Miljenko Jergovic Das Walnusshaus

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Inhaltsangabe zu „Das Walnusshaus“ von Miljenko Jergovic

Mit der verrückten Manda, die den Briefträger beißt, beginnt alles und damit, dass sie im Krankenhaus von einem Arzt mit einer Überdosis eingeschläfert wird. Siebenundneunzig ist die Alte und hat ein ganzes Jahrhundert in Dubrovnik erlebt. Stück für Stück rollt der Autor ihr Leben auf, geht zurück, und nach und nach erleben wir die Geschichte der Frau sowie ihrer Heimatstadt Dubrovnik.

Zwischen Grauen und Komik entsteht die tragische Geschichte des Balkans im 20. Jahrhundert.

Das Buch ist nichts für Leser, die schnelle, einfache Unterhaltung suchen. Jede Facette des Buches verlangt ungeteilte Aufmerksamkeit.

— JulesBarrois

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  • Ein raffiniertes Panorama des Balkans im 20. Jahrhundert

    Das Walnusshaus

    JulesBarrois

    03. December 2014 um 08:22

    Miljenko Jergovic erzählt die Geschichte einer Frau (und ihren weiteren Familienangehörigen) aus Dubrovnik, deren Leben praktisch das ganze 20. Jahrhundert erfasst. Und er erzählt diese Geschichte rückwärts! Im "ersten" Kapitel (das die Nummer XV trägt) erfährt der Leser von den Ereignissen nach dem Tod der Protagonistin, danach liest man das Kapitel Nummer XIV wo von ihrem Tod die Rede ist, und so weiter, jedes Kapitel ist gleichsam die Vorgeschichte des bereits gelesen. Und das Konzept geht auf, die Lektüre bleibt von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Erzählt wird nicht weniger als eine Familiensaga, die sich um die 1905 geborene, 2002 gestorbene Regina Delavata dreht, die aber bis ins Jahr 1878 zurückreicht. Von Linearität aber gibt es in dem Roman keine Spur. Mit seinen vielen Zwischen- und Unterkapiteln, in vielen Ortswechseln vom eigentlichen Schauplatz Dubrovnik in die Hauptstädte Westeuropas, aber auch in balkanisches Bergland entfaltet Jergovic ein Epos aus Nebengeschichten, die freilich stets in pointiertem Bezug zur "großen Geschichte" stehen. Es gibt keine historischen oder biographischen Zwangsläufigkeiten, sondern nur Ereignisse, die sich zu Folgen verbinden, die auch völlig anders hätten sein können. Jergovic scheint sich mehr für die Menschen zu interessieren, denn für die Zeitläufte, in denen sie stehen und vermittelt gerade so auch vieles über eben diese Zeitläufte. Frieden ist etwas sehr fragiles und Miljenko Jergovic hat ein Buch für den Frieden geschrieben. Sein Stil ist überaus wandlungsreich, aber immer einfühlsam. Mühelos trifft er komische, vulgäre und auch tragische Töne in unterschiedlichster Nuancierung. Hier kannst du einen begnadeten Erzähler, einen herausragender Stilist und einen bissigen Essayisten entdecken. Minutiös inszenierte und detailfokussierte Szenen erfreuen den Leser. Raffiniert und vieldeutig sind sie von Abrechnungen mit nationalen Mythen gespickt sind. Popverweise und politische Pamphlete reihen sich in inneren Monologen aneinander und gehen perfide in auktoriale Rede über. Der Kunstgriff des Rückwärtserzählens bietet reizvolle technische Möglichkeiten und weist dem Leser, der sich ständig neu orientieren muss, eine aktivere Rolle als gewöhnlich zu. Das Buch ist nichts für Leser, die schnelle, einfache Unterhaltung suchen. Jede Facette des Buches verlangt ungeteilte Aufmerksamkeit. Ein schwerer Stoff, federleicht erzählt, aber weder belehrend noch einschläfernd.

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  • Rezension zu "Das Walnusshaus" von Miljenko Jergovic

    Das Walnusshaus

    fu-tu-re

    29. September 2012 um 17:47

    ich komm bei dem Buch einfach nicht voran ...

  • Rezension zu "Das Walnusshaus" von Miljenko Jergovic

    Das Walnusshaus

    Hallogen

    Zum Glück lese ich ihn erst jetzt, aber Klappentexte wie der zu diesem Buch gehören verboten. Nur wenn man das ganze Buch gelesen hat, sich immer wieder gefragt hat, wieso es nur so heißt, sich durch diese Unmenge von Namen gekämpft hat, durch abstoßende Gewalt, Tragödien und Familiengeschichten, Kriegsabenteuer, Selbstmordversuche und noch viel mehr Personen der Zeitgeschichte, kann man den Wert dieses letzten Kapitels erfassen. Hier schreibt ein Autor äußerst souverän, hat alles im Griff, beginnt wie in einem Krimi mit einem Euthanasiefall, und nutzt diesen dann als Aufhänger für ein Werk, das als Familienchronik aufgebaut ist, dabei aber mit Elementen vom historischen Roman oder auch des sozialistischen Realismus spielt. Kriegsepisoden werden zu Burlesken und immer wieder wirkt sich das Zeitgeschehen direkt auf die Leben der Menschen aus. Trotz der zahlreichen Schauplätze (jedes Kapitel spielt in einem anderen Jahr, Handlungsort ist zumeist Dubrovnik, wobei das Personal ständig wechselt, seltener Sarajevo) gelingt es dem Autor einen Überblick über das kroatisch-bosnische 20. Jahrhundert zu geben (die im fünfzehnten Kapitel erzählte Geschichte, mit der das Buch beginnt, spielt im Jahr 2002, die am weitesten zurückreichenden Kapitel im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts). Für der Gegend unkundige Leser sind vielleicht einige wenige Spezialbegriffe unverständlich, eine ergänzende Erklärung von Wörter wie Carsija (das zentrale Marktviertel) oder den verschiedenen Gerichten/Speisen würde dem Buch gut tun. Das einzige Element, das mich minimal gestört hat, sind die offensichtlich aus Zeitungsartikel zusammengesuchten einführenden Worte zu den verschiedenen Zeiten, die teils etwas runtergeleiert werden, und die drei Horror-Aufzählungssätze, die zwischen 35 und 55 Zeilen lang sind. Auch sind die Gewaltphantasien etwas drastisch ausgefallen, aber nur in einem System mit zehn Sternen würde das Abzug geben. Jergovic ist hier ein großes Buch gelungen, das nie langweilig wird, und auch kurze Ausflüge ins Paris von 1968 oder ins Exilantenmilieu in Mailand, zu Siegmund Freud nach Wien oder an den Tisch von Tschetnikführer Draza Mihailovic wagt. Manche Ansicht so stehen zu lassen (z. B. das Verbrechen sich auch über Jahrzehnte hin bedingen), erscheint mir fragwürdig, habe ich aber als Meinung der Figuren gelesen.

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    Ein LovelyBooks-Nutzer

    23. January 2011 um 11:27
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