Taris ist gefallen.
Nachdem der Überraschungsangriff auf die Befehlszentrale im Jedi-Turm gescheitert ist, sind die Truppen des Widerstands im Rückzug begriffen. Von den Mandalorianern vor sich her getrieben, erreichen die Kämpfe bald die düsteren Winkel der von Rakghouls verseuchten Unterstadt. Auch der flüchtige Padawan Zayne Carrick und sein Ganovenfreund Gryph sehen sich plötzlich von den Kreaturen verfolgt und können nur dank der Hilfe der Jedi-Ritterin Celeste Morne gerettet werden. Was die beiden nicht wissen: Celeste Morne ist Mitglied des Jedi-Geheimbunds, welcher von Lucien Draay angeführt wird, und wurde beauftragt einen verloren gegangenes Sith-Artefakt sicher zu stellen, bevor es in die Hände der Mandalorianer gerät.
Der Muur-Talisman, ein machtvolles Werk von Karness Muur, einem Sith-Lord des alten Sith-Imperiums, kann laut einer Vision zufolge seinem Besitzer die Macht über die Rakghouls verleihen und ist vermutlich auch der Grund für den Ausbruch der Seuche auf Taris. Als Draay erfährt, dass sich auch Zayne Carrick in der Nähe befindet, weitet er Mornes Auftrag kurzerhand aus. Das Sith-Artefakt soll in Besitz gebracht, der flüchtige Padawan, in dem die Seher des Jedi-Geheimbunds einen möglichen neuen Sith-Lord befürchten, umgebracht werden. Doch Celeste Morne hat ihre Zweifel...
Fast viertausend Jahre später, knapp neun Monate nach Ausruf des Imperiums, ist die Crew der Uhumele auf dem Weg zu einem Treffen. In ihren Besitz befindet sich die Jebble-Box, welche der Legende nach den Körper einer Jedi und ein machtvolles Artefakt enthält. Doch die Zusammenkunft mit dem Ärchäologen, einem vermeintlichen Käufer, läuft nicht wie geplant. Darth Vader höchst persönlich hat Wind von der Sache bekommen...
Mit "Vektor I: Der Muur-Talisman" betritt Star Wars völlig neues Territorium. Es ist das erste Comic-Crossover des Erweiterten Universums (EU) mit einer Handlung, welche sich von "Knights of the Old Republic" über "Dark Times" und "Rebellion" bis hin zu "Legacy" erstreckt und damit alle derzeit laufenden ("Rebellion" wird bald von "Invasion" abgelöst werden) Reihen abdeckt. Vektor erzählt dabei die Geschichte des Muur-Talismans, eines Sith-Artefakts von unermesslicher Macht, dessen Geheimnis erst im zweiten Vektor-Band gelüftet wird und soll damit neuen Fans einen einfachen Einstieg in das mittlerweile so vielschichtige EU ermöglichen.
Diesen Anspruch kann Vektor I jedoch nur bedingt erfüllen, setzt es doch dafür zuviele Kenntnisse voraus, um gewisse Anspielungen und Hintergründe zu verstehen. Für alle Leser von der Kotor-Reihe ist der Sonderband aber auf jeden Fall ein Muss, da er die Ereignisse des letzten Bands "Tage des Hasses" fortsetzt und weiterführt. Dabei muss sich der Fan jedoch auf einen Qualitätseinbruch hinsichtlich der Illustrationen einstellen, die, man darf es ruhig so sagen, schlichtweg grottenhässlich daherkommen. Einige interessante Entwicklungen, besonders in Bezug auf Zayne Carrick, können dafür nur bedingt entschädigen. Lediglich der zweite, sich in der "Dark Times"-Ära abspielende Part, deutet das Potenzial der Idee an und ist auch was die Zeichnungen angeht ein echter Genuss. Zudem bleiben viele offene Fragen übrig, die den Griff nach Vektor II unabwendbar machen. Wie kann die Rakghoul-Plage unter Kontrolle gebracht werden? Welche Auswirkungen hat es auf die nachfolgenden Epochen?
Insgesamt ist "Vektor I: Der Muur-Talisman" ein durchschnittlicher Sonderband mit mäßigen Zeichnungen, der Neueinsteigern einen falschen und schlechten Eindruck vom SW-EU geben könnte, und von dem ich mir insgeheim viel mehr erhofft hatte.




