Mira Jacob

 4.1 Sterne bei 16 Bewertungen

Lebenslauf von Mira Jacob

Mira Jacob absolvierte ihren Master in Kreativem Schreiben an The New School und gründete diverse Lesereihen in New York. Sie schreibt als Redakteurin für verschiedene Onlinemagazine und verfasst Beiträge für Fernsehen, Radio und Zeitschriften. „Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz“ ist ihr Debütroman.

Alle Bücher von Mira Jacob

Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz

Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz

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Erschienen am 12.03.2015
The Sleepwalker's Guide to Dancing

The Sleepwalker's Guide to Dancing

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Erschienen am 01.07.2014
World Languages - Colours

World Languages - Colours

 (0)
Erschienen am 17.06.2014

Neue Rezensionen zu Mira Jacob

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leseleas avatar

Rezension zu "Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz" von Mira Jacob

Netter Familienroman mit einigen Schwächen
leseleavor 2 Jahren

Amina ist Fotografin mit Leib und Seele. Doch gerade ihr erfolgreichstes Foto stürzt sie in eine schwere Krise: Sie hält den Selbstmord eines amerikanischen Ureinwohners fest, die Schuldgefühle erlauben ihr nur noch, als Hochzeitsfotografin in Seattle ihr Geld zu verdienen. Als ihre Mutter am Telefon andeutet, dass ihr Vater Halluzinationen habe, beginnt sie sich langsam aus ihrer Starre zu lösen: Sie kehrt zurück nach New Mexico und wird dort nicht nur mit der Sorge um ihren Vater konfrontiert, sondern auch mit der Trauer um ihren toten Bruder, die seit Jahren auf der Familie lastet. Hinzu kommen die Begegnung mit ihrer Jugendliebe und das alltägliche Chaos der indischen Großfamilie, die Amina dazu zwingen, sich ihrem Leben wieder zu stellen…

Ich glaube, noch nie waren 3 Sterne so gerechtfertigt und passend wie bei Mira Jacobs Debüt Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz. Kurz war ich versucht, der Rezension den Titel „Ganz nett, aber nichts Besonderes“ zu geben, doch der negative und harte Klang – den das Buch absolut nicht verdient – hielt mich davor zurück. Nichtsdestotrotz lässt sich mein Leseeindruck nach über 550 Seiten nicht besser zusammenzufassen. Als Leser trifft man im Roman nämlich auf eine Fülle von lebendigen und sympathischen Charakteren, einem angenehmen, lockeren Schreibstil, der einem direkt den Zugang zur Geschichte ebnet und eine Reihe von interessanten und emotional durchaus vielversprechenden Themen: Trauer, Verlust, Schuld, das Leben zwischen zwei Kulturen etc. Allerdings: Dies findet man alles auch in vielen anderen Romanen, die es auf dem deutschen Büchermarkt gibt. Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz wartet zwar mit viel Bekanntem, aber nichts Eigenem, geschweige denn Einmaligen auf. Man kann dieses Buch lesen – man verpasst aber auch nichts, wenn man es sein lässt.

Eine durchschnittliche Bewertung für ein durchschnittliches Buch? Das ist ein Grund, warum ich mich für diese Sternenanzahl entschieden habe. Der zweite ist, dass sich Stärken und Schwächen des Romans so perfekt die Waage halten, dass man im Endeffekt auf keinen anderen Durchschnittswert gelangen kann. Mira Jacobs zeigt durchaus Potential: Ihr geht das Schreiben leicht von der Hand, sie kann sowohl zwischenmenschliche Konflikte als auch die Emotionen der verschiedenen Figuren gut erfassen und an den Leser bringen; auch ihre gewählten Konfliktpunkte (Aminas Schuldgefühle ob ihres berühmten Fotos, die innere Zerrissenheit indischer Auswanderer und ihrer Nachfolger) sind interessant und bilden eine gute Ausgangslange. Jedoch macht die Autorin wenig daraus, fehlt es ihr doch an Mut, in die Tiefe zu gehen, die Oberfläche zu durchstoßen und so die Verbindung zwischen den einzelnen Themen stärker herauszuarbeiten. So wirkt die Geschichte leider nicht immer rund, was durch ein (noch) fehlendes Händchen für die passende Erzähldynamik verstärkt wird: Einige Handlungsstränge werden zu rasch erzählt, andere durch unnötige Wendungen in die Länge erzogen, wieder andere kommen in ihrem Ablauf so klischeehaft und bekannt daher, dass Überraschungen nicht zu erwarten sind.

Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz ist ein Buch, das ich nicht empfehlen kann, von dessen Lektüre ich aber auch nicht abraten will. Von daher gilt: Solltet ihr es in eurem Bücherregal stehen haben oder es geschenkt bekommen, dann verbringt ein paar nette Lesestunden mit dem Roman. Solltet ihr nicht Besitzer dieses Buches sein, investiert euer Geld getrost in ein anderes!

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BonnieParkers avatar

Rezension zu "Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz" von Mira Jacob

Leider abgebrochen
BonnieParkervor 3 Jahren


Der Klappentext klang für mich vielversprechend und nach einer spannenden Familiengeschichte. 
Das Cover sprach mich jetzt nicht unbedingt an, aber den Titel fand ich witzig und er machte mich neugierig was dahinter steckte. 
Ich muss gestehen, ich bin jetzt kein Bollywood-Fan und hatte bisher noch keinen Roman gelesen, der sich mit der indischen Kultur befasst. Daher war es für mich ein Versuch und ein spannendes Experiment mich mit einer solchen Literatur auseinander zu setzen. Leider muss ich für mich das Experiment als gescheitert erklären, da ich das Buch abgebrochen habe nachdem ich lange mit mir gerungen habe. Immer wieder habe ich es zur Hand genommen und versucht mich einzufinden, aber es konnte mich einfach nicht fesseln. Vielleicht ist es einfach nicht meine Literatur, aber ich fand es leicht verwirrend und sehr langatmig. Teilweise musste ich echt überlegen, wo die Autorin mit ihren Schilderungen den Leser hinführen wollte. Die indische Kultur wird hier sicher dem Leser näher gebracht und auch die Traditionen, Rollenverteilungen und die Esskultur. Leider blieb dies für mich das einzig positive. 
Letztlich konnte ich mich garnicht mehr motivieren und habe das Buch einfach auf der Seite liegen lassen. Ich bin sicher, dieses Buch hat seine Liebhaber aber ich gehöre eindeutig nicht dazu. 
Positiv war für mich der Charakter Amina ich fand sie sehr authentisch und sie war mir auch so sympathisch. Auch der Teil der in den Staaten spielt hat mir sehr gefallen. Alles in allem vergebe ich für dieses Buch, zumindest soweit wie ich durchgehalten habe 2 Punkte. 

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pardens avatar

Rezension zu "Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz" von Mira Jacob

Berührend, lebendig, hoffnungsvoll...
pardenvor 4 Jahren

BERÜHREND, LEBENDIG, HOFFNUNGSVOLL...

Amina arbeitet als Hochzeitsfotografin in Seattle, auch wenn ihre Fotokunst eigentlich viel weiter reicht. Doch nach einem spektakulären, von der Presse zahlreich abgedruckten Bild von einem Indianer, der sich im Federschmuck von einer Brücke stürzt, ist sie erschüttert von ihrer eigenen vermeintlichen Kaltblütigkeit und verschanzt sich hinter dem profanen Job der Eventfotos. Ihre Cousine Dimple ist es, die sie mit iher Quirligkeit und Lebensfreude zuweilen aus ihrer Mutlosigkeit holt, aber Amina hält fest an dem Vorsatz, keine besonderen Bilder mehr zu machen - höchstens heimlich und nur für sich...
Zu ihrer Familie hat Amina ebenso wie Dimple allenfalls noch rudimentären Kontakt, gelegentlich einmal ein Telefonat - durch ihren Weggang nach Seattle haben die beiden vesucht, ihre indischen Wurzeln weitgehend zu kappen und ein emanzipiertes, amerikanisches Leben zu führen. Doch dieser eine Anruf ihrer Mutter lässt die Situation kippen. Amina begreift, dass es nicht die übliche Lamentiererei ist, als ihre Mutter ihr berichtet, dass ihr Vater nunmehr bereits seit drei Nächten in Folge im Garten sitzt und redet. Nicht mit sich selbst, sondern mit Ammachy - seiner verstorbenen Mutter. Er kann sie sogar sehen. Amina sagt die Fototermine der nächsten Tage ab und macht sich auf den Weg nach Albuquerque in New Mexico.


Die Hochzeitsbeleuchtung war noch eingeschaltet und tauchte den Garten in dezentes goldenes Licht. Die Rückenlehne des Sofas und Thomas' Kopf hoben sich deutlich vor dem schimmernden Horizont ab. Das hohe Gras wogte im Wind, und Amina musste an einen Flößer in einem schwarz-grünen Strom denken. Seine Worte wehten in Böen zum Haus herüber. (S. 563)


Kaum wieder zu Hause, stürmt alles auf Amina ein. Die Mutter, die nicht glücklich ist, wenn sie ihre Familie nicht bekochen kann, die ihre Probleme in fulminanten Gerichten verkocht, die nur hört, was sie hören will, blind ist für Offensichtliches, sich in ihrem Glauben verschanzt und nie wirklich heimisch geworden ist in Amerika, nur ihrem Mann und ihrer Familie zuliebe nie zurückging nach Indien. Der Vater, der erfolgreich und anerkannt als Gehirnchirurg in einer ortsansässigen Klinik arbeitet, sich über seinen Beruf definiert, meist erst spätabends zu Hause ist und dann ganz für sich auf der Veranda seinen Scotch trinkt, der sich stets geweigert hat, nach Indien zurückzukehren, doch an den Konsequenzen bis heute zu leiden hat. Tanten, Onkel, die ganze redselige, farbenfrohe, bunte, neugierige, tratschende Verwandtschaft, die ständig ans Essen denkt und daran, wie Amina verkuppelt werden könnte - die ganzen Wurzeln sind wieder da und haben Amina im Griff.
Doch nicht nur die Sorgen um ihren Vater beschäftigen sie, auch ihre Vergangenheit holt sie ein. Frühere Besuche der Verwandten in Indien, ihre Schulzeit, der frühe Tod ihres Bruders - alles Themen, die sich unaufhaltsam ins Hier und Jetzt schleichen und ihre Spuren hinterlassen.


Endlich war ihr Vater glücklich. Das war unschwer zu erkennen. Sein Gesicht leuchtete vor Freude, und sein Blick hatte eine Intensität wie zu der Zeit, als er ein gefragter Chirurg war. Seine Hände flogen druch die Luft, als finge er vorbeiziehende Sätze ein. Mandchmal lachte er. Einmal drehte er sich sogar zu Amina um und zwinkerte ihr zu. Es kam ihr vor, als sei sie Teil einer großen, völlig verrückten Verschwörung. (S. 565)



Zehn Jahre hat Mira Jacob an diesem Roman gearbeitet - eine lange Zeitspanne, in der die Figuren liebevoll und bildhaft ausgestaltet werden konnten, die Szenen lebendig und anschaulich ausgefeilt wurden, die Gefühle ausreichend Platz bekamen, sich zu entfalten und die Handlungsstränge aus der Vergangenheit und der Gegenwart zu einer gelungenen Komposition verwoben werden konnten.
Von Beginn an hat mir dieser Roman gut gefallen; zunehmend konnte ich eintauchen in dieses Familienepos, mit all den schrulligen und skurrilen Personen, die dabei so lebensnah und glaubwürdig wirkten. Während anfangs der Humor überwog, mischte sich bald eine gewisse Traurigkeit und Wehmut in die Zeilen, denn die Autorin spart hier nicht mit berührenden und tragischen Themen: der Spagat zwischen den Kulturen, Angst, Liebe, Hoffnung, Verlust und Tod - eben die ganze Spannbreite des Lebens.

Ein tragikomisches, lebenspralles, hochemotionales Debüt, unterhaltsam und packend, anspruchsvoll und doch mit einer gewissen Leichtigkeit.

Von mir eine unbedingte Empfehlung!


© Parden




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