Miriam Gebhardt Als die Soldaten kamen

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Inhaltsangabe zu „Als die Soldaten kamen“ von Miriam Gebhardt

Die verdrängten Verbrechen am Ende des Krieges. Die Soldaten, die am Ende des Zweiten Weltkriegs Deutschland von der nationalsozialistischen Herrschaft befreiten, brachten für viele Frauen neues Leid. Zahllose Mädchen und Frauen (und auch etliche Männer) wurden Opfer sexueller Gewalt, überall im Land. Denn entgegen der weit verbreiteten Vorstellung wurden nicht nur "die Russen" zu Tätern, sondern auch Amerikaner, Franzosen und Briten. Auf Basis vieler neuer Quellen umreißt Miriam Gebhardt erstmals historisch fundiert das Ausmaß der Gewalt bei Kriegsende und in der Besatzungszeit. Zugleich beschreibt sie eindrücklich, wie die vergewaltigten Frauen in späteren Jahren immer wieder zu Opfern wurden: von Ärzten, die Abtreibungen willkürlich befürworteten oder ablehnten, von Sozialfürsorgern, die Schwangere in Heime steckten, von Juristen, die Entschädigungen verweigerten. Und nicht zuletzt von einer Gesellschaft, die bis in unsere Tage die massenhaft verübten Verbrechen am liebsten beschweigen und verdrängen würde.

Sehr lesenswert!! Detaillierte Rezension unter http://wp.me/p5NDCn-31

— nelethiemann

Ein sehr erschütterndes Buch

— Monika58097

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  • Als die Soldaten kamen

    Als die Soldaten kamen

    Kleine8310

    05. October 2015 um 19:40

    "Als die Soldaten kamen" ist ein Buch der Autorin und Historikerin Miriam Gebhardt. In diesem Buch schildert die Autorin neue Fakten zu dem Tabuthema der Vergewaltigungen am Ende des Krieges. Das Thema ist ein schweres und ich war sehr gespannt, wie es Frau Gebhardt gelingen würden, auf das Thema einzugehen. Denn die Soldaten, der sogenannten, vier Siegermächte brachten nicht nur die Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft, sondern auch viel neues Leid, in Form von sexueller Gewalt.  Überall im Land wurden zahllose Mädchen, Frauen und auch Männer Opfer von sexuellen Übergriffen. Die verbreitete Vorstellung, dass die Taten vorwiegend von "den Russen" begangen wurden, versucht Frau Gebhardt historisch fundiert, zu widerlegen und zu belegen, dass ebenfalls Amerikaner, Franzosen und Briten zu Tätern wurden.  Ein weiterer interessanter, sowie emotionaler Aspekt ist, dass viele vergewaltigte Frauen auch in späteren Jahren wiederholt zu Opfern wurden, zum Beispiel von Ärzten, Sozialarbeitern, oder auch von Juristen, die teilweise die wichtigen und gerechtfertigten Entschädigungen verweigerten. Auch die Gesellschaft ist hier ein wichtiger Aspekt, und Gebhardt weist gekonnt auf die Verdrängung und das Verschweigen, bezüglich der schlimmen Verbrechen hin.  Was ich aber sagen muss ist, dass dieses Buch eine sehr schwere Lektüre ist. Es lässt sich recht gut lesen, ist aber sehr mit Statistiken gefüllt und weniger mit Erzählungen oder Schilderungen von Betroffenen, wie ich mir das vorgestellt hatte.  "Als die Soldaten kamen" ist ein fachlich gehaltenes Buch zu einem schweren Thema, welches vorwiegend mit vielen Statistiken gefüllt ist und mich leider nicht komplett überzeugen konnte. 

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  • Erschreckend...

    Als die Soldaten kamen

    BubuBubu

    Der Klappentext: Die verdrängten Verbrechen am Ende des Krieges Die Soldaten, die am Ende des Zweiten Weltkriegs Deutschland von der nationalsozialistischen Herrschaft befreiten, brachten für viele Frauen neues Leid. Zahllose Mädchen und Frauen (und auch etliche Männer) wurden Opfer sexueller Gewalt, überall im Land. Denn entgegen der weit verbreiteten Vorstellung wurden nicht nur »die Russen« zu Tätern, sondern auch Amerikaner, Franzosen und Briten. Auf Basis vieler neuer Quellen umreißt Miriam Gebhardt erstmals historisch fundiert das Ausmaß der Gewalt bei Kriegsende und in der Besatzungszeit. Zugleich beschreibt sie eindrücklich, wie die vergewaltigten Frauen in späteren Jahren immer wieder zu Opfern wurden: von Ärzten, die Abtreibungen willkürlich befürworteten oder ablehnten, von Sozialfürsorgern, die Schwangere in Heime steckten, von Juristen, die Entschädigungen verweigerten. Und nicht zuletzt von einer Gesellschaft, die bis in unsere Tage die massenhaft verübten Verbrechen am liebsten beschweigen und verdrängen würde. Quelle: http://www.randomhouse.de/Buch/Als-die-Soldaten-kamen/Miriam-Gebhardt/e449923.rhd Meine Meinung: Die Historikerin und Autorin Miriam Gebhard geht sehr offen mit dem Thema um. Sehr interessant fand ich, wie sie zu Beginn des Buches beschrieben hat wie sie die Zahl der Opfer ermittelt hat und wie sie mit bereits veröffentlichten Statistiken zu diesem Thema umgeht und diese behandelt.  Das fand ich sehr persönlich total wichtig, da bei solchen Themen die Recherche eine wichtige Rolle spielt und wenn offen gelegt wird wie Informationen gesammelt worden sind und Zahlen bzw. Statistiken entstanden sind, wird das Thema einfach glaubwürdiger rübergebracht. Ich finde sie  beschreibt die Vorgänge relativ distanziert und fachlich, was bei diesem schwierigen Thema vermutlich auch angebracht ist. Beim Lesen bin ich immer wieder zusammen gezuckt, da ich mich mit dieser Thematik des 2. Weltkrieges bzw. der Nachkriegszeit noch nie beschäftigt habe und mich echt ziemlich schockiert hat. zwischendurch musste ich es immer wieder bei Seite legen da es mich einfach sehr getroffen hat. Auch wenn die Zeit vorbei ist, werden Vergewaltigungen in Kriegszeiten und Nachkriegszeiten niemals an Aktualität verlieren. Das Buch ist sehr zu empfehlen. Allerdings empfehle ich zartbesaiteten Menschen es eventuell nicht zu lesen, da es schon ziemlich brutal ist. Die Vorstellung wie Menschen so sein können ist wirklich gruselig.

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  • Sehr ernstes Thema!

    Als die Soldaten kamen

    smilee_lady1988

    13. May 2015 um 20:40

    Mich hat die Zeit um den zweiten Weltkrieg schon immer interessiert und da ich mehr in diese Richtung lesen wollte, war dieses Buch einfach ein Muss für mich. Besonders da das Thema Vergewaltigung in der Besatzungszeit bis heute nicht wirklich anerkannt wird und die Frauen daher auch nicht als Opfer gelten. Das Thema Vergewaltigung wird auch in der heutigen Zeit, meiner Meinung nach zu oft derart behandelt, dass die Frauen nicht immer als Opfer angesehen werden. Man hört immer wieder, dass es nicht ausreichend Beweise gab, dass es kein einvernehmlicher Sex war oder dass die Frau es ja so gewollt habe... Diese Einstellung war nach dem zweiten Weltkrieg, aber auch schon währenddessen, noch extermer in den Köpfen verankert. Ich war schockiert, wie mit den Opfern umgesprungen wurde. Sie bekamen kaum Hilfe, die Täter wurden oft geschützt. Und wenn ein Kind unterwegs war und die Frau es abtreiben wollte, wurde dies meistens verweigert. Ich bin kein Freund von Abtreibungen, nicht falsch verstehen. Aber wenn eine Frau Opfer einer Gewalttat wurde, da kann ich verstehen, dass sie das dadurch entstandene Kind vielleicht nicht lieben kann und es sie immer wieder daran erinnert, was ihr angetan worden ist. Was ich nicht verstehen kann, ist, wie man denken kann, dass eine Frau eine Vergewaltigung will? Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand das wirklich wollen würde! Ganz egal was die deutsche Armee getan hat, nichts rechtfertig, was die Besatzer den Frauen in der Besatzungszeit angetan worden ist. Wie ihr vielleicht merkt, fällt es mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Ich finde es einfach grausam, was so vielen Frauen angetan worden ist (die genaue Zahl weiss bis heute niemand und ich denke, daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern) und wie die Behörden etc. damit umgegangen sind und es noch immer tun. Für mich spielt es keine Rolle, welcher Nationalität eine Frau angehört und was andere Angehörige des Landes eines Vergewaltigungsopfers getan hat - diese Person hat es nicht verdient, derart erniedrigt und gedemütigt zu werden! Ich hoffe sehr, dass sich in Zukunft die Einstellung zu dem Thema ändert - denn das ist dringend nötig. Auch wenn man die Vergangenheit nicht mehr ändern kann, man kann für die Zukunft dazulernen! Noch kurz zum Schreibstil. Dieser war zwar soweit in Ordnung, doch die Autorin hat sehr viele verschachtelte und zum Teil lange Sätze geschrieben. Durch das schwierige Thema fand ich es persönlich anstrengend, dadurch dem Inhalt folgen zu können. Das fand ich sehr schade. Einfachere Sätze, mit dem gleichen Inhalt, hätte dem Buch bestimmt gut getan und es hätte sich etwas leichter lesen lassen. Das Cover gefällt mir sehr gut - es spiegelt gut wieder, was das Buch beinhaltet. Alles in allem bekommt das Buch, trotz dem etwas anstrengenden Schreibstil, von mir fünf volle Sterne.

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  • Im Gestrüpp der Halbwahrheiten

    Als die Soldaten kamen

    nelethiemann

    Vor 70 Jahren trat die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht gegenüber den alliierten Streitkräften in Kraft. Doch schon lange Zeit vor dem 8. Mai 1945 begann eine angsterfüllte Zeit für Frauen und Männer im Deutschen Reich. Alliierte Soldaten, die vergewaltigten und plünderten waren omnipräsent. Die Angst sollte noch bis zum Ende der Besatzungszeit anhalten. Oft auch noch darüber hinaus.Die Konstanzer Historikerin Miriam Gebhardt beschäftigt sich in ihrem akutellen Buch Als die Soldaten kamen mit der Untersuchung von Vergewaltigungen im besetzen Deutschland. Sie versucht dabei allerlei Stereotype zu widerlegen. Weiterlesen unter: http://wp.me/p5NDCn-31

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    • 2
  • Erschütternd, aber leider auch heute in jeder kriegerischen Auseinandersetzung Brandaktuell....

    Als die Soldaten kamen

    unclethom

    Der Klappentext: Die verdrängten Verbrechen am Ende des Krieges Die Soldaten, die am Ende des Zweiten Weltkriegs Deutschland von der nationalsozialistischen Herrschaft befreiten, brachten für viele Frauen neues Leid. Zahllose Mädchen und Frauen (und auch etliche Männer) wurden Opfer sexueller Gewalt, überall im Land. Denn entgegen der weit verbreiteten Vorstellung wurden nicht nur »die Russen« zu Tätern, sondern auch Amerikaner, Franzosen und Briten. Auf Basis vieler neuer Quellen umreißt Miriam Gebhardt erstmals historisch fundiert das Ausmaß der Gewalt bei Kriegsende und in der Besatzungszeit. Zugleich beschreibt sie eindrücklich, wie die vergewaltigten Frauen in späteren Jahren immer wieder zu Opfern wurden: von Ärzten, die Abtreibungen willkürlich befürworteten oder ablehnten, von Sozialfürsorgern, die Schwangere in Heime steckten, von Juristen, die Entschädigungen verweigerten. Und nicht zuletzt von einer Gesellschaft, die bis in unsere Tage die massenhaft verübten Verbrechen am liebsten beschweigen und verdrängen würde. Quelle: http://www.randomhouse.de/Buch/Als-die-Soldaten-kamen/Miriam-Gebhardt/e449923.rhd Die Autorin: Miriam Gebhardt ist Historikerin und Journalistin und lehrt Geschichte an der Universität Konstanz. Neben ihrer journalistischen Arbeit habilitierte sie sich mit einer Studie über „Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen. Eine Geschichte der Erziehung im 20. Jahrhundert“ (2009). Bei DVA erschienen zuletzt ihre Bücher „Rudolf Steiner. Ein moderner Prophet“ (2011) und „Alice im Niemandsland. Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor“ (2012). Sie lebt in Ebenhausen bei München. Quelle: http://www.randomhouse.de/Autor/Miriam_Gebhardt/p169137.rhd?mid=1#tabbox Die Rezension: Ein bedrückendes Thema, aber ich wollte es lesen, weil ich als Kind der 60er so einiges davon aus Erzählungen kenne. Dennoch, auch wenn ich vieles schon kannte, hat mich das Buch zutiefst erschüttert zurückgelassen. Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass Vergewaltigungen auch heute, in jeder Kriegerischen Auseinandersetzung, ein Altbewährtes Mittel sind. Auch wenn ich keinerlei Beziehungen nach Russland habe, bin ich froh, dass hier auch endlich mal offen geschrieben wird, dass es nicht nur die Russischen Befreier waren, nein auch die Westlichen Soldaten, haben sich da nichts geschenkt. Auch darf man nicht vergessen, dass die Deutschen nicht zurückhaltend waren, was das Thema angeht. Die Autorin beschreibt offen, die Vorgänge im Nachkriegsdeutschland, nicht nur die Taten an sich, auch wie die Opfer von der Justiz oder auch von der Bevölkerung noch mehr gepeinigt wurden. Ich bin überzeugt dass dieses Buch wichtig ist, die Gräuel mehr noch offenzulegen als sie es bisher schon sind. Sicherlich es wurden darüber schon viele Bücher geschrieben, aber das Thema ist auch heute noch, siebzig Jahre nach Kriegsende brandaktuell. Ich möchte allerdings auch warnen, denn zarte Seelen, könnten durchaus ernsthaften Schaden nehmen.

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    siebenundsiebzig

    09. April 2015 um 18:39
  • Frauen als Kriegsbeute

    Als die Soldaten kamen

    Monika58097

    Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende, doch für viele, viele Frauen ist es erst der Beginn unmenschlichen Leids. Anstatt befreit zu werden, werden diese unschuldigen Frauen und Mädchen und sogar Kinder missbraucht, geschändet, vergewaltigt. Es ist der Beginn eines unendlichen Leidensweges. Nirgendwo sind sie sicher. Nicht unterwegs auf der Flucht und auch nicht Zuhause, wo sie sich einigermaßen sicher gefühlt haben. Vergewaltigt werden sie überall. Vor ihren Ehemännern, vor ihren Kindern. Frauen und Mädchen als Kriegsbeute. Kinder werden vergewaltigt und sterben. Krankheiten und ungewollte Schwangerschaften sind oft die Folge. Mit großem Entsetzen liest man, dass ein Mädchen von 14 Offizieren vergewaltigt wurde, alle kamen sie hintereinander. Von einer anderen Frau weiß man, dass sie von 45 Männern vergewaltigt wurde! Viele der Frauen begehen Selbstmord. Einige werden wahnsinnig. Und was ist mit den anderen Frauen? Die, die überlebt haben? Anstatt, dass Familien jetzt zusammen halten und Behörden und Ärzte helfen, werden sie gebrandmarkt. "Ehre verloren, alles verloren". Diese Frauen, die so unendliches Leid über sich ergehen lassen mussten, auf sie wird mit dem Finger gezeigt. Oft wirft man ihnen vor, dass sie ja selbst Schuld gewesen seien. Die betroffenen ungewollt gewordenen Mütter schweigen. Sie erzählen ihren Kindern nicht, wie sie entstanden sind, woher sie stammen. Zu groß ist die Scham. Viele Zahlen, viele Fakten. Berichte von Betroffenen. Beim Lesen immer wieder Kopf schütteln, Entsetzen. Warum? Warum tun Männer das Frauen und Mädchen an? Und nichts ändert sich. Auch heute hört und liest man immer von aktuellen Kriegsschauplätzen von diesem Wahnsinn, den Frauen und Mädchen zu erleiden haben, überall auf der Welt. Immer und immer wieder. "Als die Soldaten kamen" - ein Buch, das ich immer wieder beiseite legen musste, weil mich die Daten und Fakten zu sehr erschüttert haben. Und doch ist es auch ein Buch, dass wiederum ein Stück deutsche Geschichte aufarbeitet.

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    siebenundsiebzig

    09. April 2015 um 18:38
  • Ein wichtiges Buch

    Als die Soldaten kamen

    Gospelsinger

    Wenn es um Vergewaltigungen deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs und zu Beginn der Nachkriegszeit geht, ist ausschließlich die Rede von Taten durch sowjetische Soldaten. Dass auch die westalliierten Soldaten, besonders die amerikanischen, geplündert und vergewaltigt haben, wird nie erwähnt. Diese Lücke wird mit dem vorliegenden Buch geschlossen. Erstmals wird die wahre Dimension der Vergewaltigungszahlen errechnet: Die Autorin kommt auf – niedrig geschätzt – rund 860 000 Vergewaltigungen. (Wie sie zu dieser Zahl kommt, ist übrigens nachvollziehbar erklärt und belegt.) Bis heute sind diese Vergewaltigungen nicht aufgearbeitet worden. Die betroffenen Frauen werden nicht als Opfer anerkannt, denn sie sind weder verwundete Soldaten, noch Juden, noch Verfolgte des NS-Regimes. Die Täter waren außerdem die Besatzer und späteren Verbündeten, somit wurden im Westen die Taten der Westalliierten und im Osten die Taten der Sowjets totgeschwiegen. Das Buch befasst sich zunächst mit Berlin in den letzten Kriegstagen, den sowjetischen Soldaten und deren Gründe für die – eigentlich bei Todesstrafe verbotenen – Vergewaltigungen. Rache ist eines der Hauptmotive, Ressentiments gegen den Wohlstand des Feindes, Frust, Einsamkeit und ein Siegergehabe. Ethnische und nationale Rachemotive vermengen sich mit geschlechterpolitischen Faktoren, mit fatalen Folgen für die betroffenen Frauen. Das folgende Kapitel befasst sich mit der Situation im von den Amerikanern besetzten Bayern, wo die Armeejustiz die Vergewaltigungen zunehmend verharmlost, und die bayerische Kirche Vergewaltigungen bei „Sittenlosen“, also unverheirateten Zugereisten, nicht so schlimm findet. Wenn jemals Soldaten bestraft werden, dann – öfter und schärfer – Afroamerikaner. Die betroffenen Frauen hatten nicht nur mit der Vergewaltigung selbst zu kämpfen, sondern in erster Linie mit den Behörden. Das galt besonders, wenn die Vergewaltigung in eine Schwangerschaft mündete. Den Müttern wurde ein Neuanfang nach dem Krieg verweigert. „Unsensible Gynäkologen und gnadenlose Juristen entscheiden über Abtreibungsgesuche und Entschädigungsansprüche der Frauen, autoritäre Fürsorgerinnen kontrollieren ihre Haushaltsführung und Kinderpflege, wenn sie ein uneheliches Kind aus der Vergewaltigung bekommen haben (…) Und immer stehen der Ruf und die Glaubwürdigkeit der Frauen auf dem Spiel.“ Dass auf den Posten der Sozial- und Gesundheitsverwaltung immer noch die gleichen Leute saßen, wie in der NS-Zeit, war nicht gerade hilfreich für die „sozial deklassierten“ Frauen, denen allzu schnell eine „sexuelle Verwahrlosung“ nachgesagt wurde. Weil sie sich schminkten, oder weil sie (als Folge der Vergewaltigung) schwanger waren. Weil sie vergewaltigt, verwaist, heimatlos und arbeitslos waren, wurden sie abgestempelt. Die vergewaltigten Frauen wurden – im Gegensatz zu verwundeten Soldaten - nicht vom Staat entschädigt, bekamen weder Renten, noch Schmerzensgeld. „Doch ist es gerecht, dass Frauen durch eine kriegsbedingte Vergewaltigung neben den psychischen auch die finanziellen Lasten zu tragen haben? Sind die Frauen nicht auch stellvertretend für die unterlegene Kriegsnation in diese Lage gekommen? Ist ihr Opfer gegenüber dem Opfer der Soldaten und Kriegsversehrten, der Vertriebenen und Flüchtlinge so viel kleiner? Müsste ihnen nicht genauso wie den kämpfenden Männern wenigstens für das Kind eine Rente zugesprochen werden?“ Diese Fragen wurden lange diskutiert, aber der Staat wollte keine weiteren Kriegsfolgekosten tragen. Den Frauen wurde es mit allen erdenklichen Mitteln erschwert, Ausgleichszahlungen oder zumindest Leistungen für das Kind zu erhalten. Es galt „im Zweifel gegen die Antragstellerin“. Entscheidend war nicht die Tat, sondern die Glaubwürdigkeit der Mutter. „Es sind diese Leumundsberichte von Sozialfürsorgerinnen sowie Aussagen von Nachbarn, Ärzten und Angehörigen, die am Ende den Ausschlag gaben – letztlich entscheidet die bürgerliche Respektabilität, der familiäre Hintergrund der Frauen. Die Kriterien bei der Beurteilung der Fälle sind jedenfalls durchaus sachfremd: Es geht um den Lebensstil der Frauen, deren Sorgfalt bei der Haushaltsführung und der Kinderpflege, kurz gesagt, um ihre Sittlichkeit und Familientauglichkeit und nicht um ihr erlittenes Unrecht.“ Die Folgen der Vergewaltigung und der empörenden Behandlung durch die Behörden hatten langfristige Auswirkungen auf die Frauen. Heute hat man dafür einen Namen: Posttraumatische Belastungsstörung. Damals allerdings war das kein Thema. Es galt das Postulat der „Lebensbemeisterung“; im Selbstbild hatten die Frauen vernünftig, pragmatisch und vital zu sein – ganz nach dem Motto „Was uns nicht umbringt, macht uns stärker“. Psychische Verletzungen durften nicht offen gezeigt werden. Durch die fehlende Aufarbeitung wirken die Folgen in den nächsten Generationen als kumulative Traumata fort. Und noch ist ungeklärt, wie sich das alles auf das Geschlechterverhältnis und den Umgang mit Gewalt ausgewirkt hat. Miriam Gebhardt hat ein wichtiges und wissenschaftlich anspruchsvolles Buch vorgelegt, dem man anmerkt, dass die Autorin gründlich recherchiert hat. Ihre Informationen und Thesen werden glaubwürdig belegt, sie geht sorgfältig mit dem Zahlenmaterial um und zitiert sauber. Und gut lesbar ist das Buch auch noch.

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