Mirco von Juterczenka

 4.8 Sterne bei 5 Bewertungen

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Wir Wochenendrebellen

Wir Wochenendrebellen

 (5)
Erschienen am 07.12.2018

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Rezension zu "Wir Wochenendrebellen" von Mirco von Juterczenka

Unterhaltsam, berührend und eindrücklich. Eröffnet neue Erfahrungswelten. Lieblingsbuch!
Bücherfüllhorn-Blogvor 10 Monaten

Es gibt wenig, was mich wenig interessiert, und dazu gehört Fußball. Deswegen habe ich dieses Buch misstrauisch beäugt und es hat mir mal wieder gezeigt, warum man öfter mal quer-beet lesen sollte, um auf kleine unverhoffte Buchschätze wie dieses hier zu stoßen, dass einem ganz neue Erfahrungswelten eröffnet. Gerade Nicht-Fußball-Fans möchte ich dieses Buch ans Herz legen, denn Fußball erhält hier einen ganz neuen ungewöhnlichen Stellenwert.

Diesen überraschenden Blickwinkel verdanken wir Jason, ein Asperger-Autist und Sohn von Autor Mirco von Juterczenka. Beide gehen auf Stadiontour, überwiegend in Deutschland und den angrenzenden Nachbarsstaaten. Dafür gibt es ein festes Regelwerk, von der Anreise mit dem Zug bis hin zu der Mitnahme einer Erinnerung.

Überhaupt besteht das Leben eines Asperger-Autisten aus vielen Regeln. Ungewöhnlichen Regeln, oder auch Regeln, über die sich ein normaler Mensch keine Gedanken machen muss. Mirco von Juterczenka geht diesen auf den Grund. Denn oft haben diese Regeln von Jason einen triftigen Grund. Aus der Perspektive eines Asperger-Autisten hört es sich dann oft ganz logisch an. Und wehe, die Regeln oder ein Versprechen werden nicht eingehalten, oder es gibt eine Abweichung von der Routine, das bedeutet eine Stresssituation für Jason und für die Familie, die Angelegenheit eskaliert. Wie genau man sich das vorstellen kann, ist im Buch beschrieben, brutal ehrlich, heftig. Dies hat oft unschöne Außenbeurteilungen und Ferndiagnosen der „Zuschauer“ zu Folge. Wie gut, dass beide Eltern diesbezüglich abgehärtet sind. Für Außenstehende sind es oft merkwürdige Verhaltensweisen von Eltern und Kind. Die Kraft, die beide Eltern dafür brauchen, kann glaube ich keiner ermessen.

Bereits nach ein paar Seiten wusste ich, dieses Buch würde mir gefallen, dieses Buch würde mir einen neuen Blickwinkel eröffnen. Vor kurzem habe ich von der Glasknochenkrankheit bei Robert Schulte gelesen, und jetzt lese ich hier über Asperger-Autismus und eine ungewöhnliche Vater-Sohn Beziehung.

Natürlich wird im Buch auch über Fußball, über Stadien, Zuganfahrten, Fankurven und Spiele berichtet. Ich als „Laie“ konnte mit einigen „internen“ Fußball-Infos nichts anfangen. Diese Szenen bargen dann auch gewisse Längen, die aber gleich wieder unterhaltsam mit Jasons Blickwinkel auf das Geschehen abgemildert wurden. Also, Fußball kommt auch viel in diesem Erfahrungsbericht vor, aber selbst ich als Nicht-Fußball-Fan empfand das nicht so tragisch.

Alles in allem:
Unterhaltsam und sehr berührend. Unbedingt sollten auch Nicht-Fußball-Fans dieses Buch lesen. Denn es wird nicht nur über den ungewöhnlichen Blickwinkel eines Asperger-Autisten auf Fußball-Vereine und Fußballstadien berichtet, sondern auch über den normal Alltag mit Schule und Familie. Zudem lag die Stärke für mich noch darin, dass die Eltern ihrem Kind weitgehende Freiheit zur Entfaltung gelassen haben. In Anbetracht der Umstände sicherlich nicht einfach, dafür umso bewundernswerter.

Lieblingsbuch!

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R

Rezension zu "Wir Wochenendrebellen" von Mirco von Juterczenka

Wer nochmehr über dieses Buch erfahren möchte:
rebigervor einem Jahr

Mirco von Juterczenka, den ich großartigerweise persönlich kenne, ist ein hervorragender Mensch. Intelligent, aufgeräumt, humorvoll, verständnisvoll. Das merkt man in jeder Zeile des Buches und auch in meinem Interview, das ich mit ihm für meinen Podcast geführt habe:

http://baelleundbuecher.podigee.io/2-wir-wochenendrebellen
















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Sikals avatar

Rezension zu "Wir Wochenendrebellen" von Mirco von Juterczenka

Eine besondere Beziehung entsteht
Sikalvor einem Jahr

Ein kleiner Junge und sein Vater beginnen vor Jahren aufgrund eines Versprechens damit, sämtliche Fußballstadien Europas zu bereisen, um die Lieblingsmannschaft des Jungen zu finden. Jason ist Asperger-Autist und hat anfangs etliche Schwierigkeiten, sich auf diese ungewöhnlichen Situationen einzulassen. Er (und die ganze Familie) leben nach einem mehr oder weniger funktionierenden Regelwerk, welches sich nur aufrechterhalten lässt weil die Eltern äußerst kreativ aus eigentlich nebensächlichen Alltagssituationen, die für Jason so wichtige strukturierten Abläufe schaffen.

In dem Buch wird nicht nur die Geschichte über Stadienbesuche, Pissrinnen, Betonwände und Problemlöse-Papa erzählt, sondern vor allem – und das finde ich großartig – liest man eine empathische Darstellung der zwischenmenschlichen Vater-Sohn-Beziehung, die sich in etwas Besonderes verwandelt. Vater Mirco liebt seinen Sohn so bedingungslos, mit all seinen Ecken und Kanten, dass es sehr berührt. Man freut sich für Jason, dass er in einem dermaßen liebevollen Familienverband aufwachsen darf, in dem Autismus nicht bekämpft wird, sondern in dem man diesen annimmt und damit lernt zu leben – fernab gesellschaftlicher Konventionen und gutgemeinter Ratschläge.

Der Schreibstil ist sehr humorvoll, einfühlsam und äußerst positiv. Während des ganzen Buches erfährt man immer wieder über Respekt und Wertschätzung, die der Autor nicht nur seinem Sohn, sondern auch seiner Frau und seiner kleinen Tochter entgegenbringt. Das einzige was mich wirklich oft gestört hat, waren die Passagen, in denen von „dem Sohn“ gesprochen wurde – das war mir irgendwie zu distanziert und passt auch nicht zu den anderen liebevollen Aussagen.

Am Ende des Buches befindet sich noch ein mehrseitiges Glossar, in dem Begriffe der Fußballerwelt für alle Nicht-Fußballer sowie auch familieninterne Insider-Begrifflichkeiten und Jasons naturwissenschaftliche Interessensgebiete benannt werden, wie z.B. Krieg im Kopf, mit dem Jason oftmals zu kämpfen hat, Klatschpappen, Quantenmechanik oder den Schnippinator

Eine wunderbare Geschichte über das Lernen und Lehren, Vertrauen und Versprechen, über Lieben und Rebellieren.

„Im Grunde genommen war und ist es recht simpel: Wenn unser Sohn glücklich ist, lieben wir ihn, ist er traurig, lieben wir ihn, ist er verzweifelt, nachdenklich, überfordert, unterfordert oder abgehoben, lieben wir ihn. Lieben ist ein Verb. Verben beschreiben eine Tätigkeit. Wir tun etwas: Wir lieben ihn – immer.“

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Mirco von Juterczenka wurde am 11. März 1977 in Solingen (Deutschland) geboren.

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