einen Tag spielen zu verschiedenen Anlässen. Kato läßt sich von Mie werben und spielt Opa für einen kleinen Jungen, Arbeitgeber für eine totkranke Braut usw. In verschiedene Rollen zu schlüpfen macht ihm Spaß und bringt ihn seiner Frau wieder etwas näher. Die ganze Zeit war ich nicht sicher, ob ich Herrn Kato mag oder nicht, er ist sich oft selbst nicht grün.

    Dieses Buch ist nicht einfach zu lesen, daher ist es mir auch nicht gelungen es in einem Rutsch zu beenden. Es stellt viele Dinge in Frage und stimmt nachdenklich. Der Schreibstil hat mir sehr gefallen, klar und eindringlich. Ein Buch was man nicht so schnell vergißt. Der Schluß versöhnt am Ende, so herzlich, wenn erst unfreiwillig.

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    aus-erlesens avatar
    aus-erlesenvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Rentner findet neue Aufgabe als Schauspieler im Familienverbund
    Ohne mehrmaliges Würfel gleich 'ne Sechs

    Da kommt man tagein tagaus von der Arbeit zurück ins traute Heim. Einst stand die Frau am Fenster und winkte einem zu. Hier ist man zuhause, hier ist man daheim. Die Jahre verfliegen, Routine stellt sich, das Pflichtbewusstsein lässt einem kaum Raum zur Selbstentfaltung. Und dann der große Schnitt. Nix mehr mit Arbeit, nix mehr mit Winken, nix mehr mit Daheim. Die Frau scheucht einen aus dem Haus. Rente!
    Herr Katō kennt das Gefühl. Lange Zeit hat er die ehemaligen Kollegen beneidet. Sie konnten ihre Rente genießen. Jetzt ist er an der Reihe. Doch der Rentneralltag ist trist. Seine Frau tanzt jetzt wieder. Nicht sinnbildlich, sondern in einem Kurs. Und wenn beide zuhause sind, steht er ihr im Weg. Sie schickt ihn raus. Eine Runde drehen, soll er. Was so viel heißt, dreh gleich mehrere … und das ganz langsam. 
    Bei einer dieser Runden lernt Herr Katō eine junge Frau kennen. Sie ist offen, fast schon ein wenig zu offen. Redet einfach drauf los. Und sieht in ihm einen potentiellen neuen Kollegen. Die Frage „Was schon wieder arbeiten? – Das habe ich doch gerade hinter mich gebracht!“ stellt sich nicht. Denn Herr Katō soll in die Agentur „happy family“ eintreten. Ersatz soll er sein. Ersatz-Bruder, Ersatz-Chef, Ersatz-Opa. Das ist das Geschäftsmodell. Lückenbüßer finden und den Kunden zur Verfügung stellen. Sie brauchen bei einer Feier die ultimative Lobhudelei? „Happy family“ hat den passenden Opa, Chef oder Bruder. Und Herr Katō ist der geborene Ersatz. Ob er nur den stummen Gatten spielen soll, weil der echte eine echte Quasselstrippe ist oder den fürsorglichen, hochgradig erstaunten Opa geben soll - Herr Katō ist die Idealbesetzung. 
    In seinem eigenen Leben tut sich aber auch etwas. Seine Schwiegertochter ist endlich schwanger geworden. Schon seit einiger Zeit versuchen sie und ihr Mann Nachwuchs zu zeugen. Und auch Herr Katō schafft es endlich einmal Reisevorbereitungen für Paris zu treffen. So viel zu tun und so wenig Zeit…
    Milena Michiko Flašar beschreibt in ihrer Geschichte einen Mann, für den Aufgeben nicht in die Tüte kommt. Es läuft nicht alles so wie er es sich vielleicht einmal ausgemalt haben könnte. Doch es läuft. Sofort nach der Rente geht er zum Arzt und stellt mit Erschrecken fest, dass er kerngesund ist. Die Schockwirkung scheint ihn wegen der Überraschung stark zu treffen, umhauen kann sie ihn nicht. Neuer Weg, neues Ziel. Und pflichtbewusst wie eh und je nimmt er den steinigen Weg in Angriff. Die junge Frau, die ihm so schonungslos offen begegnet, ist die Reiseführerin in eine Zukunft, eine Kraftgeberin, die er nie zu treffen gehofft hätte. 
    Leise Töne von Melancholie geben dieser Geschichte den richtigen Drive. Mit kleinen „Hau-Rückchen“ stubst sie Herrn Katō wieder in die Spur des Lebens zurück. Mit jeder Seite gewinnt Herr Katō sein Lächeln zurück, für das ihm jeder Leser dankbar sein wird.

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    Shimonas avatar
    Shimonavor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Buch mit viel Lebensweisheit!
    Vom Sinn des Lebens

    Herr Kāto spielt Familie - in seiner eigenen

    Familie gelingt es ihm nicht spielerisch
    zu sein. Er wird schnell wieder von der
    Realität eingeholt.

    Die Erkenntnis: Jede Familie hat 
    mindestens eine Schwachstelle.

    Es ist ein überaus menschliches Buch, und
    der Hauptcharakter, Herr Kāto eine
    sehr symphatische Person.

    Die Beziehung zu seiner Frau ist alltäglich
    geworden. Er sehnt sich danach, dass
    der Zauber der Verbundenheit 
    zurückkehrt.

    Der Leser erfährt was ein
    'Retired-Husband-Syndrome' ist und 
    über Zwischenmenschliches wird sehr
    genau aufgeklärt.

    Immer wieder werden Sätze nicht zu Ende
    geschrieben, sondern bewußt 
    offengelassen, damit der Leser den 
    Gedankengang für sich fortsetzen kann

    Beispiel: Gelb steht für die Treue, Weiß 
    für. 

    Es geht um Glücksmomente, 
    Wendepunkte und Neuanfang, 
    um Erinnerungen  und Träume, 
    die dann doch nicht erfüllt  wurden: 

    ein Buch das nachdenklich macht,
    jedoch mit einem inspirierenden Ende.



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    Gwhynwhyfars avatar
    Gwhynwhyfarvor 5 Monaten
    Kalte Gesellschaft

    Der erste Satz: »Als man ihm sagt, dass alles in Ordnung ist – keine Auffälligkeiten, nichts besorgniserregendes – für sein Alter tipptopp -, da empfindet er neben der Erleichterung eine geheime Enttäuschung.«

    Herr Katô ist Führungsmitglied einer Firma, muss den Stab weitergeben. Er geht mit 60 Jahren in Rente. Bis dato voll beschäftigt, immer ein Ziel vor Augen, liegt vor ihm das Nichts. Er gibt sich den Anschein eines Ziels, geht stundenlang spazieren. Aber was soll er nun mit seinen Händen anfangen?, »er fühlt sich wie ein davongelaufener Affe«. Seiner Frau, einer Hausfrau, steht er im Weg, sie hat Glück, wird nie ihren Job verlieren. »Retired-Husband-Syndrome, RHS«, so lerne ich, aufgrund der starken Einbindung des Ehemannes ins Berufsleben verliert dieser die notwendigen Sozialkompetenzen, um sich bei Renteneintritt wieder in die Familie zu integrieren. Entfremdung in der Ehe durch Abwesenheit. Der Traum vom Motorrad, mit dem er lange Touren unternehmen will, wie er vor der Pensionierung vor den Kollegen prahlt, wird nicht mal ansatzweise weitergesponnen, schon gar nicht umgesetzt. Eines Tages trifft Herr Katô eine junge Frau, die eine Agentur besitzt, »Happy Familiy«. Sie bietet ihm einen Job an. Er spielt nun stundenweise Familienmitglied: Spielt Opa, damit ein Kind einmal im Leben seinen Opa kennenlernt (der eigentlich ein farbiger Amerikaner ist), spielt den Ehemann, der sich anhört, was sie zu sagen hat, ihm die Meinung sagen kann, ihm die Scheidung an den Kopf werfen kann. Der reale Mann war klammheimlich abgehauen. Herr Katô spielt den Verwandten, der auf einer Fake-Hochzeit eine Rede hält. Alle diese Jobs haben wiederum indirekt mit Herr Katô selbst zu tun, in jedem Auftrag erkennt er einen Teil seines eigenen Lebens.

    »›Die Ehe‹, sagt Chieko, ›gleicht dem Bauch eines Wals. Man sitzt im Dunkeln und weiß, der andere sitzt nur wenige Meter weit entfernt. Man ruft, er ruft zurück. Aber egal, wie man es auch anstellen mag, ob man einfach nur dasitzt und lauscht oder sich auf den Weg macht, sich an den Gedärmen entlang tastet, man findet einander nicht, und was man teilt, ist alleine die Dunkelheit.«

    Das Unglück, beschäftigungslos zu sein, das Unglück einer entfremdeten Ehe, Milena Michiko Flaðars spricht hier ein gesellschaftliches Problem an. Ein feines, kleines Buch, komprimierte Sprache, Protagonisten, die es aber in sich haben. Ein schmaler Roman mit viel Inhalt, vieles, das uns nachdenklich macht. Man fragt sich, warum die österreichische Schriftstellerin sich Japan für das Setting ausgewählt hat. Ihre Mutter ist Japanerin und sie hat einen Bezug zu diesem Land. Sie sagte in einem Interview, Japan sei ein Trendland und Agenturen, die »Freunde und Verwandte« vermieten sei gerade ein Hype. Großeltern, Partygäste, ein Vater, der am Fußballfeld dem spielenden »Kind« zujubelt, Freunde die mit einem auf Instagramfotos posieren, rent a friend, andere sollen nicht erfahren, wie einsam ich bin, das Bild einer schrecklichen Gesellschaft.

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    solveigs avatar
    solveigvor 5 Monaten
    Retired-Husband-Syndrome

    „Manchmal ertappt er sich dabei, sehr traurige Gedanken zu denken. Zum Beispiel dass das Leben, sein Leben, immer weniger würde.“ Ein Mann, „Herr  Katō“ genannt, hat das Gefühl, nach einem arbeitsreichen Leben keine sinnvolle Aufgabe mehr zu haben. All die Pläne für sich und seine Frau, die er eigentlich in der Zeit nach seiner Pensionierung realisieren wollte, schiebt er vor sich her. In seiner Familie fühlt er sich wie ein Fremdkörper, es fällt ihm schwer, sich neu zu integrieren und auf seine Frau zuzugehen. Eines Tages begegnet er einer ungewöhnlichen jungen Frau, die ihm ihrerseits einen ungewöhnlichen Vorschlag macht…

    In ruhigen, gemächlichen Tönen entrollt Milena Michiko Flašar die Gedankenwelt eines japanischen Rentners. Detailliert beobachtet, gibt sie seine Sicht auf die Welt, seine Träume und Hoffnungen wieder  -  und die Realität. Wie soll er sein weiteres, restliches Leben gestalten? „Retired-Husband-Syndrome“ wird das Problem genannt, unter dem er und seine Frau leiden, und das ist natürlich nicht allein auf Japan beschränkt.

    Mit viel Einfühlungsvermögen gestaltet die Autorin die Charaktere ihrer Personen und lässt sie lebendig und echt erscheinen. Der überwiegend melancholische Grundton des Romans wird immer wieder durch doppeldeutige oder ironische Bemerkungen durchbrochen, die optimistische Klänge einfließen und den Leser schmunzeln  lassen. Dass einige Gedankengänge nur halb oder gar nicht ausgesprochen werden, passt zu Herrn Katōs Wesen und seiner Art, mit Problemen umzugehen. Der Ausgang der Geschichte lässt den Leser eher nachdenklich als deprimiert zurück. Es bleibt offen, ob es für Katō und seine Familie eine Chance auf ein neues Arrangement gibt; ob er sich mit der Frage auseinandersetzt, die Flašar als Zitat an den Anfang ihres Romans stellt, und das sie folgendermaßen übersetzt:

    „Wie war doch gleich die Zukunft, die ich mir erträumt hatte?Lebwohl, mein gestriges Ich….“

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    jenvo82s avatar
    jenvo82vor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein pessimistisch-melancholisches Lebensbild eines Rentners, der es versäumte, seinem Dasein Sinn zu verleihen. Ich habe mehr erwartet.
    Wenn das Leben im Konjunktiv verharrt

    „Wir springen ein, wo man uns braucht, und ersetzen den eigentlichen Darsteller, denn auch der, den wir spielen, stellt sich die meiste Zeit dar und ist somit ein Schauspieler. Ja es gibt Leute, die sind noch im Schlaf nicht sie selbst. Beklemmend oder?“


    Inhalt

    Für den kürzlich pensionierten Herrn Katō stellt sich die ganz elementare Frage, was er mit seinem Leben - nun nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben - anstellen soll. Die Kinder sind längst aus dem Haus, ein Hobby gibt es nicht ebenso wenig wie einen Freundeskreis und die Beziehung zu seiner Frau gleicht eher einer Wohngemeinschaft, denn einer beglückenden Ehe. Selbst der Traum von einem Hund als Haustier erscheint ihm immer abwegiger, kostet doch auch dieses Wesen Kraft und Engagement. Während sein Leben bisher auf die Erfüllung seiner beruflichen Anforderungen ausgerichtet war, fällt er nun in ein riesengroßes, schwarzes Loch und ist vollkommen überfordert mit der Tatsache, dass ihm etwas so Elementares wie der Sinn des Lebens abhandengekommen ist. Die Zufallsbegegnung mit einer jungen Frau, die ein lukratives Unternehmen aufgebaut hat und ihn gerne engagieren möchte, kommt da wie gerufen. Soll er doch einfach in die Rolle einer bestimmten Person schlüpfen und diese für einen Tag realistisch darstellen. Die Kunden zahlen für das Schauspiel einer vorgetäuschten zwischenmenschlichen Beziehung und der Darsteller selbst kommt wieder unter Leute. Herr Katō nimmt an und schlägt sich recht wacker in seinem neuen Nebenjob, nur leider hilft ihm auch diese Erfahrung nicht weiter, da er seinen Alltag weiterhin im Konjunktiv verbringt. Hätte, wäre, könnte er nur … dann bekäme sein Dasein endlich eine Bedeutung.


    Meinung

    Die 1980 geborene, in Österreich lebende Autorin Milena Michiko Flašar, beschäftigt sich in ihrem zweiten Roman mit der schwierigen Lebensphase des Übergangs zwischen der fordernden Arbeitswelt und des anspruchsfreien Lebensabends. Sie schickt ihren Hauptprotagonisten Herrn Katō, der bisher sehr gut und ausgesprochen zuverlässig funktionierte zurück in die heimische Idylle. Nur das ihn dort kaum etwas erwartet. Dieser Grundgedanke, war es, der mich zur Lektüre hat greifen lassen und ich konnte mich dank des stillen Erzähltons, der mit zahlreichen Lebensweisheiten gespickt ist, sehr gut in den alternden Pensionär hineinversetzen. Nur leider hätte ich diesem nur zu gern eine Lektion fürs Leben erteilt. Denn in erster Linie bemerkt Herr Katō, wie unglücklich, wie unerfüllt und wenig geachtet seine eigene Person ist, dass er eher stört als Freude verströmt, dass seine Frau ihn nach langjähriger Ehe kaum noch den Rücken stärkt und das ihm eines fehlt: ein Lebenssinn.


    Dieser pessimistisch-melancholische Unterton zieht sich durch die gesamte Erzählung. Dabei wird nicht ganz klar, warum Herr Katō die Fehler stets bei anderen sucht, denn eigentlich provoziert er diese Reaktion ganz automatisch, indem er rein gar nichts anpackt, zwar eine Menge Vorhaben plant, aber keines verwirklicht, sich verzweifelt Aufmerksamkeit wünscht, sie anderen aber nur oberflächlich gewährt. Und so wird dem Leser schnell klar, die Handlung, die eigentlich ein echtes Abenteuer hätte werden können, wird es eben nicht, weil der Hauptcharakter feststeckt, in seiner Höhle verkrochen die verstreichende Zeit bedauert, die er nicht nutzen kann. Auch die wenigen Personen, die das Leben des Mannes kreuzen, bleiben etwas blass und vermögen es nicht, eine hoffnungsvollere Grundstimmung hervorzurufen.


    Fazit


    Von mir gibt es drei Lesesterne für diesen in Grundzügen interessanten Roman, der leider irgendwo zwischen Floskeln und Handlungsarmut steckenbleibt. Aus dem Thema hätte man eine Menge machen können, sie nicht nur mit Vorstellungen und traurigen Erkenntnissen aufhübschen, sondern ihr vor allem eine Art Sinnhaftigkeit verleihen können. Zu Gute halten muss man dem Roman, dass er sprachlich überzeugt und einen eigenen, japanisch anmutenden Ton anschlägt. Inhaltlich sind es nicht einmal Versprechen die bleiben. Vielleicht nur ein kleiner Hinweis an die Leserschaft: baut euch vor der Pensionierung das Leben auf, was ihr euch im Ruhestand wünscht, andernfalls könnte euch das gleiche Schicksal drohen: eine latente Unzufriedenheit und das fehlende Glücklichsein im Alter.

    Kommentare: 4
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    wandablues avatar
    wandabluevor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Über den Eintritt ins Rentenalter. Melancholisch. Zu leise für mich.
    Vom Mann ohne Pepp. In leisen Tönen.

    Vom Mann ohne Pepp. In leisen Tönen.
    Die Autorin stellt uns eine japanische Familie vor, Vater, Mutter, Kind(er). Die Kinder sind aus dem Haus, der Vater gerade in Rente. Er hat sich im Büro abgerackert für die Familie. Ist gependelt. Tagein. Tagaus. Wie viele Japaner. Bescheidenes Eigenheim mit Aussicht ist der Erfolg.

    Entdecke die Möglichkeiten. Des Ruhestandes. Plötzlich viel Freizeit. Aber man wird nicht mehr gebraucht. Alles scheint plötzlich sinnfrei zu sein.

    So mag es vielen Menschen gehen, vor allem den Herren der Schöpfung. Da spielt sich vieles, was man tun und nicht mehr lassen könnte, nur im Kopf ab, das aber nicht in die Realität umgesetzt wird. Warum nicht, das wird nicht ganz klar. Ist Herr Kato ein besonders träges Exemplar? Liegt es an der japanischen Gesellschaft? Warum ist er so antriebslos? Denn ich für meinen Teil kenne nur Rentner, die wahnsinnig viel zu tun haben, die Enkel hüten, wandern gehen, reisen, schreiben, filmen, Sport ist sehr beliebt, Marathonlauf, Bowlen, Gartenarbeit, Bier trinken mit den Nachbarn und, zu meinem Leidwesen, das ständige Grillen. Oder Ehrenamt. Hut ab, was die alten Herrschaften noch so auf die Beine stellen! Aber Kato: nichts. Deprimierend. Er streitet sich nicht einmal mit seiner Frau. Kommunikation gleich Null. Versteht man sich ohne Worte? Mitnichten.

    Da ersinnt sich die Autorin einen netten Twist: Durch die Begegnung mit Mie wird Kato in eine Agentur aufgenommen, die „Familie“ spielt. Das hätte lustig werden können. Ist aber nicht. Denn kaum ist der Leser eingestimmt auf die neue Situation, möchte ein wenig lachen, denkt ein wenig nach, ist die Wirkung schon wieder verpufft. Denn die Agentur schließt. Zu früh, Milena, zu früh!

    „Herr Kato spielt Familie“ ist ein sehr hübsch geschriebenes Büchlein, poetisch gar, mit reflexiven Ansätzen über das beginnende Alter, das, wie Herr Kato, den Aufbruch, die echte Wendung zum Ende hin verpasst beziehungsweise gewollt auslässt. Die Autorin weigert sich, die Depression(en) aufzuheben, der Versuchung nachzugeben ein wenig auf den Putz zu hauen, mit anderen Worten, die leisen Töne zu verlassen. Das ist eine literarische Entscheidung gegen das Triviale. Das muss man anerkennen. Aber amüsant ist es nicht. Das Büchlein behält seinen leicht depressiv-melancholischen Ton bei bis zum letzten Wort. Und genau das hat mich gelangweilt.

    Fazit: Die Idee des Buches hat mir sehr gut gefallen, aber dann fehlt doch der Pepp. Es hätten im Falle Katos ruhig ein paar Buchseiten mehr sein dürfen, die Ideen der Autorin etwas weniger komprimiert daherkommen können.

    Kategorie: Anspruchsvolle Literatur
    Verlag: Wagenbach, 2018

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