Miriam Mandelkow

 4 Sterne bei 687 Bewertungen

Lebenslauf

Miriam Mandelkow, 1963 geboren, wurde für ihre Neuübersetzung von Baldwins ›Von dieser Welt‹ mit dem Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Miriam Mandelkow

Cover des Buches Giovannis Zimmer (ISBN: 9783423147910)
hufflepup_kafkas avatar

Rezension zu "Giovannis Zimmer" von James Baldwin

Davids Alibi
hufflepup_kafkavor 5 Tagen

"Giovannis Zimmer" ist ein Roman des amerikanischen Autors James Baldwin, der in den 1950er veröffentlicht wurde. In dem Buch geht es um die Beziehung zwischen dem Amerikaner David und dem Italiener Giovanni in Paris. Der Roman gilt als klassisches Werk der schwulen Literatur und behandelt die Herausforderungen, mit denen homosexuelle Menschen in einer von Vorurteilen geprägten Gesellschaft konfrontiert sind.

Mittelpunkte der Geschehnisse sind die Bar, in der Giovanni arbeitet und in der sich David und er kennenlernen, sowie Giovannis, den Roman titelgebenden, Zimmer, in das die beiden insgeheim zusammenwohnen aufgrund ihrer prekären Mittellosigkeit, und sich körperlich lieben.

Ihre Beziehung ist vor allem deshalb von Anfang an zum Scheitern verurteilt, weil David eigentlich mit einer Frau zusammen ist. Seine Verlobte Hella befindet sich auf unbestimmte Zeit in Spanien, um sich selbst zu finden. Und so befürchtet David ihre baldige Rückkehr nach Paris und dass seine heimliche Affäre auffliegt.

Perspektivisch wird aus der Sicht von David erzählt und die Geschichte liest sich wie eine Erinnerung an die Zeit mit Giovanni und an die gesellschaftlichen Repressalien, an denen die Liebschaft zugrunde gegangen ist. David fühlt sich einerseits leidenschaftlich zu Giovanni hingezogen und andererseits an die Normen und Erwartungen hinsichtlich von Geschlechterrollen erinnert.

In Wahrheit, und das ist nur meine persönliche Interpretation, sieht er in Hella ausschließlich ein Alibi im Kampf mit sich selbst, seiner Homosexualität und Gefühlen für Giovanni. Er begrüßt die traditionelle Vorstellung Hellas von Weiblichkeit, denn in ihrem Verständnis gilt man nur als Frau, wenn sie verheiratet ist und einen Mann an ihrer Seite hat, und sich als künftige Mutter eigener Kinder und Hausfrau versteht, die sich zart und fürsorglich um ihre Familie kümmert. Dass Hella ihre eigene Identität und Selbstständigkeit untergräbt und ausschließlich durch die Beziehung zu David definiert, hat mich unheimlich traurig gemacht und vor allem wütend auf David, der das wissentlich ausnutzt, um seine Fassade aufrecht zu erhalten und dabei das Leben anderer zerstört.

„Giovannis Zimmer“ bietet eine tiefgründige Erkundung menschlicher Beziehungen, und Baldwins Schreibstil verleiht dem Roman eine kraftvolle Wirkung, indem er komplexe Emotionen auf literarische Weise vermittelt und Unbehagen beim Lesenden auslöst. Aufgrund der Feststellung, dass ich keine der Figuren sympathisch fand und dass die Geschichte trotzdem oder gerade deshalb einen faszinierenden Sog auf mich gewirkt hatte, muss ich das Buch wohl zu einem meiner Lieblingsbücher überhaupt zählen, oder zumindest als Kandidat meiner Favoriten diesen Jahres (2024)…

Cover des Buches Giovannis Zimmer (ISBN: 9783423282178)
herr_hygges avatar

Rezension zu "Giovannis Zimmer" von James Baldwin

Giovannis Zimmer
herr_hyggevor 3 Monaten

Dieser bemerkenswerte Roman ist mir hier bei Instagram schon einige Male über den Weg gelaufen, der ausschlaggebende Beitrag der mich zum kauf animierte kam letztlich von @fuxbooks (ja, ich sage es noch einmal, du bist Schuld und tausend Dank dafür 😘😉).
Worum geht es? Giovannis Zimmer handelt von Selbsthass und die verzweifelten Suche nach Liebe von jemandem der nicht lieben kann. Es geht und Selbstverleugnung und der mangelnden Fähigkeit sich einzugestehen wer man wirklich ist. Es geht um Scham, Intimität und Verlangen, alles verpackt in eine Geschichte über die tragische Liebe zwischen David und Giovanni, vor der Kulisse des Paris der 50er Jahre.
Wie der @dtv_verlag im Klappentext so treffend beschrieb brach James Baldwin 1956 mit diesem Roman gleich zwei Tabus, nämlich als schwarzer Autor über die Liebe zwischen zwei weißen Männern zu schreiben. Man kann von Glück sagen, dass er seinerzeit den Ratschlägen das Manuskript zu verbrennen nicht nachgekommen ist! Er galt als Ikone der Gleichberechtigung aller Menschen, ganz gleich welcher Hautfarbe, Religion oder welcher sexuellen Orientierung sie angehörten und ich finde ganz genau so schreibt er diese Geschichte. Denn es geht um die Menschen darin, um ihre Gefühle und Zweifel, nicht um das Tabuthema des schwul seins in einer Zeit in der selbiges noch verpönter war als es heute noch der Fall ist. Dabei bediente Baldwin sich klarer Formulierungen, die sowohl zärtlich, als auch energisch und wütend ein poetisches Ganzes schaffen! Ein großartiges kleines Meisterwerk.

Cover des Buches Nach der Flut das Feuer (ISBN: 9783423147361)

Rezension zu "Nach der Flut das Feuer" von James Baldwin

Zeitlos aktuell, eindringlich, zum Nachdenken
Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Monaten

„Du hast keine Veranlassung, so zu werden wie die Weißen, und es gibt nicht die geringste Grundlage für ihre unverfrorene Annahme, sie müssten Dich akzeptieren. Die schreckliche Wahrheit ist, mein Junge: Du musst sie akzeptieren.“ (Zitat Seite 38)

 

Inhalt

Diese Essaysammlung des US-amerikanischen Schriftstellers ist im Jahr 1962 unter dem englischen Titel „The Fire Next Time“ erschienen, der Tite der ersten Ausgabe in deutscher Sprache trug den Titel „Hundert Jahre Freiheit ohne Gleichberechtigung“, was eine der Kernaussagen von Baldwins Texten auf den Punkt brachte. Die vorliegende Neuauflage hält sich dagegen an den Originaltitel, ein Zitat aus dem Alten Testament. Dieses Buch umfasst zwei Abschnitte. Der erste Abschnitt trägt die Überschrift Mein Kerker bebte und enthält einen Brief an seinen Neffen zum hundertsten Jahrestag der Sklavenbefreiung. Der zweite Abschnitt trägt den Titel Vor dem Kreuz, Brief aus einer Landschaft meines Geistes und verbindet seine Erinnerungen, seine persönliche Erfahrungen mit seiner Einschätzung der amerikanischen Gesellschaft.

 

Umsetzung

James Baldwin schildert seine Jugend, seinen Weg in die Religion, von der er sich jedoch früh wieder abwendet, weil er die Verzweiflung und den Hass, den er dort vorfindet, nicht mit seinen Ansichten vereinbaren kann, dass es eine friedliche Lösung geben müsse, ein Annähern und gegenseitiges Verständnis, auch wenn er klar formuliert, dass dies ein sehr langer, mühevoller Weg für Amerika sein werde. Aus diesem Grund schließt er sich auch nicht der Black-Muslim-Bewegung an, fragt, ob Liebe nicht wichtiger sei, als die Hautfarbe und sieht die Zukunft Amerikas in einem Miteinander von Schwarz und Weiß. „Kurz gesagt brauchen wir, Schwarz und Weiß, einander dringend, wenn wir wirklich eine Nation werden wollen – um mit anderen Worten wirklich eine Identität zu erlangen, unsere Reife als Männer und Frauen.“ (Zitat Seite 117, 118) Das Buch beginnt mit einem Vorwort von Jana Pareigis und endet mit einer Nachbemerkung der Übersetzerin in Bezug auf die moderne Wortwahl einiger Begriffe.

 

Fazit

Baldwins eindrückliche Beobachtungen und Überlegungen waren nicht nur einhundert Jahre nach der formellen Abschaffung der Sklaverei in Amerika aktuell und zutreffend, sondern haben auch heute, einhundertfünfzig Jahre später, nichts von ihrer Brisanz verloren und dies nicht nur in Amerika, sondern analog auch in Europa.

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