Milovan Danojlic

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Autor*in von Mein lieber Petrovic.

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Cover des Buches Mein lieber Petrovic (ISBN: 9783518421802)

Mein lieber Petrovic

 (2)
Erschienen am 06.12.2010

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Cover des Buches Mein lieber Petrovic (ISBN: 9783518421802)
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Rezension zu "Mein lieber Petrovic" von Milovan Danojlic

Serbische Emigrantenroman
KataRafvor einem Jahr

»Aber das echte Leben gibt es für dich und mich nirgends. Dort drüben ist es schwer, hier ist es schwer, am schwersten ist es mit sich selbst... Was mich angeht, am besten wäre es, wenn ich gleichzeitig an mehreren Orten stehen könnte, hier und dort sein, in der Heimat und in der Fremde, in Wohlstand und in Armut, in Freiheit und Einschränkungen, das alles gleichzeitig erleben.«

»Mein lieber Petrović« ist ein mit Melancholie und Einsamkeit durchtränkter Briefroman eines Intellektuellen Rückkehrers.

Putnik (der Reisende) gehört wie sein angeschriebener Freund Petrović zu jener Schicht der königstreuen Serb:innen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA auswanderten. Das Projekt Jugoslawien wird mit Ablehnung betrachtet, Feudalität, Traditionen und bürgerliche Bildung werden hoch gehalten. Ihre Erinnerungen und ein süßliches, sehnsüchtiges Bild von Heimat werden konserviert.

Putnik blickt in einem Gemisch zwischen Distanz, Desillusion und Sehnsucht auf Serbien, das noch Teil von Jugoslawien ist, im Vorabend der Kriege, die schon in der Luft liegen. Er schreibt um seine Existenz. Putnik erschreibt sich einen Platz, der ambivalent bleiben wird. Er sucht sein Zuhause in der Verbundenheit intellektueller Grenzgänger:innen, das er mit seinen Briefen an seinen Freund und an die Welt zu festigen versucht.

Es ist ein typischer Emigrations- Roman. Putnik bleibt ein Beobachter, im Außen blieb er in Amerika, im Außen bleibt er als Rückkehrer. Niemand interessiert sich in der alten Heimat für ihn, seine Sicht auf die Dinge, auch nicht für sein Geld. Putnik möchte eine Druckerei kaufen und eine Zeitung herausgeben, er scheitert an Bürokratie, Korruption und Ablehnung.

Spezifisch für die Region macht »Mein lieber Petrović« der Zeitpunkt und die Perspektive. 1990 veröffentlicht, spielt er in den 70er und 80er Jahren. Der Vielvölkerstaat, die Tito-Ära, der Sozialismus bröckeln längst, ohne dass sich erahnen lässt, was in den 90ern noch alles kommen wird. Putnik beobachtet eine nationalistische Radikalisierung, Liebe und Hass, ebenso wie Provizialismus, Pflegmatismus, Korruption.


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