Miriam Gebhardt

 4.2 Sterne bei 37 Bewertungen
Autor von Als die Soldaten kamen, Die Weiße Rose und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Miriam Gebhardt

Miriam Gebhardt ist Journalistin und Historikerin und lehrt als außerplanmäßige Professorin Geschichte an der Universität Konstanz. Neben ihrer journalistischen Arbeit, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, die Zeit und verschiedene Frauenzeitschriften, habilitierte sie sich mit einer Arbeit über »Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen. Eine Geschichte der Erziehung im 20. Jahrhundert« (2009). Sie ist Autorin mehrerer Bücher, darunter »Rudolf Steiner. Ein moderner Prophet« (2011) sowie zuletzt »Die Weiße Rose« (2017). Ihr Bestseller »Als die Soldaten kamen« (2015) über die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde breit besprochen und in mehrere Sprachen übersetzt. Miriam Gebhardt lebt in Ebenhausen bei München.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Miriam Gebhardt

Cover des Buches Als die Soldaten kamen9783570553404

Als die Soldaten kamen

 (16)
Erschienen am 08.03.2016
Cover des Buches Die Weiße Rose9783570553695

Die Weiße Rose

 (9)
Erschienen am 12.02.2018
Cover des Buches Alice im Niemandsland9783421044112

Alice im Niemandsland

 (5)
Erschienen am 17.09.2012
Cover des Buches Rudolf Steiner9783421044730

Rudolf Steiner

 (5)
Erschienen am 12.01.2011
Cover des Buches Wir Kinder der Gewalt9783421047311

Wir Kinder der Gewalt

 (2)
Erschienen am 08.04.2019
Cover des Buches Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen9783641037239

Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen

 (0)
Erschienen am 20.11.2009

Neue Rezensionen zu Miriam Gebhardt

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Rezension zu "Rudolf Steiner" von Miriam Gebhardt

Ein Seelensuchender
rallusvor 9 Monaten

Als meine Kinder noch im Kindergarten waren, stellte sich uns die Frage, wohin mit dem Nachwuchs, wenn es in die Schule gehen soll. Da in unserer Nähe eine Waldorfschule war, kamen wir überhaupt erst auf die Idee nach einer Alternative für die staatliche Schule zu suchen. Nach einigen Informationsabenden an den Schulen und Diskussionen mit befreundeten Eltern, entschieden wir uns gegen die Waldorfschule. Zugegebenermaßen hauptsächlich, weil mir die Idee des Einflusses in das tägliche eigene Leben und das Verbot des Fernsehers (auch für die Eltern) nicht gefiel. Andere mögen es für profan halten, aber mir war der Tatort am Sonntag wichtiger, als eine mir etwas esoterisch erscheinende Idee der Kindererziehung. Die Schule hatte für mich auch etwas Sektenhaftes an sich, und gegen Sekten und die damit verbundenen Eingriffe in meine persönliche Freiheit zu leben, hatte ich schon immer eine innere Abneigung.

Ein befreundetes Elternpaar schickte ihre zwei Jungen auf die Waldorfgrundschule und während meine Mädchen lesen und schreiben lernten, lernten die beiden Jungs Buntstifte mit den Zehen zu halten und Zahlen zu malen. Sie konnten in fünf Fremdsprachen die Zahlen von eins bis zwanzig malen; zusammenrechnen konnten sie sie aber nicht. Man mag jetzt davon halten, was man will, ich fand in dem Moment die staatliche Art der Schule griffiger. Erst viel später habe ich mich intensiver mit der Anthroposophie beschäftigt. Hier nun liegt eine Biografie des Begründers Rudolf Steiner vor, die vieles der anthroposophischen Gedankenwelt beleuchtet. Für mich persönlich ist die Entscheidung der Schulwahl meiner Kinder aus heutiger Sicht betrachtet, immer noch die bessere gewesen.

 

Wer war Rudolf Steiner? Was für ein Mensch war er? Wie kam er zu seinen noch heute aktuellen Ideen im Bereich der Architektur, Kunst, soziales Leben und der Landwirtschaft. Marken wie Weleda und das Demeter-Konzept gingen aus dem von ihm gegründeten anthroposophischen Gedanken hervor. Die Waldorfpädagogik mit Schulen und Kindergärten überall auf der Welt, sind auch Kinder seines facettenreichen Ideenreichtums. Über den Mensch Rudolf Steiner ist wenig bekannt, Miriam Gebhardt hat es sich in dem vorliegenden Buch zur Aufgabe gemacht, die dünne Faktenlage zusammenzutragen und anhand von Weggenossen und Frauen (ganz wichtig!) im Leben Rudolf Steiners, ein Gesamtbild zu erstellen.

Steiner (*27.Februar 1861) wuchs als Kind eines Eisenbahners in Österreich auf. Sein Vater zog von Berufs wegen viel um und war selten zu Hause, die Aufmerksamkeit seiner Mutter richtete sich bald auf seinen fünf Jahre jüngeren, gehörlos geborenen Bruder. Steiner sollte in seiner Schulzeit seinen Halt weniger im sozialen Umfeld oder in Freundschaften finden, seine Lebenskoordinaten suchte er in abstrakten Formen im geliebten Mathematikunterricht.

"Dabei hatten Ordnung, Regelhaftigkeit und Klarheit einen großen Stellenwert; Eigenschaften, die man in all seinen späteren Arbeiten als Anthroposoph wiedererkennen kann, ganz besonders in seinen Architekturvisionen."

Nach Schule und Universität, an der er die fehlenden sozialen Interaktionen der Schulzeit nachholte, führten Steiners weitere Wege nach Weimar, wo er an einer Goethegesamtausgabe arbeitete und Anna Eunike kennenlernte, die 1899 seine erste Frau wurde. Steiners damalige Hinwendung zum Okkultismus, die mit eine der Grundlagen des Anthroposophismus ist, muss im Sinne der damaligen Zeit verstanden werden. In Zeiten aufkommender Technik und nachlassender "Normierungskraft der Kirche über die individuelle Lebensführung" wurde der Okkultismus zu einer starken gesellschaftlich akzeptierten Strömung. Gestärkt durch diese spirituelle Sicht der Dinge gelang es Steiner ,den anthroposophischen Gedanken auf Grundlage der idealistischen Philosophie aufzubauen. Auch ein "Versuch, das Metaphysische vor der Verbannung ins Spekulative zu schützen. Es ging um den Status des Nichtmateriellen, um Gott und Seele in Zeichen der Eisenbahn." 

Auf Steiners Weg begleiteten ihn viele Frauen, die empfänglicher für seine spirituellen Ideen waren. Diese Frauen die auch über den Status seiner persönlichen Assistentinnen durchaus zweimal zu seiner Ehefrau wurden, kamen aber wohl nie in den Genuss der fleischlichen Liebe, die Steiner Zeit seines Lebens ablehnte. Steiner genügte die Seelenverwandtschaft, leibliche Kinder hatte er deswegen auch nie.

Steiner entwickelte gerade in seinen Reden eine ungeahnte Stahlkraft, die seine Zuhörer in den Bann zog. Seine Inhalte waren dabei nicht so wichtig, vielmehr verhielt "er sich sehr situativ und schöpfte zu bestimmten Momenten an bestimmten Orten seine Verhaltensoptionen aus."  Er kam dabei "einem in bestimmten Kreisen der Gesellschaft verbreiteten Bedürfnis nach, den hergebrachten linearen bürgerlichen Lebensentwurf zu überwinden."

Trotz der großen Überzeugungskraft Steiners bei seinen Reden, sahen doch prominente Kritiker, wie der Zeitzeuge Kurt Tucholsky bei einer Rede vom 3.Juli 1924, Steiners Inhaltlosigkeit. "Wenns mulmig wurde, rettete sich Steiner in diese unendlichen Kopula, über die schon Schopenhauer so wettern konnte: das Fühlen, das Denken, das Wollen - das 'Seelisch-Geistige', das Sein. Je größer der Begriff, desto kleiner bekanntlich sein Inhalt - und er hantierte mit Riesenbegriffen." so kritisch Tucholsky. Doch dies hinderte nicht den Siegeszug der Anthroposophie in den nächsten Jahren.

Gestärkt auch durch den Zulauf der adligen finanzstarken Fürsprecher baute Steiner in Dornach das Goetheanum auf, ein anthroposophisches Kongresszentrum, das nach einem Brand 1922 doppelt so groß wieder aufgebaut wurde. Dort starb Steiner auch am 30. März 1925 und ist ebenda begraben. Seine gegründete Waldorfpädagogik und die Namen Demeter und Weleda haben den zweiten Weltkrieg überdauert.

Miriam Gebhardt führt die verschiedenen Lebensstadionen Steiners geschickt mit den wichtigen historischen Daten zusammen, was ich mir von einer Biographie erhoffe und erwarte. Dabei geht sie auch auf die Vorwürfe ein, die öfter an die Waldorfpädagogik angetragen werden. Der Antisemitismus, den man Steiner vielerorts vorwirft, ist größtenteils auch aus dem Kontext der Zeit geboren. Der erstarkende Nationalismus in Deutschland, den Steiner intuitiv in seine Lehren einbaute, ist nicht Teil eines von ihm wirklich praktizierten Hasses gegen andere Völker, wie des jüdischen. Man mag Steiner trotzdem die sicherlich etwas naive Gedankenlosigkeit bei der Aufnahme des Rassenbildes in seinen Lehren vorwerfen. Die Waldorfpädagogik punktet nicht durch Differenzierung und Pluralismus, gibt den Schülern aber einen starken sozialen Rückhalt. Ehemalige Waldorfschüler finden sich auch deswegen hauptsächlich im sozialen Bereich und als Künstler wieder.

Miriam Gebhardt hat hier eine starke, objektive Autobiographie geschrieben, die mir sehr viel Hintergrundwissen der damaligen Zeit vermittelt und die Anthroposophiebewegung stark beleuchtet. Diese ist durch Steiners Tod und seine Kinderlosigkeit auf dem Stand von 1925 geblieben, sie ist sehr stark an seine Person und seine ausdrucksstarke Persönlichkeit gebunden. Alleine die Fülle der Daten und Erlebnisse in Steiners Leben macht es wert, dieses Buch zu lesen, das im Ton angenehm wissenschaftlich, aber doch im Stil flüssig geschrieben ist.

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Rezension zu "Wir Kinder der Gewalt" von Miriam Gebhardt

Die Auswirkungen von Vergewaltigungen auf nachfolgende Generationen
strickleserlvor einem Jahr

Die Autorin und Historikerin Miriam Gebhardt untersucht in diesem Buch die Spätfolgen von Kriegsvergewaltigungen. Am Ende des Zweiten Weltkriegs war Deutschland von den Alliierten besetzt. Sehr viele Frauen wurden von den dort stationierten Soldaten vergewaltigt. Dabei waren die Täter nicht nur Russen, wie allgemein angenommen; auch Franzosen, Briten und Amerikaner vergriffen sich an den Frauen in den Besatzungszonen.

Die betroffenen Frauen bekamen selten Unterstützung. Oft wurden sie dafür geächtet, dass sie mit dem Feind Umgang gehabt hatten, auch wenn es nicht freiwillig geschah. Die Soldaten wurden fast nie für ihre Tat bestraft. Und sehr viele Kinder wurden gewaltsam gezeugt. 

Die Folgen für die Kinder und Enkel der betroffenen Frauen waren oftmals Depressionen und Bindungsstörungen, neben einem gestörten Verhältnis zur Liebe und Sexualität. Die Lebensgeschichten dieser Menschen, die das Gefühl hatten unerwünscht zu sein, und die sich ihr Leben lang nach Liebe und einer heilen Familie sehnten, sind bewegend. Das Aufwachsen ohne zu wissen wer der Vater war, oft getrennt von der ledigen Mutter, hinterließ tiefe Spuren im Leben dieser Nachkommen.

Miriam Gebhardt erzählt die Geschichten von vier Frauen und einem Mann, deren Mutter vergewaltigt wurden. Nicht alle wurden bei einer Vergewaltigung gezeugt, trotzdem wirkte sich das Erleben der Mutter auf ihren Umgang mit ihren Kindern aus. Neben diesen fünf Geschichten, untersucht die Autorin weitere dazugehörige Fragen, wie zum Beispiel die Härte in der damaligen Erziehung oder das Verhältnis zur Sexualität. Dabei befragt sie Zeitzeugen und gibt zeitgenössische Quellen wider.

Fazit: Gut recherchiert und bewegend geschrieben, erhält der Leser mit diesem Buch einen guten Einblick in ein vernachlässigtes Thema. Der abwechselnde Blick auf ein Einzelschicksal und auf allgemeine Fragen rund um das Gesamtthema lockert dieses Buch auf. Sehr zu empfehlen für alle, die sich für geschichtliche Zusammenhänge interessieren.

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Rezension zu "Als die Soldaten kamen" von Miriam Gebhardt

Ein Buch der Zeitgeschichte
Buecherseele79vor einem Jahr

Die Autorin und Historikerin Miriam Gebhardt fasst in ihrem Buch "Als die Soldaten kamen" ein Thema auf welches noch heute lieber verschwiegen wird, von Aufarbeitung, geschweige denn Entschuldigungen ganz zu schweigen.
In ihrem Buch räumt die Autorin auch mit Propaganda und Vorurteilen auf- denn nicht "nur" die "Russen" haben Frauen vergewaltigt, sondern ebenso Amerikaner, Engländer und die Franzosen.

Zuerst ist glaube ich der Schreibstil ganz wichtig zu erwähnen- wer hier mit einem Buch über reine Geschichten oder Aussagen von Überlebenden rechnet ist hier falsch.
Die Autorin erwähnt natürlich Aussagen, aber diese beziehen sich eher auf Dokumente die noch verfügbar sind, Protokolle über Aussagen von Militär, Ärzten, Ämter aber auch von Opfern selbst, oder aus Tagebüchern und anderen Aufzeichungen.

Oft sind die Satzstellungen nicht einfach zu lesen, man muss diesem Buch wirklich Zeit geben und sich auch Zeit nehmen für das lesen.
Trotzdem redet die Autorin Klartext, gerade wenn es zu "wissenschaftlich" wird erklärt sie in einfachen Sätzen was gemeint ist dass es auch jedem Leser verständlich wird.

In diesem Buch werden auch andere Studien, Bücher oder Filme genannt, erklärt und warum die Autorin hier Fehler sieht, sich der ein oder anderen Sichtweise anschliesst oder etwas berichtigen möchte.
Ganz kar wird aber hervorgehoben- wie hoch die Opferzahl ist kann eigentlich keiner genau sagen, vieles sind Schätzungen und da wird das Buch auch interessant denn es zeigt ganz klar auf- hier wurde sehr viel vertuscht, verpfuscht und totgeschwiegen.

Warum wurden Frauen von den "Befreiern" als "Freiwild" angesehen?
Waren es wirklich nur die Russen?
Welche Rechte und Schutz hatten die Frauen damals?
Wieviel ist davon Propaganda?
Wie ist die Aufklärungsrate gewesen?
Gab es Unterstützung und Hilfe aus der Gesellschaft, von den Militärbesetzern selbst?
Kann man diese Thematik als "aufgeklärt" und "aufgearbeitet" betrachten?

Diesen und einigen Fragen mehr geht die Autorin in ihrem Buch auf den Grund und zeigt erschreckend auf- weder damals noch heute wurde wirkliche Aufklärungsarbeit geleistet, noch heute leiden die Frauen unter den Folgen von einer oder von einer mehrmals Vergewaltigung.

Auch waren es "nicht nur" Frauen die vergewaltigt wurden, auch Männer und Jungen, sogar kleine Kinder waren unter den Opfern...
Für Zartbesaitete ist dieses Buch nichts, denn auch wenn es mehr unter dem historischen Blick geschrieben wurde kommen die Auswirkungen, das Erlebte der Opfer in keinster Weise zu kurz.
Man merkt dass der Autorin eines wichtig ist- die Stimme der Opfer und dass hier endlich Verantwortung übernommen wird!

Dieses Buch schreibt über eine Zeit, beschreibt ein Zeitdokument welches heute noch weiterhin aktueller ist denn je, denn Krieg gibt es leider überall und Vergewaltigungen gehören grausamerweise dazu, auch hier hat die Weltgemeinschaft noch immer nichts gelernt und reagiert, agiert viel zu langsam.

Trotz des eher historischen Schreibstils kann ich dieses Buch, MUSS ich dieses Buch wirklich empfehlen!

Ich bedanke mich bei Randomhouse, dem Bloggerportal sowie dem Pantheonverlag für das Rezensionsexemplar.
(Dies hat keine Auswirkung auf meine Meinung!)

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