Miriam Rosenlehner

 4,5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autorenbild von Miriam Rosenlehner (©Wolfgang John)

Lebenslauf

Miriam Rosenlehner ist Politikwissenschaftlerin und Lehrerin an einer Schule mit internationaler Schülerschaft. Das Thema Rassismus begleitet sie als Afrodeutsche bereits ein Leben lang persönlich und seit 25 Jahren auch in der Theorie. Rosenlehner, Jahrgang 1974, lebt und arbeitet in Bayern.

Sie schreibt bereits seit Ihrer Jugend. Ihr Sachbuchdebut gibt sie mit 'Was uns Rassismus nimmt'. Daneben entstehen ständig neue kurze und längere Texte. 

Botschaft an meine Leser

Liebe Leser*innen,

Nelson Mandela sagte einmal:

„Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen (…).“

In ‚Was uns Rassismus nimmt‘ erfahrt ihr z.B., wie wir Rassismus lernen und was wir jetzt anders machen müssen.

Ich freue mich über jede*n Leser*in und bin gespannt auf jedes Feedback. Fragt und lasst eure Gedanken und Eindrücke da. Schaut auch auf meinem Instagram-Account vorbei, kommentiert, liked, folgt oder lest euch durch meine Beiträge hier: https://www.instagram.com/faktengegenrassismus/

Ich freu mich auf euch!

Eure Miriam

Alle Bücher von Miriam Rosenlehner

Cover des Buches Was uns Rassismus nimmt (ISBN: 9783756269549)

Was uns Rassismus nimmt

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Erschienen am 22.07.2022

Neue Rezensionen zu Miriam Rosenlehner

Cover des Buches Was uns Rassismus nimmt (ISBN: 9783756269549)

Rezension zu "Was uns Rassismus nimmt" von Miriam Rosenlehner

Äußerst fundierter und evidenzbasierter Einstieg. Dem essayistischen Sprachstil kann ohne Vorkenntnisse gefolgt werden
Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Monaten

Rassismus ist in Deutschland kein Thema und wenn dann nur in rechten Parteien. So scheine viele Deutsche zu denken. Alltagsrassismus wird als solcher überhaupt nicht erkannt. Denn wenn man keine bösen, respektive rassistischen Intentionen hatte, dann kann es ja unmöglich rassistisch sein, so der weitverbreitete Aberglaube. Aus genau diesem Grund wird über den Negerkuss, den Mohr oder das Zigeunerschnitzel polemisiert. Aktuell konnte man die mehrheitsdeutsche Befindlichkeit in Bezug auf Rassismus bei der peinlichen Scheindebatte um „Winnetou“ beobachten. Wie so häufig kaperten oder initiierten rechte Medien und deren Trollgefolge die Diskussion. Rassismus ist dermaßen tief in den Sprachgebrauch und den Habitus der Deutschen eingebrannt, dass sie es nicht mal merken, wenn man es ihnen aufzeigt. Dann greifen sofort alle zur Verfügung stehenden Abwehrmaßnahmen. Miriam Rosenlehner zeigt viele dieser Abwehrmechanismen in „Was uns Rassismus nimmt“ auf. Eine der Stärken des Essays, das sich dem Thema Rassismus grundlegend nähert.

Zu Rassismus gibt es mittlerweile eine Menge Literatur. Sozialwissenschaftliche Untersuchungen und theoretische Arbeiten. Aber auch Bücher von Betroffenen, Biografien und natürlich auch Romane. Einer der bekanntesten Romane ist sicherlich „Wer die Nachtigall stört“. Romane sind ein sehr guter Einstieg, wenn man sich mit der Thematik beschäftigen möchte. Ist doch Empathie der wesentlichste Aspekt im Miteinander des Lebens. Und Romane können als Empathieschulung fungieren. Wer sich aber inhaltlich mit Rassismus beschäftigen möchte, wird angesichts der zahlreichen Möglichkeiten kaum wissen, wo zu beginnen. Und genau hier bietet Miriam Rosenlehner einen äußerst fundierten und evidenzbasierten Einstieg. Dem essayistischen Sprachstil kann ohne Vorkenntnisse gefolgt werden. Wer eine Einführung in das gesellschaftliche und psychologische Gesamtphänomen Rassismus sucht, ist hier gut beraten.

„Die Weiße Denkschule arbeitet wie Teflon“

Rosenlehner unterteilt ihre Studie in drei große Abschnitte. Wie kam die Ideologie des Rassismus in die Welt? Wie funktioniert Rassismus? Und was bedeutet Rassismus für Weiße Mehrheitsgesellschaften? Bei der Entstehungsgeschichte des Rassismus werde alle wesentlichen Aspekte aufgeführt und selbst als mit der Materie etwas Vertraute*r kann man noch reichlich lernen. Wer kennt zum Beispiel die Absurditäten des „Dreifünftelmenschen“? Und was sich absurd liest, fühlt sich für die Betroffenen nicht nur absurd an, sondern ist in seiner Wirkung lebensprägend und lebensbedrohend. Eine Perspektivenverschiebung die Rosenlehner jederzeit wiederholt, um nicht nur theoretisch über Rassismus zu sinnieren, sondern um ganz praktisch, die Lebenswirklicht der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und damit Bedeutung und Wirkmächtigkeit eines brutalen menschenverachtenden Konzeptes zu verdeutlichen. Das bedeutet für weiße Leser*innen aber auch sich permanent selbst zu reflektieren und sich von sich selbst und eigenen Wahrheiten zu distanzieren. Und eben nicht in die von Rosenlehner exemplarisch benannten Abwehrreflexe zu verfallen.

Natürlich ist es unangenehm, sich damit beschäftigen zu müssen, dass unsere Vorfahren, unsere Großeltern und Eltern, ja wir selbst permanent (Alltags-)Rassismus perpetuieren und reproduzieren. Vielleicht ungewusst, unbewusst und ungewollt, aber nichtsdestotrotz demütigend, ausgrenzend und abwertend. Nein Pipi Langstrumpfs Vater muss kein Negerkönig mehr sein. Jim Knopf muss nicht wie ein rassistisch geprägter Mohr aussehen und Negerküsse müssen auch nicht mehr so heißen. Es geht nichts von Wert verloren, wenn man hier Anpassungen vornimmt. „Wir sind ja auch alle keine Rassisten geworden, nur weil wir Negerküsse gegessen oder Astrid Lindgren gelesen haben“, hört man dann aus allen Ecken. Polemisch aus der rechten Ecke und ernsthaft empört, ob ihres kosmopolitischen Selbstbildes, aus der bürgerlichen Mitte. Aber um das weiße Selbstbild geht es überhaupt nicht. Es geht nicht darum, ob irgendjemand dadurch zum ideologischen Rassisten wird. Es geht darum, dass wir abwertende, rassistisch konnotierte Begriffe weiterbenutzen, als ob niemand dadurch benachteiligt oder getroffen wird.

Rassismus, Alltag und Emotionen

Es sind nicht selten die gleichen Leute die bei Schimpfwörtern wie Kartoffel oder Alman, von Rassismus gegen Deutsche fabulieren. Das Selbstbild vieler Deutscher ist dermaßen fragil, dass es aggressiv nach außen verteidigt wird. Wer sich von einem traditions- und geschichtslosen Begriff wie Kartoffel, und damit ja auch recht schwachem Schimpfwort, bereits emotional getroffen fühlt, wie soll es dann Menschen gehen, denen Begriffe zugeworfen werden, die auf jahrhundertelanger Ausbeutung, Folter, Gewalt und Menschenrechtsverbrechen fundieren. Das hat natürlich alles mit Machtbeziehungen zu tun. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt von Rassismus, den Rosenlehner in ihrem Buch ausführlich vorträgt. Denn neben den Abwehrmechanismen haben die weißen Mehrheitsgesellschaften über die Jahrhunderte natürlich auch zahlreiche Angriffstaktiken im Sprachgebrauch entwickelt, der die Bedürfnisäußerungen, Emanzipationsbestrebungen und Worterhebungen von Rassismus Betroffenen im Keime erstickt. So werden die Stimmen Nichtweißer zum Schweigen gebracht.

Eine der vielen Stärken des Buches liegt im Aufzeigen der vielen Varianten und Nuancen von Rassismus. Als Weißer, der sich sowohl wissenschaftlich als auch politisch viel mit Rassismus – Antirassismus beschäftigt hat, sind dennoch zahlreiche Aspekte für mich neu gewesen. Es ist die notwendige Perspektivveränderung bzw. -erweiterung, die man ohne entsprechende Hilfestellung kaum oder gar nicht selbst vornehmen kann. Ich kann mir zwar vieles vorstellen und versuchen es zu empfinden, aber dazu muss mir auch erst einmal gezeigt werden, was alles Thema ist! Denn was für die weiße Mehrheitsgesellschaft kaum eine emotionale Regung verursacht, kann für von Rassismus Betroffene schwere affektive Reaktionen hervorrufen.

Etwas beliebig und dennoch notwendig und wichtig

Bei der Auswahl der sozialpsychologischen Momente und Phänomene, die bei Rassismus eine Rolle spielen, ist die Stringenz und Kohärenz nicht ganz ersichtlich. Hier hat sich Rosenlehner etwas beliebig im Werkzeugkasten der Psychologie bedient. So wird zwar der Wahrnehmungsbias „kognitive Dissonanz“ aufgeführt, andere Verzerrungen aber nicht genannt. Sicherlich ist kognitive Dissonanz wichtig, aber vor allem ist es eher der prominenteste Bias, aber nicht unbedingt der wesentlichste oder wirkmächtigste. Der Self-serving Bias oder auch selbstwertdienliche Verzerrungen scheinen mir hier weitaus mehr Erklärungskraft zu besitzen. Auch sind manche Themen und Erkenntnisse der Psychologie weitaus weniger eindeutig, als sie hier formuliert werden, aber es ist ja auch kein psychologisches Lehrbuch, insofern ist das durchaus wohlwollend zu vernachlässigen. Entscheidender ist vielmehr, dass hier nichts Falsches wiedergegeben wird.

Auch bei den Praxisratschlägen zum Umgang mit Diskussionen oder Situationen, die rassistische Begriffe oder Denkweisen offenbaren, scheint mir die reelle Handhabung eher schwierig. Nicht weil ich die Vorschläge nicht sinnvoll finde oder gar die Sichtweise der Betroffenen für überbewertet empfinden würde, ganz im Gegenteil. Ich zweifle allerdings an der (Diskurs-)Bereitschaft der Mehrheitsgesellschaft, sich mit den Anliegen der Betroffenen, ihrer Sichtweise und ihren Empfindungen auseinanderzusetzen. Denn die Abwehr- und Angriffsmechanismen sind tief verankert im Habitus Weißer. Andererseits muss man ja irgendwo anfangen. Und das Buch von Miriam Rosenlehner ist ein ausgezeichneter Einstieg.

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