Milica Vučković

 4,6 Sterne bei 12 Bewertungen

Lebenslauf

Milica Vučković, geboren 1989 in Belgrad, studierte Malerei. Für ihre literarischen Arbeiten wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. »Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen« ist der erste Roman von ihr, der auf Deutsch erscheint.

Quelle: Verlag / vlb

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Toxisch

Meine Meinung

Ich habe „Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen“ von Milica Vučković gelesen und war tief betroffen, aber zugleich fasziniert von der Klarheit, mit der das Buch toxische Beziehungsmuster klarstellt. Die Erzählerin Eva wächst in einem langweiligen Dorf nahe Belgrad auf, allein erziehend mit ihrem Sohn Mario. Nach einer gescheiterten Beziehung trifft sie Viktor – gebildet, charismatisch, aber schon bald zeigt sich seine dunkle Seite. Er ist manipulierend, narzisstisch, eifersüchtig, verletzt sie psychisch und irgendwann auch körperlich.

Mich hat beeindruckt, wie authentisch diese Dynamik geschildert wird. Eva spürt das giftige Muster, kann sich aber nicht lösen, obwohl ihr Körper und ihr Kopf rebellieren. Immer wieder gibt es Versöhnung, Schuldgefühle, Gaslighting, und die spiralförmige Täuschung zieht sie tiefer in die Abhängigkeit. 

Dieser schmale Grat zwischen Momenten der Nähe und plötzlicher Kälte, bei denen eine winzige Kleinigkeit den Ausschlag geben kann, wird sehr eindrücklich dargestellt. Man hat selbst als Leser:in das Gefühl, ständig auf Eierschalen zu gehen – genau wie Eva. 


Vučkovićs Sprache ist prägnant, mit starken Bildern und feinem Galgenhumor. Die Momente, in denen Eva recheriert – etwa Googlesuchen über Mordphantasien – sind auf bizarre Weise beunruhigend und dunkel komisch zugleich. Ich fand, dass diese ironische Schärfe das Drama noch eindringlicher mach.

Besonders ergreifend ist, dass das Buch stark auf realen Erfahrungen basiert, ohne überhöht oder karikiert zu wirken. Man spürt die Stimme einer Frau, die selbstbewusst beginnt, aber Stück für Stück emotional entgleitet . Das Ende war für mich überraschend und nachdrücklich.

Für mich ist das Buch wichtig, weil es zeigt, wie subtil Gewalt startet und wie schwer Ausstieg sein kann. Trotz der bedrückenden Thematik fand ich es sprachlich stark und teilweise kaum erträglich – man will weiter lesen und zugleich zurückschrecken und Eva aus diesem ganzen als Leserin rausholen.

Fazit: Ein kurzes, aber intensives Buch, das weh tut und nachwirkt. Eine schonungslose Studie darüber, wie toxische Liebe aussehen kann.

Ich möchte für dieses Buch auch eine klare Triggerwarnung aussprechen. Ich war selbst in einer narzistischen Beziehung und weiß wie schlimm es während der Beziehung und auch danach sein kann. Solch ein Buch zu lesen kann möglicherweise Erinnerungen wieder hervorholen.



Klappentext

Eva ist noch jung, als sie ihren Sohn zur Welt bringt und allein großzieht. Als sie dann Viktor kennenlernt, glaubt sie ihren Helden gefunden zu haben. Viktor ist Journalist und Schriftsteller und beeindruckt Eva mit großen Worten und Theorien. Dabei ist er vor allem eines: ein meisterhafter Manipulator, ein Soziopath, krankhaft eifersüchtig und cholerisch. Und als er es schafft, Eva nach Deutschland zu locken, wird alles nur noch schlimmer …


Über die Autorin

Milica Vučković, geboren 1989 in Belgrad, studierte Malerei. Für ihre literarischen Arbeiten wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. »Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen« ist der erste Roman von ihr, der auf Deutsch erscheint.

Cover des Buches Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen (ISBN: 9783552075443)
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Rezension zu "Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen" von Milica Vučković

Karola_Dahl
Was für ein krankhaftes Verhalten

Die Szenerie spielt teils in Železnik, einem heutigen   Stadtviertel in Belgrad in Serbien und teils in Stuttgart. Eva mit Sohn Mario erleben in dieser detailliert beschriebenen, realistisch wirkenden Geschichte viel körperliche und besonders seelische Pein im Zusammenleben mit Victor, einem äußerst negativen, manipulativen, aggressiven Charakter, der sich als Journalist und Schriftsteller ausgibt. In dem großen Wunsch nach einem Vater für Mario und auf der Suche nach Liebe erfährt besonders  Eva als vielfach Gequälte das krankhaft eifersüchtige  Verhalten des Soziopathen, das er stets manipulativ einzusetzen weiß. Mit Spannung verfolgt man die endgültige, rettende Loslösung von Eva aus dieser Verbindung. Der Schreibstil überzeugt durch wirkungsvolle, schmerzhafte Dialoge neben den vielen erneuten Anstrengungen Evas um Harmonie und Ausgleich trotz der ständigen Anfeindungen und üblen Verleumdungen als Schuldige in diesem Plot. Der Buchtitel ist unpassend.

Was für ein krankhaftes Verhalten – perfekt sprachlich eingefangen! 

Faszinierende Geschichte, ein Augenöffner

Die Mutter hat wegen Eva die Uni nicht geschafft und muss jetzt jeden Tag hinter dem Obst- und Gemüsestand stehen. Sie hasst dieses langweilige Kaff Zeleznik und neigt insgesamt zu Unzufriedenheit. Der Vater hatte es geschafft. Zwar war er arbeitslos, bis die kleine Eva zwei war, aber dann fand er eine Anstellung als Turnlehrer in dem langweiligen Kaff. Sie verkauften die Wohnung in Belgrad und zogen in das langweilige … Als Vera kam, war sie das nächste Einzelkind in der Familie. Die Mutter hatte sie zehn Jahre nach Eva nur für sich selbst geboren.

Luka war ein guter Kerl, fand Eva, aber ein Ärztekind. Er war nicht durch Pfützen gesprungen wie sie und so wurde die Pfütze zwischen ihnen unüberwindbar. Sie besorgte sich einen Job mit höherem Gehalt und eine eigene Wohnung. Kurz kam Nenad bei ihr unter, weil er sich scheiden ließ. Sie schlitterten in eine Beziehung und nach drei Jahren musste er ausziehen, weil Eva ihre eigene Stimme wieder einmal hören wollte. Eva lernte Tomislar kennen und alles stimmte auf Anhieb, bis er sie wegen seiner Entscheidungsunlust so nervte, dass sie zu ihren Eltern zurückging, aber da war sie schon Marios Mutter. 

Auf einer Firmenfeier lernte sie Viktor kennen, Adonis höchstpersönlich. Sie mochte nicht, wenn Männer zu gut aussahen, weil das immer über Unzulänglichkeiten hinwegtäuschte, aber Viktor war auch Journalist und Schriftsteller und außerdem Manipulator, Soziopath, krankhaft eifersüchtig und cholerisch, aber das stand nicht auf seiner makellosen Stirn geschrieben. 

Fazit: Milica Vuckovic hat eine großartige Geschichte erzählt. Großartig, weil sie etlichen Frauen aus der Seele spricht. Ihre Protagonistin lernt einen Mann kennen, der charismatisch und charmant ist, dass er zu viel trinkt, merkt sie zuerst nicht, weil sie einfach mittrinkt. Jedes Mal, wenn er laut oder handgreiflich wird, entschuldigt er sich überschwänglich und tränenreich, kriecht mit kleinen oder größeren Aufmerksamkeiten zu Kreuze, je nachdem wie groß der Schaden ist, den er verursacht hat. Und dann sind da auch wieder die guten Gespräche und seine faszinierende Lebendigkeit und Wertschätzung im Wechsel mit seiner Übellaunigkeit, den Beschimpfungen und Erniedrigungen. Immer wenn sie so weit ist zu gehen, packt er Geschichten über seine schlimme Mutter, den armen Bruder oder den verlorenen Vater aus und leiert ihr echtes Mitgefühl aus dem Kreuz. Mich fasziniert diese Geschichte so sehr, weil sie ganz genau die Mechanismen zeigt, derer sich solche Menschen bedienen, zeigt warum es Frauen so schwerfällt Reißaus zu nehmen. Zuckerbrot und Peitsche höhlen die Hauptdarstellerin, die aus ihrer Sicht erzählt, zunehmend aus. Vortrefflich gelungen finde ich auch, dass die Autorin eine gute Prise Humor und Selbstironie einstreut, das Drama wäre sonst kaum zu ertragen. Und doch wäre ich zu gerne zwischenzeitlich ins Buch gesprungen, um ihr beizustehen, so wütend hat mich das Agieren des Täters gemacht. Wieder so ein ultrawichtiges Buch über Gewalt gegen Frauen und noch dazu so richtig gut lesbar und unterhaltsam. Wieder ein Augenöffner für die Gefahren bedürftiger Frauen. 

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