Mira Magén Zu blaue Augen

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Inhaltsangabe zu „Zu blaue Augen“ von Mira Magén

Hannah: eine Frau wie eine Vital-Infusion Hannah Jona ist 77 Jahre alt, Witwe, und ihre Augen sind so blau, dass man sie schnell für ein bisschen exzentrisch hält. Sie lebt in einem der schönen alten zweistöckigen Jerusalemer Häuser, ihre drei Töchter wohnen ebenfalls dort, jede unverheiratet, jede mit eigener Karriere und Wohnung. Johanna, eine Pflegerin aus Rumänien, sorgt sich, dass Hannahs Doppelleben entdeckt werden könnte. Was wird geschehen, wenn herauskommt, dass Hannah, die tagsüber im Rollstuhl sitzt (nicht zuletzt, um sich die Immobilienhaie vom Hals zu halten, die ihr das wertvolle Haus abluchsen wollen), sich nachts mit hochhackigen Schuhen in Bars herumtreibt, Männer trifft und sich betrinkt? Hannahs Töchter teilen die Sehnsucht der Mutter nach Leben und Liebe und respektieren ihren Versuch, der Tyrannei der Zeit die Stirn zu bieten – jede geht anders mit Hannahs Kapriolen um. In diese skurrile Menage kommt Rafi, ein junger Mann, der vorgibt, Dichter zu sein, und ein Apartment mieten möchte. Tatsächlich gehört er zu jenen Real-Estate-Zockern, die Hannah um ihr Haus bringen wollen...

Es gibt Romane, die lassen den Leser ratlos zurück. Eine (Lese-) Zeitverschwendung, aber irgendwie auch ganz charmant und schön. 2 Sterne!

— Floh
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  • Tabula rasa! ...Dieses Buch besitzt einen eigenen Charme. Zeitverschwendung? Ja, ein wenig schon...

    Zu blaue Augen
    Floh

    Floh

    22. April 2017 um 00:43

    Es gibt Romane, die lassen den Leser ratlos zurück. Eine (Lese-) Zeitverschwendung, aber irgendwie auch ganz charmant und schön. Hat mich sehr früh gefangen genommen, auf besonderer Art beeindruckt, stets gelangweilt aber auch nicht mehr losgelassen und am Ende des Buches frage ich mich: Was will mir diese Geschichte eigentlich erzählen?!? Unaufgeregt, sachlich, wandelbar im Blick, ohne besonderem Kern, aufbauend und allumfassend. Ganz großartig erzählt, noch nie habe ich so ein Buch kennengelernt und durchgehalten…Diese Rezension fällt mir gar nicht so leicht, da ich gar nicht dazu im Stande bin, diesen Roman der israelischen Ausnahme-Autorin Mira Magén in Worte zu fassen. „Zu blaue Augen“ lädt den Leser des vielversprechenden Klapptextes dazu ein, sich eigene Assoziationen zur Geschichte zu bilden. Eine 77 jährige Greisin, die wie eine Frischekur wirkt und ein Leben wie in jungen Jahren führt… Eine Greisin, die alle zum Narren hält und mit ihrer gespielten Demenz die Vorzüge des Alters und der Pflegekraft genießt, eine Greisin, die ihre inzwischen drei erwachsenen Töchter allein großgezogen hat, da der Mann und Vater zwei Stunden nach dem Hauskauf verstarb und Hannah Jona nun allein für Haus, Hof, Garten und der Kinder verantwortlich war. Hannah Jona, vom Leben gezeichnet und nun stellt sie dem Alter ein Schnippchen. Herzerfrischend, Ideenreich, innovativ und charmant erzählt. Mal ganz ehrlich? Wer bleibt bei diesem vieldeutigem Titel, dem dezenten Cover mit dem verheißungsvollen Klapptext nicht an diesem Hardcover Roman hängen, um ihn wenigstens einmal zur Hand zunehmen, und sich vorzustellen, was sich zwischen diesen beiden Buchdeckeln verbirgt. Auf mich wirkte dieses Buch wie eines, was man einmal anfasst und mitnehmen muss. Vielversprechend, neugierig machend und eigentlich nichtssagend und dennoch so viel transportierend. Da ich bereits mit israelischen Autoren und Autorinnen sehr bewegte und intensive Leseerfahrungen gesammelt habe, habe ich mich gefreut, mit Mira Magén eine weitere Ausnahmeautorin in meinen Erfahrungsschatz aufzunehmen. Dieser Roman ist eine Zeitverschwendung, aber auch eine schöne…Erschienen im dtv Verlag (https://www.dtv.de/)Inhalt / Klapptext:„Hannah: eine Frau wie eine Vital-Infusion-Hannah Jonah ist 77 Jahre alt, Witwe, und ihre Augen sind so blau, dass man sie schnell für ein bisschen exzentrisch hält. Sie lebt in einem der schönen alten zweistöckigen Jerusalemer Häuser, ihre drei Töchter wohnen ebenfalls dort, jede unverheiratet, jede mit eigener Karriere und Wohnung. Johanna, eine Pflegerin aus Rumänien, sorgt sich, dass Hannahs Doppelleben entdeckt werden könnte. Was wird geschehen, wenn herauskommt, dass Hannah, die tagsüber im Rollstuhl sitzt (nicht zuletzt, um sich die Immobilienhaie vom Hals zu halten, die ihr das wertvolle Haus abluchsen wollen), sich nachts mit hochhackigen Schuhen in Bars herumtreibt, Männer trifft und sich betrinkt? Hannahs Töchter teilen die Sehnsucht der Mutter nach Leben und Liebe und respektieren ihren Versuch, der Tyrannei der Zeit die Stirn zu bieten – jede geht anders mit Hannahs Kapriolen um. In diese skurrile Menage kommt Rafi, ein junger Mann, der vorgibt, Dichter zu sein, und ein Apartment mieten möchte. Tatsächlich gehört er zu jenen Real-Estate-Zockern, die Hannah um ihr Haus bringen wollen...“„Er trat ein, und das Blau in den Augen der Greisin traf ihn bis ins Mark. Sie saß im Rollstuhl, und weil es ihm schwerfiel, ihrem Blick standzuhalten, musterte er ihre Gestalt, sah ihre verdorrten, eng an dem Körper gezogenen Glieder und dachte, viel ist aus der nicht rauszuholen.“ (Zitat Seite 10)Handlung:Hannah Jona ist verwitwet, sie zählt 77 stolze Lebensjahre, hat drei erwachsene Töchter, eine 7 jährige Enkeltochter, einen großen Hof mit Haus und Anliegerwohnung mitten im Zentrum von Jerusalem, eine illegale ausländische Pflegekraft, bald einen neuen Mieter und ein Kaninchen. Ja, Hannahs Leben befindet sich wahrlich in Aufbruchsstimmung. Hannah hat erkannt, dass es sich lohnt in einem gewissen Alter, die Vorzüge der senilen Greisin zu Nutze zu machen. Ab sofort wird sie alle in ihrem Umfeld zum Narren halten und die demente Alte mimen, die ihre klaren, aber meist abgedrehten Phasen und Momente hat. Herrlich, wer darf schon im alten Unterkleid durch den Garten stromern, wer darf Tags im Rollstuhl sitzen und Nachts aufgedonnert und schrill in den angesagten Bars flanieren und sich betrinken? Wer darf sich das Recht unangebrachter Ausbrüche herausnehmen? Wer bekommt Zuwendungen von der Sozialkasse und eine eigene Pflegerin? Hannah genießt dieses ungezwungene neue Leben, was sie führt. Alles unter dem Deckmantel der auferlegten und selbst gewählten Demenz. Einer fühlt sich von Hannahs Verwirrtheit ganz besonders stark angezogen: Rafi, der spontane Dichter, der eine inspirierende Bleibe sucht und bei Hannah nach einem Zimmer fragt. Rafi ist natürlich kein Dichter; Rafi ist arbeitslos, durchschnittlich hässlich, alleinstehend, hat eine dicke Brille und den Auftrag der alten Frau Jona das Grundstück abzuschwatzen. Denn der Immobilienhai Burschi hat bereits das gesamte Areal aufgekauft und größtes Interesse an Hannahs Grund und Boden. Doch wie soll man eine alte Dame, eine illegale rumänische Pflegekraft, drei Töchter, ein Enkelkind und das Hauskaninchen Herzl dazu zu bewegen das Grundstück zu verkaufen, wo doch an jedem Stein die verstorbene Seele des haftet?... Rafi beißt sich die Zähne aus und dann spielt das Schicksal seine eigene Melodie…„Simona hatte geschwiegen und eine Krähe beobachtet, die unter denen, die sich im Baum versammelt hatten, ihren Platz nicht fand und kreischend ihr Recht forderte.“ (Zitat Seite 20)Äußeres / Cover:Das Buch liegt als Hardcover mit Schutzumschlag vor. Es ist sehr hochwertig verarbeitet, die Seiten weisen eine angenehme Haptik auf, das Schriftbild ist sehr locker und ansprechend, die Kapitel besitzen eine angenehme Länge. Das Cover ist sehr dezent, hat aber auch den Eindruck von einer Flucht, von einem Vorstoß, einem Wettlauf oder einem Aufbruch. Unaufgeregt, dezent, unauffällig und schlicht. So wie sich das gesamte Konzept und die Umsetzung des Romans zeigen. „Jehuda, mein seliger Mann, hat für dieses Haus einen Groschen zum anderen gelegt und hat es zum Schluss mit seinem Leben bezahlt. Zwei Stunden nachdem er den Vertrag unterschrieben hatte, ist er tot umgefallen. In diesem Hof gibt es keinen Stein, der nicht den Abdruck seiner Seele trägt, nicht einen einzigen. Sagen Sie mir, welches Geld der Welt könnte mich von hier wegbewegen?“ (Zitat Seite 43)„Das Mädchen kaute am Halsausschnitt seines Pyjamas, stampfte noch einmal auf, hob einen Stein, warf ihn gegen einen der Baumstämme und sagte: „Habt ihr gesehen? Opas Seele hat dem Baum eine geknallt.““ (Zitat Seite 43)Schreibstil:Der Roman beginnt direkt mit der Geschichte. Wir lernen den einsamen und unauffälligen Rafael, genannt Rafi, kennen, der sich auf einen verlockenden Deal mit einem Makler eingelassen hat. Rafi soll das alte Anwesen der Familie Jona abwerben, sodass Hannah dieses Grundstück im Herzen von Israel verkauft. Die alte Hannah Jona wohnt dort mit ihren drei erwachsenen Töchtern, Simona, Jardena und Orna. Die fünfte Frau im Hause der „Nanas“ ist Johanna, die rumänische Pflegekraft. Außerfdem lebt Jardenas 7jährige Tochter Dana mit ihrem Kaninchen Herzl in dem Haus mit dem verwilderten Garten. Diese Familie aus diesen fünf oder sechs Frauen ist ein ganz besonderer Bund. Diese Konstellation spricht Bände und die Autorin Mira Magén schafft es, dieses Zusammenleben, oder Nebeneinanderherleben in nachvollziehbare Worte und Bilder zu kleiden. Perfekt. Hierfür kreiert die Autorin unterhaltsame Dialoge, neigt hie und da zu Situationskomik, angespannten Situationen und unmöglichen Begegnungen. Ihr Schreibstil besitzt etwas, was den Leser sofort gefangen nimmt und nicht mehr freilassen will. Beim Lesen des Buches hatte ich gemischte Gefühle und Empfindungen. Wann immer ich mit dem Gedanken gespielt hatte, dass Buch vorzeitig zu beenden, klarte sich die Stimmung wieder auf und das Lesen war einfach zu schön um es aufzugeben. Diese Lesebesonderheit habe ich noch nie vorgefunden und erlebt. Ein Für und Wider. Mira Magén schafft eine authentische Atmosphäre, zeigt das moderne Israel, steckt in den Gedanken und Köpfen der Landleute, malt Bilder aus Worten, preist Metaphern, neigt zur Poesie, Melancholie, Heiterkeit, Lebensfreude, Glück und Freiheit. Mira Magén schreibt einen unaufgeregten und langsamen Plot, der viel erzählt aber kaum eine Aussage trifft. Nach Beenden des Buches frage ich mich nun, wozu ich den Roman gelesen habe und was er mir sagt oder beschert? Für mich lässt er kaum etwas zurück. Außer die erstmalige Leseerfahrung so eine Art Romanumsetzung gespürt zu haben. Interessant. Aus dritter und beobachtender Sicht erzählt begleiten wir die Alte Hannah Jona mit ihren Töchtern und Pflegerin Johanna, sowie den gebeutelten und ratlosen neuen Mieter und Dichter (Tichter) Rafi. „Sie zerbrechen sich nicht den Kopf über etwas, das geringer ist als das Leben selbst. Wenn sie leben, leben sie, wenn sie tot sind, sind sie tot, und solange sie leben, wissen sie nicht, dass sie sterben werden.“ (Zitat Seite 76)Schauplätze:Der Handlungsort in diesem Roman ist Israel / Jerusalem. Mitten im Zentrum der toristischen und aufstrebenden Metropole mit seinen Glaubensrichtungen und Religionen lebt die Familie Jona mit ihren fünf Frauen und einem Mädchen. Hannah Jona hat ihren Mann früh verloren, nachdem die Familie dieses Haus gekauft hat. Von nun an war Hannah mit ihren drei Mädchen auf sich allein gestellt. Zwar sind Simona, Jardena und Orna inzwischen erwachsen und führen ein eigenes Leben, doch wohnen alle drei Schwestern noch immer in diesem Elternhaus. Simona hat sich von Michael getrennt und konzentriert sich voll und ganz auf ihren Beruf im Krankenhaus. Orna arbeitet im Konzern ihres Liebhabers und Chefs Zachi und strotzt vor Selbstbewusstsein. Jardena hat eine 7jährige Tochter, die sie mitlaufen lässt und um die sich jeder immer ein bisschen kümmert. Dana wirkt ein bisschen verwahrlost und unscheinbar. All die einzelnen Handlungsorte und Settings werden von der Autorin wahrlich zum Leben erweckt. Vor allem das bunte Leben auf dem Grundstück der Jonas, der verwilderte Garten, das pulsierende Leben hinter der Mauer und den Toren zum Grundstück, das kulturelle Tel Aviv, die Busfahrten, das Krankenhaus, die Baukräne und Rafi der versucht einen Zugang zur Familie zu schaffen… Die Gegenwart, ein Rückblick, eine Momentaufnahme, ein Gedanke, eine Erinnerung, eine Metapher, ein Mantra, Leben und Tod, ein schmaler Grat, das hier und jetzt… Doch der Kern der Geschichte scheint die Wertschätzung des Alters zu sein. Die Erzählungen von Hannah und ihrer späten Liebe zu Bruno, ihre selbstauferlegte Demenz, der Wandel, die Erkenntnis und das Leben der Hannah Jona allem zum Trotz… Die Autorin führt uns durch lebendige Gassen, durch Farben, Geschmack und Sinneseindrücke, durch Kultur, Musik, Land und Leute, Straßen, Staus und Jahreszeit. Hindurch zwischen drei roten Blusen und Schals gegen den bösen Blick. Mira Magén zeigt uns ein modernes und kulturelles Israel als Rahmen einer sehr interessanten und nicht leicht in Worte zu fassenden Geschichte. Die Orte und Schauplätze werden so beschrieben, wie die Protagonisten sie sehen und wahrnehmen. Man sieht und erlebt dieses Buch mit den Augen der Erzähler und der Charaktere und Wegbegleiter im Buch. „Wir haben das Feuerwerk verschossen, und der Lack ist ab. Ich sehe nicht, dass wir Morgen für Morgen zusammen aufstehen, uns mit Kaffee und Zeitung gegenübersitzen, zur Arbeit gehen, im Supermarkt den Einkaufswagen vor uns herschieben und so weiter. Machen wir uns nichts vor: Am Anfang war es wunderbar, danach gut, jetzt ist es nett, bald wird es nur noch erträglich sein und dann auch das nicht mehr.“ (Zitat Seite 108)Charaktere:Der Klapptext des Buches weist bereits darauf hin, dass wir eine besondere Konstellation an die Liebes- und Lebensgeschichte rund um Hannah Jona erleben werden. Hannah ist 77 Jahre alt und denkt noch lange nicht daran, den Löffel abzugeben. Im Gegenteil: sie mimt die senile und demente alte Dame und kostet die Vorzüge der Unzurechnungsfähigkeit wahrlich aus. Ihre Pflegerin Johanna ist zu einer guten Freundin und Gefährtin geworden. Hannahs Töchter leben zwar unter demselben Dach, führen aber ihr eigenes eingefahrenes Leben. So fällt es zunächst niemanden auf, dass sie zwar tagsüber im Rollstuhl sitzt, vor allem wenn Gefahr droht, dass die Behörde der Pflegekasse eine Kontrolle vornimmt, aber Nachts exzessiv in angesagten Clubs feiert und sich aufbrezelt wie ein junger Hüpfer. Bis eines Tages ein Mann vor der Türe steht und um ein leeres Zimmer bittet. Er sei ein talentierter Dichter und sucht eine Bleibe zur Inspiration. Eine andere Ausrede fiel ihm auf die Schnelle nicht ein, nur zu dumm, dass Rafi eigentlich gar nicht zur Poesie neigt. Da Rafi einen Auftrag zu erfüllen hat, beginnt er die Familie Jona zu beobachten. Und macht schnell sonderbare Entdeckungen, Beobachtungen, Enthüllungen und fragt sich, was die Alte nachts in den Bars treibt?!?... „Hör zu, mit solchen Händen solltest du lieber anfangen, an Gott zu glauben. Er hat sie dir gegeben, und glaub mir, das ist nicht seine normale Konfektionsware, das ist echte Handarbeit von Engeln.“ (Zitat Seite 115)Die Autorin Mira Magén gibt ihren Charakteren durch liebevolle Details und Skizzierungen ein individuelles Gesicht und eine wunderbare Charakterstudie. Irgendwie wachsen sie einem alle ans Herz. Auf wundersamer Weise. „Ihr brauchte man nicht zu erzählen, dass auf diesen freudlosen Fluren die sinnliche Liebe mit dem Tod flirtete, dass hier Lieben entflammten, die keine Zeit verlieren durften und deren Funken bis zum Himmel stoben. Sie wusste, welch starke Anziehungskraft der Strahlenkranz der Ewigkeit besaß, der Todgeweihte umgab, besonders die Jungen, die bei klaren Verstand waren und wussten, dass sie sterben würden.“ (Zitat Seite 173)Kritikpunkte:Dieses so wundersame Buch hat seine schönen und beeindruckenden Momente, aber es hat auch einige Schwächen und Stolpersteine, die meinen Lesegenuss geschmälert haben. • Das Buch nimmt den Leser schnell gefangen. Und da man diese Gefangenschaft nicht so schnell wieder aufgeben mag, bleibt man am Buch haften. Leider nimmt es aber auch schnell eine gewisse Routine ein und wirkt sehr langweilig und unaufgeregt. Es fehlt an Dynamik und Tempo. So zieht und schleppt man sich manchmal wirklich widerwillig durch die Seiten, weil man einmal Gefangener des Buches war und sich den Seiten hörig fühlt. • Resümierend war das Buch für mich eine Zeitvergeudung, zwar eine die ich gern geopfert habe, aber dieses Buch hat mir wirklich nichts gebracht. Das habe ich so in der Form auch noch nie empfunden. • Über das kleine Mädchen, Dana (Danuschka, Danela) die Tochter von Jardena, wird immer in der sachlichen Grammatik gesprochen. Ihr Genus wird mit seiner, seine, es usw. beschrieben anstatt ihre, ihr oder sie. Das ist sehr ungewöhnlich und fremdartig und gefällt mir wenig. • Sabine Friedrich schreibt sehr bildhaft und neigt zu Metaphern und Poesie. Man muss diese Sinnbilder mögen und verstehen. Bei einigen fiel es mir besonders leicht, andere Wortmalereien waren für mich eher fragwürdig, bzw. nicht mein Denken und Handeln. • Einige Passagen sind sehr ausschweifend und gar nicht wegweisend für den Plot. Da fragt man sich, warum man diese Szenen im Buch vorfinden musste. • Nach Beenden des Romans frage ich mich nun, was ich von diesem Buch habe? Eigentlich hinterlässt es für mich nichts, außer einem großen Fragezeichen. „… ich habe Augen in allen Größen, Formen und Farben gesehen, bis ich in diese Einrichtung kam und diese Augen entdeckt habe. Die gibt es nur einmal auf der Welt. Es ist nicht das Blau, auch meine sind blau, es ist diese Mischung von süß und bitter, von traurig und fröhlich, von einem kleinen Kind und einem alten Mann. Mit dreiundachtzig hat er noch ein solches Drama in den Augen!“ (Zitat Seite 190)Meine Meinung:Ich bin von diesem Buch so verwundert und verwirrt, dass ich nicht weiß, wie ich dieses Leseerlebnis beschreiben oder bewerten soll. Ich war von dem Buch auf eine besondere Weise angetan und Gefangene der Seiten. Allein der Titel hatte eine magische Anziehungskraft in Hinblick auf das treffend gewählte Cover und dem vielversprechenden Klapptext. Die Gestaltung des Gesamtwerks ließ schon anmerken, dass es sich hier um ein ganz besonderes Stück Literatur handelte und die Thematik mit verschiedenen Emotionen durchwebt sein muss. Ich bewundere, mit welcher schriftstellerischen Gabe, Eindringlichkeit und Intensität die Autorin den Einblick in das Leben dieser fünf unterschiedlichen Frauen gewährt. Das Buch ist dezent, unaufgeregt, sacht, seicht, humorvoll, charmant, bildreich, vorwitzig, innovativ, geladen, komplex, konfus, gesellschaftskritisch, nachvollziehbar, fragwürdig, oberflächlich, klischeehaft, modern, durchwebt, geborgen, hoffnungsvoll, verlebt, durchlebt, aufgreifend, melancholisch, poetisch, sittsam, rebellisch, mahnend, appellierend und klug. Es hat mich auch gewiss nachdenklich gestimmt, aber eher fragend zurück gelassen. Was will mir dieser Roman mitteilen? „Vom Meer her wehten salzige Dämpfe und erfüllten die Luft., die Sonne ging gerade unter und zog sich hinter dunkles Rosarot zurück, und an diesem Zeitpunkt und an diesem Ort war es ihr leichtgefallen zu glauben, dass dieses Gute für immer andauern würde.“ (Zitat Seite 251)Interessant und lobenswert finde ich die Erzählstränge aus Vergangenheit, Erinnerung, Erlebtem und der Gegenwart. Eine Liebe, eine Religion, ein Glaube und eine Hoffnung. Das lockert auf und bringt neben der fragwürdigen Zusammenwürfelung unterschiedlicher Existenzen auch eine Nebenhandlung im frischen und amüsanten Stil zum Vorschein, die Liebe im Alter. „Die Stimmung des neuen Mieters sank, die Stunde der Gnade war vorüber, er hörte, wie die Engel einpackten, ihre Flügel ausbreiteten und davonflogen. Auf einem Schlag sah er wieder seine ganze Erbärmlichkeit wie Wäsche an einer Leine hängen.“ (Zitat Seite 333)Die Autorin:„Mira Magén, Anfang der fünfziger Jahre in Kfar Saba (Israel) geboren, blieb der orthodoxen, ostjüdisch geprägten Welt ihrer Kindheit bis heute verbunden, die Stationen ihrer Biographie verraten jedoch eine Revolte: Studium der Psychologie und Soziologie, Ehe und Kinder, alle fünf Jahre ein anderer Beruf - Lehrerin, Sekretärin, Krankenschwester und schließlich Schriftstellerin. Magén zählt neben Zeruya Shalev zu den bedeutendsten Autorinnen ihres Landes. Ihr Werk, das Romane und Erzählungen umfasst, wurde u.a. mit dem Preis des Premierministers 2005 ausgezeichnet. Mira Magén lebt in Jerusalem und hält viel beachtete Poetik-Vorlesungen, derzeit an der Hebräischen Universität Jerusalem.“„Er hat mich überall hinbegleitet. Für einen Menschen, der kein Zuhause hat, ist der Koffer sein Zuhause“ (Zitat Seite 369)Fazit:Dieses Buch ist einfach absolut anders. Es war eine Zeitvergeudung, aber auch Zeit die ich gern geopfert habe. Trotzdem frage ich mich, was ich nun von diesem Buch habe? 2 keinesfalls schlechte Sterne vergebe ich diesem besonderen Buch. Hier ist meine persönliche Lesechronik mit meinen Leseeindrücken und meinen Hochs und Tiefs:https://www.lovelybooks.de/bibliothek/Floh/lesestatus/1430394383/

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