Mireille Zindel Irrgast

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Inhaltsangabe zu „Irrgast“ von Mireille Zindel

'Da erinnere ich mich, dass ich ihn hatte umbringen wollen. Und ich begreife, dass es dazu für immer zu spät ist. ' Die 35-jährige Eli beobachtet, wie ihr Freund vor ihrer Haustüre brutal ermordet wird. Mireille Zindels Debüt 'Irrgast' ist allerdings kein Krimi, sondern ein sprachlich wie inhaltlich herausragender Roman über eine einsame Frau, über eine tragische Beziehung und den Weg zurück zu sich selbst. 'Irrgast' erzählt die Geschichte der 35-jährigen Elisabeth Vil, die nach der Ermordung ihres verhassten Freundes in eine Art Fieberwahn gerät, völlig isoliert lebt, jegliche sozialen Kontakte aufgibt und erst durch die Bekanntschaft mit der extrovertierten Nachbarin Anna allmählich wieder ins Leben findet. 'Irrgast' entfaltet sich als intimes Kammerspiel, mit wenigen Schauplätzen und Figuren, die Geschichte ist dicht und knapp erzählt. Der jungen Autorin Mireille Zindel ist eine seltene, hervorragende Einheit aus Sprache und Geschichte gelungen, ein Roman voller unerwarteter Wendungen, ein Debut, das seinesgleichen sucht. 'Irrgast' lässt einen nicht mehr los und hallt lange nach.

Das ornithologische Motiv des Irrgastes wurde gut verarbeitet, aber der sprachliche Stil ist mir nicht besonders genug.

— Julino
Julino

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  • Mireille Zindel: Irrgast

    Irrgast
    Julino

    Julino

    17. August 2016 um 15:41

    Ein Vogel wird in der Ornithologie als Irrgast bezeichnet, wenn er während des Vogelzugs gewissermaßen vom Weg abkommt. Die gestrandeten Vögel tauchen dann in Gegenden auf, welche weit entfernt sind von ihren eigentlichen Brutplätzen oder Überwinterungsquartieren. Meist finden die verirrten Vögel nicht in ihre angestammten Gebiete zurück und finden an dem neuen Ort einen früheren Tod. Die Schweizer Schriftstellerin Mireille Zindel hat dieses Motiv in ihrem 2008 erschienenen Debütroman Irrgast (Salis Verlag) literarisch verarbeitet und auf ihre Hauptfigur Eli angewendet. Eli ist 35 Jahre alt, Ärztin und lebt in Zürich. Ihrem Beruf geht sie momentan, zumindest in der erzählten Zeitspanne, nicht nach. Eli steht unter Schock, denn sie musste mit ansehen, wie ihr Freund Elias vor ihrer Haustür erstochen wurde. Der Fall erweckt großes Aufsehen. Ein Detektiv wird eingeschaltet. Er und sein Assistent ermitteln fortan im Fall Elias. Doch aus Eli bekommen sie nicht viel heraus. Sie kann sich nicht an das Aussehen des Mörders erinnern und schweigt deshalb vehement. Die nächsten Tage fühlt sich Eli vollkommen deplatziert in der Welt. Sie versinkt in Depressionen und verlässt nur für Spaziergänge am See das Haus. Ziellos irrt sie in einer Welt umher, die nicht mehr die ihre zu sein scheint. Aber da ist noch Anna, die ihr eines Tages plötzlich folgt, ihr zuhört, mit ihr redet und Elis einziger sozialer Kontakt wird. Anna scheint die Verirrte aufzufangen, sie in einem bildlichen Sinne als Gast aufzunehmen. So wird Eli zum Irrgast. Bei einem ihrer Spaziergänge untermauert sie diese Parallele zwischen ihrer Person und den Vögeln: "Wenn eine Ente oder eine Möwe oder ein Schwan auftaucht, schaue ich auf. Ich beobachte das Tier. Ich werde zum Tier. Ich kann nicht anders." Die Autorin schafft es so, die Verbindung Mensch – Tier in ihrem Roman zu thematisieren. Immer wieder wird indirekt auf das Motiv des Irrgastes rekurriert.Eli wird diagnostiziert, dass sie unter einer Amnesie leide, die nach traumatischen Erlebnissen normal sei. Hier eröffnet sich ein Teil des Irrgast-Motives, welches den Vögeln und Eli gleich ist: das Nicht-Erinnern.Eine weitere Komponente des Hauptmotives ist die Beobachtung. Die verirrten Vögel werden gern von OrnithologInnen beobachtet und in der Vogelkunde als aufsehenerregendes Phänomen gehandelt. Auch Eli wird beobachtet, von Anna, aber auch von sich selbst. Eli filmt sich in ihrer eigenen Wohnung und schaut sich die Kassetten danach gelegentlich an.Auch wenn Eli sich erinnert, dass sie Elias vor seinem Tod besuchen musste, wie von einem unsichtbaren Magneten angezogen, erinnert dies an den Magnetsinn der Vögel. Dieser natürliche Magnetsinn scheint im Falle der Irrgäste allerdings nicht einwandfrei zu funktionieren, bei Eli wiederum fällt dieser Magnet mit Elias’ Tod weg. Weiterhin wird das Hauptmotiv des Buches sehr direkt in die Handlung eingeflochten, wenn die Biologin Anna der Vogelkunde nachgeht: "Wir müssen an den Thunersee! Ein Irrgast ist aufgetaucht!" Für mich hätte der Plot diesen direkten Verweis auf den ornithologischen Irrgast nicht gebraucht. Ich hätte es angenehmer gefunden, wenn das Motiv ganz ohne direkte Nennung in das Buch eingeflossen wäre. Abseits des Hauptmotivs liest sich Zindels Roman fast wie ein Krimi. Die Frage, wer denn nun Elias umgebracht hat, wird erst am Ende aufgelöst. Auch das Verhalten Elis wirft nach und nach immer mehr Rätsel auf. Als sie beginnt, das Haus nicht mehr zu verlassen, um Anna im Haus gegenüber zu observieren, offenbart sich schrittweise der psychische Zustand der Hauptfigur.Allerdings nimmt die Spannung kurz vor der Klärung des Mordfalls ein wenig ab, da dessen Bedeutung angesichts Elis Verhaltensweisen immer weiter in den Hintergrund rückt. Ab der Mitte des Buches wird deutlich, dass Irrgast kein reiner Krimi ist, sondern eher ein vielschichtiger Roman mit spannenden Elementen. Mireille Zindel hat sich in ihrem klugen Debüt intensiv mit dem ornithologischen Irrgast-Phänomen beschäftigt. Die Autorin setzt dieses aus der Natur entnommene Motiv gekonnt in einen literarischen Kontext. Diese Themensetzung ist das Besondere an Irrgast und bezeugt die literarische Handfertigkeit der Autorin.

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  • Rezension zu "Irrgast" von Mireille Zindel

    Irrgast
    Leela

    Leela

    13. October 2008 um 17:10

    “Irrgast“ ist vor allem ein in der Vogelkunde verwendeter Begriff und bezeichnet Vögel, die fernab ihrer eigentlichen Zugstrecken oder Brutgebieten entdeckt werden, wohin sie z.B. durch einen Sturm verschlagen wurden. Auch die Protagonistin Eli könnte man als Irrgast bezeichnen, denn seit sie mit angesehen hat, wie ihr Freund Elias auf offener Strasse ermordet wurde (und dabei wollte sie ihn selbst umbringen!), leidet sie an Amnesie und fühlt sich der Gesellschaft anderer zunehmend entfremdet. Bis sie Anna trifft, in deren Gegenwart allein sie Elias vergessen kann... Mireille Zindels Erstling zeichnet sich vor allem durch eine sehr gute Sprache aus. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive und für mich ungewohnterweise im Präsens; die einzelnen „Kapitel“ sind kurz, manchmal trivial oder merkwürdig, aber so wird dem Leser sofort klar, wie verwirrt die Protagonistin zuweilen ist. Verwirrt ist manchmal aber auch der Leser selbst; vor allem das Ende der Erzählung lässt nämlich viel Spielraum für Interpretationen und war für mich aufgrund des unklaren Ausgangs nicht ganz zufriedenstellend - schade. Ansonsten überzeugt das Buch aber durch eine authentisch wirkende Charakterisierung einer Frau, die versucht, ihr Trauma aufzuarbeiten und dabei nicht recht vorankommt. Aber natürlich gehört dieser Verarbeitungsprozess ebenso wie Elis Beziehung zu Elias mit zur Geschichte und sorgt im Laufe der Handlung für einige überraschende Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hätte. So etwas sorgt für Spaß am Lesen und lässt die Geschichte nicht langweilig werden (die ohnehin nur etwa 130 Seiten umfasst, sich also auf das Wesentliche beschränkt). Für wirklich gelungen halte ich außerdem Zindlers "Irrgast"-Metapher, die immer wieder im Buch auftaucht. Für die Krimi-Leser unter uns jedoch eine Warnung: Es handelt sich bei diesem Buch nicht um einen Krimi, denn der „Fall Elias“ spielt nur eine untergeordnete Rolle. Paranoia, psychische Verwirrung und die merkwürdige Freundschaft zwischen zwei Frauen dafür umso mehr – und zumindest für mich war das eine interessante – und empfehlenswerte - Mischung. salis, 16,90 EUR

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